Mexiko - England 2:3: Bellingham-Doppelpack, Quansah-Rot und ein Azteca-Spektakel
England schlaegt Mexiko im WM-Achtelfinale 3:2. Bellingham-Doppelpack in 98 Sekunden, Quansah sieht Rot, Kane und Jimenez treffen vom Punkt im Azteca.
Von Marco Feldmann 06. Juli 2026
England hat Gastgeber Mexiko am Sonntag/Montag, 5./6. Juli 2026, im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt mit 3:2 aus der WM 2026 geworfen und steht damit im Viertelfinale. Jude Bellingham traf in der 36. und 38. Minute binnen 98 Sekunden zum Doppelpack, Julian Quinones verkuerzte in der 42. Minute per Volley zum 1:2. Nach der Roten Karte fuer Jarell Quansah in der 54. Minute wegen einer VAR-korrigierten Fusssohlen-Attacke gegen Jesus Gallardo verwandelte Harry Kane in der 60. Minute einen Foulelfmeter zum 3:1, Raul Jimenez verkuerzte in der 69. Minute ebenfalls per Elfmeter zum 3:2-Endstand. Der Anpfiff war wegen eines Gewitters ueber der mexikanischen Hauptstadt von 02:00 MESZ auf 03:00 MESZ (19:00 Ortszeit) verlegt worden - der Kontext dazu in unserem Anpfiff-Verzoegerung-Text. Schiedsrichter der Partie war der iranische Referee Alireza Faghani. Vor 80.824 Zuschauern im Estadio Azteca gab es damit die naechste Aguirre-Enttaeuschung im Achtelfinale, wie sie Mexiko bei einer Weltmeisterschaft im eigenen Land eigentlich nicht mehr passieren durfte.
Der Ablauf: Wetter-Verlegung, Bellingham-Doppelpack in 98 Sekunden
Die Partie begann mit Verspaetung. Das Turnier-Direktoren-Team unter Colin Smith hatte am Sonntagabend Ortszeit den Anpfiff wegen eines Blitzeinschlag-Risikos ueber dem Estadio Azteca um eine volle Stunde von 19:00 CDT auf 20:00 CDT verlegt - die dritte Wetter-bedingte Anpfiff-Anpassung dieser WM (siehe Anpfiff-Verzoegerung-Kontext). Die 80.824 Zuschauer wurden in die Innen-Umlaeufe des 1966 eroeffneten Ovals gebeten. Als der Ball rollte, standen beide Kader trotz einer Regenpause bereit; Tuchel hatte gegenueber der Gruppenspiel-Aufstellung Bukayo Saka fuer den zuletzt formschwachen Marcus Rashford in die rechte Offensive gerueckt, Aguirre setzte auf die tempostaerkere Variante mit Julian Quinones an der Spitze statt des zuletzt gesetzten Santi Gimenez.
Die ersten 20 Minuten dominierte Mexiko. Raul Jimenez schoss aus der 4. Minute den ersten Warnschuss aus 20 Metern in die rechte obere Ecke - Jordan Pickford boxte den Ball mit einer schnellen Reaktion um den Pfosten. In der 12. Minute konnte der Everton-Keeper einen abgefaelschten Kopfball des Kapitaens erneut mit einer glaenzenden Rettungsparade abwehren. Es war der Auftakt zu einem grossen Pickford-Abend, der im Bellingham-Kontext-Text im Vorfeld bereits skizziert war.
England arbeitete sich in die Partie und schlug in Halbzeit eins doppelt zu. In der 36. Minute trieb Anthony Gordon ueber die linke Aussenbahn Tempo auf, spielte auf Kane und liess Bukayo Saka an der rechten Grundlinie beschleunigen. Saka drueckte die Linie und flankte scharf ins Zentrum, wo Bellingham am zweiten Pfosten aus etwa acht Metern per Kopf ins lange Eck einkoepfte. Torhueter Raul Rangel kam nur noch mit den Fingerspitzen hin. 0:1 - und die Ohrfeige fuer das Azteca.
Nur 98 Sekunden spaeter, in der 38. Minute, war die Partie schon fast entschieden. Kane erhielt an der Sechzehnerkante von Declan Rice zugespielt, drehte sich mit dem Ruecken zum Tor an Ausbeuter Nestor Araujo vorbei und spielte flach in den Rueckraum. Bellingham drueckte den Ball aus etwa 14 Metern mit dem rechten Innenrist links flach in die Ecke - Rangel machte eine ungluckliche Figur, kam aber schlicht zu spaet. Es war Bellinghams sechster WM-2026-Torbeitrag und ein Statement des 23-jaehrigen Real-Madrid-Zehners: Die eigene WM begann fuer ihn erst jetzt.
Der Bruch: Quinones-Volley, Quansah-Rot und zwei Elfmeter in neun Minuten
Statt in die Halbzeit-Pause zu kommen, kam Mexiko in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit noch zurueck. In der 42. Minute trat Hirving Lozano am rechten Sechzehnereck einen Freistoss halbhoch ins Zentrum, den John Stones nur ungenuegend klaerte. Julian Quinones trat mit dem Vollspann aus etwa sieben Metern zum halbtechnischen Volley an, drueckte den Ball an Pickford vorbei ins linke lange Eck. 1:2 - das Estadio Azteca stand kopf, die Mexiko-Fans hatten in ihrem Kollektivgedaechtnis die Turnier-Vorgeschichte-Erinnerung an das Gruppenspiel gegen Suedafrika. Mit dem Anschluss ging es in die Pause; die Halbzeit-Show mit lokalen Ska-Bands ueberbrueckte die Pause.
In Halbzeit zwei begann Mexiko frueh mit Druck. In der 50. Minute klaerte Marc Guehi vor der Torlinie einen abgerutschten Rangel-Konter-Vorstoss. In der 54. Minute kam die Wende-Szene: Jesus Gallardo startete an der Aussenbahn, Jarell Quansah kam mit ausgestreckter Fusssohle spaet und traf die Wade des mexikanischen Linksverteidigers voll. Referee Alireza Faghani zog zunaechst Gelb, wurde vom VAR-Team an den Monitor gebeten und wandelte die Karte nach der Ansicht in Rot um. Tuchel schwenkte auf eine 4-4-1 mit Kane als Solitaer um und stellte defensiv um.
Statt Mexiko in die Sechzehnerspiel-Belagerung zu schicken, ging aber England in der Ueberzahl aggressiv nach vorne - mit Erfolg. In der 60. Minute klaerte Rangel einen langen Pickford-Abschlag mit dem Kopf zu kurz, Anthony Gordon stiess in den Freiraum, wurde vom herausgeeilten Rangel im Strafraum von den Beinen geholt. Faghani entschied auf Elfmeter, ohne VAR-Ueberpruefung. Harry Kane trat an, verwandelte flach in die linke Ecke, Rangel war zwar in der Ecke, brachte den Ball aber nicht heraus. 3:1 - der Doppel-Torschuetze war jetzt wieder Kane, wie in unserem Kane-Ballon-d’Or-Text prognostiziert.
Der Jubel war kurz. In der 69. Minute klaerte Kane an der Sechzehnerkante einen langen Aguirre-Freistoss unglaubwuerdig, kam am eingewechselten Brian Gutierrez zu spaet und traf den mexikanischen Rechtsaussen am Fussgelenk. Faghani zeigte nach kurzer Wartephase auf den Punkt, VAR bestaetigte die Entscheidung. Raul Jimenez trat an, schoss flach in die linke Ecke - 3:2. Es war Mexikos einziger Weg zurueck in die Partie und ein 34-jaehriger Kapitaen, der die 2019er-Schaedelfraktur endgueltig hinter sich gelassen hat.
Pickford - die Wieder-Erstarkung des englischen Torhueters
Zwischen der 69. und der 90. Minute war es fast ausschliesslich Mexiko: Pickford wehrte einen Jimenez-Kopfball aus vier Metern (74. Minute) reflexartig ab, boxte einen Cesar Montes-Kopfball nach Ecke ueber die Latte (82. Minute), fischte einen abgerutschten Quinones-Volley aus der langen Ecke (87. Minute). Der Everton-Torhueter, in den ersten drei WM-Partien der Three Lions oefter kritisiert worden als je zuvor in seiner Nationalelf-Karriere, spielte an diesem Abend das Gesicht des englischen 3:2. 9/10 vergab Goal.com nach der Partie. Tuchel bilanzierte im Interview: “Wir haben heute alles gebraucht, was wir hatten - und Jordan hat es geliefert.”
In der 90+3. Minute hatte Mexiko die letzte grosse Chance, als Diego Lainez an der Strafraumkante frei kam und einen Distanzschuss versuchte, den Pickford mit dem Fuss zur Ecke lenkte. Die Ecke wurde ausgespielt, England kam kurz in Ballbesitz - dann pfiff Faghani ab. 80.824 Zuschauer im Azteca gaben ihrer Elf einen respektvollen Applaus, waehrend die Kabinenkameras Neuer-Kollege Pickford minutenlang zum Kollektiv-Ziel eines langen Baenderdehnens am Boden zeigten.
Aguirre-Bilanz - Mexiko scheitert erneut am Achtelfinale
Fuer den Gastgeber Mexiko ist das Turnier damit im Achtelfinale zu Ende - ein wiederkehrendes Muster. Seit dem Viertelfinale 1986 im eigenen Land (0:0 nach Verlaengerung, 1:4 im Elfmeterschiessen gegen Deutschland) hat der Verband bei jeder folgenden WM-Teilnahme das Achtelfinale erreicht - und ist jedes Mal dort gescheitert. Auch die Heim-WM 2026, die im ersten Aufeinandertreffen der drei Ausrichter-Nationen (Eroeffnungsspiel gegen Suedafrika) an der Azteca-Symbolik alles hergab, endet an derselben Klippe.
Trainer Javier Aguirre, in seiner dritten Amtszeit als Bundestrainer und mit einem bis 2027 laufenden Vertrag ausgestattet, sprach in der Sportschau-Interviewzone von einem “unwuerdigen Ausscheiden vor 80.000 Menschen”: “Wir haben in der ersten Halbzeit zu passiv verteidigt und England das zweite Tor geschenkt. Danach war die Partie zu offen. Ich uebernehme die Verantwortung.” Die Frage seiner Verlaengerung um vier weitere Jahre werde die Verbandsspitze in den kommenden Wochen ergebnisoffen behandeln.
Fuer Jimenez war es die vierte WM als Kapitaen und wahrscheinlich die letzte in eigener Sache - der Fulham-Angreifer wird im Sommer 2026 35 Jahre alt und hat einen Vereinsvertrag nur noch bis Sommer 2027. Der Rest des mexikanischen Kaders um Julian Quinones (28), Cesar Montes (29) und Hirving Lozano (30) rutscht in eine Verjuengungs-Phase, die einen neuen Zyklus bis zur Copa America 2028 im Blick hat. Auch der Ochoa-Kontext im Vorfeld hatte die Uebergangs-Rolle der aktuellen Generation skizziert.
Ausblick Viertelfinale Miami - England vs Norwegen
England trifft am Samstag, 11. Juli 2026, um 23:00 MESZ im Hard Rock Stadium in Miami auf Norwegen, das sich am Sonntagabend im MetLife Stadium 2:1 gegen Brasilien durchgesetzt hat (siehe Norwegen-Brasilien-Spielbericht). Es ist das erste WM-Aufeinandertreffen der beiden Nationen. Norwegen kommt mit Erling Haaland (sieben Turniertore, gleichauf mit Messi und Mbappe an der Spitze der Torjaegerliste) und dem in New York eingewechselten Wunder-Torhueter Oerjan Nyland, England mit einem Bellingham-Kane-Gordon-Trio, das in Mexiko-Stadt in beiden Halbzeiten Momente hatte.
Tuchels Personalfragen fuer Miami: Jarell Quansah ist gesperrt, was Marc Guehi in die zentrale Innenverteidigung zurueckdruckt und John Stones an die rechte Innen-Position bringt. Reece James faellt weiterhin mit dem Muskelfaseranriss aus der Gruppenphase aus, sodass Kyle Walker die rechte Aussenbahn uebernimmt. Anthony Gordon, der gegen Mexiko wieder eine ueberragende Partie ablieferte, wird sicher weiter starten. Der Sieger der Miami-Partie zieht ins Halbfinale am 16. Juli in Atlanta ein und trifft dort auf den Sieger aus den Wave-2-Achtelfinal-Partien Portugal-Spanien (Sonntag, 6. Juli, 21:00 MESZ, Dallas) und USA-Belgien (Montag, 7. Juli, 02:00 MESZ, Seattle).
Fuer die deutschen Fans, die am Freitag mit dem eigenen WM-Aus in New Jersey konfrontiert waren (siehe DFB-Finanzen-Kontext), ist das Miami-Viertelfinale erstmals seit Jahren wieder eine Partie ohne DFB-Beteiligung, die man mit voller Neutralitaet verfolgen kann. MagentaTV uebertraegt live. Der Sonntagabend-Termin passt fuer den deutschen Sportfernseh-Zuschauer perfekt.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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