Zum Inhalt springen
WM 2026

USA bei der WM 2026: Erste Heim-WM seit 1994 und der Pochettino-Test

USA bei der WM 2026: Die erste Heim-WM seit 1994, der Argentinier Mauricio Pochettino als US-Trainer, die MLS-Generation um Pulisic und McKennie und was sportlich realistisch ist.

Von Marco Feldmann 08. Mai 2026

September 6, 2025, Harrison, New Jersey, USA: Sep 6, 2025; Harrison, New Jersey, USA; USMNT midfielder Christian Pulisic (10) controls the ball at Sports Illustrated Stadium. Mandatory Credit: Jess Stiles (Credit Image: © Jess Stiles/ZUMA P Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die USA und Fußball - das ist seit 1994 eine zähe Liebesgeschichte, in der die Werbeverträge schneller wachsen als die Welttitel-Chancen. Drei Jahrzehnte nach der ersten Heim-WM steht das Land vor seinem zweiten Versuch, und diesmal mit einem klaren Anspruch: Eine Generation um Pulisic und McKennie ist im besten Alter, Mauricio Pochettino bringt internationale Schwere auf die Bank, die MLS hat sich vom Belustigungsobjekt zum echten Talente-Produzenten gewandelt. Was die USA 2026 erreichen können - und welche Hürden ihnen die Gastgeberrolle stellt.

Hauptgastgeber: 78 Spiele in 11 Stadien

Die USA sind 2026 nicht nur Co-Gastgeber, sondern der eindeutige Hauptveranstalter: Von 104 WM-Spielen finden 78 in den USA statt, gespielt wird in 11 Stadien über das ganze Land - von Boston im Nordosten bis Los Angeles im Südwesten, vom AT&T Stadium in Dallas (mit 94.000 Plätzen das größte WM-Stadion) bis zum Lumen Field in Seattle. Das WM-Finale am 19. Juli steigt im MetLife Stadium bei New York; eine komplette Übersicht aller WM-Spielstätten findest du unter WM 2026 Stadien & Spielorte.

Für die Mannschaft selbst bedeutet das: Bei allen drei Gruppenspielen gegen Paraguay, Australien und die Türkei in Gruppe D spielt das Team im eigenen Land vor heimischem Publikum. Welche Stadien das konkret sind und in welcher Reihenfolge gespielt wird, steht im WM-2026-Spielplan.

Pochettino: ein Argentinier als US-Trainer

Die wohl auffälligste Personalie der US-Nationalmannschaft im Vorfeld der WM 2026 ist der Cheftrainer: Mauricio Pochettino, Argentinier, langjährig in Spanien (Espanyol), Frankreich (Paris Saint-Germain) und England (Tottenham, Chelsea) tätig, übernahm das Amt am 11. September 2024. Er folgte auf Gregg Berhalter, dessen Vertrag nach dem enttäuschenden Copa-América-Aus 2024 nicht verlängert wurde. Der US-Fußballverband USSF zahlt für Pochettino ein Rekordgehalt; im Gegenzug erwartet er Resultate - vor allem im eigenen Land.

Pochettinos Aufgabe ist heikel: Er hat von der Vertragsunterschrift bis zum WM-Anpfiff weniger als zwei Jahre für taktischen Feinschliff. Anders als ein typischer Bundestrainer-Wechsel mitten in einem Quali-Zyklus übernahm er ein Team ohne sportliche WM-Quali - die USA sind als Gastgeber automatisch qualifiziert. Stattdessen lebt sein Job von Testspielen und der Concacaf Nations League. Bisherige Eindrücke: defensiv besser organisiert als unter Berhalter, offensiv noch suchend.

Die Generation: Pulisic, McKennie und der MLS-Boom

Im Zentrum der US-Mannschaft steht Christian Pulisic (AC Mailand, 27 Jahre Stand WM 2026), der seit Jahren das Gesicht der USSF ist. Daneben Weston McKennie (Juventus Turin) im Mittelfeld und Tyler Adams als defensiver Anker. Im Sturm hat Folarin Balogun sich als Hauptoption etabliert; mehr Optionen liefern Brenden Aaronson, Yunus Musah und der junge Gio Reyna. Detailprofile auf der Teamseite USA bei der WM 2026 und dem Profil der US-Nationalmannschaft.

Hinter den europäischen Profis steht ein zweites Phänomen: der Boom der MLS. Die Liga ist mit dem Wechsel von Lionel Messi zu Inter Miami 2023 international sichtbarer geworden; junge US-Talente bleiben länger zu Hause, statt früh nach Europa zu gehen. Für die WM 2026 spielt das nur am Rand eine Rolle (die meisten Stammkräfte sind in Europa), aber strukturell hat sich das Niveau verbessert.

Heim-WM 1994: das einzige Vergleichsturnier

Wer eine Heim-WM mit den USA als Gastgeber sucht, muss bis 1994 zurückgehen. Damals stellte die USSF ein Team auf, das bis ins Achtelfinale kam und dort knapp an Brasilien scheiterte (0:1). Das Turnier gewann Brasilien mit dem späten Elfmeter-Drama gegen Italien im Rose Bowl in Pasadena - eine WM, die in den USA den modernen Profi-Fußball mit der MLS-Gründung 1996 erst möglich machte. Mehr zur damaligen Endrunde im Profil der WM 1994.

32 Jahre später ist der Anspruch ein anderer. Das Achtelfinale ist für eine Heim-Mannschaft mit einer europäisch geschulten Generation kein Erfolg, sondern eine Pflichterfüllung. Das ausgegebene Ziel innerhalb des Verbands ist das Viertelfinale - alles darüber wäre eine historische Marke und der erste Halbfinaleinzug einer US-Männer-Mannschaft überhaupt.

Die Gruppe D: machbar, aber kein Selbstläufer

In Gruppe D treffen die USA auf:

  • Paraguay - der WM-Rückkehrer nach 16 Jahren, defensiv stabil, offensiv überschaubar.
  • Australien - die routinierten Socceroos, körperlich hart, taktisch unangenehm.
  • Türkei - zurück auf der WM-Bühne nach 24 Jahren, mit Talenten wie Arda Güler und Hakan Calhanoglu eines der spannenderen Teams.

Auf dem Papier sind die USA Favorit auf Platz 1. In der Praxis ist die Türkei der eigentliche Gradmesser - die WM-Form der Erdogan-Elf nach starker UEFA-Quali. Ein Stolperer im Eröffnungsspiel ist schon deshalb möglich, weil eine Heim-Mannschaft im ersten Spiel statistisch häufig verkrampft. Mehr Tiefe zur Konstellation - und dazu, wie der Modus mit 48 Mannschaften das Achtel- und Sechzehntelfinale neu sortiert - im Beitrag zum WM-2026-Modus.

Was 2026 für die USA realistisch ist

Sportlich gerechnet liegt der Erwartungsrahmen zwischen Achtelfinale (Mindestmaß) und Halbfinale (Ausreißer). Realistisch sind das Viertelfinale - und vor allem ein Turnier, das die nächste US-Generation großzieht. Ein früher Knockout wäre eine kleine Katastrophe für den Verband, der mit Pochettino, riesigen Stadien und einem auf den US-Markt zugeschnittenen TV-Vermarktungspaket alle Karten in der Hand hat. Wie die USA im Favoritengefüge stehen, ordnen wir in der WM-2026-Prognose ein; welche US-Anstoßzeiten in deutscher Zeit fallen (viele Spiele laufen in MESZ ab dem späten Abend bis nach Mitternacht), steht im Beitrag zu den Anstoßzeiten in deutscher Zeit.

Häufige Fragen zur USA bei der WM 2026

In welcher Gruppe spielt die USA bei der WM 2026? Die USA spielen in Gruppe D - gemeinsam mit Paraguay, Australien und der Türkei. Als Hauptgastgeber sind die USA in Topf 1 gesetzt und tragen den Großteil der WM-Spiele aus.

Wer ist Trainer der US-Nationalmannschaft bei der WM 2026? Trainer ist der Argentinier Mauricio Pochettino, der das Amt am 11. September 2024 übernommen hat. Er ist der erste prominente Cheftrainer aus Argentinien an der Spitze des US-Fußballverbands USSF und folgte auf den glücklosen Gregg Berhalter.

Wie viele WM-Spiele finden in den USA statt? Die USA tragen mit 78 von 104 Spielen den mit Abstand größten Anteil aus. Genutzt werden 11 Stadien, darunter das MetLife Stadium für das Finale, das AT&T Stadium in Dallas und das NRG Stadium in Houston.

War die USA schon mal WM-Gastgeber? Ja - die WM 1994 in den USA war das bislang einzige Heim-Turnier der USSF. Damals erreichte das Team das Achtelfinale, Brasilien holte den Titel im Rose Bowl in Pasadena. 2026 ist die zweite Heim-WM in 32 Jahren.

Was ist von der USA bei der WM 2026 zu erwarten? Mit der Generation um Christian Pulisic, Weston McKennie, Tyler Adams und Folarin Balogun ist erstmals das Viertelfinale das ausgegebene Ziel. Realistisch ist auch das Achtelfinale; alles darüber wäre ein historischer Erfolg für den US-Fußball.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026