Tunesien WM-Kader 2026: Rani Khedira führt den Bundesliga-Block der Adler von Karthago
Tunesiens Trainer Lamouchi nominiert vier Profis aus deutschen Ligen für die WM 2026, allen voran Union-Berlin-Kapitän Rani Khedira nach seinem Verbandswechsel.
Von Marco Feldmann 15. Mai 2026
Knapp vier Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 hat Tunesien sein 26-köpfiges Aufgebot bekanntgegeben. Trainer Sabri Lamouchi setzt auf vier Profis aus deutschen Ligen, allen voran Rani Khedira, der erst im März 2026 die Freigabe der FIFA für den Verbandswechsel erhalten hat. Es ist die direkteste deutsche Verbindung in den Kader eines WM-Gegners aus Gruppe F und zugleich der Auftakt zu Tunesiens siebter WM-Endrunde.
Lamouchi nominiert 26, vier Profis aus Deutschland im Aufgebot
Die Fédération Tunisienne de Football veröffentlichte die Liste am 15. Mai, parallel zu Haiti, Frankreich und der Elfenbeinküste, die ihre Kader am selben Tag bestätigten. Lamouchi nominiert drei Torhüter, acht Verteidiger, sieben Mittelfeldspieler und acht Stürmer. Auffällig ist die Verteilung der Klubs: Der heimische Espérance-Tunis-Block dominiert nicht mehr, der überwiegende Anteil des Aufgebots verdient sein Geld in Europa.
Vier Profis kommen aus deutschen Ligen:
- Rani Khedira - 1. FC Union Berlin (Bundesliga), 32 Jahre, defensiver Mittelfeldspieler.
- Ellyes Skhiri - Eintracht Frankfurt (Bundesliga), 31 Jahre, Spielmacher und Achter.
- Ismael Gharbi - FC Augsburg (Bundesliga), 21 Jahre, offensives Mittelfeld.
- Elias Saad - Hannover 96 (2. Bundesliga), 26 Jahre, Linksaußen.
Dazu kommen mit Hannibal Mejbri (FC Burnley) und Innenverteidiger Dylan Bronn zwei weitere Schlüsselspieler aus den Top-Ligen Englands und Frankreichs. Stürmer Khalil Ayari steht bei Paris Saint-Germain unter Vertrag, eine Premiere für einen tunesischen WM-Kader.
Rani Khedira, vom Stuttgarter Junior zum tunesischen Nationalspieler
Khediras WM-Geschichte ist die emotionale Schlagzeile dieser Bekanntgabe. Der gebürtige Stuttgarter durchlief alle deutschen Junioren-Auswahlen von der U15 bis zur U19, kam aber nie in die U21 oder ins A-Team. Mit 32 Jahren entschied er sich Anfang 2026 für den Verbandswechsel, sein Vater ist Tunesier. Die FIFA bestätigte den Wechsel am 5. März 2026, Ende März gab Khedira sein Debüt für die “Adler von Karthago” in einem CAF-Testspiel.
Was dabei mitfährt: Khedira ist der Bruder von Sami Khedira, der mit der DFB-Elf 2014 in Brasilien Weltmeister wurde. Mit der Nominierung schließt der jüngere Khedira ein Familien-Kapitel, das in deutschen WM-Kadern bisher offen war. Er spielt jetzt nicht für Deutschland, aber er spielt mit. Für Tunesien soll der Union-Kapitän die Achse vor der Viererkette stabilisieren und Skhiri auf der defensiven Sechs entlasten.
Skhiri, Gharbi, Saad - die Bundesliga-Achse aus Frankfurt, Augsburg und Hannover
Ellyes Skhiri ist seit seinem Wechsel von Montpellier über den 1. FC Köln zu Eintracht Frankfurt der vielleicht beständigste tunesische Spieler in Europa. Auf der Sechs sammelt er Bälle, schaltet schnell um und gilt als Kapitänskandidat in Lamouchis Mannschaft. In Frankfurt hat er die Champions-League-Saison 2025/26 fast komplett durchgespielt.
Ismael Gharbi ist der Nachwuchsname im Aufgebot. Der 21-jährige Augsburg-Profi durchlief die Akademie von Paris Saint-Germain, gilt als technisch reifster offensiver Mittelfeldspieler seiner Generation in Tunesien und ist die Joker-Karte gegen müde werdende Gegner in der zweiten Halbzeit.
Elias Saad ist das aus deutscher Sicht überraschendste Profil. Der 26-jährige Hannover-Profi kam über den FC St. Pauli ins Aufgebot. Er bringt Tempo auf dem Flügel und ist die Variante für das hochstehende 4-3-3, das Lamouchi gegen Schweden plant.
Zusammen mit Khedira bilden sie einen Block, der seit Jahren in deutschen Stadien spielt, inklusive einer geteilten taktischen Sprache, die Lamouchi als Stabilitätsvorteil betrachtet. Mehr zum Pillar-Profil mit Outlook und Schlüsselspielern auf der Tunesien-Teamseite.
Sassi gestrichen, Meriah nicht dabei: die Streichungen
Lamouchi hat zwei Stammkräfte der Katar-Endrunde 2022 nicht nominiert:
- Ferjani Sassi - langjähriger Kapitän, zuletzt bei Damac FC in Saudi-Arabien. Lamouchi entschied sich gegen ihn zugunsten der jüngeren, beweglicheren Mittelfeldachse.
- Yassine Meriah - Innenverteidiger, war 2022 Stütze der Viererkette. Bronn und Talbi sind jetzt das gesetzte Innenverteidiger-Duo.
Die Streichung Sassis ist die wichtigste Personalentscheidung der Bekanntgabe. Sie unterstreicht den Generationswechsel, den Lamouchi seit seinem Amtsantritt im November 2025 vorantreibt. Aus seiner Sicht ist Tempo wichtiger als Erfahrung, wenn das Team gegen Niederlande und Japan bestehen will.
Gruppe F, was Tunesien gegen Niederlande, Japan und Schweden erwartet
Die Gruppen-F-Konstellation ist die “Gruppe der Mittelmächte”, in der jedes Spiel offen wirkt:
- Niederlande - mit Memphis Depay, Cody Gakpo und Ronald Koeman, klarer Favorit, aber defensiv anfällig.
- Japan - unter Hajime Moriyasu ein hochkompaktes 3-4-3, dazu der frisch nominierte Kader ohne Mitoma.
- Schweden - mit Alexander Isak und Viktor Gyökeres die Sturmreihe der Gruppe, aber in der Quali wackelig.
Tunesien ist auf dem Papier das schwächste Team der Gruppe, der Outlook in den Team-Daten hält das entsprechend fest. Das Auftaktspiel gegen Schweden ist die einzige Partie, in der die Wettquoten eine offene Ausgangslage zeigen. Wer aus der Gruppe weiterkommt, entscheidet sich vermutlich erst am letzten Spieltag.
Spielplan und Anstoßzeiten aus deutscher Sicht
- 15. Juni 2026, 04:00 Uhr MESZ - Schweden gegen Tunesien, Estadio BBVA, Monterrey.
- 21. Juni 2026, 06:00 Uhr MESZ - Tunesien gegen Japan, Estadio BBVA, Monterrey.
- 26. Juni 2026, 01:00 Uhr MESZ - Tunesien gegen Niederlande, Arrowhead Stadium, Kansas City.
Alle drei Anstöße liegen aus deutscher Sicht mitten in der Nacht oder am extrem frühen Morgen, eine Konsequenz der mexikanischen und texanischen Spielorte. Der Anstoßzeiten-Überblick zeigt, wie aufwändig die WM 2026 für deutsche Fans wird.
Tunesiens Trainingslager beginnt Ende Mai in Florida, zwei Testspiele gegen CONCACAF-Gegner sind geplant. Der vollständige WM-2026-Spielplan ordnet die drei Tunesien-Partien in die ersten zwölf Turniertage ein. Den Tagesüberblick aller Kader-Bekanntgaben sammelt der laufende Beitrag WM 2026 Kader-Frist: die ersten Aufgebote im Vergleich.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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