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WM 2026

Dani Olmo, die Furia Roja in einer Person: Spaniens Regisseur vor dem WM-Finale

Dani Olmo hat im WM-Halbfinale gegen Frankreich 97 Prozent Passquote und den Assist zum 2:0 geliefert. Portraet des Roja-Regisseurs vor dem Finale.

Von Marco Feldmann 15. Juli 2026

Dani Olmo (28) im Zweikampf mit Michael Olise im WM-2026-Halbfinale Spanien gegen Frankreich am 14. Juli 2026 im AT&T Stadium Arlington. Der Roja-Regisseur legte das 2:0 auf und geht mit Spanien am 19. Juli in New Jersey ins Endspiel (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es gibt bei dieser Furia Roja einen 19-Jaehrigen, der sich Lamine Yamal nennt und dessen Trikots die Kinder auf dem Times Square nachpressen lassen. Es gibt einen Innensechser, der sich Rodri nennt und den Ballon d’Or 2024 im Trophaeenschrank hat. Es gibt einen Torwart, der 609 Minuten ohne Gegentor auf die WM-Anzeigetafel geschrieben hat. Und es gibt Dani Olmo.

Der 28-Jaehrige aus dem katalanischen Terrassa steht in einem Kader gespickt mit Star-Adressen an der unauffaelligsten und zugleich systemrelevantesten Stelle: als offensiver Zehner, der die Roja-Kombination auf die drei Angreifer verteilt. Die spanische Zeitung Sport nannte ihn nach dem 2:0-Halbfinal-Sieg gegen Frankreich “das beste Beispiel fuer einen Spieler mit Klasse”. Die Sportschau: “die Furia Roja in einer Person”. Vor dem WM-Finale am Sonntag, 19. Juli, im MetLife Stadium ist Olmo die tragende Achse, ueber die Spaniens Titel-Anspruch laeuft.

76 Minuten, 97 Prozent Passquote, ein Assist auf Porro

Der Dallas-Beweis ist zahlenhart. Im Halbfinale am 14. Juli im AT&T Stadium in Arlington bei Dallas stand Olmo als vertikaler Verbinder auf der Zehn hinter den Aussenbahn-Angreifern Lamine Yamal und Nico Williams. Er verbrachte 76 Minuten auf dem Platz, ehe Bundestrainer Luis de la Fuente Mikel Merino brachte - ein Wechsel, den die spanische Kombinations-Achse in der K.-o.-Phase inzwischen als Standard-Muster etabliert hat.

97 Prozent seiner Paesse fanden einen Mitspieler. In einem WM-Halbfinale, gegen einen franzoesischen Innenverteidigungs-Block um Ibrahima Konate und William Saliba, bei dem jede Verbindung im Zehnerraum sofort in einem Dreier-Doppelpass gestoert wird. Die entscheidende Aktion kam in der 58. Minute: Olmo hielt den Ball an der rechten Sechzehnerkante, oeffnete mit einer Koerpertaeuschung die franzoesische Defensiv-Struktur und legte den Ball scharf in den Ruecken der Kette auf den anlaufenden Pedro Porro. Der Tottenham-Aussenverteidiger schob zum 2:0 ein - dem Treffer, der Frankreichs WM-Ambition endgueltig beendete.

Es war kein Solo, kein spektakulaeres Dribbling, kein Standardschlenzer. Es war der Moment, den die Roja seit dem Titelgewinn 2010 in Suedafrika immer dann findet, wenn sie unter Ballzirkulation vorne durchbricht: ein spanischer Spieler mit hoher Uebersicht, der die entscheidende Passlinie sieht, waehrend die Innenverteidiger den Kopf noch am Ball haben.

Der Katalane, den Barcelona einmal ziehen liess

Wer den ruhigen Regisseur verstehen will, muss zur La Masia zurueck. Geboren am 7. Mai 1998 in Terrassa, einer Industriestadt 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona, wechselte Olmo 2007 im Alter von neun Jahren aus der Espanyol-Jugend in die Barca-Nachwuchs-Akademie. Sieben Jahre lief er die Barca-Nachwuchs-Kadetten hoch, spielte U-16, U-17, U-19 - bis er im Sommer 2014 im Alter von 16 Jahren einen der spektakulaersten Nachwuchs-Abgaenge der La-Masia-Aera vollzog: Ohne festen Profi-Vertrag ging er zu Dinamo Zagreb.

Die Begruendung, die Olmo selbst spaeter mehrfach in kroatischen und spanischen Medien wiederholt hat, war pragmatisch. Im Barca-Nachwuchs war der Weg an die Profi-Buehne ueber eine Segunda-B-Reserve verstellt; in Zagreb bekam er den Spielraum, in einer echten Erwachsenen-Struktur mit Verantwortung zu spielen. 2015 rueckte er in die erste Mannschaft auf, 2019 wurde er zum jungsten kroatischen Meister der HNL-Geschichte gekuert.

Fuenf kroatische Meistertitel, ein Pokal-Sieg, ein Champions-League-Sechzehntelfinale gegen Manchester City 2020 und der Ruf, die spannendste offensive Handschrift der HNL zu haben - das war der Stand, als RB Leipzig im Januar 2020 zuschlug und Olmo fuer knapp 30 Millionen Euro Ablose in die Bundesliga holte.

Vier Leipziger Jahre, zwei DFB-Pokale

Bei RB Leipzig - unter Trainern von Julian Nagelsmann ueber Jesse Marsch und Marco Rose bis zurueck an die Halbraum-Positionen der zweiten Vier-Jahres-Phase - hat Olmo zwischen Januar 2020 und Juli 2024 vier Bundesliga-Spielzeiten absolviert. In der Bilanz stehen zwei DFB-Pokal-Titel: das Endspiel-Sieg 4:2 im Elfmeterschiessen gegen den SC Freiburg am 21. Mai 2022 und das 2:0 gegen Eintracht Frankfurt am 3. Juni 2023 - beide in Berlin.

Es sind die zwei Titel, die er sich in der Bundesliga geholt hat, und sie machen ihn zur festen Groesse einer Leipziger Aera, die den Klub in der oberen Haelfte der Bundesliga verankert hat. Fuer deutsche Fans blieb Olmo der spanische Kreativ-Zehner, der zwischen mehreren Verletzungspausen fuer die Momente zustaendig war, in denen der Leipziger Pressing-Fussball vertikal auf die Angreifer schaltete.

Der Wechsel zu Barcelona kam nach der Europameisterschaft 2024. Bei der EM in Deutschland war Olmo, kurzfristig nach Pedris Verletzung im Auftaktspiel als Startelf-Zehner nominiert, das Ueberraschungs-Gesicht der Roja: drei Turniertreffer, ein Team-des-Turniers-Platz, ein Beitrag zum 2:1-Endspielsieg gegen England in Berlin. Es war der Titel, der Olmo endgueltig in die Weltklasse-Kategorie hob - und der Barcelona bewog, ihn im Sommer 2024 fuer 55 Millionen Euro Ablose aus Leipzig zu holen.

Die de-la-Fuente-Achse: Die Blaupause heisst U-21-EM 2019

Die vielleicht wichtigste Verbindung im spanischen 2026er Kader ist nicht mit einem Kaufpreis verbunden. Sie beginnt im Sommer 2019, als Olmo im U-21-EM-Endspiel in Udine unter dem damaligen U-21-Bundestrainer Luis de la Fuente die 2:1-Fuehrung gegen Deutschland herausschoss und zum “Goldenen Spieler” des Turniers gekuert wurde. Sechs Turniertreffer, das MVP-Trikot und - was in Spanien immer nachhallt - der Titelgewinn ueber die deutsche U-21 in einem Endspiel unter dem eigenen Trainer.

Als de la Fuente im Dezember 2022 spanischer Cheftrainer wurde, war klar, dass Olmo einen Platz im engsten Kreis behalten wuerde. In der Nations-League-Kampagne 2023 mit dem Titel-Endspiel-Sieg gegen Kroatien war Olmo der Achter, der die spanische Vertikal-Achse organisierte. In der EM-2024-Kampagne war er das Zehner-Gesicht des Turniers. In der WM-Qualifikation 2024/25 gehoerte er zu den drei festen Namen der Roja-Startelf.

Die de-la-Fuente-Idee - hohe Ballzirkulation, zwei Aussenbahn-Dribbler in Yamal und Nico Williams, ein Zehner mit vertikaler Handschrift zwischen den Linien - laesst sich ohne Olmo nicht ausbuchstabieren. Die spanische Zeitung Sport schrieb nach dem Halbfinal-Sieg gegen Frankreich, Olmo sei “das beste Beispiel fuer einen Spieler mit Klasse” gewesen und habe eine “verdiente Roja-Fuehrung” angeleitet.

Bei Barca im Umbau, bei der Roja auf dem Punkt

Sportlich hat Olmos erste Barcelona-Saison 2024/25 die Handschrift eines Umbaus getragen. Unter dem im Juni 2024 verpflichteten Cheftrainer Hansi Flick war er zunaechst ein Rotations-Kandidat auf mehreren offensiven Positionen und wurde zwischen Verletzungspausen zu einer der festen Groessen des spanischen Meistertitels 2025.

In der Spielzeit 2025/26 hat er sich als Halbraum-Verbinder in Flicks Offensiv-Anlage etabliert. La-Liga-Meister 2026 wiederum - die Bilanz der zwei Spielzeiten bei Barca ist eine, die den Wechsel gerechtfertigt hat, selbst wenn mit Fermin Lopez und weiteren jungen Halbraum-Optionen die Kader-Konkurrenz gewachsen ist.

Bei der Roja jedoch ist Olmo unstrittig. Die 76-Minuten-Rotation gegen Frankreich - Olmo Startelf, Merino als Wechsel-Muster ab der 76. Minute - ist die Choreographie, mit der de la Fuente durch die K.-o.-Phase gegangen ist. Sie hat gegen Portugal, gegen Belgien, gegen Frankreich funktioniert. Sie ist die Wette der spanischen Titel-Ambition.

Was Spanien am 19. Juli im MetLife Stadium von Olmo braucht

Vor dem WM-Finale am Sonntag, 19. Juli, um 21:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium in East Rutherford in New Jersey liest sich Olmos Auftrag klar. Wenn Spanien auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen England und Argentinien in Atlanta trifft, wird die Roja gegen jede der beiden moeglichen Elfen den Zwischenraum brauchen, in dem Olmo Zuhause ist.

Argentinien laesst sich mit einem tiefen Innensechser-Doppel um Enzo Fernandez und Rodrigo De Paul eher offensiv locken als hoch pressen; England wiederum spielt unter Thomas Tuchel eine Vier-Halbraum-Struktur, in der Declan Rice den Kombinations-Zehner der Gegner uebernimmt. In beiden Faellen wird Olmo Momente haben, in denen er den entscheidenden Pass vor der letzten Kette anspielen muss.

Der WM-Rechner sieht Spanien mit weiterhin klarem Ausschlag Richtung Titel - eine Prognose, die weniger auf einzelnen Star-Namen als auf der de-la-Fuente-Kombinations-Achse aufbaut. Wenn diese Achse am Sonntagabend am Ostkuesten-Rand die vier Turnier-Wochen kroent, wird sie einen 28-Jaehrigen aus Terrassa in ihrem Zentrum tragen - den Mann, den Barcelona einmal ziehen liess, der in Zagreb und Leipzig gross geworden ist und der jetzt Spaniens Anspruch auf den WM-Titel zusammenhaelt.

Er wird nicht das grosse Solo laufen, kein Bicicleta-Video hinterlassen, kein Trikot-Auszieh-Bild. Er wird 76 Minuten stehen, 97 Prozent seiner Paesse ankommen lassen und den entscheidenden Ball auf den anlaufenden Aussenverteidiger legen. Die Roja - die Furia Roja in einer Person, wie sie in Deutschland und in Katalonien inzwischen genannt wird - laeuft ueber Dani Olmo.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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