Norwegen schlaegt Schweden 3:1: Strand Larsens Doppelpack zur WM-Generalprobe
Norwegen schlaegt Schweden in Oslo mit 3:1: Strand Larsen trifft doppelt, Nusa erhoeht, Isak verkuerzt. So ordnen sich beide WM-2026-Teams nach dem skandinavischen Derby ein.
Von Marco Feldmann 03. Juni 2026
Acht Tage vor dem WM-Auftakt hat Norwegen ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt: Vor heimischer Kulisse in Oslo schlug die Mannschaft von Staale Solbakken den skandinavischen Nachbarn Schweden mit 3:1 - und das, obwohl mit Erling Haaland der Welt-Mittelstuermer geschont auf der Tribuene sass. Stattdessen lieferte Joergen Strand Larsen mit einem Doppelpack (9., 37.) eine Statement-Vorstellung ab, in der die Bundesliga-Achse aus Leipzig und Dortmund eine Hauptrolle spielte. Fuer Schweden dagegen war es ein verkorkster Probelauf vor WM-Gruppe F, in der die Mannschaft am 15. Juni gegen Tunesien startet.
Strand Larsens Doppelpack in den ersten 40 Minuten
Norwegen kam in dieses Testspiel mit einem klaren Plan: schnelles Pressing, kurze Wege ins Sturmzentrum, frueher Druck auf die ungewohnt jungen schwedischen Innenverteidiger. Schon in der 9. Minute zahlte sich das aus, als Julian Ryerson von der rechten Seite auf den heranstuermenden Strand Larsen flankte - der Crystal-Palace-Stuermer drueckte den Ball aus kurzer Distanz ins lange Eck. Knapp eine halbe Stunde spaeter, in der 37. Minute, wiederholte sich das Muster fast deckungsgleich: Ryerson legte zurueck, Strand Larsen blieb cool im Eins-gegen-eins gegen den schwedischen Keeper. 2:0, Doppelpack, alle Augen in Skandinavien auf einen Spieler, der bei Norwegen lange nicht in der Wahrnehmung des Topstars war.
Dass Solbakken seinen Manchester-City-Mann Haaland fuer dieses Spiel komplett aus der Startelf nahm, war ein bewusstes Signal: Norwegens Offensive ist nicht das Ein-Mann-Theater, das viele WM-Beobachter im Vorfeld erwartet haben. Mit Strand Larsen, Alexander Soerloth (Atletico Madrid) und Haaland selbst stehen Solbakken drei Stuermer von international hohem Niveau zur Verfuegung - jeder fuer sich ein potenzieller Startelf-Spieler bei der WM.
Antonio Nusa und die Dortmund-Leipzig-Verbindung
Zwischen die beiden Treffer von Strand Larsen schob sich der dritte Bundesliga-Profi der Norweger: Antonio Nusa, der 20-jaehrige Linksaussen von RB Leipzig, traf in der 18. Minute zum zwischenzeitlichen 2:0. Sein Antritt von der Aussenbahn brachte die schwedische Defensive in eine Lauf-Duell-Situation, die Nusa mit seinem typischen Innenseiten-Schuss ins lange Eck abschloss. Es war ein Tor wie aus dem Leipziger Lehrbuch - und das zweite Pflicht- oder Vorbereitungs-Tor Nusas in dieser Laenderspiel-Phase.
Drei der vier norwegischen Tor-Aktionen liefen damit ueber Bundesliga-Profis. Ryerson, der bei Borussia Dortmund Stammspieler auf der rechten Seite ist, war zweimal Vorlagengeber; Nusa selbst stand am Ende einer schnellen Umschaltaktion. Mit Sander Tangvik vom Hamburger SV steht zudem ein dritter Bundesliga-/Bundesliga-naher Profi im erweiterten Kreis, der allerdings im Test gegen Schweden nicht zum Einsatz kam. Das deutsche Liga-Schaufenster duerfte Norwegens Spiele bei der WM zusaetzlich aufladen.
Schweden ohne Stabilitaet - Isaks Anschluss zu wenig
Die schwedische Niederlage hatte System: Trainer Jon Dahl Tomasson versuchte, mit jungen Innenverteidigern eine neue Achse aufzubauen, doch die Abstimmung passte gegen das norwegische Pressing nicht. Nach dem 0:3 kam Schweden zwar besser ins Spiel - vor allem ueber Viktor Gyoekeres vom Sporting Lissabon, der in der zweiten Halbzeit Anschlusschancen erspielte - aber erst in der 76. Minute durfte sich Alexander Isak zum Anschluss eintragen: Der Newcastle-Stuermer drueckte einen abgefaelschten Ball aus zwoelf Metern zum 1:3 ueber die Linie. Es blieb das einzige Erfolgserlebnis fuer die Schweden, die wirkten, als haetten sie die Hitze und das Niveau eines echten WM-Tests unterschaetzt.
Die schwedische Bilanz aus der Vorbereitung: Vor dem 1:3 gegen Norwegen hatte das Team in den vergangenen Wochen souveraen agiert, doch der erste echte Stresstest gegen einen unmittelbaren WM-Teilnehmer endete ernuechternd. Fuer Tomasson sind die Personalfragen vor dem Auftakt in Monterrey weiter offen - vor allem in der Innenverteidigung und auf der Sechs.
Was das fuer beide WM-Gruppen heisst
Beide Teams beziehen jetzt ihre WM-Basecamps in den USA. Norwegen ist mit dem Sieg im Ruecken in der komfortableren Position: Solbakken hat ein Offensiv-Konzept, das ohne Haaland funktioniert - und ein Konzept mit Haaland, das in der Quali 16 Tore in acht Spielen produzierte. Der Gegner zum Auftakt in Gruppe I ist Irak (17. Juni, Boston). Senegal folgt am 23. Juni, Frankreich am 26. Juni. Platz zwei hinter den Franzosen ist nach diesem Probelauf das absolut realistische Ziel.
Schweden dagegen hat noch konkrete Hausaufgaben. In Gruppe F warten die Niederlande, Japan und Tunesien - keiner ist ein WM-Schwergewicht, aber alle sind solide. Schwedens 1:3 in Oslo bestaetigt das, was nach der wechselhaften Quali zu befuerchten war: Die Abwehr ist verwundbar, die Offensive um Isak und Gyoekeres ist da, aber das Mittelfeld bricht unter Pressing zu schnell weg. Tomasson hat acht Tage, um daraus eine Mannschaft zu formen, die nicht schon in der Vorrunde scheitert.
Solbakkens Plan ohne Haaland - und mit ihm
Auffaellig: Solbakken hatte das schwedische Spiel als reine Generalprobe in Skandinavien deklariert, und seine Aufstellung folgte konsequent dieser Logik. Haaland wurde geschont; Martin Oedegaard spielte nur die ersten 45 Minuten und durfte dann auf die Bank; die zentrale Vermessung der Mannschaft erfolgte mit der Spitze Strand Larsen / Soerloth. Bei der WM duerfte sich das umkehren - Haaland und Oedegaard sind unangefochten gesetzt, Strand Larsen und Nusa wechseln auf Joker-Rollen mit aus dem Spielverlauf heraus belastbarer Wirkung.
Genau dieser Kader-Tiefen-Eindruck ist Norwegens groesster Schritt: Eine Generation, die 28 Jahre nach der letzten WM-Teilnahme nicht mehr nur an Haaland haengt. Mehr zum kompletten Kader, zu Solbakkens Plan und zur Ausgangslage in Gruppe I steht im Ueberblick zum Norwegen-Kader fuer die WM 2026. Zur Einordnung der schwedischen Ausgangslage liefert die Team-Seite Schweden bei der WM 2026 Kader, Gruppe und Spielplan auf einen Blick.
Acht Tage. Zwei Auftakte. Ein klares Form-Signal aus Oslo: Norwegen hat einen Plan, Schweden noch nicht.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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