Kroatien - Slowenien 2:1: Modric trifft, Pasalic-Joker entscheidet WM-Test in Varazdin
Kroatien gewinnt den letzten WM-Test 2:1 gegen Slowenien in Varazdin. Modric trifft in der 51., Sporar gleicht aus, Joker Pasalic schiesst in der 90.+3 das Tor.
Von Marco Feldmann 08. Juni 2026
Zehn Tage vor dem WM-Auftakt gegen England hat Kroatien seine letzte Generalprobe gewonnen. Vor heimischer Kulisse im Stadion Varteks in Varazdin setzte sich die Mannschaft von Trainer Zlatko Dalic am Sonntagabend, 7. Juni 2026, mit 2:1 gegen Nachbar Slowenien durch. Luka Modric brachte den Vize-Weltmeister von 2018 in der 51. Minute nach Vorlage von Ivan Perisic in Fuehrung, Andraz Sporar glich fuer Slowenien in der 83. Minute aus. Den Siegtreffer schoss der ebenfalls eingewechselte Mario Pasalic in der dritten Minute der Nachspielzeit nach einem Zuspiel des Muenchner Bayern-Profis Josip Stanisic.
Termin, Stadion und Ergebnis: Kroatien - Slowenien 2:1 im Ueberblick
- Datum: Sonntag, 7. Juni 2026
- Spielort: Stadion Varteks, Varazdin (Heimstadion NK Varazdin im Norden Kroatiens, knapp 100 Kilometer von Zagreb entfernt)
- Wettbewerb: Internationales Freundschaftsspiel (WM-Generalprobe)
- Endstand: Kroatien 2:1 Slowenien (Halbzeit 0:0)
- Tore: 1:0 Modric (51., Vorlage Perisic), 1:1 Sporar (83., nach Baturina-Fehlpass), 2:1 Pasalic (90.+3, Vorlage Stanisic) Slowenien-Aufstellung: Oblak - Karnicnik, Bijol, Drkusic, Janza - Gnezda Cerin, Lovric - Begic, Ratnik, Sturm - Vipotnik. Eingewechselt u.a. Sporar (Schlussphase).
Aus deutscher Sicht relevant: Auf kroatischer Seite standen mit Josip Stanisic (FC Bayern Muenchen), Joker Andrej Kramaric (TSG Hoffenheim) und dem in der zweiten Halbzeit eingewechselten Igor Matanovic (SC Freiburg) drei Bundesliga-Profis auf dem Platz - Sloweniens Schlussmann Jan Oblak (Atletico Madrid) und Innenverteidiger Jaka Bijol sind die international bekanntesten Namen.
Modric 51. - der 40-Jaehrige bringt Kroatien in Fuehrung
Die erste Halbzeit verlief torlos und vorsichtig - eher abtastend als attackierend. Slowenien stand kompakt in einem 4-1-4-1 mit Gnezda Cerin als alleinigem Sechser, Kroatien suchte ueber den Aussenbahn-Routinier Perisic den Tiefenpass, fand aber nur selten Loecher. In der Pause stellte Dalic im Mittelfeld nach - und das Bild aenderte sich sofort.
Nach 51 Minuten kam der Moment, der das Spiel auf den Kopf stellen sollte. Perisic auf links spielte einen flachen Pass in den Halbraum, Luka Modric verschob sich gegen den Lauf, kontrollierte den Ball und zog ab. Sein Schlenzer schlug zum 1:0 ein. Es war einmal mehr der 40-Jaehrige, der das Mittelfeld der Vatreni so organisiert, als sei das eine Selbstverstaendlichkeit. Modric stellt damit unter Beweis, was die kroatische Fussballwelt seit Wochen diskutiert: Wenn dieses Turnier sein letztes wird, will er dort nicht als Statist, sondern als Komponist auftreten.
Sporar 83., Pasalic 90.+3 - das Joker-Duell entscheidet das Spiel
Mit der Fuehrung im Ruecken setzte Kroatien auf Kontrolle, aber das Tempo bekam Risse. In der 83. Minute beendete Andraz Sporar (Panathinaikos), kurz zuvor fuer Vipotnik eingewechselt, eine Kette aus zwei kroatischen Halb-Fehlern: Erst spielte Baturina den Ball halbhoch in den eigenen Sechzehner, dann sortierte sich die Innenverteidigung um Sutalo falsch zu - Sporar nahm das Geschenk an und schob am hervorragenden Dominik Livakovic vorbei zum 1:1. Sloweniens Stille-im-Stadion-Moment.
Doch Dalic hatte zum perfekten Zeitpunkt nachgelegt. Sieben Minuten vor Schluss kam Mario Pasalic in die Partie, in der 90.+3 Minute fand der Atalanta-Profi nach einem Steckpass von Josip Stanisic Platz halblinks vor dem slowenischen Strafraum. Pasalic liess Drkusic mit einer kurzen Koerpertaeuschung stehen und schoss flach ins linke Eck. Das Tor, das Dalics Vorbereitungsphase rettete - und ein lautes Argument fuer Pasalics Joker-Rolle in der Gruppenphase.
Was die Generalprobe fuer Kroatiens England-Auftakt heisst
Drei Eindruecke aus 90 Minuten in Varazdin.
Erstens: Dalic hat das Mittelfeld neu sortiert. Mit Modric als hochstehendem Achter, Mateo Kovacic als Sechser und Petar Sucic als ballfuehrendem Box-to-Box-Spieler steht der Plan fuer Dallas. Pasalic ist nach diesem Treffer ein Argument fuer einen Startelf-Platz - oder mindestens fuer Dalics A-Joker-Karte gegen England.
Zweitens: Die Defensive bleibt das Sorgenkind. Nach den Niederlagen gegen Belgien (0:2 in Rijeka) am 2. Juni und Brasilien (1:3, 31. Maerz in Orlando) brachte die Innenverteidigung um Sutalo erneut nicht die geforderte Sauberkeit. Das Sporar-Tor war vermeidbar - Baturinas Fehlpass im Aufbau wird Tuchels Analysten interessieren. Gegen englische Konter-Achterketten um Bellingham, Foden und Saka braucht Kroatien eine wesentlich straffere Ballverteilung.
Drittens: Modric und Perisic tragen das Vertrauen. Beide standen ueber 70 Minuten auf dem Platz, beide waren am Fuehrungstreffer direkt beteiligt. Was nach den beiden Niederlagen wackelte - dass die Vize-Weltmeister-Generation 2018 wirklich noch ein letztes Turnier traegt - bekam in Varazdin eine selbstbewusste Antwort.
Bundesliga-Klammer: Stanisic, Kramaric, Matanovic
Aus deutscher Sicht bietet der kroatische WM-Kader 2026 mehr Bundesliga-Bezuege als die meisten anderen Gegner der Gruppe L. Josip Stanisic (Bayern Muenchen) gab die Vorlage zum Siegtreffer, Andrej Kramaric (TSG Hoffenheim) wurde in der 75. Minute fuer den jungen Musa eingewechselt, Igor Matanovic (SC Freiburg) kam in der Schlussphase und brachte Tempo auf den rechten Aussenposten. Drei Profile, die das deutsche Publikum kennt - und drei Spieler, die in den naechsten Wochen den Brueckenkopf zur kroatischen Mannschaft fuer deutsche Beobachter darstellen werden.
Mehr Hintergrund zum Personal liefert der Kroatien-WM-Kader 2026 von Dalic mit Modric und Vuskovic.
Sloweniens Sicht: Kek bekommt einen Punkt verwehrt
Fuer Slowenien war es ein Spiel mit Defensivnoten und ohne klare Offensivlinie. Trainer Matjaz Kek liess in einem disziplinierten 4-1-4-1 verteidigen und kam bis zur 80. Minute kaum zu klaren Chancen. Sporars 1:1 war fast schon ein Geschenk und passte zur taktischen Anlage des Tages: zu Null halten, dann auf Standards und Sekundenmomente bauen.
Dass Slowenien am Ende verlor, lag weniger an der eigenen Linie als an der Joker-Magie auf der Gegenseite. Kek nimmt aus dem Test mit, dass seine Abwehr um Jaka Bijol und Vanja Drkusic gegen Top-Mittelfelder bestehen kann - aber das letzte Quaentchen an Tempo gegen Spieler vom Schlage Pasalics fehlt. Slowenien hat die WM 2026 nicht erreicht und nutzte das Spiel vor allem als Standortbestimmung fuer die Nations-League- und EM-Quali-Phase im Herbst.
Fazit
Kroatien hat den richtigen Test zur richtigen Zeit gewonnen. Modrics Tor war ein Statement, Pasalics Schluss ein Geschenk an Dalics Trainerstab. Wer den Vorbericht zu England gegen Kroatien und das Aussenseiter- und Geheimfavoriten-Bild rund um Marokko und Kroatien liest, sieht: Die Erwartungshaltung an die Vize-Weltmeister von 2018 ist nach zwei Niederlagen gegen Brasilien und Belgien gesunken - der Generalproben-Sieg in Varazdin rueckt sie zumindest wieder in den Korridor, in dem Kroatien jeder Gegner unangenehm bleibt. Am 17. Juni um 22:00 Uhr MESZ in Dallas wird sich zeigen, ob das gegen Englands WM-Schluesselspieler Bellingham und Co. reicht.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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