Klopps Watchparty in Herzogenaurach: sechs bis sieben Bildschirme, 44 Kandidaten, ein Wochenende vor der Laenderspielpause
Bundestrainer Juergen Klopp sichtet mit Sven Bender und Pep Lijnders am 4. Bundesliga-Spieltag in Herzogenaurach ueber sechs bis sieben Bildschirme seine 44 Kader-Kandidaten. Frankfurt und Freiburg stellen zehn davon.
Von Lukas Brandt 18. September 2026
Das Setup steht seit Donnerstagabend. In einem Raum im DFB-Trakt des Adidas-Betriebsgelaendes in Herzogenaurach hat der DFB sechs bis sieben Fernseher aufgebaut. Am Freitag, 19. September, wird auf ihnen der erste Anpfiff des 4. Bundesliga-Spieltags laufen. Am Sonntag ist der letzte Abpfiff eingeplant. Zwischen diesen beiden Punkten sitzt Bundestrainer Juergen Klopp mit seinen beiden engsten Trainer-Mitarbeitern Sven Bender und Pep Lijnders vor der TV-Wand und beobachtet die Spieler seines ersten DFB-Kaders - alle 44 Kandidaten aus fuenf Ligen. Die Sportschau nennt den Aufbau am 18. September beim Namen: Watchparty.
Der Rahmen ist keine Nebensache. Es ist das letzte Wochenende, an dem Klopps 44 Kader-Kandidaten in ihren Vereins-Aufstellungen sichtbar sind, bevor die 24 Spieler des ersten Kader-Blocks am Montag, 21. September, in Herzogenaurach zusammenkommen. Es ist der erste Datenpunkt, an dem Klopp die Debutanten seines Kaders in einer offiziellen Vereins-Pflichtsituation gegen aktuelle Bundesliga-Konkurrenz beobachten kann - fuer die Neulinge Felix Keidel (SV Elversberg, Kader 2), Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt, Kader 1), Bambase Conte (TSG Hoffenheim, Kader 1) und Nathaniel Brown (FC Bayern, Kader 1) ist es der Sichtungs-Datenpunkt zwischen Nominierung und Trainingslager.
Der Aufbau in Herzogenaurach: TV-Wand fuer den 4. Bundesliga-Spieltag
Der DFB nutzt Herzogenaurach seit 2022 als operativen Standort seiner A-Nationalmannschaft. Das Betriebsgelaende des Ausruesters Adidas ist Trainingslager, Presse-Zentrum und Uebernachtungs-Haus in einem. Fuer das Wochenende des 4. Spieltags ist der Sichtungs-Raum extra hergerichtet: sechs bis sieben Bildschirme parallel, Live-Signale aus Deutschland, England, Italien, Schottland und den Niederlanden. Damit sind alle fuenf Ligen abgedeckt, in denen Klopps 44 Kader-Kandidaten spielen.
Klopp selbst hat den Rahmen des Sichtungs-Auftrags in der Kaderansage am 17. September vorgezeichnet. Sein Ziel ist eine Auswahl, die Intensitaets-Fussball spielt - hohes Pressing, kollektives Umschaltverhalten, Ball zurueckerobern statt Ball zulassen. Das Wochenende dient dem Abgleich: Wer der 44 Kandidaten kann im Vereins-Rhythmus die geforderte Intensitaet zeigen. Zusaetzlich ist die Watchparty der letzte oeffentlich sichtbare Datenpunkt zur Startelf-Zusammensetzung fuer Amsterdam - drei Tage vor der ersten Trainingseinheit in Herzogenaurach.
Sven Bender und Pep Lijnders als Sichtungs-Assistenten
Neben Klopp beobachten seine engsten Vertrauten. Sven Bender, 37 Jahre alt, ehemals Sechser bei Borussia Dortmund unter Klopp (2009 bis 2014) und danach Kapitaen von Bayer Leverkusen, ist im Sommer 2026 als Co-Trainer an die DFB-Bank gerueckt. Bender ist der defensive Blick der Trainer-Bank. Er bewertet Positionsspiel gegen den Ball, Ballgewinns-Rhythmus, Zweikampf-Timing.
Pep Lijnders, 43 Jahre alt, ist Klopps rechte Hand aus den Liverpool-Jahren 2018 bis 2024. Der Niederlaender hat Klopp durch die Premier-League-Titel 2019/20 und die Champions-League-Kampagnen der Liverpool-Aera begleitet und ist mit ihm im Sommer 2026 direkt an die DFB-Bank gewechselt. Lijnders ist der offensive und athletische Blick - er bewertet Umschalt-Situationen, Sprint-Wiederholungen im engen Raum und den Zugriff auf zweite Baelle.
Dass beide beim Kader-Sichten dabei sind, ist bewusst gewollt. Klopps Sichtungs-Doktrin arbeitet mit Doppelblick: Er selbst pflegt den grossen Rahmen, Bender und Lijnders liefern die spezifische Positions-Bewertung. In Herzogenaurach werden die Notizen dieser drei Blicke im Anschluss abgeglichen und in die Trainingseinheit am Montag uebersetzt.
Der Bundesliga-Rahmen 4. Spieltag Fr-So 19-21.09: Bayern-Union und Frankfurt-Freiburg im Fokus
Der 4. Spieltag der Bundesliga-Saison 2026/27 startet am Freitag, 19. September 2026 um 20:30 Uhr: FC Bayern Muenchen gegen 1. FC Union Berlin. Fuer Klopps Kader-Sichtung ist die Partie ein Ballungsraum. In der Bayern-Startelf koennen bis zu neun DFB-Nominierte auflaufen - Kimmich, Musiala, Gnabry, Brown, Pavlovic, Bischof, Karl, Tah, Urbig. Bei Union sitzt Kevin Schade (Kader 1) auf der Bank oder wird nach seinem Sommer-Wechsel von Brentford in die Bundesliga in Startelf-Rotation gebracht.
Der Freitag-Anpfiff um 20:30 Uhr liegt zeitlich neben dem FC Brentford gegen FC Chelsea in der Premier League um 21:00 Uhr, in dem Vitaly Janelt (Kader 2) fuer Brentford spielt. Klopp hat damit an einem Freitagabend zwei Bildschirme mit relevanten Kader-Kandidaten parallel.
Der Samstag, 20. September um 15:30 Uhr, bietet die dichteste Sichtungs-Situation der Watchparty: Eintracht Frankfurt gegen SC Freiburg. In dieser Partie stehen sich das Frankfurter DFB-Sechserpack (bis zu sechs Klopp-Nominierte in der Startelf) und das Freiburger DFB-Quartett (Rosenfelder, Treu, Engelhardt, Scherhant) direkt gegenueber. Klopp hat es damit an einem Bildschirm gleichzeitig mit fast einem Viertel seines 44er-Kaders zu tun.
Der Sonntag, 21. September, ist der Konsolidierungs-Tag. Am spaeten Nachmittag laufen die restlichen Bundesliga-Partien, am Abend die zweite Runde der italienischen Serie A. Klopps Anpfiff am Montagmorgen im DFB-Trainingslager beendet die Watchparty.
Frankfurter Sechserpack: Atubolu, Burkardt, Ebnoutalib und drei weitere DFB-Kandidaten in einer Startelf
Eintracht Frankfurt stellt die aussergewoehnlich hohe Zahl von sechs deutschen Nationalspielern in der aktuellen Startelf. Torhueter Noah Atubolu (aus Freiburg per Leih-Modell mit Kaufpflicht in Hoehe von 13 Millionen Euro nach Frankfurt gewechselt) steht in Kader 2. Angreifer Younes Ebnoutalib, in Frankfurts Sturm zentral gesetzt, steht in Kader 1 - trotz des Marokko-Verband-Aergers ueber die deutsche Nominierung. Angreifer Jonathan Burkardt, Frankfurts zweiter Stuermer neben Ebnoutalib, steht in Kader 2. Dazu drei weitere Frankfurter im erweiterten DFB-Kreis nach Klopps Kader-Lesart.
Fuer Klopp ist der Frankfurter Block ein besonderer Sichtungs-Fall. In der Vorwoche hatte Frankfurt bei 1. FSV Mainz 05 mit einem 3:1-Auswaertssieg die Frankfurter Startelf-Personalien in Szene gesetzt - Atubolu haelt sein Tor, Burkardt und Ebnoutalib treffen. Ob Frankfurts Trainer Toppmoeller im Duell mit Freiburg dieselbe Startelf schickt oder rotiert, ist der Datenpunkt, den Klopp am Samstag 15:30 Uhr aus Herzogenaurach live liest.
Freiburger Kader-Quartett Rosenfelder, Treu, Engelhardt, Scherhant
Der SC Freiburg stellt vier Spieler im DFB-Kader - Max Rosenfelder (Kader 1, Abwehr), Philipp Treu (Kader 1, Abwehr), Yannik Engelhardt (Kader 1, Mittelfeld) und Derry Scherhant (Kader 2, Fluegel). Freiburg hat damit ein grosses Auslaende-Kontingent im DFB-Kader als der Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund und der Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig zusammen. Dass Klopp diese Auffaelligkeit oeffentlich gemacht hat, ist Teil des Sichtungs-Bogens: Der Bundestrainer will Freiburgs kollektiven Fussball-Ansatz als Vorbild fuer den Kollektiv-Fussball einer neuen DFB-Aera lesen.
Der Frankfurt-Freiburg-Termin am Samstag ist damit fuer beide Seiten des Klopp-Sichtungs-Rahmens die dichteste Beobachtungs-Stelle des Wochenendes. Am Ende der 90 Minuten wird Klopp mindestens zehn seiner 44 Kader-Kandidaten in einer einzigen Partie im direkten Vereins-Duell gesehen haben.
Legionaere unter Beobachtung: Baur (Celtic), Woltemade (Juve), Janelt (Brentford), Stach (Leeds)
Neben der Bundesliga-Sichtung laeuft die Legionaers-Ebene. Mika Baur (Celtic Glasgow), im Sommer aus Paderborn nach Schottland gewechselt, hat am Donnerstag in der Europa League beim 1:3 gegen Ferencvaros zum 1:1-Ausgleich getroffen - drei Tage nach seiner ueberraschenden DFB-Nominierung. Baurs Celtic hat am Sonntag, 21. September, das Old-Firm-Derby gegen die Glasgow Rangers - eine Partie, die Klopp auf einem der Bildschirme laufen laesst.
Nick Woltemade (Juventus Turin), im Sommer nach Turin gewechselt, hatte in derselben Europa-League-Nacht sein erstes Juve-Tor im 5:0 gegen NEC Nijmegen erzielt. Juventus spielt in der italienischen Serie A am Wochenende erneut - der Turiner Termin bewertet, ob Woltemade das Startelf-Debut aus dem Europa-League-Match in die Liga uebersetzt.
Vitaly Janelt (FC Brentford, Kader 2, Sechser) im Freitagabend-Duell mit dem FC Chelsea und Anton Stach (Leeds United, Kader 1, Sechser) im Premier-League-Wochenende sind die beiden Insel-Fixpunkte des Auslands-Sichtungs-Sets. Klopp hat in der Sportschau-Passage die Bedeutung dieser beiden Namen ausdruecklich unterstrichen: “Die hohe Intensitaet des englischen Fussballs kommt der Nationalmannschaft zugute.”
Klopp-Zitat “Wir sehen ganz viel Potenzial”: Kehrtwende gegenueber der Sommer-Diagnose
Der zentrale Satz des Sportschau-Berichts ist eine Diagnose-Aussage. “Wir sehen ganz viel Potenzial. Es ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen.” Klopp hat den Satz in Herzogenaurach im engen Kreis der Sichtungs-Session gesprochen, der Sportschau-Autor hat ihn im Nachgang zitiert. Der Ton unterscheidet sich deutlich vom Klopp-Sommer-Ton, in dem der Bundestrainer nach der WM 2026 die deutsche Spitzen-Substanz eher skeptisch bewertet hatte.
Klopp hat die Kehrtwende in demselben Bericht offen eingeraeumt. “Ich sei eigentlich oldschool, werfe aber alteingesessene Ansichten auch wieder ueber den Haufen.” Der Satz ist eine Selbst-Ironisierung im Klopp-Stil, hat aber inhaltlich Gewicht. Die 44er-Nominierung und die breite Debutanten-Zahl (13 Neulinge) stehen im Wortsinn fuer eine breitere Basis, als Klopp im Juli und August selbst vermutet hatte. Der Sichtungs-Auftrag der Watchparty ist die praktische Umsetzung dieser Diagnose-Revision: gruendlich hinschauen, bevor die Startelf steht.
Nach der Watchparty: Montag 21.09 Zusammenkunft, T-3d Amsterdam
Am Montag, 21. September 2026, endet die Watchparty. Um 12:00 Uhr MESZ ist Zusammenkunft der 24 Kader-1-Spieler in Herzogenaurach - Anreise, Empfang, Mannschafts-Meeting mit Klopp, erste leichte Einheit am Nachmittag. Am Dienstag, 22. September, folgt die erste voll integrierte Trainingseinheit. Am Mittwoch, 23. September, geht es per Charter nach Amsterdam.
Am Donnerstag, 24. September, 20:45 Uhr MESZ, spielt Klopps DFB in der Johan-Cruijff-Arena gegen Xavis Niederlande - das Bundestrainer-Debut Klopps und das Bondscoach-Debut Xavis in einer Partie. Die DFB-Auswahl laeuft im gruenen Auswaerts-Retro-Trikot der Adidas-Bringback-Kollektion aus dem WM-1990-Bogen auf.
Ob und wie viele der 44 Kader-Kandidaten in der Startelf oder im 23er-Match-Kader fuer Amsterdam stehen, entscheidet Klopp am Mittwochabend - nach dem Trainingslager und nach den Notizen aus dem Watchparty-Wochenende. Bis dahin laufen die Bildschirme in Herzogenaurach.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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