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WM 2026

Rangnick-Poker zwei Tage vor WM-Start: OEFB-Verlaengerung oder AC Milan?

Der OEFB-Aufsichtsrat ermaechtigte Pröll am 2. Juni 2026 zur Verlaengerung mit Rangnick. Doch der Bundestrainer zoegert noch. Im Hintergrund: AC Milan.

Von Marco Feldmann 09. Juni 2026

Ralf Rangnick als OEFB-Teamchef bei der EURO 2024 in Berlin: Zwei Jahre spaeter steht der 67-Jaehrige vor der naechsten Vertragsentscheidung, waehrend die WM 2026 auf den Beinen steht. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist der grosse Nebenschauplatz dieser oesterreichischen WM-Vorbereitung. Waehrend die Mannschaft in Santa Barbara trainiert und am 17. Juni in Santa Clara gegen Jordanien ihr Auftaktspiel der ersten WM-Teilnahme seit 1998 bestreitet, steht der Mann, der diese Rueckkehr gebaut hat, vor seiner naechsten persoenlichen Entscheidung. Ralf Rangnicks Vertrag als OEFB-Teamchef laeuft mit der Weltmeisterschaft aus. Zwei Tage vor WM-Start ist noch nicht klar, ob der 67-Jaehrige bleibt - oder als Sportdirektor zur AC Milan wechselt.

Der Stand: OEFB-Aufsichtsrat ermaechtigt Pröll

Bewegung kam vor einer Woche in die Sache. Am Montag, 2. Juni 2026, traf sich der OEFB-Aufsichtsrat in Wien. Josef Pröll, der Praesident des Verbandes und Vorsitzende des Aufsichtsrats, wurde nach der Sitzung einstimmig ermaechtigt, mit Rangnick zu den intern besprochenen Konditionen zu verlaengern. Es war der formal letzte Schritt vor einer Unterschrift, die der OEFB intern fuer Formsache hielt.

Was Pröll danach oeffentlich sagte, klang allerdings nicht nach Formsache:

“Der Ball liegt jetzt bei Ralf Rangnick, er wird auf uns zukommen. Natuerlich waere es wuenschenswert, das noch vor Beginn der WM zu haben. Er und ich sind jederzeit gespraechsfaehig, auch ueber Distanzen hinweg.”

Ein Satz, in dem zwei Botschaften stecken: dass der OEFB sein Angebot fuer abschlussreif haelt, und dass Rangnick noch nicht unterschrieben hat. Pröll erklaerte zugleich, dass man sich “finanziell seit Monaten einig” sei - ein frueheres Angebot, das eine Leistungsklausel fuer die Gruppenphase enthalten haette, sei vom Tisch.

Was Rangnick will - und was ihn zoegern laesst

Rangnicks oeffentliche Linie ist seit dem Maerz-Lehrgang konstant. Er habe “keinen uebermaessigen Zeitdruck” in der Frage, sagt er - eine Formulierung, die er bei Pressekonferenzen mehrfach wiederholt hat. Beim OEFB hat sich der 67-Jaehrige nach eigenem Bekunden wohl gefuehlt, lobt regelmaessig die Bedingungen im neuen Verbandscampus in Wien-Aspern und die Loyalitaet der Spieler.

Worin liegt also das Zoegern?

Das Sport-Bild-Magazin hatte vor zehn Tagen berichtet, ein OEFB-Verbleib sei “alles andere als sicher” - Rangnick haette neben dem ÖFB-Angebot mehrere Optionen auf dem Tisch. Eine Rueckkehr als Sportdirektor in die Bundesliga oder Premier League sei moeglich, Investoren-Konsortien suchten ihn als Klub-Entwickler. Ein Engagement als Klub-Trainer wiederum sei “ausgeschlossen” - mit fast 68 Jahren mag Rangnick den taeglichen Trainings-Alltag nicht mehr.

Dazu kommt eben die konkreteste Alternative: AC Milan.

AC Milan: Die Sportdirektor-Frage

Ende Mai trafen sich Vertreter der Rossoneri in Wien mit Rangnick. Auf dem Tisch lag das Angebot des Sportdirektor-Postens, frei werdend nach dem Umbau der Klub-Hierarchie unter neuer Spitze. Milan sucht eine Persoenlichkeit, die Scouting, Nachwuchs und sportliche Strategie strukturell neu aufstellt - das Rangnick-Profil, im Lehrbuch.

Doch genau hier liegt das Problem aus Rangnicks Sicht. Wie laola1.at am Dienstag, 9. Juni, berichtete, zweifle Rangnick, ob Milan ihm wirklich die Vollmachten zugestehen wuerde, die er beim OEFB hat. Er will - so der Tenor des Berichts - die alleinige Hoheit ueber Scouting, Nachwuchsakademie und die Wahl des neuen Cheftrainers. Bei Milan stuenden zu viele Stakeholder zwischen Sportdirektor und Entscheidung. Im Hintergrund laufen parallel Gespraeche der Italiener mit Oliver Glasner als moeglichem neuen Cheftrainer - eine Konstellation, die fuer Rangnick reizvoll waere, aber die Frage erneut aufwirft, wer am Ende wen aussucht.

Es ist eine klassische Rangnick-Diskussion. Wer ihn aus seinen Stationen bei RB Leipzig, Manchester United (als Interim) oder Schalke (als Sportvorstand) kennt, weiss: Rangnick funktioniert nur dort, wo er auch wirklich gestaltet. Halbe Befugnisse waren noch nie sein Modell.

Pröll-Quote im Wortlaut

Der OEFB-Praesident hat sich in den letzten Wochen mehrfach diplomatisch positioniert. Nach der Aufsichtsrats-Sitzung vom 2. Juni stellte er klar, dass die finanzielle Hoehe des Angebots “im obersten internationalen Bereich fuer Verbaende dieser Groessenordnung” liege. Konkret kursieren in oesterreichischen Medien rund zwei Millionen Euro Jahresgehalt - eine Verdopplung gegenueber dem laufenden Vertrag. Den Aufschlag wuerde nicht der Verband alleine, sondern ein Sponsoren-Mix tragen.

Pröll betonte zugleich, dass eine Verlaengerung nicht zwingend vor der WM passieren muesse: “Es koennte auch nach der WM erfolgen.” Sportlich heisst das: kein Druckpunkt fuer Rangnick. Pseudo-Ultimaten sind nicht der OEFB-Stil. Wer die Geschichte des Verbandes kennt, weiss, dass strittige Entscheidungen lieber ausgesessen als provoziert werden - eine Lehre aus den turbulenten Trainerwechsel-Jahren nach Marcel Koller.

Was die WM-Vorbereitung davon spuert

Im Mannschaftsquartier ist die Vertragsfrage offiziell kein Thema. Rangnick ist am 4. Juni mit Kader und Stab nach Santa Barbara abgereist, hat den Trainings-Aufschlag dort geleitet, die 1:0-Generalprobe gegen Tunesien am 1. Juni in Wien analysiert und den - durch den Baumgartner-Ausfall erzwungenen - Mittelfeld-Umbau angeschoben.

Auch Pröll wird vor Ort sein. Der OEFB-Praesident folgt nach eigenen Angaben zehn Tage spaeter, also etwa zum Auftaktspiel-Wochenende am 14. Juni. Beobachter erwarten, dass dort die finale Gespraechsrunde stattfindet - Pröll und Rangnick wuerden sich in Santa Clara zum Vier-Augen-Gespraech treffen. Ein Szenario, das fuer beide Seiten Charme hat: Die Symbolik einer Unterschrift “bei der WM” wuerde dem Verband nutzen. Rangnick haette die Hand frei, sich vorher noch einmal mit Milan zu unterhalten.

Die Spieler nehmen die Frage gelassen. Marco Friedl, OEFB-Verteidiger und Werder-Kapitaen, hatte vor Wochen gesagt, ein Rangnick-Wechsel zu Milan waere “die perfekte Loesung” - eine Aussage, die im OEFB-Boulevard kontrovers gelesen wurde, im Kader aber als Anerkennung der Trainerleistung galt. Marcel Sabitzer wiederum, einer der Wortfuehrer im Team, betonte zuletzt: “Wir spielen jetzt diese WM. Was danach kommt, ist eine andere Frage.”

Wann faellt die Entscheidung?

Drei Szenarien sind realistisch.

Szenario eins: Unterschrift vor dem Anpfiff. Pröll’s Wunsch-Variante. Rangnick und der OEFB-Praesident treffen sich in Santa Clara, klaeren die letzten zwei oder drei offenen Punkte und unterschreiben am 16. oder 17. Juni. Symbolisch perfekt, sportlich entlastend, aus Sicht des Verbandes die beste Loesung. Wahrscheinlichkeit: realistisch.

Szenario zwei: Unterschrift nach der WM. Pröll’s Backup. Rangnick lehnt eine Vor-Anpfiff-Festlegung ab, will erst das Turnier durchspielen und dann entscheiden. Hat den Vorteil, dass eine starke WM Rangnicks Verhandlungsposition staerken wuerde - hat aber den Nachteil, dass Milan in der Zwischenzeit anderweitig planen koennte. Wahrscheinlichkeit: ebenfalls realistisch.

Szenario drei: Wechsel zu Milan. Setzt voraus, dass Milan auf Rangnicks Vollmachten-Forderung eingeht oder Rangnick Abstriche macht. Beides ist bisher nicht der Fall. Wahrscheinlichkeit: derzeit am geringsten - aber nicht null.

Was es fuer die DACH-Region bedeutet

Rangnicks Zukunft ist auch eine deutsche Geschichte. Der Schwabe hat das oesterreichische Nationalteam in vier Jahren von einem Quali-Wackelkandidaten zu einem WM-Teilnehmer mit klarem Spielidentitaets-Profil entwickelt. Dass ausgerechnet Deutschlands suedlicher Nachbar mit einer pressing-getriebenen Hochintensitaets-Schule auftritt, die in vielen Beobachterzirkeln als “schoener” gilt als das aktuelle DFB-System unter Julian Nagelsmann, ist sportlich brisant - im DACH-Chancen-Vergleich Deutschland - Oesterreich - Schweiz liegt Oesterreich in fast allen Modellen nicht weit hinter Deutschland.

Bleibt Rangnick bis 2028, koennte die OEFB-Elf den Aufschwung dauerhaft zementieren. Geht er nach Mailand, droht ein Bruch - der OEFB haette zwar Zeit, einen Nachfolger zu finden, aber kein vergleichbares Profil in Reichweite.

Fuer den Augenblick gilt: Die WM-Vorbereitung laeuft unter Rangnick, die WM selbst wird unter Rangnick gespielt. Wer das oesterreichische WM-Aufgebot, den Auftakt-Vorbericht gegen Jordanien oder den DACH-Knaller gegen Argentinien liest, sollte sich bewusst sein: Die Trainerbank ist die einzige offene Personalie, die sich noch waehrend des Turniers klaeren koennte. Nach dem letzten OEFB-Spiel in Nordamerika ist das oesterreichische Trainerthema nicht mehr nur eine Vertragsfrage. Es ist eine Entscheidung darueber, in welche Richtung das ÖFB-Team in den naechsten vier Jahren laeuft.

Weitere Hintergruende: Oesterreich bei der WM 2026 (Pillar mit Kader, Spielplan, Gruppe J), Gruppe J im Profil und der WM-Spielplan 2026.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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