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WM 2026

Salah und Ägyptens WM-Fluch: Pharaonen-Mission gegen Belgien an seinem 34. Geburtstag

Mohamed Salah eröffnet mit Ägypten an seinem 34. Geburtstag das WM-Spiel gegen Belgien in Seattle. Die Pharaonen haben in drei WM-Endrunden noch nie gewonnen.

Von Marco Feldmann 15. Juni 2026

Mohamed Salah - hier als Kapitän Ägyptens beim Africa-Cup 2022 gegen Marokko - eröffnet am 15. Juni 2026 an seinem 34. Geburtstag im Lumen Field in Seattle die WM-Gruppe G gegen Belgien (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Am Montagabend deutscher Zeit eröffnet Ägypten im Lumen Field in Seattle das WM-Spiel gegen Belgien - und für Mohamed Salah ist dieser Auftakt mehr als ein Auftaktspiel. Es ist sein 34. Geburtstag, vermutlich seine letzte WM-Chance und der Versuch, einen 92 Jahre alten Fluch zu beenden: In drei WM-Endrunden (1934, 1990, 2018) haben die Pharaonen noch nie ein Spiel gewonnen. Belgien kommt als Vize-Weltmeister-Land im offenen Umbruch nach der goldenen Generation, ein Außenseiter-Sieg der Pharaonen wäre eine kleine Sensation - aber genau das ist Salahs Auftrag, vor dem WM-Auftakt seines letzten großen Turniers. Die Pillarseite zu Ägypten trägt den Kader und den Gruppen-Spielplan; dieser Vorbericht ordnet die Pharaonen-WM-Bilanz ein, erzählt Salahs Reise vom Dorf Nagrig zur Anführer-Rolle und beleuchtet die taktische Gemengelage gegen Rudi Garcias Roten Teufeln.

Der WM-Fluch in Zahlen: drei Endrunden, null Siege seit 1934

Die ägyptische Männer-Nationalmannschaft, von ihrem FIFA-Heimatverband als Pharaonen geführt, ist auf dem afrikanischen Kontinent ein Rekord-Verein. Sieben Africa-Cup-Titel (1957, 1959, 1986, 1998, 2006, 2008, 2010) sind weiterhin alleiniger Rekord, drei davon in Folge - eine Leistung, die kein anderes Verband jemals geschafft hat. Doch auf der WM-Bühne fällt diese Größe seit jeher auseinander.

Im Detail: 1934 reiste Ägypten als erstes afrikanisches WM-Team überhaupt nach Italien - und schied nach einer 2:4-Niederlage gegen Ungarn direkt im Achtelfinale aus. 56 Jahre warteten die Pharaonen auf die nächste Endrunde. 1990 in Italien gab es dann zwei Unentschieden (1:1 gegen die Niederlande, 0:0 gegen Irland) und eine 0:1-Niederlage gegen England - keine Siege, aber zwei ehrenvolle Remis gegen europäische Schwergewichte. 2018 in Russland endete die Geschichte ernüchternd: Niederlagen gegen Uruguay (0:1, später Tor durch José María Giménez), Russland (1:3) und Saudi-Arabien (1:2). Salah erzielte zwei Tore, aber Ägypten verließ Russland mit drei Niederlagen, null Punkten und drei Toren.

Die nüchterne Bilanz: sieben WM-Spiele, zwei Unentschieden, fünf Niederlagen, sechs erzielte Tore, dreizehn kassierte Tore. Der WM-Fluch ist keine Erfindung - er ist Statistik. Und Salah weiß das. Aus Liverpool hat er den Champions-League-Pokal mit nach Hause gebracht, sechs Premier-League-Torschützenkönig-Titel gesammelt und 2025 die Premier-League-Meisterschaft gewonnen. Was ihm fehlt: ein einziger Sieg im weißen Pharaonen-Trikot bei einer Weltmeisterschaft.

Salahs Pharaonen-Reise: von Nagrig zur Anführer-Rolle

Nagrig, ein 7.000-Einwohner-Dorf 120 Kilometer nördlich von Kairo im Nildelta, ist der Geburtsort von Mohamed Salah. Hier fuhr er als Jugendlicher bis zu vier Stunden mit einem Eselskarren und einem Minibus zum Training nach Kairo - eine Anekdote, die jeder Salah-Porträt-Autor erzählt, weil sie das Salah-Narrativ in einem Satz greift: kein Akademie-Junge, kein Talent-Schub eines reichen Vereins, sondern ein Junge, der aus dem Wahnsinn-Tempo des modernen Fußballs gerade noch rechtzeitig gefunden wurde.

Heute, mit 33 Jahren bei Liverpool und in Premier-League-Saison 2025/26 erneut Topscorer der Reds, ist Salah der bekannteste Sportler der arabischen Welt - 115 Länderspiele, 65 Tore, Kapitän der Pharaonen, Markenbotschafter eines ganzen Kontinents. In der ägyptischen Statistik fehlen ihm nur noch fünf Tore zum Länderspiel-Tor-Rekord seines heutigen Bundestrainers Hossam Hassan (69 Tore in 169 Spielen). Den Länderspiel-Einsatz-Rekord hat Salah bereits 2025 übernommen.

Was den Vergleich zu einem Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi schwierig macht: Salah hat zwar die Liverpool-Trophäen, aber keinen großen internationalen Titel mit Ägypten. Drei Africa-Cup-Finalniederlagen 2017 (1:2 gegen Kamerun), 2021/22 (0:0, 4:6 im Elfmeterschießen gegen Senegal) und 2023/24 (Aus im Achtelfinale gegen die DR Kongo) sind die offenen Wunden seiner Nationalkarriere. Die WM 2026 ist seine letzte realistische Chance, einen historischen Sieg-Moment im Pharaonen-Trikot zu hinterlassen.

Das offene Trauma von 2018: Schulter, Sergio Ramos, der WM-Frust

Wer Salahs Mission 2026 verstehen will, muss in den Mai 2018 zurückkehren. Im Champions-League-Finale gegen Real Madrid in Kiew zerrte ihn Sergio Ramos in der 30. Minute zu Boden, Salah landete auf der linken Schulter, verließ den Platz mit einer schweren Bandverletzung. Drei Wochen später begann die WM in Russland. Salah verpasste das Auftaktspiel gegen Uruguay (Ägypten verlor 0:1), kam gegen Russland und gegen Saudi-Arabien zwar zum Einsatz und erzielte je ein Tor - aber er war nicht der Salah, der eine ganze Mannschaft trägt. Schwacher Schuss, eingeschränkter Antritt, kein Knock-out-Trumpf gegen die Russen oder die Saudis.

Diese drei Spiele 2018 sind Salahs WM-Bilanz: sieben Tage Stürmer-Pflichtprogramm mit kaputter Schulter, eingewechselt in eine sieglose Mannschaft, am Ende ein null-Punkte-Vorrundenaus. Es ist die ungelöste Frage seiner Karriere: Wer wäre Salah auf einer gesunden WM-Bühne? Belgien-Auftakt 2026 ist die Antwort, auf die er acht Jahre gewartet hat.

Hossam Hassans System gegen Rudi Garcias Umbruch-Belgien

Auf dem Bundestrainer-Stuhl der Pharaonen sitzt seit 2024 mit Hossam Hassan ein Mann, der dieses Programm wie kein zweiter kennt. 169 Länderspiele, 69 Tore, vier Africa-Cup-Titel als Spieler, jetzt der Trainer, der Salah ablösen soll vom langjährigen Topscorer-Schatten seines Vorgängers Carlos Queiroz. Hassan setzt auf ein 4-2-3-1: El Shenawy im Tor, die Viererkette Hany - Hegazy - Abdelmonem - Fattouh, davor die Doppel-Sechs Mohamed Elneny - Mohamed Hamdy, hinter der Spitze Mostafa Mohamed positionieren sich Trezeguet, Omar Marmoush (Manchester City) und Salah in einem variablen Dreieck.

Auf der anderen Seite arbeitet Rudi Garcia seit Herbst 2024 an einem Belgien-Umbruch. Kevin De Bruyne (34) ist Kapitän, Romelu Lukaku (33) Stoßstürmer, dazu die jüngere Generation: Jérémy Doku (24), Charles De Ketelaere (25), Leandro Trossard (31). Garcia hat in der WM-Generalprobe gegen Tunesien (5:0 in Brüssel) ein 3-5-2 ausprobiert, ist aber laut belgischer Presse für den Lumen-Field-Auftakt offen für eine 4-3-3-Rückkehr. Belgiens FIFA-Ranking ist Platz 8, Ägyptens Platz 39 - die nominelle Lücke ist deutlich, aber Garcia hat seit Saison 2025 noch keinen großen Turnier-Test bestanden.

Was Ägypten in Gruppe G heute Abend möglich ist

Mathematisch sieht das WM-2026-Modell mit 32 Erstplatzierten plus 16 Bestdrittplatzierten Ägypten als realistischen Achtelfinalisten - bereits mit einem Sieg oder zwei Unentschieden in den drei Gruppenspielen ist die Achtelfinal-Tür offen. Das macht den Belgien-Auftakt für die Pharaonen extrem wichtig: ein Auftakt-Unentschieden gegen den Gruppen-Favoriten wäre fast ein Punktegewinn-Tag, ein Sieg wäre eine Sensation, eine Niederlage allerdings würde den Druck auf das Iran-Spiel am 19. Juni in Houston maximieren.

Unsere Gruppe-G-Übersicht ordnet das Tabellenrennen ein - Belgien und Iran sind die Außenseiter-Maßstäbe der Pharaonen. Neuseeland im dritten Spiel am 23. Juni in Vancouver gilt als der wahrscheinliche Punkte-Lieferant. Aber: Wer ohne Sieg gegen Belgien oder Iran in die Neuseeland-Partie geht, kann sich kaum noch einen kleinen Fehler erlauben.

Geburtstagsspiel im Lumen Field: Salahs 34. und vielleicht letzte WM

Geburtstagsspiel. Am 15. Juni 2026 wird Mohamed Salah 34 Jahre alt - und steht ausgerechnet an diesem Tag in der Startelf seines vielleicht letzten WM-Auftaktspiels. Geburtstagskinder spielen statistisch nicht besser, aber das Storyline-Gewicht eines solchen Tages auf der größten Bühne des Sports ist schwer zu unterschätzen. Wer den WM-Spielplan durchblättert, sieht: Bis zum 19. Juli in East Rutherford liegen 39 Tage zwischen Salah und einem möglichen Pharaonen-Wunder-Pfad. Vorher liegt: das Lumen Field.

Die Belgien-Pillar-Seite listet Garcias kompletten Kader, die zuletzt durchwachsenen Qualifikations-Spiele und die Achilles-Frage des belgischen Umbruchs - kein zentraler Sechser auf Top-Niveau. Wenn Hassan diese Lücke trifft und Marmoush sowie Salah ihre Räume bekommen, ist das Belgien-Spiel keine entschiedene Sache. Ein ehrlicher Punktgewinn ist Salahs Maßstab in Seattle - und der Geburtstagsmoment wäre ein perfektes Geschenk an die Pharaonen-Nation.

Zur Einordnung der ägyptischen Vorbereitung empfehlen wir den WM-Kader-Artikel zu Salah und Hassan, den taktischen Vorbericht mit Modell-Tipp sowie den Generalproben-Spielbericht zum 1:2 gegen Brasilien in Cleveland, in dem Mostafa Ziko den ägyptischen Treffer erzielte.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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