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DFB-Team

Schmidt tritt Klopp-Nachfolge bei Red Bull an: 'Head of Global Soccer' seit heute

Roger Schmidt amtiert seit 1. Oktober 2026 als 'Head of Global Soccer' bei Red Bull - 74 Tage nach Klopps DFB-Freigabe. Mintzlaff holt den Ex-Benfica-Coach.

Von Marco Feldmann 01. Oktober 2026

Lissabon, 26. Juli 2022: Roger Schmidt beim Eusebio-Cup Benfica gegen Newcastle (3:2). Vier Jahre spaeter uebernimmt er bei Red Bull die Rolle 'Head of Global Soccer', die zuvor Juergen Klopp innehatte (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die Red Bull GmbH hat ihren zweieinhalbmonatigen Interimszustand an der Spitze der Fussball-Sparte beendet. Roger Schmidt, 59, hat am Donnerstag, 1. Oktober 2026, seinen Posten als “Head of Global Soccer” angetreten - also an jenem Tag, an dem am Abend auch sein Vorgaenger Juergen Klopp mit der deutschen Nationalmannschaft in Muenchen debuetiert. Fuer Schmidt ist es die Rueckkehr in die Red-Bull-Welt, in der er vor einem Jahrzehnt mit RB Salzburg seinen Durchbruch als Trainer feierte.

Was Red Bull am 1. Oktober 2026 verkuendet hat

Die Mitteilung aus der Konzernzentrale in Fuschl am See ist knapp gehalten: Schmidt tritt mit sofortiger Wirkung seinen Dienst als “Head of Global Soccer” an, der Vertrag ist langfristig angelegt, eine Laufzeit nennt Red Bull nicht. Verantwortlich ist er fuer “die strategische Ausrichtung und die langfristige Entwicklung des globalen Fussballportfolios von Red Bull”, wie es in der Mitteilung heisst. An seiner Seite agiert Florian Scholz als “Head of Global Soccer Commercial” fuer die wirtschaftliche Steuerung. Das Duo Schmidt und Scholz ersetzt damit die Einzelrolle, die zwischen 1. Januar 2025 und dem WM-Finaltag 19. Juli 2026 bei Juergen Klopp lag.

Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff, der im Juli die Klopp-Freigabe persoenlich mit Marc Kosicke verhandelt hatte, lobt Schmidts “herausragende Fussball-Expertise” und sein “klares Verstaendnis unserer Philosophie”. Schmidt wird in der Konzernmitteilung mit einem Satz zitiert, der dem Red-Bull-Narrativ gefaellt: “Es fuehlt sich gut an, zurueck in der Red-Bull-Familie zu sein. Dieses Umfeld ist einzigartig im Weltfussball, und der Anspruch dahinter macht es so spannend.”

Schmidts Vorstation: Global Sports Director der J-League in Japan

Schmidt kommt nicht direkt von einem Trainerposten. Seit Oktober 2025 war er in beratender Funktion fuer die J-League taetig, Japans erste Profi-Liga - als “Global Sports Director” verantwortete er dort auf Verbandsebene die internationale Positionierung des japanischen Vereinsfussballs und die Entwicklungsarbeit mit den Klubs. Anfang Juli 2026 hatte Schmidt seinen Vertrag mit der J-League bis 2027 verlaengert, loeste ihn aber nach dem Red-Bull-Angebot vorzeitig auf. In Tokio hatte die Verlaengerung Ende Juni noch wie ein mittelfristiges Commitment ausgesehen; faktisch war sie das Scharnier, das Schmidt sportdirektoral statt trainerisch denken liess.

Als Trainer hat Schmidt eine klassische Karriere der zweiten Reihe oberhalb der Mittelmassgrenze absolviert: SC Paderborn (2010-2012), RB Salzburg (2012-2014) mit zweimal Meisterschaft und Pokal, Bayer Leverkusen (2014-2017), PSV Eindhoven (2020-2022) und zuletzt Benfica Lissabon (2022-2024). Nirgends hat er die ganz grossen Titel geholt, ueberall hat er junge Spieler entwickelt und seinem Nachfolger ein spielerisch sauberes Team hinterlassen - genau jenes Profil, mit dem Red Bull seit Ralf Rangnicks Salzburger Jahren seine Fussball-Marke definiert.

Rueckkoppelung zum Klopp-DFB-Freigabe-Arc vom Juli 2026

Dass Red Bull die Nachfolgefrage derart glatt loest, ist die zweite Haelfte eines Deals, der im Juli nicht zum Nulltarif zustande kam. Nach den Bild- und Sky-Berichten vom WM-Finaltag 19. Juli und der offiziellen DFB-Mitteilung ueber die ‘wesentlichen Eckpunkte’ vom 12. Juli hatte Red Bull Klopp aus dem bis 2029 laufenden Vertrag entlassen - ohne Berater-Mandat, ohne Werbebotschafter-Rolle, aber auch nicht umsonst. DFB-Praesident Bernd Neuendorf musste eine Million Euro Spende an die Wings-for-Life-Stiftung zusagen und drei A-Laenderspiele bis 2030 nach Leipzig vergeben, um Klopp an die DFB-Elf zu bekommen. Der Klopp-Vertrag beim DFB laeuft bis zur Heim-EM-Qualifikation 2030 und ist auch ueber WM-Zyklen hinaus angelegt.

Mit Schmidts Antritt ist die vakante Red-Bull-Rolle besetzt - und zwar so, dass die Red-Bull-Philosophie organisatorisch wieder in einer Person zusammenlaeuft. Mintzlaff kennt Schmidt aus der Salzburger Zeit und aus dessen kurzer Leipziger Phase 2021 als Kandidat fuer die Jesse-Marsch-Nachfolge, die damals nicht zustande kam. Jetzt kommt Schmidt mit der Aufgabe, die Klopp-Luecke zu schliessen, ohne das Charisma-Vakuum zu bedienen - operative Steuerung statt Gesicht-der-Marke.

Welches Portfolio Schmidt bei Red Bull jetzt verantwortet

Das Portfolio, das Schmidt uebernimmt, ist in den vergangenen Jahren gewachsen: RB Leipzig als Bundesliga-Flaggschiff, FC Red Bull Salzburg (oesterreichische Bundesliga), Red Bull Bragantino (brasilianische Serie A), New York Red Bulls (MLS) und Omiya Ardija (J-League) als Mehrheitsbeteiligungen; dazu Minderheitsbeteiligungen an Leeds United (Championship) und Paris FC (Ligue 1). Sieben Standorte auf fuenf Kontinenten - Schmidts Aufgabe ist nicht die operative Fuehrung einzelner Klubs, sondern die uebergeordnete sportliche Strategie, die Spielersichtung quer durch die Standorte und die Querverbindungen zwischen den Nachwuchsakademien.

RB Leipzig ist sportlich wie oekonomisch die wichtigste Saeule. Dort hatte sich die Lage zwischen Sommer 2025 und Sommer 2026 mehrfach gedreht: Jesse Marsch war wieder gegangen, Marco Rose hatte uebernommen, Oliver Mintzlaff war in den Red-Bull-Konzernvorstand aufgerueckt und steuerte die Fussball-Sparte zuletzt interimistisch ueber Klopp. Mit Schmidts Antritt zieht sich Mintzlaff auf die rein konzernstrategische Rolle zurueck.

Was Mintzlaff an Schmidt gereizt hat

Dass Mintzlaff bei der Nachfolge-Entscheidung zu Schmidt greift und nicht etwa zu einem noch aktiven Spitzentrainer, ist konsequent: Red Bull hat den Posten zuletzt sowohl als sportdirektorale als auch als markenpraegende Rolle verstanden. Klopp lieferte das Marken-Charisma, Schmidt liefert jetzt das Handwerk. Mintzlaff lobt in der Mitteilung speziell die “Entwicklung junger Spieler und deren erfolgreichen Aufstieg auf hoechstem Niveau” - genau jene Positionierung, die Red Bull seit Rangnick zum Markenkern macht. Benfica-Spieler wie Enzo Fernandez und Antonio Silva, die unter Schmidt in Lissabon reiften und spaeter fuer dreistellige Millionenbetraege an Chelsea beziehungsweise an Paris Saint-Germain gingen, sind die vorzeigbaren Belege dieser Entwicklungs-Linie.

Zweite Rechnung: Schmidt kennt die Konzern-Mechaniken aus eigener Anschauung. Niemand muss ihm erklaeren, wie Querversetzungen zwischen Salzburg, Leipzig und Bragantino funktionieren oder warum die Nachwuchsakademien untereinander Spieler austauschen. Das verkuerzt die Einarbeitungszeit - und war im Juli-Deal mit Klopp vermutlich auch kalkuliert, als Red Bull sich entschied, nicht neu zu suchen, sondern aus der eigenen Historie zurueckzuholen.

Zeitliche Parallelitaet: Klopp-Heimdebut gegen Serbien am gleichen Abend

Die Timing-Pointe des Donnerstags: Schmidt tritt in Fuschl seinen Posten an, waehrend Juergen Klopp in Muenchen seinen Allianz-Arena-Auftritt als Bundestrainer gegen Serbien vorbereitet. Anpfiff Allianz Arena 20:45 Uhr, ZDF-Uebertragung. Fuer Klopp ist es das dritte Spiel unter dem DFB-Adler nach dem Nations-League-Auftakt in Amsterdam und der Heim-Premiere-Niederlage gegen Griechenland in der WWK Arena Augsburg - und das erste Muenchner Laenderspiel seiner Amtszeit, nach dem 1:1 in Amsterdam und der 0:1-Niederlage gegen Griechenland noch das offene Scoreboard eines moeglichen ersten Sieges.

Fuer die DFB-Elf im Post-WM-Umbruch ist die symbolische Parallelitaet kein Zufall: Beide Posten - DFB-Bundestrainer und Red Bull Head of Global Soccer - sind nach dem turbulenten Juli-August-Fenster wieder besetzt. Die Freigabe-Dynamik, die am WM-Finaltag mit Bild-Sky-Enthuellungen begonnen hatte, ist mit dem Schmidt-Antritt heute auf allen Seiten abgeschlossen. In Fuschl am See hat Mintzlaff seine Besetzungs-Hausaufgabe erledigt, in Muenchen muss Klopp seine sportliche in den naechsten 180 Minuten gegen Serbien und Griechenland erledigen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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