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WM 2026

Naturrasen-Pflicht zwingt NFL-Stadien zum Rollrasen-Umbau für die WM 2026

Die FIFA verlangt für alle 16 WM-2026-Spielorte reinen Naturrasen. So liegt Rollrasen aus North Carolina jetzt auch in MetLife, SoFi und AT&T.

Von Marco Feldmann 13. Juni 2026

Die NFL spielt auf Kunstrasen, die WM 2026 nicht. So einfach lässt sich der Eingriff zusammenfassen, den die FIFA in mehr als der Hälfte der 16 WM-2026-Spielorte durchsetzt: Vom MetLife Stadium über das SoFi Stadium bis zum AT&T Stadium in Arlington mussten Rollrasen-Flächen verlegt werden, weil die Heim-NFL-Teams ihre Spiele auf Kunstrasen austragen. Die kicker-Schlagzeile vom Samstag bringt es auf den Punkt: Die WM zeige der NFL ein eigenes Problem. Eine Lagebeschreibung zu der Vorgabe, die das Turnier möglich macht.

Was die FIFA fordert - 105 mal 68 Meter Naturrasen, keine Ausnahmen

Die FIFA-Vorgabe steht in der Wettbewerbsregelung und ist nicht verhandelbar: Spielfläche 105 mal 68 Meter, ausschliesslich Naturrasen, dazu der vorgeschriebene Teststandard für die Grasnarbe. Sportschau fasst die Regel-Übersicht zur WM 2026 mit dem Satz “Nur Naturrasen ist erlaubt” zusammen. Grundlage ist die überarbeitete FIFA-Richtlinie für Naturrasen vom 26. Januar 2023, die auf dem FIFA-Teststandard für Naturrasenfelder vom Oktober 2021 aufsetzt und die Klima- und Bodenabhängigkeit jeder Spielfläche explizit berücksichtigt.

Die Konsequenz für die NFL-Heimstadien: ihre normalen Kunstrasen-Beläge werden während der WM-Phase abgedeckt oder ausgetauscht und durch verlegten Rollrasen ersetzt. In den Mehrzweckarenen mit Kunstrasen-Standard - MetLife, SoFi, AT&T, Lumen Field, das Mercedes-Benz Stadium - bedeutet das einen Aufbau, der Wochen vor dem ersten WM-Spiel beginnt und nach dem letzten Spiel wieder zurückgebaut wird.

MetLife Stadium - der Rollrasen aus North Carolina

Am offensichtlichsten ist der Eingriff im Endspielstadion. Im MetLife Stadium in East Rutherford, Heimspielort der New York Giants und New York Jets in der NFL, hat die FIFA den Rollrasen am 8. Mai 2026 verlegen lassen - rund fünf Wochen vor dem ersten WM-Spiel dort am heutigen 13. Juni (Brasilien gegen Marokko, 03:00 MESZ) und gut zehn Wochen vor dem WM-Finale am 19. Juli.

Geliefert hat den Belag die Carolina Green Turf Farm in North Carolina. Der Rollrasen kam über mehrere hundert Kilometer per LKW, der eigentliche Verlegevorgang dauerte zwei Tage. David Graham, Senior Pitch Manager bei FIFA Tournaments Infrastructure, gibt zudem an, dass im Anschluss eine Hybridverlegung mit eingearbeiteten Kunstfasern auf vier bis fünf Tage angesetzt war. “Wenn wir es schaffen, dass sich alle Spielflächen identisch anfühlen und einheitliche Oberflächen aufweisen, wäre das für uns ein Erfolg. An erster Stelle steht aber die Spielersicherheit”, wird Graham in der FIFA-Mitteilung zitiert.

Die Vorlaufzeit ist kein Zufall. Sechs bis sieben Jahre Forschung haben dem Roll-Out vorangestanden, so Graham, mit dem Ziel, dass die Grasnarbe in allen 16 WM-Spielflächen trotz Klima- und Höhenunterschieden ein vergleichbares Spielverhalten zeigt. In MetLife geht es jetzt erst einmal um die Frage, ob der Rasen die geplanten acht WM-Spiele bis zum Endspiel durchhält - inklusive des DFB-Gruppenspiels gegen Ecuador am 25. Juni um 22:00 MESZ.

SoFi, AT&T, Lumen Field - welche NFL-Arenen ihren Kunstrasen abdecken mussten

Das Schema MetLife wiederholt sich quer durch das WM-Stadionportfolio. Elf der 16 WM-2026-Spielorte sind nach dem Inventar in data/registry/stadiums.json reguläre NFL-Heimstadien, von Dallas über Atlanta bis Seattle. Nicht alle davon spielen NFL-seitig auf Kunstrasen, einige Klubs sind in den letzten Jahren ohnehin auf Naturrasen umgestiegen - bei der Naturrasen-Vorgabe der FIFA betrifft die Umrüstung aber alle Arenen, die im regulären NFL-Betrieb auf Kunstrasen spielen.

Im SoFi Stadium in Los Angeles, Schauplatz des USA-Auftakts gegen Paraguay (am gestrigen Freitag), regulär Heimspielort der Los Angeles Rams und Chargers, lag bei der Eröffnung der amerikanischen WM-Tour der verlegte Rasen erkennbar frisch. Im AT&T Stadium in Arlington, Dallas-Cowboys-Heim und mit 94.000 Plätzen das grösste WM-Stadion überhaupt, gilt dasselbe. Auch Lumen Field in Seattle, das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta und das BC Place in Vancouver, alle drei NFL- oder CFL-Mehrzweckarenen mit Kunstrasen-Tradition, sind für die WM auf Naturrasen umgerüstet.

Die FIFA selbst gibt einzelne Stadionpaare nicht detailliert frei. In der Mitteilung zum Endspielrasen heisst es nur, alle 16 Spielflächen sollten ein einheitliches Spielverhalten haben - der Subtext ist, dass die Naturrasen-Vorgabe überall greift, auch dort, wo die Saisongastgeber kein Naturrasen spielen.

Warum die NFL überhaupt noch Kunstrasen verlegt

Genau hier setzt die NFL-Debatte an, die der kicker am Samstag in seiner Schlagzeile aufgemacht hat. Die NFLPA-Spielergewerkschaft fordert seit Jahren flächendeckend Naturrasen, weil Studien über wiederkehrende Wadenbein- und Bandverletzungen auf Kunstrasen-Belägen Druck aufgebaut haben. Mehrere NFL-Klubs - die Las Vegas Raiders, die New York Giants - haben in der jüngeren Vergangenheit Umstellungs-Tests für ihre Mehrzweckarenen gestartet, in vielen Fällen aber wieder zurückgenommen, weil Kunstrasen pflegeleichter, witterungsunabhängiger und kommerziell flexibler ist (Konzerte, Monster Trucks, College-Spiele).

Die WM 2026 stellt diesen Pflegevorteil öffentlich in Frage. Wenn FIFA-Mannschaften wie die Brasilianer in Cleveland (Testspiel gegen Ägypten) oder die DFB-Elf in Chicago (Testspiel gegen die USA) ihre Generalproben auf NFL-Arenen ohne grosse Probleme auf gerade frisch verlegtem Naturrasen bestreiten und das Endspiel der weltgrössten Sportveranstaltung in MetLife mit demselben Belag läuft, sinkt die rhetorische Verteidigungslast für den Kunstrasen-Beibehalt deutlich. Erste US-Kommentatoren formulieren das genauso: Wenn die WM es kann, kann es die NFL auch.

Eine sofortige Wende ist aber nicht zu erwarten. Die NFL-Klubs werden nach der WM ihre Kunstrasen-Beläge zurückverlegen, die Diskussion dürfte sich am Stand der Verletzungsstatistik der Saison 2026 entlanghangeln.

Was das für die deutschen WM-Spiele in Houston, Toronto und New York bedeutet

Praktisch hat die FIFA-Vorgabe für den deutschen Blick eine klare Konsequenz: Das DFB-Auftaktspiel gegen Curaçao am Sonntag um 19:00 MESZ im NRG Stadium in Houston läuft auf verlegtem Naturrasen, das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni im BMO Field in Toronto sowieso (Toronto FC hat eine Naturrasen-Geschichte), das dritte gegen Ecuador im MetLife wieder auf eigens verlegtem Rollrasen.

Die Erfahrung aus den ersten WM-Spielen zeigt, dass die Naturrasen-Pflicht zwar erfolgreich umgesetzt worden ist, aber nicht reibungsfrei: Beim USA-Spiel gegen Paraguay im SoFi war auf den Liveticker-Bildern nach den Hattrick-Toren von Folarin Balogun teils noch frisch wirkender Rasen erkennbar, ohne aber zu Beschwerden der Trainer Mauricio Pochettino oder Gustavo Alfaro geführt zu haben. Die Generalproben aller WM-Teams in den USA waren ein Stresstest, den die FIFA-Pitch-Crew unter Graham augenscheinlich bestanden hat.

Für das Endspiel am 19. Juli wird genau diese Rasenqualität entscheidend sein. Acht WM-Spiele in MetLife inklusive Achtel- und Viertelfinale bedeuten gut zehn Wochen Belastung für eine Spielfläche, die im Mai gewachsen ist. Wenn am Finaltag die Grasnarbe wie geplant hält, hat die FIFA die strittigste Infrastruktur-Frage der WM 2026 geräuschlos abgehakt - und die NFL bekommt einen Belegungs-Beweis dafür geliefert, dass Naturrasen in ihren Stadien funktioniert.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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