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WM 2026

WM 2026: Stadionarbeiter am SoFi Stadium drohen mit Streik wegen ICE-Razzien

Personal des WM-2026-Spielorts SoFi Stadium droht wegen möglicher ICE-Razzien mit Streik. Was die Gewerkschaft fordert und was das fürs Turnier heißt.

Von Marco Feldmann 19. Mai 2026

Das SoFi Stadium in Inglewood bei Los Angeles richtet acht Spiele der WM 2026 aus - dort droht das Personal mit Streik. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Gut drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 kommt der erste größere Konflikt nicht aus einer Pressekonferenz, sondern aus dem Maschinenraum eines Spielorts. Am SoFi Stadium bei Los Angeles, einer von elf US-Arenen des Turniers, droht das Personal mit Streik - aus Angst vor Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE an den eigenen Arbeitstagen. Es ist kein sportliches, sondern ein gesellschaftliches Problem, das mitten in die Turniervorbereitung fällt.

Was am SoFi Stadium passiert ist

Beschäftigte des Stadions im Vorort Inglewood haben angekündigt, die Arbeit niederzulegen, sollten bei den WM-Spielen ICE-Agenten zum Einsatz kommen. Organisiert wird der Protest von der Gewerkschaft Unite Here Local 11, die in Südkalifornien Zehntausende Beschäftigte aus Hotellerie, Gastronomie, Flughäfen und Arenen vertritt; rund 2.000 von ihnen arbeiten am SoFi Stadium. Bei einer Kundgebung in Los Angeles, an der sich Medienberichten zufolge auch ein kalifornischer Gouverneurs-Kandidat beteiligte, richtete sich die Kritik direkt an die FIFA.

Die Gewerkschaft beließ es nicht bei einer Drohung. Sie reichte nach Angaben von sportschau.de eine formelle Beschwerde bei der US-Arbeitsbehörde NLRB ein und verwies auf ein “Klima der Angst” unter den Beschäftigten. Ein Stadionkoch schilderte stellvertretend, man wolle nicht in Furcht zur Arbeit kommen und auch nicht auf dem Heimweg eine Festnahme fürchten müssen; lasse sich keine Einigung erzielen, sei man zum Streik bereit.

Worum es den Beschäftigten geht

Die Forderungen sind eng umrissen und zielen weniger auf Lohn als auf Sicherheit. Erstens: keine ICE-Einsätze an den acht WM-Spieltagen am SoFi Stadium. Zweitens: Die FIFA soll garantieren, dass die persönlichen Daten der Beschäftigten nicht an ICE, an ausländische Staaten oder an Geheimdienste weitergegeben werden. Hintergrund ist die Sorge vieler Stadionmitarbeiter, durch ihre Beschäftigung beim Großereignis selbst ins Visier von Einwanderungskontrollen zu geraten.

Eine offizielle Reaktion der FIFA oder des Stadionbetreibers war den Berichten zunächst nicht zu entnehmen. Damit steht eine konkrete, datierbare Drohung im Raum, ohne dass bisher eine Zusage der Veranstalterseite gegenübersteht.

Warum ausgerechnet Los Angeles

Das SoFi Stadium in Los Angeles ist kein Nebenschauplatz. Die 2020 eröffnete, rund 70.000 Zuschauer fassende Heimstätte der NFL-Teams Rams und Chargers richtet acht WM-Partien aus - eine der höchsten Spielzahlen aller Turnierstadien. Darunter ist der erste Auftritt der US-Auswahl bei der eigenen Heim-WM, das Gruppenspiel gegen Paraguay am 13. Juni, sowie Türkei gegen USA am 26. Juni. Welche Begegnungen wo stattfinden, zeigt der WM-2026-Spielplan im Detail.

Brisant ist die Spielort-Logik noch aus einem zweiten Grund: Am selben Stadion treten zwei Gruppenspiele des Iran bei der WM 2026 an - gegen Neuseeland am 16. Juni und gegen Belgien am 21. Juni. Gerade um die iranische Mannschaft und ihre Anhänger kreist die Einreise-Debatte besonders heftig, weil iranische Staatsangehörige unter ein US-Einreiseverbot fallen. Dass nun auch das Personal desselben Stadions vor Kontrollen warnt, verdichtet zwei Stränge derselben politischen Großwetterlage an einem Ort.

ICE und die WM-Sicherheit

Die Sorge der Beschäftigten kommt nicht aus dem Nichts. ICE-Direktor Todd Lyons hatte bereits im Februar 2026 erklärt, seine Behörde werde bei der Sicherheit des Turniers eine Schlüsselrolle einnehmen. Seither steht die Frage im Raum, ob aus “Sicherheit” im Umfeld der Stadien auch Einwanderungskontrollen werden könnten. Verstärkt wird die Nervosität durch Berichte über tödliche ICE-Einsätze in den USA in diesem Jahr, auf die sich die Beschäftigten in ihrer Begründung beziehen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu einem anderen, schon laufenden Thema. Wie Trumps Einreisepolitik die WM 2026 überschattet, betrifft vor allem die Frage, wer überhaupt in die USA hineinkommt - Teams, Funktionäre, Fans. Der SoFi-Konflikt liegt quer dazu: Hier geht es nicht um die Einreise von außen, sondern um Menschen, die im Gastgeberland leben und arbeiten und fürchten, ausgerechnet ihr WM-Job mache sie angreifbar. Beides speist sich aus derselben verschärften US-Migrationspolitik, betrifft aber unterschiedliche Gruppen.

Was das fürs Turnier und für deutsche Fans heißt

Für die sportliche Planung gilt vorerst Entwarnung: Es gibt eine Streikdrohung, keinen Streik, und keine Ankündigung, dass WM-Spiele am SoFi Stadium ausfallen. Die Drohung ist ein Druckmittel, um vor dem Anpfiff eine verbindliche Zusage zu erzwingen. Ob FIFA und Stadionbetreiber darauf eingehen, ist die offene Frage der nächsten Wochen - und ein Stimmungstest dafür, wie das mit “United” werbende Turnier mit den Beschäftigten umgeht, die es überhaupt erst bespielbar machen.

Für Reisende mit deutschem Pass ändert der Vorgang an der konkreten Planung nichts. Wer zur WM fährt, sollte sich an den praktischen Schritten orientieren - rechtzeitig ESTA beantragen, Ticket- und FIFA-ID-Daten konsistent halten, Pufferzeit einplanen; das ist neutral in der Übersicht zur USA-Reise und Einreise bei der WM 2026 aufbereitet. Der Streit am SoFi Stadium ist davon getrennt, aber er gehört zum Gesamtbild: Drei Wochen vor dem Anpfiff entscheidet sich nicht nur auf dem Rasen, ob aus dem Werbeversprechen eines offenen Turniers Realität wird, sondern auch an seinen Diensteingängen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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