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WM 2026

Kehrtwende: FIFA erlaubt doch Wasserflaschen bei der WM 2026

Massive Kritik wirkt: FIFA-COO Heimo Schirgi rudert beim Wasserflaschen-Verbot zurueck. Fans duerfen zur WM 2026 eine versiegelte 590-ml-Einwegflasche mitbringen.

Von Die Redaktion 06. Juni 2026

Sechs Tage vor dem WM-Eroeffnungsspiel zwischen Mexiko und Suedafrika ist der wohl umstrittenste FIFA-Beschluss der letzten Woche kassiert. Am Freitagabend, 5. Juni 2026, hat FIFA-Chief-Operating-Officer Heimo Schirgi das pauschale Wasserflaschen-Verbot zurueckgenommen, das der Weltverband erst zwei Tage zuvor ausgesprochen hatte. Fans duerfen ab sofort doch wieder eine Wasserflasche mit ins Stadion bringen - mit klar definierten Vorgaben.

Was die FIFA jetzt erlaubt - und was weiter verboten bleibt

Pro Person ist genau eine Flasche zulaessig, und sie muss drei Bedingungen erfuellen:

  • weich (kein harter Aussenkoerper - also kein Edelstahl, keine starre Trinkflasche mit Schraubmechanik)
  • werkseitig versiegelt (Originalverschluss, ungeoeffnet)
  • maximal 20 oz / 590 ml (die in den USA uebliche Einwegflaschen-Groesse)

Wiederverwendbare Trinkflaschen mit fester Aussenhuelle - die typische Outdoor- oder Sportflasche - bleiben verboten. Auch Glasflaschen, Aluminiumdosen, Becher und Trinkgefaesse aller Art bleiben aussen vor. Die Regelung gilt bestaetigt fuer die elf US-Spielorte und die zwei kanadischen Stadien in Toronto und Vancouver. Fuer die drei mexikanischen Austragungsorte - Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey - laufen laut FIFA noch Abstimmungen mit den lokalen Stadionbetreibern; bis zu deren Bestaetigung gilt dort die strengere Hausordnung der jeweiligen Arena.

Schirgi: “Eine weiche, werkseitig versiegelte Einwegflasche”

Die offizielle Mitteilung verschickte FIFA-COO Heimo Schirgi am Freitagabend ueber die nationalen Ticket-Plattformen. Im Originalwortlaut heisst es: “All fans are permitted to bring one soft, factory-sealed single-use plastic water bottle to every FIFA World Cup 2026 game in the USA and Canada.” Reusable bottles with rigid housing, so der Zusatz, blieben “out of safety reasons” untersagt.

Die Kommunikation kam ohne Pressekonferenz, ohne Erklaerungsfilm, ohne Kontextrahmen - eine knappe Mitteilung, die die FIFA selbst sechs Tage vor dem Anpfiff offenbar nicht weiter dramatisieren wollte.

Warum die FIFA umgedreht hat: Buergermeisterin, Hitze, Sicherheit

Der Druck kam aus mehreren Richtungen gleichzeitig:

  • Politik: Torontos Buergermeisterin Olivia Chow attackierte das urspruengliche Verbot oeffentlich und nannte es “pure profiteering. Why buy water when you can bring your own? It’s cheaper and better for the environment.” Toronto ist mit dem BMO Field einer der WM-Austragungsorte, Chows Wortmeldung gilt als der politisch sichtbarste Bruchpunkt der vergangenen 48 Stunden.
  • Hitze: Forscher hatten schon vor dem urspruenglichen Verbot vorgerechnet, dass an 14 der 16 Stadien die Wet-Bulb-Globe-Temperatur waehrend mindestens eines Spiels ueber den kritischen Wert von 26 Grad steigen duerfte. Ein generelles Mitbring-Verbot in dieser Wetterlage hatten Gesundheitsmediziner als grob fahrlaessig kritisiert.
  • Umwelt: Die Tatsache, dass die FIFA eine Wegwerf-Einwegflasche pro Person nun ausdruecklich erlaubt, statt die robustere wiederverwendbare zuzulassen, sorgt fuer einen zweiten Kritikstrang - Umweltverbaende monieren die Logik. Die FIFA argumentiert hier mit Sicherheit: Eine weiche Einwegflasche eigne sich schlechter als Wurfgeschoss als eine harte Wiederverwendbare.

Im urspruenglichen Beschluss vom 3. Juni 2026 hatte die FIFA das pauschale Verbot ausschliesslich mit dem Verletzungsrisiko durch Wurfgegenstaende begruendet. Auch unser Bericht zum Verbot vom 4. Juni 2026 hatte den Bobzien-Vorfall in Limassol (Oktober 2025) als Beispiel-Szene zitiert, auf die sich der Weltverband intern berufen hatte. Mit der jetzt erlaubten weichen Einwegflasche behaelt die FIFA das Sicherheitsargument bei und gibt dennoch dem Druck nach.

Was Fans fuer DFB-Spiele konkret einpacken duerfen

Fuer die drei Vorrunden-Spiele des deutschen Teams im DFB-Spielplan - am 14. Juni gegen Curaçao (NRG Stadium Houston, 19:00 MESZ), am 20. Juni gegen Elfenbeinkueste (BMO Field Toronto, 22:00) und am 25. Juni gegen Ecuador (MetLife Stadium New York/New Jersey, 22:00) - heisst die neue Regel praktisch: eine 500-Milliliter-Wasserflasche aus dem amerikanischen oder kanadischen Supermarkt geht durch, eine wiederverwendbare Reisetrinkflasche aus dem deutschen Reisegepaeck dagegen nicht. Bei der Sicherheitskontrolle ueberprueft die FIFA das Werkssiegel; geoeffnete Flaschen muessen entsorgt werden.

Insbesondere die Mittags- und fruehen Nachmittags-Anstoesse fallen mit der Hitzeproblematik zusammen. Wer die deutschen Anstosszeiten checken will, findet sie auf unserer Seite zum WM-Zeitplan in deutscher Zeit; fuer die DFB-Spiele liegen die Anstoesse abends in US-Lokalzeit und damit nicht in der heissesten Tagesphase.

Offene Fragen: medizinischer Bedarf, Babynahrung, Mexiko-Stadien

Drei Punkte bleiben am Tag der Kehrtwende ungeloest:

  1. Medizinischer Bedarf: Die FIFA bestaetigt, dass medizinisch noetige Fluessigkeiten und Babynahrung als Ausnahme bleiben - der genaue Anmeldeprozess im FIFA Fan Materials Portal ist allerdings am 6. Juni 2026 noch nicht final dokumentiert.
  2. Mexiko-Stadien: Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey stehen unter der Hoheit der lokalen Stadionbetreiber. Bis zur expliziten FIFA-Bestaetigung gilt dort die Hausordnung des jeweiligen Stadions - die Estadio Azteca AG hat ihre WM-Sonderregeln bisher nicht aktualisiert. Wer ein Mexiko-Spiel besucht, sollte vorab auf der jeweiligen Stadion-Website nachsehen.
  3. Stadionpreise: Die FIFA hatte zugesagt, dass die Wasserpreise im Stadion dem ueblichen lokalen Niveau entsprechen (“consistent with other events held at each stadium”). Welche Preisspannen das in der Praxis bedeutet, wird sich erst mit den ersten Spielen ab dem 11. Juni zeigen.

Auch die zusaetzlichen Hydration Stations, Misting Stations und Cooling Tents, die die FIFA gemeinsam mit den 16 Host City Committees aufstellt, bleiben Teil des Hitzeplans - ihre Verteilung pro Stadion ist nicht einheitlich, sondern haengt vom Standort, Klima und der vorhandenen Infrastruktur ab.

Was die Kehrtwende fuer das FIFA-Bild bedeutet

Es ist die zweite spuerbare Korrektur am Stadion-Reglement binnen einer Woche - nach der neuen Hymnen-Choreografie mit allen 26 Spielern und Pyrotechnik am 5. Juni 2026. Beide Faelle zeigen, wie schnell die FIFA in der heissen Phase vor dem Eroeffnungsspiel auf oeffentlichen Druck reagiert - und wie schmal der Grat zwischen Sicherheitsanspruch und Profitvorwurf bleibt.

Welche Spielregeln in Stadion und Spielfeld noch greifen, sammeln wir laufend auf der Uebersicht zum WM-2026-Modus. Den vollstaendigen Spielplan gibt es bei uns mit deutscher Anstosszeit, Stadion-Info und TV-Uebertragung.

Autor

Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

Das Redaktionsteam von fussballweltmeisterschaft.online berichtet rund um die Fußball-Weltmeisterschaft - von der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko über die DFB-Auswahl bis zur WM-Geschichte und den Nationalmannschaften der Welt.

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