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WM 2026

Schulfrei und Homeoffice in Mexiko-Stadt: Sheinbaum macht den WM-Auftakt zum Feiertag

Mexiko-Präsidentin Sheinbaum verordnet für den 11. Juni 2026 in der Hauptstadt schulfrei und Homeoffice. Eröffnungszeremonie im Azteca um 19:30 Uhr MESZ, Shakira singt erstmals 'Dai Dai' live, Anpfiff 21:00 Uhr MESZ.

Von Marco Feldmann 10. Juni 2026

Mexiko-Präsidentin Claudia Sheinbaum bei einer Pressekonferenz im Nationalpalast. Per Dekret macht sie den 11. Juni 2026 in der Hauptstadt faktisch zum WM-Feiertag. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist die ungewöhnlichste Variante eines Behördenwegs: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat per Präsidialerlass entschieden, dass die Hauptstadt am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, weitgehend stillsteht. Schulen und Universitäten in Mexiko-Stadt fallen aus, Bundesbeamtinnen und -beamte sollen ins Homeoffice wechseln, Privatfirmen werden ausdrücklich gebeten, dasselbe zu tun. Hintergrund ist das WM-Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika im Estadio Azteca mit Anpfiff um 21:00 Uhr MESZ - und vor allem die vorgelagerte Eröffnungszeremonie um 19:30 Uhr MESZ.

Der Erlass wurde am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bekannt gegeben, also keine 30 Stunden vor dem ersten WM-Pfiff in Mexiko-Stadt. Er gilt ausschließlich am Donnerstag und ausschließlich für das Stadtgebiet der Ciudad de México. Die rechtliche Konstruktion: Sheinbaum hat als Bundespräsidentin den Bundesdienst entlastet, die Stadtregierung unter Clara Brugada zieht für Schulen, Universitäten und Verwaltung der Hauptstadt nach. Beide Ebenen begründen das identisch: der erwartete Andrang von Azteca-Besuchern, FIFA-Delegationen, Medien, Sponsoren und Schaulustigen würde den Berufsverkehr und das Metrosystem der 22-Millionen-Metropolregion in einen Ausnahmezustand versetzen, der praktisch nicht steuerbar wäre.

Was Sheinbaum am 10. Juni dekretiert hat

Der Erlass hat drei Komponenten. Erstens: Sämtliche bundesstaatlichen Schulen und Universitäten im Bundesdistrikt Ciudad de México sind am 11. Juni geschlossen. Zweitens: Bundesbeamtinnen und -beamte sollen, soweit ihre Tätigkeit das erlaubt, von zu Hause arbeiten. Drittens: Die Bundesregierung “ersucht” private Unternehmen, das Gleiche zu tun. Diese dritte Komponente ist eine Empfehlung, kein Befehl - was Wirtschaftsverbände in Mexiko-Stadt nicht daran hindert, ihren Mitgliedern noch am Mittwochabend Ortszeit nahezulegen, dem Aufruf zu folgen.

Ausgenommen sind alle Berufe der kritischen Infrastruktur. Konkret nennt der Erlass Ärztinnen und Ärzte, Polizei, Katastrophenschutz und Rettungsdienste sowie das Personal von Wasser-, Strom-, Verkehrs- und Telekommunikationsbetrieben. Auch die Notdienste der Schulen bleiben besetzt. Wer Kinder hat und arbeiten muss, kann sie zur Notbetreuung an die Stamm-Schule bringen.

Eröffnungszeremonie um 11:30 Uhr Ortszeit - Shakira singt erstmals “Dai Dai” live

Die FIFA hat den Programmkern der Eröffnungszeremonie an die kolumbianische Sängerin Shakira vergeben. Sie wird den offiziellen WM-Song 2026 mit dem Titel “Dai Dai” zum ersten Mal live aufführen. Beginn der Zeremonie ist 11:30 Uhr Ortszeit Mexiko-Stadt - 19:30 Uhr MESZ. Sie dauert nach Plan rund eine Stunde, ehe der Sport übernimmt.

Shakira ist 2026 nicht der einzige musikalische Mosaikstein, aber sie ist der prominenteste. Die FIFA verweist auf eine Inszenierung, die die Drei-Länder-Verbindung von Kanada, Mexiko und den USA als Erzählrahmen nutzt; weitere Acts und der Choreografie-Plan sind bis zum Abend des 10. Juni MESZ nicht offiziell bestätigt. Für die Sängerin selbst ist der Auftritt symbolisch: bereits bei der WM 2010 in Südafrika (“Waka Waka”) und 2014 in Brasilien (“La La La”) gehörte sie zum musikalischen Standardrepertoire. 2026 ist sie der erste Live-Auftritt von “Dai Dai” überhaupt.

Anstoß 21:00 Uhr MESZ - Mexiko gegen Südafrika im Azteca

Anpfiff im Estadio Azteca ist um 13:00 Uhr Ortszeit, in Deutschland 21:00 Uhr MESZ. Es ist die dritte WM-Eröffnungspartie für das Stadion - ein historisches Alleinstellungsmerkmal, das in keiner anderen Arena der Welt existiert (siehe der Hintergrund zu Azteca und der WM-Geschichte). Die ARD überträgt live, Anstoßzeiten der gesamten Vorrunde stehen im Zeitplan in deutscher Zeit.

Sportlich geht Mexiko als Favorit ins Spiel - der WM-Rechner liest 45,4 Prozent Siegwahrscheinlichkeit für die Gastgeber, ein 1:1 als wahrscheinlichste Ergebnisrange (Details im Match-Vorbericht). Trainer Javier Aguirre setzt im Erwartungs-System auf das Sturmduo um Santiago Giménez und Hirving Lozano; Südafrika unter Hugo Broos schickt eine erfahrene Achse um Ronwen Williams ins Rennen.

Verkehrslogistik: warum die Hauptstadt entlastet werden muss

Mexiko-Stadt ist die größte spanischsprachige Stadt der Welt - die Metropolregion zählt rund 22 Millionen Menschen. Das öffentliche Verkehrssystem (Metro, Metrobús, Cablebús) bewegt an einem normalen Werktag rund 4,5 Millionen Fahrgäste, der Berufsverkehr beginnt vor 7 Uhr Ortszeit. Mit einem WM-Auftakt um 13:00 Uhr Ortszeit und einer Zeremonie ab 11:30 Uhr würde sich der Mittagsanstieg an den Stationen rund um den Azteca-Komplex (Tlalpan, Coyoacán, Xochimilco) frontal mit dem regulären Berufsverkehr überlagern.

Das Azteca fasst 83.000 Zuschauer, hinzu kommen Tausende ohne Ticket, die rund um das Stadion zusammenkommen werden. FIFA und Bundespolizei rechnen mit zusätzlichen Großgruppen an den Public-Viewing-Punkten am Zócalo (Hauptplatz) und am Monumento a la Revolución. Wer den Berufsverkehr aus dem ÖPNV-Bild nimmt, vermeidet die Überlastung - das ist die Logik des Erlasses.

Hinzu kommt der politische Druck. Die Hauptstadt erlebt seit Monaten parallel laufende Proteste - streikende Lehrer der CNTE-Gewerkschaft sowie Angehörige aus dem Ayotzinapa-Fall, die mit Sabotage der WM-Eröffnung gedroht haben. Auch unter diesem Aspekt ist es für die Regierung leichter, am Donnerstag eine möglichst dünne Berufsbevölkerung in der Innenstadt zu haben.

Politischer Kontext: Sheinbaum, FIFA und die Eröffnungswoche

Der Erlass ist Sheinbaums sichtbarster WM-Akt vor dem Anpfiff. Die Präsidentin steht seit ihrer Amtsübernahme im Oktober 2024 unter dem Vorzeichen, dass die WM 2026 die größte logistische und Image-Probe Mexikos seit dem WM-Finale 1986 ist. Mexiko richtet 13 der 104 Spiele aus - das Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt sowie weitere Spiele in Guadalajara und Monterrey. Ein gelungener Auftakt im Azteca ist für die Innenpolitik unbezahlbar.

Auf FIFA-Seite ist Präsident Gianni Infantino am Donnerstag persönlich im Azteca - die Verbandskommunikation begleitet den Tag mit eigener Bühnenpräsenz. Sheinbaum wird die offizielle Begrüßungsrede halten. Das mexikanische Innenministerium hat die Sicherheitsstufe für die Hauptstadt bereits am Dienstag erhöht, die Bundesgarde unterstützt die Stadtpolizei am Stadion und an den Public-Viewing-Punkten.

Für Reisende aus Deutschland heißt der Erlass: Wer am Donnerstag rund um den Azteca-Komplex unterwegs ist, muss mit Verkehrslenkungen, gesperrten Zufahrten und einer abweichenden Metro-Taktung rechnen. Die Stadtregierung empfiehlt offiziell, das Stadion mit der Metro Línea 2 (Station Tasqueña) plus Tren Ligero zu erreichen - mit erweitertem Sicherheitsfilter und entsprechend mehr Vorlaufzeit. Die DFB-Auswahl selbst betrifft das alles am Donnerstag nicht: Sie startet am Sonntag, 14. Juni, in Houston gegen Curaçao in die WM.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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