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WM 2026

Brasilien schlägt Ägypten 2:1 in Cleveland: Endrick rettet die WM-Generalprobe

Brasilien gewinnt den letzten WM-Test in Cleveland 2:1 gegen Ägypten. Endrick trifft als Joker, Marquinhos-Patzer ärgert Ancelotti - sechs Tage vor Marokko.

Von Marco Feldmann 07. Juni 2026

Endrick Felipe - der Real-Madrid-Stürmer rettete Brasilien als Joker zur Pause im letzten WM-Test gegen Ägypten in Cleveland (Foto: Vorstellung in Madrid, Juli 2024). Foto: WENN via SmartFrame

Die Selecao hat den letzten Test vor dem WM-Auftakt gewonnen, aber sie hat ihn sich schwerer gemacht als nötig. Beim 2:1 gegen Ägypten im Huntington Bank Field in Cleveland führte Brasilien nach acht Minuten, kassierte vier Minuten später den Ausgleich, brauchte einen Joker für den Sieg - und ärgerte sich nach dem Schlusspfiff vor allem über die eigene Innenverteidigung. Sechs Tage vor dem Auftakt gegen Marokko im MetLife Stadium hat Carlo Ancelotti den Sieg im Gepäck. Antworten auf seine drei drängenden Fragen hat er nicht.

Das Spiel in Zahlen

DatumEndstandToreStadionAnstoßzeit
Samstag, 6. Juni 2026Brasilien 2:1 Ägypten1:0 Bruno Guimaraes (8.), 1:1 Mostafa Ziko (12.), 2:1 Endrick (53.)Huntington Bank Field, Cleveland (Ohio)19:30 Ortszeit / 01:30 MESZ

Ancelotti schickte Brasilien im 4-4-2 auf den Platz: Alisson; Wesley, Marquinhos, Casemiro, Douglas Santos; Vinicius Junior, Bruno Guimaraes, Raphinha, Lucas Paqueta; Ibanez, Igor Thiago. Eine Mischung aus Stammelf und Notformation - mit Vinicius Junior als Linksaußen ohne klassischen Mittelstürmer-Backup neben Igor Thiago. Neymar saß auf der Bank, Endrick und Estevao wurden geschont, in der Innenverteidigung neben Marquinhos lief der gelernte Sechser Casemiro auf, weil Ancelotti Gabriel Magalhaes nach dessen leichter Verletzung nicht riskieren wollte.

101 Sekunden? Nein, acht Minuten - und dann der Schock

Es startete fast so wie Deutschlands Generalprobe in Chicago am selben Wochenende. Ein früher Fehler des Gegners, ein eiskalter Abschluss. Brasiliens Mittelfeldchef Bruno Guimaraes attackierte den ägyptischen Schlussmann Lashin nach einem schlampigen Querpass in den eigenen Strafraum, blockte den Klärungsversuch und schob aus 14 Metern ins leere Tor ein. 8. Minute, 1:0 für die Selecao - die erwartete Statik, das erhoffte Drehbuch.

Dann kam der Marquinhos-Moment. Vier Minuten nach dem Führungstreffer leistete sich der Kapitän an der eigenen Strafraumkante einen unkonzentrierten Fehlpass auf den herauseilenden Mostafa Mohamed. Mostafa Ziko schaltete am schnellsten, blieb vor Alisson cool und schob zum 1:1 ein. Ein Ballverlust, ein langer Pass, ein Tor - die Sorte Gegentor, die Brasilien in den letzten zwölf Monaten unter Ancelotti viermal kassiert hat. Die Innenverteidigung Marquinhos / Casemiro ist eine Notlösung, das war auch im Maracana gegen Panama eine Woche zuvor sichtbar - dort hatte Ancelotti noch eine 6:2-Schießerei mit zwei Gegentoren als Frühform verkauft. Acht Tage vor Marokko wirkt das gleiche Muster weniger charmant.

Joker Endrick: der Pflicht-Plan B

Zur Pause wechselte Ancelotti viermal: Endrick für Ibanez, Estevao für Vinicius Junior, Gerson für Paqueta, Joao Gomes für Casemiro. Endrick zog seinen ersten Ball schon nach acht Minuten der zweiten Halbzeit ab, in der 53. Minute traf er dann. Raphinha flankte halbhoch vom rechten Flügel, Endrick stieg an der Strafraumgrenze zum Volleyschuss hoch und drosch den Ball aus zwölf Metern unter die Latte. Es war Endricks neuntes Länderspieltor und nach einer durchwachsenen Saison bei Real Madrid (zwölf Tore in 38 Pflichtspielen) das Signal, dass der 19-Jährige in Nordamerika spielen will.

Endrick ist der Pflicht-Plan B in Ancelottis WM-Kader, seit der frühe Plan A namens Vinicius Junior nicht mehr automatisch trägt. Was der Real-Madrid-Stürmer in Cleveland zeigte - kalt, präzise, mit erstem Kontakt am Ball - ist genau die Joker-Rolle, die Ancelotti in der K.-o.-Runde braucht: Spieler, die nach 60 Minuten in ein zähes 1:1 reinkommen und es entscheiden. Estevao bekam parallel 45 Minuten und half mit - die Mittelfeldachse Bruno Guimaraes / Joao Gomes wirkte mit dem Palmeiras-Talent vor sich gefälliger als mit Paqueta.

Drei Fragen, die nicht beantwortet sind

Ancelotti wirkte nach dem Schlusspfiff verhalten zufrieden, kaschierte aber nicht, dass drei Baustellen offen geblieben sind:

  1. Innenverteidigung. Marquinhos hatte einen Patzer, der jeden WM-Gegner kosten würde. Casemiro ist ein Sechser, der notgedrungen die Vierer-Kette absichert. Falls Gabriel Magalhaes bis zum Marokko-Auftakt nicht fit wird, müsste Eder Militao zum Doppelpartner werden - der hat aber seit November keine 90 Minuten am Stück gespielt.
  2. Mittelstürmer. Igor Thiago, in der Bundesliga ein zuverlässiger Strafraumstürmer, blieb in Cleveland blass. Joao Pedro liess Ancelotti ganz draußen, Vinicius Junior als falsche Neun hat keinen WM-Härtetest bestanden. Die Frage, wer den 6er gegen Marokkos kompakten Block überspielt, ist offen.
  3. Anpassung an die WM-Stadien. Cleveland ist eine American-Football-Arena mit 67.000 Plätzen, die Selecao hat dort vor 47.000 Zuschauern erstmals den Wind im offenen NFL-Stadion erlebt. Das MetLife Stadium ist nochmal grösser, dazu am 13. Juni am späten Abend. Brasilien spielt in Cleveland zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder einen Test in den USA.

Was Brasilien für den Marokko-Auftakt mitnimmt

Drei Punkte zum Mitnehmen. Erstens: Endrick ist als Joker gesetzt. Wer in Cleveland nach 90 Sekunden Spielzeit so kühl trifft, dem wird Ancelotti beim 60-Minuten-Wechsel in der Vorrunde vertrauen. Zweitens: Die Anfangsphase funktioniert. Beide WM-Tests gegen Panama und Ägypten begann Brasilien mit Treffern nach acht beziehungsweise zwei Minuten - hohes Pressing, eine schnelle Strafraumbesetzung, ein klarer Plan. Drittens: Marokko wird kein Selbstläufer. Der WM-2022-Halbfinalist ist physisch und kompakt, das Brasilien zeigte gegen Ägypten zwei Gegentor-Strukturen in einem einzigen Halbzeit-Abschnitt. Wer den Sieg gegen Marokko sucht, muss sich erinnern: Die Selecao spielt in Gruppe C um Platz eins gegen einen Gegner, der sie bei der Wettbörse als 2:1-Favorit handelt, nicht 4:1.

Vom Trainingscamp in Florida fliegt die Selecao am Montag nach New Jersey. Mittwoch beginnt die Akklimatisation, Donnerstag spielt sich Neymar auf die Rückkehr in die Startelf zurück - falls die Wadenprobleme rechtzeitig abklingen. Brasilien hat im Maracana sechs Tore geschossen, in Cleveland zwei. Im MetLife Stadium reicht eines, wenn die Innenverteidigung den Marquinhos-Patzer auf der einen Seite nicht wiederholt. Ancelotti weiss das. Sechs Tage Zeit, das Rezept zu finden.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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