Wirtz ueber Klopp-Gespraeche: 'Will, dass ich den Fussball spiele, den man von mir gewoehnt ist'
Nach dem 2:0 gegen Serbien und seinem Tor zum Endstand spricht Florian Wirtz erstmals ueber die Gespraeche mit Juergen Klopp - und was der neue Bundestrainer von ihm verlangt.
Von Lukas Brandt 03. Oktober 2026
Zwei Spiele unter Juergen Klopp, zwei komplett unterschiedliche Rollen - und nach dem 2:0 gegen Serbien am Mittwochabend in Muenchen das erste direkte Fenster, wie der neue Bundestrainer mit Florian Wirtz arbeitet. Der 23-jaehrige Liverpool-Zehner traf in der 61. Minute zum Endstand und sprach danach vor den Sportschau-Kameras ueber das, was Klopp in den Gespraechen von ihm verlangt.
Die Kernbotschaft, verkuerzt auf einen Satz: Klopp “will, dass ich den Fussball spiele, den man von mir gewoehnt ist”. Keine Rollenverschiebung, keine neue Position, keine taktische Umarbeitung - sondern die Aufforderung, genau das zu tun, wofuer Wirtz unter Flick, Nagelsmann und zuletzt Rudi Voeller als Interimsloesung gestanden hat.
Die Botschaft nach dem Serbien-Sieg
Die Formulierung hat Gewicht, weil sie das Gegenteil dessen ist, was in den letzten Wochen rund um Wirtz gelaufen ist. In Liverpool steht der Sommerzugang unter Druck: Jamie Carragher hatte in der Vorwoche oeffentlich gefragt, ob Wirtz’ Liverpool-Form eine DFB-Nominierung ueberhaupt rechtfertigt, und beim Anfield-Pflichtdebuet gegen Nottingham Forest hatte der Zehner trotz Vorlagen keinen Durchbruch gefunden.
Klopp dreht die Logik um. Statt Wirtz auf eine andere Rolle zu zwingen oder ihn in die Rotation zu nehmen, nimmt der Bundestrainer die Position, die der Spieler kennt - linker Halbraum, Vorderseite der Doppelsechs, viel Bewegung zwischen den Linien - und laesst ihn genau dort agieren. Beim 2:0 gegen Serbien in der Allianz Arena sah man das Ergebnis: Wirtz hatte in der 39. Minute den Pfostenschuss, den Tom Bischof zum 1:0 abstaubte, und traf in der 61. Minute nach Mittelstaedt-Flanke selbst zum 2:0.
Was Klopp mit “deinem Fussball” meint
Hinter dem schlichten Satz steckt eine klare taktische Lesart. Klopp hat die DFB-Elf gegen Serbien auf gegenpressingbasierten Offensivfussball eingestellt - “Krawall”, wie er es nach dem Spiel selbst nannte. In diesem Framework ist Wirtz nicht Spielmacher im Vorrunden-Flick-Sinn, sondern Verbindungsspieler zwischen Pavlovic, Bischof und der Flanke links von Mittelstaedt.
Konkret heisst das:
- Hoechststaffelung ohne Ball: Wirtz presst in der ersten Linie mit Bischof mit, aktiviert bei Ballverlust den Gegenpress sofort.
- Vertikaleroeffnung mit Ball: Nach Ballgewinn sucht er den schnellen zweiten oder dritten Pass in den Rueckraum - genau das, was Mittelstaedts Flanke zum 2:0 vorbereitet hat (Wirtz legte den Ball zuvor klatschen in den Halbraum ab, Mittelstaedt zog los).
- Freiheit im letzten Drittel: Wirtz darf im Strafraum selbst entscheiden, ob er schiesst, legt oder dribbelt. Die 61.-Minute-Entscheidung flach ins rechte Eck war genau diese Freiheit.
Es ist die Rolle, die Wirtz bei Leverkusen in den Meisterjahren 2023/24 und 2024/25 ausfuellte und die auf dem Weg zur WM 2026 unter Nagelsmann die DFB-Startelf praegte. Die Einzelkritik der Sportschau zum Serbien-Spiel honorierte das: Wirtz Note 2, einer der besten des Abends.
Vom Liverpool-Fehlstart in die DFB-Startelf
Dass Wirtz ueberhaupt in der Startelf stand, hat eine Vorgeschichte. Nominiert war er fuer die Oktober-Doppelrunde urspruenglich nicht - Klopp hatte den Zehner nach dem 1:4 gegen die Niederlande in Amsterdam wegen der Ausfaelle Havertz und Musiala am 25. September kurzfristig nachgezogen. Zusammen mit Jonathan Burkardt reiste Wirtz damals vorzeitig ins DFB-Quartier - mit der Perspektive auf das Griechenland-Rueckspiel.
Dass dann gegen Serbien sogar das Tor zum 2:0 fiel, verschiebt die interne DFB-Hierarchie noch vor dem naechsten Spiel. Mit Musiala, Havertz und (am Donnerstag abgereistem) Gnabry fehlen aus dem Vorrunden-Kaernten gleich drei Offensivkraefte. Wirtz rueckt damit vom “Nachnominierten” zur Festgroesse im Oktober-Lehrgang auf. Und das, obwohl er seit der Carragher-Debatte um Liverpool-Minuten oeffentlich im Rechtfertigungsmodus war.
Klopps Satz an Wirtz liest sich vor diesem Hintergrund fast wie eine Vertrauensabsicherung: Dein Fussball ist der richtige - jetzt zeig ihn.
Was das vor Griechenland bedeutet
Fuer das Rueckspiel in Thessaloniki am Sonntag, 05. Oktober (20:45 Uhr MESZ, ARD) ist die Konsequenz der Serbien-Nacht relativ klar: Wirtz steht in der Startelf-Planung nach allen Zeichen vorne an, auch weil die Alternativen duenn sind. Said El Mala bekam am Mittwoch Minuten (ab 46.), Mika Baur sein Jubilaeums-Debuet als DFB-Nationalspieler Nummer 1000 (ab 75.) - beide sind Rotations-Optionen, keine fixen Startelf-Alternativen zum Zehner.
Dazu kommt die Griechenland-Lage: Trainer Ivan Jovanovic muss im Rueckspiel ohne Christos Tzolis planen (Oberschenkelbeschwerden), die griechische Mittelfeldreihe mit Siopis und Mantalos ist zweikampfstark, aber nicht ueberragend im Positionsspiel. Genau die Spielfeldzonen, in denen Wirtz Mittwoch gegen Serbien zuhause war - zwischen Sechser und Innenverteidiger - duerften gegen Griechenland offen bleiben.
Dass das Hinspiel in Augsburg am 06. September mit 0:1 verloren ging (Kourbelis-Tor Minute 74, Klopps erste Heimpremiere endete in einer Niederlage), gibt der Partie am Sonntag Revanchegewicht. Fuer Wirtz heisst das: Zweites Spiel in Serie als vollumfaenglicher Zehner, zweites Mal in der Rolle, in der ihn Klopp sehen will - und erste reale Chance, auf den schwierigen Liverpool-Herbst eine zweite nationale Startelf-Woche folgen zu lassen.
Oder, in Wirtz’ eigenen Worten: Fussball spielen, den man von ihm gewoehnt ist. Diesmal mit dem Bundestrainer-Sticker drauf.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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