Zum Inhalt springen
WM 2026

Rangnick verlaengert beim OEFB bis 2027 - mit Klausel auf die Euro 2028

Vier Tage vor Oesterreichs WM-Auftakt gegen Jordanien hat Ralf Rangnick verlaengert. Vertrag bis Ende 2027, automatische Optionsklausel auf die Euro 2028.

Von Marco Feldmann 13. Juni 2026

Ralf Rangnick als OEFB-Teamchef im Ernst-Happel-Stadion: Mit der Verlaengerung bis 2027 plus Euro-2028-Klausel ist sein Engagement weit ueber die WM 2026 hinaus gesichert. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist die Schlagzeile, die das WM-Wochenende fuer Oesterreich praegt - nicht aus Houston, nicht aus Santa Clara, sondern aus der OEFB-Zentrale am Wiener Aspern. Am Samstag, 13. Juni 2026, hat der Oesterreichische Fussball-Bund die Vertragsverlaengerung mit Ralf Rangnick offiziell bestaetigt. Der 67-jaehrige Deutsche bleibt OEFB-Teamchef bis Ende 2027, mit einer automatischen Klausel, die den Vertrag bei Qualifikation fuer die Euro 2028 in Grossbritannien und Irland bis zur Endrunde verlaengert.

Vier Tage vor dem WM-Auftakt der Oesterreicher gegen Jordanien ist damit eine der laengsten Personalfragen des oesterreichischen Sports vom Tisch. Wer den Vorgaenger-Sachstand gelesen hat, kennt die Vorgeschichte: Verband seit Wochen einig, Trainer beim Zoegern, im Hintergrund die AC Milan.

Die Aufloesung in 48 Stunden

Es ging schnell am Ende. Am Donnerstag, knapp eine Woche nach der OEFB-Aufsichtsratssitzung vom 2. Juni, lag in der Tagesordnung der Mannschaft in Santa Barbara weiterhin nur das Auftaktspiel, nicht die Vertragsfrage. Am Freitag, 12. Juni, meldete dann die Gazzetta dello Sport in Mailand, dass Rangnick AC Milan abgesagt habe. Das italienische Sportblatt zitierte interne Quellen mit der Beschreibung, der Deutsche habe “die Geduld mit den Rossoneri verloren”. Die Kombination aus zaeher Governance-Diskussion und der Aussicht, in einer fortlaufend umgebauten Klub-Hierarchie nur Teilbefugnisse zu erhalten, war fuer Rangnick offenbar nicht mehr verhandelbar.

Am Samstagvormittag mitteleuropaeischer Zeit schickte der OEFB die Bestaetigung der Verlaengerung in den Verteiler - ein Pressetext, der die wesentlichen Punkte in zwei Saetzen abhandelte. Bis Ende 2027, mit Optionsklausel auf die Euro 2028.

”Wichtiges Signal fuer Geschlossenheit”

Das praesidiale Statement kam von Josef Pröll, dem OEFB-Praesidenten, der die Verhandlungen seit dem Maerz federfuehrend geleitet hatte. Er nannte die Vertragsverlaengerung ein

“wichtiges Signal fuer Geschlossenheit”

vor dem WM-Auftakt - eine Formel, die zwei Botschaften enthaelt. Erstens: Der Verband zieht mit seinem Teamchef in dieselbe Richtung. Zweitens: Hintergrundrauschen aus Mailand oder anderswo soll waehrend des Turniers nicht mehr aufkommen.

Rangnick selbst meldete sich am Samstag nicht oeffentlich zu Wort. Die Mannschaft hatte Trainingstag in Santa Barbara; die naechste Pressekonferenz war ohnehin fuer den Vortag des Jordanien-Spiels angesetzt. Beobachter erwarten, dass er die Verlaengerung dort einordnen wird - in einem Ton, der vermutlich zwischen sachlich und betont ruhig liegen wird.

Die Vertragsdetails: bis 2027 plus Klausel

Der wirtschaftliche Rahmen war seit Wochen bekannt. Das OEFB-Angebot lag bei rund zwei Millionen Euro Jahresgehalt - eine Verdopplung gegenueber dem Erstvertrag von 2022. Ungewoehnlich ist die Finanzierung: Die Erhoehung wird ueberwiegend von vier OEFB-Sponsoren getragen, nicht aus dem regulaeren Verbandsbudget. Pröll hatte schon im Mai gesagt, der OEFB allein koenne den Aufschlag nicht stemmen - aber Sponsoren, die einen Bundestrainer-Vertrag mitfinanzieren, sind bereit.

Die Vertragslaufzeit bis Ende 2027 ist das, was diesen Deal von einer reinen WM-Verlaengerung unterscheidet. Sie umfasst den gesamten Quali-Zyklus zur Euro 2028. Wenn Oesterreich sich qualifiziert, verlaengert sich der Vertrag automatisch bis zur Endrundenphase im Sommer 2028. Damit hat sich Rangnick verpflichtet, die Mannschaft auch durch das Quali-Jahr 2027 zu fuehren - und nicht etwa Anfang 2027 doch noch auf einen anderen Posten zu wechseln.

Warum Rangnick Milan absagte

Die Gazzetta-Erklaerung ist die kompakte Version: verlorene Geduld, Fokus aufs Nationalteam. Wer die Diskussion ueber die letzten Wochen verfolgt hat, kennt die ausgedehnte Version. Im Kern ging es bei Milan immer um eine Sportdirektor-Rolle - kein Trainerposten, denn den hat Rangnick mit fast 68 Jahren als nicht mehr machbar abgelehnt. Sportdirektor aber bedeutet bei Milan etwas anderes als bei RB Leipzig oder Manchester United. Mehrere Mitsprache-Ebenen, ein neu installierter sportlicher Bereich, eine Klub-Eigentuemerschaft, die wenig Geduld mit Strukturprojekten hat.

Rangnick funktioniert nach allem, was seine Stationen zeigen, nur dort, wo er allein gestaltet. Beim OEFB hat er genau das: alleinige Hoheit ueber Scouting, Nachwuchs, Kaderwahl, Trainerstab. Beim Verband eines mittelgrossen Fussballlandes ist diese Konstellation strukturell einfacher als bei einem Premium-Klub. Die Milan-Verhandlungen scheiterten, weil Rangnick keine Zwischenebenen wollte und die Italiener sie ihm nicht garantieren konnten.

Was das fuer den WM-Auftakt gegen Jordanien bedeutet

Sportlich auf den ersten Blick wenig. Die Aufstellung gegen Jordanien stand intern seit dem letzten Training in Santa Barbara, die Routine ist eingefahren, das Hintergrundrauschen wegen der Vertragsfrage hatte den Spielen ohnehin keinen direkten Schaden zugefuegt.

Wichtiger ist die psychologische Komponente. Ein Trainer, dessen Vertrag waehrend eines Turniers im freien Schweben ist, hat in jeder Pressekonferenz die Frage zu beantworten, ob er ueberhaupt noch motiviert sei. Diese Frage entfaellt jetzt. Pavlovic, Wirtz - aehnliche Konstellationen bei der DFB-Elf koennen davon ein Lied singen - sind nicht das Thema, bei Oesterreich wird der Gespraechsfaden in der Kabine in den naechsten zehn Tagen ganz auf das Sportliche gelegt: das Erreichen der zweiten Gruppenrunde, das Vermeiden der haerteren Halftime gegen Argentinien am 22. Juni in Dallas.

Stuart Webber, der englische OEFB-Sportdirektor, formulierte es vor zwei Wochen treffend: Die Mannschaft brauche nicht ein “letztes Turnier mit Rangnick”, sondern ein erstes Turnier mit ihm als langfristig gesichertem Trainer. Genau das hat sie jetzt.

Was die Klausel ueber den OEFB-Plan sagt

Interessanter ist die strategische Lesart. Eine Vertragsverlaengerung nur ueber die WM hinaus haette eine Karriere-Inflexion impliziert: Trainer macht das Turnier zu Ende, dann sieht man weiter. Die Klausel bis Euro 2028 dagegen signalisiert: Der OEFB plant einen kompletten Zyklus mit Rangnick, von der WM ueber die Quali bis zum EM-Turnier.

Fuer einen Verband, der nach 28 Jahren Pause erstmals wieder bei einer WM ist und parallel die Aspern-Akademie umbaut, ist diese Kontinuitaet wertvoller als die naechsten zwoelf Monate Trainerwechsel. Pröll hat die Linie schon im Maerz angedeutet: Die naechste grosse Aufgabe nach Nordamerika ist die Heim-Quali zur EM, in der oesterreichische Spielergeneration Marko Arnautović, David Alaba, Christoph Baumgartner ausklingen und der Nachwuchs (Romano Schmid, Maximilian Wöber, junge ÖFB-Akademiker aus Aspern) den Uebergang macht. Genau diese Phase hat Rangnick jetzt vertraglich zugesichert bekommen - und er hat sie sich selbst gesichert.

Die Lesart im oesterreichischen Boulevard

In Wien wird der Samstagmittag-Schub die Tagespresse dominieren. Die Vertragsverlaengerung beendet einen mehrwoechigen Vertrags-Boulevard und gibt den Spielern, dem Verband und der breiten Oeffentlichkeit eine klare Antwort auf eine Frage, die bis Donnerstag noch offen war. Die naechste Schlagzeile wird das Auftaktspiel sein. Ab Mittwoch zaehlt nur noch, ob die Geschlossenheit, von der Pröll spricht, auf dem Levi’s-Stadion-Rasen Tore wirft.

Quelle

Bei der Zusammenstellung dieses Artikels wurden offizielle OEFB-Statements zur Vertragsverlaengerung, Berichte des Standard (13. Juni 2026, Vertragsdetails und Pröll-Quote) sowie die Gazzetta dello Sport-Meldung vom Freitag, 12. Juni, zur Milan-Absage ausgewertet. Zusaetzlich Quellen aus der eigenen Berichterstattung: Rangnick-Pokerstand vom 9. Juni und der WM-Vorbericht Oesterreich-Jordanien. Pillar-Seite: Oesterreich bei der WM 2026. Gruppen-Kontext: Gruppe J und der Spielplan.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026