DFB bestaetigt: 'Wesentliche Eckpunkte' mit Klopp - Verhandlungen gehen kommende Woche weiter
Der DFB hat am Samstag 15:56 Uhr offiziell mitgeteilt, dass mit Juergen Klopp eine Verstaendigung ueber wesentliche Eckpunkte erzielt wurde. Vorbehalt: Red Bull.
Von Lukas Brandt 12. Juli 2026
Rund 24 Stunden nach dem vier Stunden langen Treffen am New Yorker Flughafen John F. Kennedy hat der Deutsche Fussball-Bund die Verhandlungen mit Juergen Klopp auf eine offizielle Ebene gehoben. Am Samstag, 11. Juli 2026, um 15:56 Uhr veroeffentlichte der DFB eine Mitteilung, die die bislang von Bild, Sportschau und Tagesspiegel referierten Verhandlungsdetails mit einem Wortlaut versieht: “Bei dem konstruktiven Austausch wurde eine Verstaendigung ueber wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt. Die Gespraeche werden in der kommenden Woche fortgesetzt.” Beide Seiten seien “zuversichtlich, dass die Verhandlungen letztlich erfolgreich abgeschlossen werden koennen”. Zum ersten Mal steht damit die Personalie Klopp als DFB-Bundestrainer-Kandidat nicht in einer Reporter-Meldung, sondern in einer offiziellen Verbandsmitteilung.
Der Wortlaut der DFB-Mitteilung im Detail
Zwei Saetze aus dem DFB-Kommunikationsapparat, sorgsam abgestuft. “Konstruktiver Austausch” markiert die Ebene: mehr als eine Sondierung, weniger als eine Einigung. “Verstaendigung ueber wesentliche Eckpunkte” markiert das Ergebnis: die grossen Linien - Vertragslaenge, Gehaltsgroessenordnung, Trainerstab, Amtsuebernahme-Zeitpunkt - stehen im Prinzip, die konkreten Zahlen und Formulierungen sind noch offen. “Kommenden Woche fortgesetzt” markiert den Fahrplan: der DFB legt sich auf einen naechsten Verhandlungstermin binnen sieben Tagen fest. “Zuversichtlich, dass die Verhandlungen letztlich erfolgreich abgeschlossen werden koennen” markiert das Ziel: der offizielle Weg fuehrt zur Unterschrift, nicht zum Scheitern.
Die Mitteilung nennt Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke namentlich als DFB-Vertreter beim New Yorker Gespraech. Fuer die Klopp-Seite werden keine Namen genannt, obwohl bekannt ist, dass Klopps Berater Marc Kosicke an den Gespraechen teilnahm. Konkrete Vertragsdaten - Laufzeit bis 2030, Gehaltsobergrenze, Trainerstab-Personalien - stehen nicht in der Mitteilung. Der DFB haelt sich in Vertragsspezifika bewusst zurueck, bis die Red-Bull-Frage geklaert ist und ein unterschriftsreifer Text vorliegt.
Was “wesentliche Eckpunkte” signalisiert - und was nicht
Die Formulierung liegt genau in dem Rahmen, den DFB-Vize Watzke am 6. Juli 2026 in seiner “groesser als 50 Prozent”-Einschaetzung markiert hatte und den die Sport1-Voraushandlungslage skizzierte. Ein Vertragsschluss vor Ort war ausgeschlossen, ein leeres Sondierungsergebnis waere ein PR-Rueckschritt gewesen. “Wesentliche Eckpunkte” ist der ausgehandelte Zwischenstatus: die Verhandlung ist auf Kurs, aber sie ist nicht beendet.
Konkret offen bleiben zwei Bloecke. Erstens die Red-Bull-Aufloesung: Klopps aktueller Vertrag bei der Red Bull GmbH als “Head of Global Soccer” laeuft bis 2029, umfasst nach Recherchen zum DFB-Klopp-Finanzrahmen rund 8 bis 10 Millionen Euro pro Jahr und muss zwischen Klopp, Berater Marc Kosicke und Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff geloest werden - nicht am DFB-Verhandlungstisch. Zweitens die Trainerstab-Zusammensetzung: Sportdirektor Rudi Voeller bleibt in seiner Rolle, aber welche Assistenten, Athletiktrainer und Analysten Klopp mitbringt oder uebernimmt, ist Teil der Vertragsstruktur und der finanziellen Rechnung.
Die Bild und der Tagesspiegel hatten am Samstag den Vertragsrahmen erneut mit Zahlen aufgeladen: Laufzeit bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2030 in Marokko, Spanien und Portugal; Gehalt “ordentliches Millionengehalt hoeher” als Julian Nagelsmanns rund 7 Millionen Euro brutto. Diese Zahlen sind kompatibel mit dem DFB-Finanzrahmen nach dem WM-Aus, stehen aber nicht in der offiziellen DFB-Mitteilung. Der DFB haelt Gehaltsangaben traditionell aus der Kommunikation heraus.
Der Red-Bull-Vorbehalt bleibt der Knotenpunkt
Der wichtigste Halbsatz in der DFB-Mitteilung ist der Vorbehalt: die Einigung stehe “vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull”. Damit ist offiziell festgehalten, dass der DFB die Red-Bull-Aufloesung nicht selbst verhandelt, sondern von Klopp und seinem Umfeld erwartet. Die vom DFB und Red Bull praeferierte Struktur ist die Doppelrollen-Loesung: Klopp gibt die operative Rolle bei Red Bull auf, bleibt aber Werbebotschafter, sodass keine Millionen-Abloese noetig wird und Red Bull nicht komplett aus der Klopp-Vermarktung ausscheidet.
Genau diese Doppelrollen-Idee war am 10. Juli 2026 von Ex-DFB-Praesident Theo Zwanziger als ‘voelliges No-Go’ bezeichnet worden und hatte den Fan-Verband Unsere Kurve zu einem “Kniefall vor dem Kapital”-Vorwurf gefuehrt. Der offiziell bestaetigte Red-Bull-Vorbehalt verlaengert diese Debatte in die kommende Verhandlungswoche - je nachdem, wie die Aufloesung strukturiert wird, wird der politische Widerstand weiter zunehmen oder verstummen.
Mintzlaff hatte oeffentlich signalisiert, er wuerde einen Klopp-Wechsel zum DFB “total befuerworten”; Klopp selbst hatte am 4. Juli 2026 in einer MagentaTV-Runde formuliert, Mintzlaff sei “relativ offen” fuer die Gespraeche. Beide Zitate stammen aus der Zeit vor dem JFK-Treffen. Die konkrete Aufloesungsstruktur ist ab kommender Woche zu verhandeln.
Kalender - was bis Amsterdam am 24. September stehen muss
Der harte Termin bleibt der 24. September 2026, wenn in Amsterdam mit dem Nations-League-Auftaktspiel gegen die Niederlande das erste Pflichtspiel-Fenster nach der WM 2026 beginnt. Bis dahin muss der neue Bundestrainer benannt, der Trainerstab aufgestellt und die Vertragsstruktur mit Red Bull sauber sein. Vor dem Amsterdam-Termin sind zwei DFB-Nachfolgespiele in der Nations League zu bespielen - realistisch braucht der DFB die Personalie deutlich frueher als am 24., um die Kader-Nominierung und ein Trainingslager zu strukturieren.
Die von der DFB-Mitteilung angekuendigte “kommende Woche” wird der Test. Watzke - in der DFB-Struktur seit dem Nagelsmann-Ruecktritt auch offiziell als operativer Klopp-Verhandler etabliert - traegt die Aufgabe, die Red-Bull-Loesung zu einer unterschriftsreifen Struktur zu formen. Neuendorf, der in der internen DFB-Debatte laut Sportschau-Analyse zwar Praesident, aber nicht der operative Fahrensmann ist, steht auf der Mitteilung mit im Zentrum - politisch ein wichtiger Rueckhalt fuer Watzkes Verhandlungsspielraum.
Was mit der DFB-Mitteilung vom Samstag steht, ist das offizielle Signal: der Weg zur Bundestrainer-Personalie Klopp ist verhandelt, die grossen Linien liegen fest, der Rest ist Handwerk. Was noch nicht steht: der unterschriebene Vertrag. Der Pillar /wm-2026/teams/deutschland/ bleibt zunaechst auf dem Post-WM-Aus-Stand; die Fortschreibung auf die Trainer-Personalie und den WM-2030-Zyklus folgt mit der offiziellen Vorstellung Klopps.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
Mehr aus DFB-Team
Klopp verzichtet auf Red-Bull-Werbebotschafter: Die umstrittene Doppelrolle ist vom Tisch
12.07.2026
DFB-TeamKlopp und die DFB-Basis: SHFV-Praesident Doering warnt vor Red-Bull-Doppelrolle - SID meldet Widerstand aus den Landesverbaenden
12.07.2026
DFB-TeamKlopp bei der DFB-Spitze: Vier Stunden am JFK Airport, Kurs auf Vertrag bis WM 2030
11.07.2026