Klopp bei der DFB-Spitze: Vier Stunden am JFK Airport, Kurs auf Vertrag bis WM 2030
DFB-Spitze und Klopp haben in der Nacht zu Samstag vier Stunden am JFK-Flughafen verhandelt. Ziel: Klopp uebernimmt bis zur WM 2030 als Bundestrainer.
Von Lukas Brandt 11. Juli 2026
Vier Tage nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay und einen Tag nach der offenen Debatte um Klopps geplante Red-Bull-Doppelrolle ist die DFB-Klopp-Verhandlung in ihre entscheidende Phase getreten. In der Nacht zu Samstag, 11. Juli 2026, haben sich DFB-Praesident Bernd Neuendorf und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke in einem Hotel am New Yorker Flughafen John F. Kennedy mit Juergen Klopp und dessen Berater Marc Kosicke getroffen. Das Gespraech dauerte mehr als vier Stunden. Bild und Sportschau berichten uebereinstimmend, dass der DFB dabei einen Vertrag ueber einen kompletten WM-Zyklus bis zur Weltmeisterschaft 2030 anstrebt. Damit haette Klopp knapp vier Jahre im Amt und wuerde die Euro 2028 sowie die WM 2030 in Marokko, Spanien und Portugal als Bundestrainer bestreiten.
Vier Stunden am JFK Airport - der Ablauf des Treffens
Neuendorf und Watzke waren am Freitagabend, 10. Juli 2026, in New York gelandet. Die Sport1-Voraushandlungslage vom Vortag hatte den Zielpunkt schon markiert: Watzke, seit Januar 2025 DFB-Vize und langjaehriger Aufsichtsratsvorsitzender bei Borussia Dortmund, kennt Klopp aus dessen BVB-Zeit von 2008 bis 2015. “Ich weiss, dass Juergen Deutschland liebt”, war der Satz, den Watzke vor Abflug zur Bundestrainer-Frage geliefert hatte. Neuendorf, seit April 2022 DFB-Praesident, hatte die politische Klaerung uebernommen, waehrend Watzke die sportlich-persoenliche Ebene abdeckt.
Nach uebereinstimmenden Berichten von Bild und Sportschau begann das Gespraech am frueheren Nachmittag Ortszeit - in Deutschland war es tiefe Nacht. Vier Personen sassen zusammen: Neuendorf, Watzke, Klopp und Klopps Berater Marc Kosicke. Kosicke ist seit Klopps Mainzer Zeit sein juristischer und wirtschaftlicher Vertrauter und war schon in die Liverpool- und Red-Bull-Vertraege eingebunden. Rudi Voeller, seit Januar 2023 DFB-Sportdirektor und in seinem Aufruf an die Weltmeister von 2014 zuletzt die oeffentliche Stimme des DFB-Umbruchs, war nicht vor Ort - er bleibt in seiner Rolle als Sportdirektor und hatte laut Sport1 im Vorfeld signalisiert, dass die Zusammenarbeit mit Klopp “am Ende auch funktionieren kann und wird”.
Die Dauer des Treffens - mehr als vier Stunden - liegt deutlich ueber dem Rahmen einer reinen Absichtserklaerung. Verhandelt wurden nach uebereinstimmenden Berichten die Vertragslaenge, das Gehalt, die Struktur des Trainerstabs und die parallele Vermarktungsrolle Klopps bei der Red Bull GmbH. Kein Vertragstext ist am JFK unterzeichnet worden. Der Fortschritt liegt darin, dass alle Parteien am Tisch sassen und den Rahmen konkretisiert haben.
Der Vertragsrahmen bis WM 2030
Kern des Verhandlungs-Ergebnisses, das in der Nacht durchgestochen wurde: Klopp soll bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2030 in Marokko, Spanien und Portugal unterschreiben. Das entspricht einem WM-Zyklus, also einem vollen internationalen Turnier-Bogen mit der Euro 2028 in Grossbritannien und Irland sowie der WM 2030 als Endpunkt. Klopp waere zum WM-Finale im Sommer 2030 knapp 63 Jahre alt und haette knapp vier Jahre als Bundestrainer hinter sich.
Beim Gehalt greift der Tagesspiegel-Bericht den Rahmen konkret ab: “ordentliches Millionengehalt hoeher” als Nagelsmanns Bezuege, aber “nicht wesentlich” hoeher. Damit landet die Groessenordnung in dem Fenster, das der DFB-Finanzartikel vom 5. Juli 2026 skizziert hatte - mindestens 10 Millionen Euro plus WM- und EM-Praemien, kompatibel mit den 100-Millionen-Euro-pro-Jahr des ab 2027 startenden Nike-Ausruestervertrags des DFB und der Konsolidierung nach dem Adidas-Ende.
Zur Stimmung im Klopp-Lager passt ein Zitat, das Klopp am Vortag beim Tagesspiegel geliefert hatte und das die Motivation transportiert: “Trainer koennen keine Wunder vollbringen, aber mit diesem Material zu arbeiten, muss eine Menge Spass machen.” Bastian Schweinsteiger, Ehrenspielfuehrer und Weltmeister von 2014, hatte die naechste Stufe geliefert: “Juergen Klopp ist fuer mich so das Pflaster eigentlich jetzt, der die Wunde so heilt. Aber, ob die komplett heilt, das weiss ich nicht.” Der Satz gehoert in die Reihe der Krisensitzungs-Signale nach dem WM-Aus und markiert, dass die Klopp-Loesung als Bundestrainer-Wechsel emotional gestuetzt ist, sportlich aber ohne Garantie bleibt.
Was noch offen ist - Klopp, Mintzlaff und Red Bull
Der schwierigste Teil der Vertragsstruktur ist nicht am JFK entschieden worden, sondern muss in einem separaten Gespraech zwischen Klopp und Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff geklaert werden. Klopps aktueller Vertrag als “Head of Global Soccer” bei der Red Bull GmbH laeuft bis 2029 und umfasst rund 8 bis 10 Millionen Euro pro Jahr Grundgehalt. Red Bull hat mehrfach signalisiert, den Vertrag nicht aufloesen zu wollen - die vom DFB praeferierte Loesung sieht deshalb vor, dass Klopp die operative Rolle bei Red Bull aufgibt, aber Werbebotschafter bleibt. Damit spart der DFB die von Red Bull zunaechst geforderte Millionen-Abloese, und Klopp haelt einen Teil seiner Bezuege aus Salzburg-Leipzig-New-York.
Mintzlaff hatte oeffentlich signalisiert, er wuerde einen Klopp-Wechsel zum DFB “total befuerworten”. Klopp selbst hatte in einer MagentaTV-Runde am 4. Juli 2026 formuliert, Mintzlaff sei “relativ offen” fuer die Gespraeche. Beide Saetze sind vom JFK-Treffen unabhaengig und haben Bestand. Der praktische Punkt: die Aufloesung der operativen Rolle bei Red Bull mit gleichzeitiger Beibehaltung des Werbevertrags braucht eine juristisch saubere Trennung, an der Kosicke seit Wochen arbeitet.
Der Widerstand bleibt - Zwanziger und Unsere Kurve
Vom Vortag steht die schaerfste politische Gegenstimme im Raum. Ex-DFB-Praesident Theo Zwanziger hatte am 10. Juli 2026 in einem FAZ-Interview die geplante Doppelrolle ein “voelliges No-Go” genannt und Klopps parallele Loyalitaeten scharf kritisiert. Der Fan-Verband Unsere Kurve hatte parallel von einem “Kniefall vor dem Kapital” gesprochen und Klopps eigenes “the normal one”-Selbstbild aus seiner Liverpool-Antrittspressekonferenz 2015 gegen die Red-Bull-Rolle ins Feld gefuehrt. Beide Positionen sind in der Vorbericht-Analyse zur JFK-Reise detailliert dokumentiert.
Auf das Verhandlungsergebnis am JFK haben Zwanziger und Unsere Kurve keinen direkten Einfluss - sie sitzen nicht am Tisch. Auf die endgueltige Vertragsstruktur schon: der DFB hat die Sponsoren-Harmonie mit Nike als neuem Ausruester ab 2027 zu wahren, und die Frage, ob ein Bundestrainer parallel Werbegesicht eines Getraenke-Konzerns sein kann, der zu den DFB-Partnern in Konkurrenz steht, bleibt fuer die Aussenwirkung offen. Der Kompromiss aus dem JFK-Nachtgespraech muss in der oeffentlichen Kommunikation naechster Wochen tragen.
Kalender: was bis zum Nations-League-Auftakt in Amsterdam geschehen muss
Der harte Termin bleibt der 24. September 2026. An diesem Tag beginnt in Amsterdam mit dem Nations-League-Auftaktspiel gegen die Niederlande das erste Pflichtspiel-Fenster nach der WM 2026. Bis dahin muss die Personalie mit Vertragstext, Trainerteam und Kader-Vorbereitung so weit stehen, dass eine Nominierungsphase im September realistisch bleibt. Der DFB braucht die Personalie deutlich frueher als am 24. - realistisch gilt Ende Juli als spaetester Zeitpunkt, an dem ein neuer Bundestrainer sich der Oeffentlichkeit vorstellen sollte.
Watzkes “groesser als 50 Prozent”-Einschaetzung vom 6. Juli 2026 bleibt der offizielle Barometer. Die vier Stunden am JFK haben diese Wahrscheinlichkeit weiter erhoeht - kein Vertrag ohne Rest-Risiko, aber ein Vertragsrahmen, den beide Seiten mittragen. Watzke selbst, in der DFB-Struktur seit dem Ruecktritt Nagelsmanns am 3. Juli auch offiziell als Klopp-Macher etabliert, hat mit dem JFK-Treffen den entscheidenden persoenlichen Meilenstein gesetzt. Der Pillar /wm-2026/teams/deutschland/ bleibt zunaechst auf dem Post-WM-Aus-Stand, wird aber mit Vertragsabschluss auf die Trainer-Personalie und den WM-2030-Zyklus fortgeschrieben.
Was fuer den Fussball-Beobachter aus der Nacht am JFK bleibt: die Klopp-Loesung ist naeher als je zuvor, der Vertragszeitraum bis 2030 ist gesetzt, die Red-Bull-Frage bleibt der letzte Knoten. Und Rudi Voeller sitzt weiter auf dem Sportdirektoren-Stuhl, wenn Klopp den Trainerposten uebernimmt.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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