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DFB-Team

Havertz trifft im Champions-League-Finale, Arsenal verliert: das Triple zerplatzt, die WM bleibt

Kai Havertz trifft in der 6. Minute des CL-Finales in Budapest. Arsenal verliert im Elfmeterschiessen 3:4 gegen PSG. Was bleibt fuer Havertz' WM 2026.

Von Lukas Brandt 30. Mai 2026

Kai Havertz nach seinem 1:0 in der 6. Minute des CL-Finales am 30. Mai 2026 in der Puskas-Arena in Budapest. Es blieb der einzige Treffer eines Deutschen in einer Nacht, in der Arsenal im Elfmeterschiessen mit 3:4 verlor (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Sechs Minuten genuegen Kai Havertz, um die Champions-League-Saison eines Stuermers in eine Schlagzeile zu pressen: Pressing, ein Antritt an Willian Pacho vorbei, ein abgerissener Schuss aus spitzem Winkel unter die Latte. 1:0 in der Puskas-Arena. Es ist sein zweites CL-Finaltor nach 2021, das macht ihn zum ersten Deutschen mit Treffern in zwei unterschiedlichen Champions-League-Endspielen. 114 Minuten und ein Elfmeterschiessen spaeter ist Havertz trotzdem der dritte Spieler des FC Arsenal, der am Boden sitzt. Paris Saint-Germain verteidigt den Henkelpott mit 4:3 nach 1:1. Und das viel besungene Triple, das die Sportschau diese Woche noch zum Greifen nahe rief, ist auf einer einzigen Schalt-Tafel ausgeloescht.

Die 6. Minute: das Pressing-Tor, das den Tag schon entschieden schien

Arsenal startete mit der hohen Linie, die Mikel Arteta auch in den Halbfinals gegen Atletico Madrid einstudiert hatte. PSG-Innenverteidiger Willian Pacho wollte einen langen Ball auflegen, Declan Rice sprang dazwischen, der Ball landete bei Havertz im Halbraum. “Er startete instinktiv im genau richtigen Moment”, schreibt die Sportschau. Was folgte, war eine Sequenz, fuer die er bei Arteta nominell die Sturmspitze spielen darf: ein erster Kontakt zum Mitnehmen, der zweite zum Trennen, der dritte zum Abschluss. 6. Minute, 1:0.

Der Treffer war in der Sequenz simpel, in der Bedeutung enorm. Havertz hatte in dieser CL-Saison fuenf Treffer beigesteuert, drei davon in den K.-o.-Runden, sein wichtigster bisher der Halbfinal-Treffer gegen Atletico Madrid. In Budapest setzt er nun den Schlussstein einer Saison, in der er nach 18 Monaten Verletzungs- und Mentalpause auf Premier-League-Niveau zurueck war. Dass er das gegen einen Halbfinal-Bezwinger des FC Bayern tat, machte den Treffer aus deutscher Sicht doppelt symboltraechtig.

Vor der Halbzeit haette er sogar nachlegen koennen. Eine Hereingabe von Bukayo Saka kam scharf in den PSG-Strafraum, Havertz drueckte sich am ersten Pfosten frei, Marquinhos blockte den Schussversuch mit einer Vollstreckergrosstat. Vermutlich hat dieser Block am Ende den Titel entschieden.

Dembele, das 1:1, und der lange zweite Akt

Nach der Pause kippte das Spiel, wie es so viele PSG-Spiele in dieser Saison gekippt sind: ueber die Aussenbahnen. Kvicha Kvaratskhelia zog innen Richtung Strafraum, Mikel Merino kam zu spaet in den Zweikampf, Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte auf den Punkt. Ousmane Dembele verwandelte in der 65. Minute zum 1:1 - es war Dembeles 14. CL-Tor der Saison, mehr als jeder andere Spieler im Wettbewerb. Damit ist er CL-Torschuetzenkoenig 2025/26.

Arteta reagierte, wie Arteta auf Krisen reagiert: mit Wechseln auf der Sechs, nicht im Sturm. Martin Zubimendi kam fuer Merino, Mikel Merinos Position wurde abgesichert. Havertz blieb. In der Verlaengerung dann der erste Bruch: In der 102. Minute ging Noni Madueke im Strafraum nach einem Kontakt von Nuno Mendes zu Boden. Arsenal forderte Elfmeter, Siebert und VAR-Mann Bastian Dankert lehnten ab. Wenig spaeter musste Havertz selbst raus - Eberechi Eze kam fuer ihn, Krampfanzeichen, eine Vorsichtsmassnahme drei Tage vor dem DFB-Abflug.

Das Elfmeterschiessen: Gabriel scheitert, der Kapitaen verliert

Das Drama des Abends entwickelte sich im Elfmeterschiessen. David Raya parierte Arsenals erste grosse Chance gegen Nuno Mendes, doch Eze, der Havertz auf dem Feld ersetzt hatte, schoss sich an die Stelle, an der spaeter auch Kapitaen Gabriel versagte. Drei deutsche bis brasilianische bis englische Auswechslungen spaeter stand es 3:3, der entscheidende Schuetze war Gabriel Magalhaes. Sein Versuch ging hoch ueber die Latte. 4:3 fuer Paris.

PSG-Trainer Luis Enrique liess sich auf den Schultern seiner Profis zum Pokal tragen und sagte: “Es ist noch groesser, weil wir wussten, wie schwer es ist, gegen Arsenal zu spielen.” Es ist sein zweiter Champions-League-Titel mit PSG in Folge - vor zwei Jahren hatte er ihn mit dem FC Barcelona 2015 das letzte Mal hochgehoben.

Erster Deutscher mit Toren in zwei CL-Finals - und das 1974er-Triple ist passe

Statistik fuer den Trostpreis: Havertz hat 2021 mit dem FC Chelsea in Porto gegen Manchester City das Endspiel-1:0 erzielt. Sein heutiger Treffer in Budapest macht ihn zum ersten Deutschen mit Toren in zwei unterschiedlichen Champions-League-Endspielen. Das ist eine Statistik aus dem Kabinett der historischen Splitter - aber sie ist neu, und sie wird ihm bleiben.

Die andere Statistik, ueber die wir noch vor zwei Tagen geschrieben haben, ist hingegen Geschichte. Havertz’ moegliches Triple aus Premier-League-Meisterschaft, Champions League und WM 2026 ist nach 92 Minuten plus Verlaengerung mathematisch passe. Das Bayern-Sextett von 1974 (Beckenbauer, Maier, Mueller, Breitner, Schwarzenbeck, Hoeness) bleibt der einzige Praezedenzfall aus deutscher Sicht. Was Havertz nach Budapest noch hat, ist eine veritable Premier-League-Meisterschale und der mit Abstand groesste verbliebene Pott des Sommers: die Weltmeisterschaft.

Was die Budapester Nacht fuer die DFB-Vorbereitung bedeutet

In Herzogenaurach hat das DFB-Team das Finale verfolgt. Julian Nagelsmann hatte den Trainingsstart vom 25. auf den 27. Mai geschoben, um genau dieses Wochenende der Champions-League-Finalisten zu bedienen, dazu zaehlt Havertz (Arsenal) ebenso wie der PSG-Block, der jedoch nicht im DFB-Aufgebot steht. Der Bundestrainer hatte zuletzt die Sportschau-Interviews dazu genutzt, sich auf den Test gegen Finnland am 31. Mai in Mainz zu konzentrieren - Havertz’ Ausfall fuer diese Partie war ohnehin eingeplant. Mehr noch: Im 26er-WM-Kader ist Havertz die einzige Sturmspitze, die in den letzten 14 Tagen Pflichtspiel-Bestform gezeigt hat. Sein Fehlen in Herzogenaurach war seit dem Trainingsauftakt das eine grosse Thema des Vorlaufs.

Sportlich ist die heutige Niederlage in Budapest fuer den DFB-Plan ambivalent. Auf der einen Seite: Havertz kommt mit dem Adrenalin eines Finalspielers und der Wut eines Verlierers ins US-Trainingslager - eine Mischung, die in der Sportpsychologie als “leistungsstabilisierende Frustration” beschrieben wird. Auf der anderen Seite: Er kommt nach 90 plus 30 Minuten Hochintensitaet und einem Krampf-bedingten Wechsel, was Arteta hat sicher mitabwaegen lassen. Der Belastungsmesser wird die ersten Trainingstage in Chicago bestimmen.

Chicago am 2. Juni: der Uebergang vom CL-Frust zur WM-Hoffnung

Der DFB-Fahrplan hatte den 2. Juni schon vor Wochen als Havertz’ Eintrittstermin markiert. An diesem Dienstag hebt der DFB-Tross gemeinsam aus Frankfurt Richtung Chicago ab. Havertz reist nach Budapest direkt nach Frankfurt durch und steigt am Flughafen mit ein. 60 Stunden zwischen Abpfiff im Puskas-Stadion und dem Wechsel ins DFB-Trikot.

In Chicago wartet erst Akklimatisation, dann der Test gegen den Co-Gastgeber USA am 6. Juni, dann der WM-Auftakt am 14. Juni in Houston. Drei Stationen, fuer die Havertz’ Status nun eine andere Farbe hat: Er ist nicht mehr der Triple-Anwaerter, der ueber dem DFB-Lehrgang schwebt, sondern der Top-Stuermer einer Mannschaft, fuer die das einzige verbliebene Sommerturnier auch sein einziges verbliebenes Sommerturnier ist. Nagelsmann darf in Houston aufstellen, was er in Mainz nicht aufstellen kann.

Die Linie zur Pillar-Seite

Wer den breiteren DFB-Stand zur Weltmeisterschaft 2026 sucht, findet auf der Teamseite den vollstaendigen 26er-Kader, die Gruppe-E-Tabelle und die drei deutschen Vorrundenspiele in Houston, Toronto und East Rutherford. Was Budapest fuer Havertz heute aendert, ist eine Frage des Kontextes, nicht des Kaders: Er war der Triple-Kandidat, jetzt ist er der Stuermer mit nur noch einem Titel im Visier. Der wichtige Tag im DFB-Sommer ist der 14. Juni in Houston - und der ist genau 15 Tage nach dem Budapester Abpfiff.

Das einzige Tor des Abends fuer Arsenal kam von einem Deutschen. Was uebrig bleibt, ist eine in einer Statistik festgehaltene Premiere, eine in einer Niederlage festgenagelte Lektion und ein WM-Turnier, das ploetzlich der Schlussstein der Saison sein muss.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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