Zum Inhalt springen
WM 2026

PSG-Stars zur WM 2026: Hakimi, Pacho, Marquinhos - was der CL-Triumph für Nordamerika bedeutet

Paris Saint-Germain verteidigt die Champions League. Mindestens neun PSG-Stars reisen zur WM 2026 - darunter der DFB-Gegner Willian Pacho mit Ecuador.

Von Marco Feldmann 31. Mai 2026

Achraf Hakimi und Marquinhos im letzten PSG-Training vor dem Champions-League-Finale am 30. Mai 2026 in der Puskas-Arena in Budapest. Beide reisen unmittelbar nach dem Triumph in die WM-Vorbereitung ihrer Nationalmannschaft (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Achraf Hakimi riss am späten Samstagabend in Budapest das Mikrofon an sich und richtete sich an “den Big Boss” auf der Tribüne, an Luis Enrique. Eine halbe Stunde später trug der marokkanische Kapitän den Henkelpott durch die Mixed Zone der Puskas-Arena. Sein Klubkamerad Willian Pacho stand daneben, Marquinhos ebenfalls. Drei Verteidiger, drei Kontinente, eine Champions League. Und für jeden der drei wartet 17 Tage später eine FIFA-Akkreditierung für die WM 2026. Genau zwölf Tage nach dem CL-Finale beginnt die Fussball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko - und Paris Saint-Germain schickt mehr Spieler in nordamerikanische Trainingslager als jeder andere europäische Klub.

Mindestens neun aktuelle PSG-Profis sind in WM-Aufgeboten fest verankert, zwei weitere stehen in der Reservebreite, eine ganze Defensive ist Stamm in fünf verschiedenen Nationalmannschaften. Für die DFB-Auswahl hat das eine konkrete Konsequenz - sie trifft in Gruppe E auf einen frischgebackenen Champions-League-Sieger.

Pacho gegen Deutschland: der Gruppen-E-Gegner mit Henkelpott-Bonus

Willian Pacho war im Triumph von Budapest einer der unauffällig stabilsten Pariser. Der 24-jährige Innenverteidiger spielte die kompletten 120 Minuten gegen den FC Arsenal, blockte sechs Schussversuche und blieb auch im Elfmeterschiessen einer der wenigen PSG-Spieler ohne sichtbare Nervosität - Trainer Luis Enrique hatte ihn nach eigener Aussage erst für die fünfte Position vorgesehen. Genauso wichtig: Es war Pachos zweiter Champions-League-Titel in Folge. Schon beim 5:0-Finalsieg gegen Inter Mailand am 31. Mai 2025 stand er in der Startelf und schrieb damit Geschichte als erster Ecuadorianer mit einem Henkelpott im Schrank.

Für Sebastián Beccacece, den argentinischen Trainer der ecuadorianischen Nationalmannschaft, ist Pacho die unbestrittene Nummer eins in der zentralen Abwehr. Im 4-4-2 der Tri bildet er das Zentrum mit dem ehemaligen Leverkusener Piero Hincapié, davor sortiert Moisés Caicedo das Mittelfeld - eine Personalstruktur, die wir im Ecuador-Kader-Überblick detailliert aufgeschlüsselt haben. Genau diese Achse trifft am 25. Juni 2026 um 22:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium in New York/New Jersey auf das DFB-Team. Es ist das letzte Gruppenspiel der Auswahl von Julian Nagelsmann, und es entscheidet im wahrscheinlichsten Szenario über den Gruppensieg in Gruppe E.

Anders gesagt: Wer am Sonntag den Henkelpott durch Paris schleppt, steht zwei Wochen später in der Innenverteidigung gegen Niclas Füllkrug und Florian Wirtz.

Hakimi für Marokko: vom WM-Halbfinalisten 2022 zum doppelten CL-Sieger

Keine PSG-Personalie war im Endspiel präsenter als die von Achraf Hakimi. Der 27-jährige rechte Aussenverteidiger trat als Kapitän an, sprintete in der 118. Minute noch einmal als Erster nach vorn, verwandelte im Elfmeterschiessen souverän und drückte nach dem Schlusspfiff jedem PSG-Spieler einen Satz in die Kamera. Für die Marokkaner ist diese Folie längst Routine: Hakimi war zur WM 2022 in Katar einer der Köpfe jener Sensations-Mannschaft, die als erstes afrikanisches Team das Halbfinale einer Männer-WM erreichte. Damals verwandelte er im Achtelfinale den entscheidenden Elfmeter gegen Spanien - das Land, in dem er 1998 in Madrid geboren wurde und das er sportlich nie gewählt hat - und schrieb sich endgültig in das marokkanische Fussball-Pantheon.

Für die WM 2026 lässt Trainer Walid Regragui wieder mit Hakimi planen, dazu mit den international erprobten Mittelfeldspielern Sofyan Amrabat und Azzedine Ounahi sowie Stürmer Youssef En-Nesyri. Der Marokko-Kader-Überblick zeigt, wie eng der Block des WM-Halbfinalisten 2022 zusammengeblieben ist. Im WM-Auftakt am 14. Juni um 00:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium trifft Marokko in Gruppe C ausgerechnet auf seinen größten Klub-Bruder - Marokkos Kapitän Hakimi steht Auge in Auge mit dem Pariser Innenverteidiger-Partner Marquinhos, noch wenige Tage zuvor gemeinsam Henkelpott-Sieger.

Drei Portugiesen plus Marquinhos: der iberisch-brasilianische Block

Hinter Hakimi und Pacho marschiert eine ganze Phalanx von Portugal- und Brasilien-Stammspielern aus dem PSG-Kader nach Nordamerika.

Marquinhos, der brasilianische Innenverteidiger und langjährige PSG-Kapitän, ist mit über 90 Länderspielen Stamm der Seleção unter Carlo Ancelotti. Vor dem WM-Auftakt seines Teams am 14. Juni in New York/New Jersey gegen Marokko hat Ancelotti die Rolle “Kapitän der Defensive” offen gehalten - Marquinhos ist Top-Kandidat. Auf der anderen Seite seines Kontinentalblocks operieren die drei Portugiesen: Vitinha als Sechser, Joao Neves als Achter und Nuno Mendes als Linksverteidiger sind unter Bundestrainer Roberto Martínez drei Stammspieler. Hinzu kommt Goncalo Ramos als möglicher Backup für Cristiano Ronaldo im Sturmzentrum - ein Konstellation, die der Stürmer aus Albufeira nach seinem CL-Einsatz in der 96. Minute (er kam für den verletzten Ousmane Dembélé) selbst einfordern dürfte.

Mit Fabian Ruiz rundet der Sechser-Komplize von Vitinha das PSG-Mittelfeldbild ab - er steht im Kader Spaniens unter Luis de la Fuente. Allein dieser PSG-Block würde reichen, um eine komplette Startelf der Champions League zu stellen.

Dembélé, Barcola, Doué: die Equipe Tricolore aus Paris

Bei aller Internationalität bleibt die französische Vertretung im PSG-Aufgebot die emotional größte. Ousmane Dembélé verwandelte den 1:1-Strafstoss, musste in der 96. Minute angeschlagen vom Platz und gab nach dem Spiel umgehend Entwarnung für die WM - eine Aussage, auf die Bundestrainer Didier Deschamps vor dem WM-Auftakt der Equipe Tricolore am 16. Juni gegen Senegal in New York/New Jersey zwingend angewiesen ist. Hinter Dembélé operieren Bradley Barcola als Backup für die rechte Aussenposition und Désiré Doué als jüngster Doppelfunktionsspieler im 26er-Kader.

Diese drei kommen zusammen mit dem Real-Madrid-Stürmer Kylian Mbappé und Bayern-Aussenstürmer Michael Olise zum französischen WM-Anflug. Bayer Leverkusens Marcus Thuram soll als zentrale Spitze rotieren. Aber das Pariser Trio bringt nach dem zweiten CL-Sieg in Folge etwas mit, das im französischen Fussball-Gen sehr ernst genommen wird - frisch gewonnene internationale Erfahrung in einem entscheidenden Spiel.

Was der CL-Triumph für die WM-Form bedeutet - und was nicht

Ein Champions-League-Sieg in der letzten Maiwoche ist für eine WM-Vorbereitung eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite stehen Spielpraxis auf höchster Stufe, Selbstvertrauen aus engen Drucksituationen und in Hakimis Fall die Erfahrung, im Elfmeterschiessen eines Endspiels die Nerven zu behalten. Auf der anderen Seite die Belastung: Mindestens 60 Pflichtspiel-Minuten in zwei Wochen vor dem WM-Auftakt sind ein körperlicher Posten. Die meisten PSG-Spieler stossen zwischen dem 1. und 3. Juni zu ihren Nationalmannschaften und haben damit acht bis zehn Tage Belastungs-Aufbau bis zum WM-Auftakt am 11. Juni - eng, aber nicht ungewöhnlich.

Hilfreich für die WM-Form: PSG hat unter Luis Enrique das Pressing- und Umschalt-Spiel zur Saison-Identität gemacht und schreibt damit das taktische Vokabular vor, das im Nationalmannschafts-Stil von Roberto Martínez, Carlo Ancelotti oder Walid Regragui gut wiedererkennbar ist. Wer in Budapest eine Innenverteidigung wie Pacho, eine Aussenposition wie Hakimi oder ein Mittelfeld wie Vitinha gesehen hat, weiss bereits, wie diese Spieler in zwei Wochen auf der grossen Bühne der WM agieren werden.

Für die deutsche WM-Vorbereitung in Herzogenaurach heisst das vor allem eines: Mit Willian Pacho, dem Ecuadorianer mit zwei CL-Titeln in elf Monaten, hat Julian Nagelsmann ein konkretes Studienobjekt für sein Sturm-Duo aus Nick Woltemade und Niclas Füllkrug. Das letzte Gruppenspiel der DFB-Elf am 25. Juni gegen Ecuador hat damit zwei Wochen vor dem Anpfiff eine klare Schlüssel-Personalie auf der Gegenseite bekommen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026