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Analyse

Messi, Ronaldo, Modric: Der letzte Tanz einer goldenen Generation

Messi, Ronaldo und Modric spielen bei der WM 2026 ihre wohl letzte. Was die drei noch wollen, was die Statistik sagt und welche Veteranen mitgehen.

Von Marco Feldmann 10. Juni 2026

Luka Modric im WM-Halbfinale 2022 gegen Argentinien (Foto: Zuma Press). In den USA, Kanada und Mexiko stehen sich die Spuren von Modric, Messi und Cristiano Ronaldo vermutlich ein letztes Mal kreuzweise auf der grossen Buehne. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Drei Trikots, drei Konfoederationen, eine Geschichte: Lionel Messi laeuft in Atlanta, Kansas City und Dallas auf, Cristiano Ronaldo in Houston und Miami, Luka Modric in Dallas, Toronto und Philadelphia. Im Sommer 2026 vereint die WM in den USA, Kanada und Mexiko die drei Spieler, die seit fast zwei Jahrzehnten Massstaebe gesetzt haben. Und sie vereint sie unter einer leisen, aber unmissverstaendlichen Klammer: dem Abschied.

Keiner der drei hat sich offiziell festgelegt. Aber das Alter, die Vertraege und der nuechterne Blick auf 2030 lassen wenig Spielraum. Wenn am 19. Juli im MetLife Stadium der Pokal hochgehalten wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzte gemeinsame Buehne dieser Generation zu Ende.

Lionel Messi: der Titelverteidiger, der nichts mehr beweisen muss

Messi reist als das, was Messi seit 2022 ist: amtierender Weltmeister. Acht Ballons d’Or, die Copa America 2021 und 2024, der lange ersehnte WM-Titel - die Sammlung ist komplett. In den USA spielt der 38-Jaehrige fuer Inter Miami, vor seiner Verletzung im Mai war er Topscorer der MLS mit zwoelf Toren und sieben Assists in 14 Spielen. Beim Generalprobe-Sieg gegen Island am 6. Juni in Auburn traf er noch einmal vom Punkt - und zeigte, dass der linke Fuss zur richtigen Zeit zurueck ist.

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hat den Kapitaen frueh aus dem letzten Vorbereitungsspiel genommen. “Leo macht gute Fortschritte, es sieht sehr gut aus”, sagte der Trainer in Auburn. Argentinien startet am 17. Juni in Kansas City gegen Algerien in der Gruppe J mit Algerien, Oesterreich und Jordanien. Auf dem Papier eine machbare Vorrunde - aber bei einem Titelverteidiger, sagt die Statistik seit 1962, gibt es keine machbaren Spiele mehr.

Messis sechste WM ist gleichzeitig die Buchungsbestaetigung eines neuen Rekords: noch nie hat ein Spieler an sechs Weltmeisterschaften teilgenommen. Antonio Carbajal, Rafael Marquez und Lothar Matthaeus standen bislang bei fuenf. Wenn Messi am 17. Juni in Kansas City das Feld betritt, springt die Marke offiziell auf sechs - geteilt mit einem Mann auf der anderen Seite des Atlantiks.

Cristiano Ronaldo: der WM-Titel als letzte Luecke

Ronaldo ist 41, spielt fuer Al Nassr in der Saudi Pro League und hat zuletzt 28 Tore in 30 Spielen erzielt. Roberto Martinez hat den Stuermer am 19. Mai in den Kader fuer die Gruppe K berufen, in der Portugal auf die DR Kongo, Usbekistan und Kolumbien trifft. Das Auftaktspiel steigt am 17. Juni in Houston.

Was Ronaldo bei seiner sechsten Weltmeisterschaft sucht, ist die einzige Luecke in seiner Vitrine. Fuenf Champions-League-Titel, die Europameisterschaft 2016, die Nations League 2019 und 2025, fuenf Ballons d’Or - bei der WM kam er in fuenf Anlaeufen nie ueber das Viertelfinale 2006 hinaus. In Katar 2022 musste er mitansehen, wie Goncalo Ramos beim Achtelfinale gegen die Schweiz fuer ihn auflief und einen Dreierpack erzielte. In Russland 2018 endete sein Turnier mit einem Hattrick gegen Spanien - und im Achtelfinale gegen Uruguay.

Martinez, ein bekennender CR7-Verfechter, traut seinem Kapitaen mehr zu als die meisten Beobachter: “Ronaldo hat eine voellig andere Mentalitaet. Ich kann mir vorstellen, dass er 2030 mit 45 seine siebte WM spielt.” Realistischer ist 2026. Bei der Generalprobe traf Ronaldo zuletzt gegen Deutschland (Halbfinale Nations League) und gegen Spanien (Finale Nations League) - das Selbstvertrauen ist da.

Luka Modric: der Kapitaen, der noch einmal Geschichte schreiben will

Modric ist 40, Kapitaen, traegt die Nummer 10 und spielt bei AC Milan, wo er in dieser Saison 32 Pflichtspiele machte. Am 26. April brach er sich den Jochbeinknochen - im Vorbereitungsspiel gegen Slowenien am 6. Juni stand er mit schwarzer Schutzmaske wieder auf dem Platz und traf aus 20 Metern. Kroatien gewann 2:1.

Sein WM-Auftakt steht am 17. Juni in Dallas gegen England, gefolgt vom Spiel gegen Panama am 24. Juni in Toronto und Ghana am 27. Juni in Philadelphia. Modric hat 2018 das WM-Finale erreicht - 2:4 gegen Frankreich. Sein Ballon d’Or 2018, eingeklemmt zwischen acht Auszeichnungen fuer Messi und fuenf fuer Ronaldo, war die Anerkennung dieses Turniers. Sechs Champions-League-Titel mit Real Madrid hat er gewonnen; bei der WM fehlt der Titel. In den USA visiert Modric im Turnierverlauf auch sein 200. Laenderspiel an.

Was sie schon haben - und was 2026 noch fehlt

Stellt man die Bilanzen nebeneinander, ergibt sich ein klares Bild. Messi hat seit Katar 2022 alles - und reist als der einzige, der den WM-Pokal verteidigen kann. Ronaldo fehlt genau dieser Pokal. Modric hat die Champions League sechsmal gewonnen, aber das WM-Finale 2018 verloren - die Trophaee ist auch fuer ihn die letzte grosse offene Frage.

Die Auslosung hat die drei in unterschiedlichen Vierteln des Turnierbaums platziert. Argentinien (J), Portugal (K) und Kroatien (L) koennen sich in der K.-o.-Phase frueh aus dem Weg gehen oder spaet aufeinandertreffen, je nachdem wie die Gruppen aufgehen. Ein Halbfinale Messi gegen Modric waere die Wiederholung von Doha 2022 - damals gewann Argentinien 3:0. Ein Finale Messi gegen Ronaldo waere die Krone der Karrieren-Symmetrie. Wahrscheinlich? Nein. Moeglich? Ja.

Die anderen Veteranen

Die Klammer der goldenen Generation reicht weiter als bis zu den drei Hauptdarstellern. Auch Manuel Neuer (40, Deutschland, Gruppe E) spielt seine fuenfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit letzte WM. Kevin De Bruyne (34, Belgien, Gruppe G) hat in Saudi Pro League gewechselt und steht vor seinem voraussichtlich letzten grossen Turnier mit den Roten Teufeln. Mohamed Salah (Aegypten, Gruppe G) ist 33 und fuehrt die Pharaonen nach der WM 2018 endlich wieder in das Turnier. Auch Sadio Mane (Senegal, Gruppe I) ist 34.

Es ist eine Generation, die das Spiel zwischen 2006 und 2026 gepraegt hat wie wenige zuvor. Was bleibt, ist die Frage, wer von ihnen den Sommer mit dem Pokal in der Hand beendet - und wer mit dem Wissen heimfaehrt, dass es das letzte Mal war. Die Antwort steht ab dem 11. Juni Spiel fuer Spiel zur Disposition.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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