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WM 2026

Aguirre bestaetigt Ruecktritt - Rafael Marquez uebernimmt Mexikos Nationalelf

Nach dem 2:3 gegen England tritt Javier Aguirre in der Nacht auf Montag zurueck. Rafael Marquez rueckt wie im April 2026 kommuniziert vom Co- zum Chefcoach auf.

Von Marco Feldmann 06. Juli 2026

Javier Aguirre und Co-Trainer Rafael Marquez am 8. Juni 2026 bei der offiziellen Fahnenhissung im Hochleistungszentrum CAR in Mexiko-Stadt - vier Wochen spaeter erfuellt sich die vereinbarte Nachfolge. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Javier Aguirre ist als Nationaltrainer Mexikos zurueckgetreten. Der 67-Jaehrige bestaetigte den Schritt in der Nacht auf Montag, 6. Juli 2026, deutscher Zeit - unmittelbar nach dem 2:3 im Achtelfinale gegen England im Aztekenstadion, mit dem die WM im eigenen Land zu Ende ging. In der Sportschau-Interviewzone und auf der Pressekonferenz sagte Aguirre: “Ich sage auf Wiedersehen zum Fussball. Auf Wiedersehen zum Aztekenstadion. Ich gehe mit Stolz.” Nachfolger wird wie im April 2026 vom Verband angekuendigt der bisherige Co-Trainer Rafael Marquez - der 47-jaehrige Ex-Barca-Kapitaen rueckt nach zwei Jahren als Assistent zum Cheftrainer auf, sein Vertrag laeuft bis zur WM 2030.

”Ich gehe mit Stolz” - Aguirres Abschied in der Nacht auf Montag

Der Ruecktritt kam nicht ganz ueberraschend, aber schneller als von den Verbandsoberen erwartet. Nach dem 2:3 gegen England - Bellingham-Doppelpack in 98 Sekunden, Quinones-Volley zum Anschluss, Rot fuer Quansah, Kane-Elfmeter, Jimenez-Elfmeter zum Endstand - hatte Aguirre im ersten Interview auf dem Feld noch von “Verantwortung uebernehmen” gesprochen und die Verlaengerung als Verbandsfrage bezeichnet. Zwei Stunden spaeter, in der Nacht auf Montag deutscher Zeit, war die Entscheidung eine andere. In der Pressekonferenz waehlte der 67-Jaehrige die groesstmoegliche Form: den Ruecktritt vom Trainerberuf.

Aguirre umriss die Entscheidung mit einem Satz, den mexikanische Medien am Morgen breit zitieren: “Ich sage auf Wiedersehen zum Fussball. Auf Wiedersehen zum Aztekenstadion. Ich gehe mit Stolz.” Er habe alles gegeben, die Mannschaft habe alles gegeben. Ausschlaggebend fuer den Zeitpunkt sei fuer ihn das Aztekenstadion selbst gewesen - der Ort, an dem er 1985 als Spieler in die Nationalelf berufen worden war und an dem er nun das dritte und, wie er ausdruecklich sagte, letzte Kapitel als Trainer schliesse. Ueber Marquez sagte er lediglich: “Ich habe ihm gesagt, dass er immer auf mich zaehlen kann.”

Der Schritt hat eine biografische Doppelbotschaft. Aguirre ist in Mexiko der einzige Trainer, der dreimal zum Nationalcoach berufen wurde: 2001 fuer die WM-Qualifikation und die WM 2002 in Suedkorea/Japan, 2009-2010 fuer die WM-Rettung nach dem Sven-Goran-Eriksson-Aus und die WM 2010 in Suedafrika sowie seit Juli 2024 fuer die Heim-WM 2026. In allen drei Amtszeiten fuehrte er die Mannschaft ins Achtelfinale und schied dort aus. Es ist eine Bilanz, die im Kader-Portrait der Nationalmannschaft Mexiko wiederkehrt und die Aguirre in der Nacht auf Montag mit einem lakonischen “So ist Fussball” quittierte.

Marquez rueckt auf - vom Co-Trainer zum Chefcoach bis zur WM 2030

Der Uebergang ist seit April 2026 abgesprochen und braucht keine neuen Verhandlungen. Bereits vor dem Turnier hatte Verbands-Sportdirektor Duilio Davino die Personalie offen kommuniziert - der Kicker zitierte den Verband damals mit “Sein Vertrag ist unterschrieben”, sport1.de schrieb von einer Nachfolge nach der WM als “Chefcoach” mit dem Ziel WM 2030. Das Setup war klar: Aguirre fuehrt das Turnier, Marquez uebernimmt danach. Nach dem fruehen Achtelfinal-Aus und dem sofortigen Ruecktritt wird aus dem “danach” der 6. Juli.

Rafael Marquez ist in Mexiko keine Zwischenloesung. Der 47-Jaehrige ist der Rekord-Kapitaen der Nationalelf (146 Laenderspiele) und der einzige mexikanische Feldspieler, der fuenf Weltmeisterschaften bestritten hat: 2002, 2006, 2010, 2014 und 2018. Als Innenverteidiger gewann er mit dem FC Barcelona zweimal die Champions League (2006 und 2009), er stemmte 2011 als Spieler-Trainer die New York Red Bulls ins Playoff und beendete seine Spielerkarriere 2018 bei Atlas Guadalajara. Seit 2020 arbeitet er im Trainerberuf - erst als U-Coach im Barcelona-Reserveteam, seit 2024 als Assistent Aguirres beim mexikanischen Verband. Die Verbindung nach Barcelona ist bis heute lebendig; Marquez hat mehrfach betont, dass Pep Guardiolas Prinzip vom Ballbesitzfussball die Grundlage seiner Trainerarbeit ist.

Praktisch heisst die Nachfolge: keine Vorbereitungszeit. Die naechsten Termine im Kalender der Mexiko-Nationalelf sind CONCACAF-Nations-League-Spiele im September 2026, der Gold Cup 2027 im eigenen Land und die WM-Qualifikation 2028. Bereits zum Nations-League-Auftakt Ende September wird Marquez seinen ersten Kader nominieren muessen - im Wissen, dass die Uebergangs-Konstellation mit Kapitaen Raul Jimenez (34), Guillermo Ochoa (40), Hector Herrera (36) und Andres Guardado (39) sich weitgehend natuerlich abwickelt und der Zyklus nur mit einer neuen Achse funktioniert. Frankfurter Sechser Edson Alvarez (28), LAFC-Angreifer Julian Quinones (28), Bayern-Angreifer Santi Gimenez (25) und Napoli-Aussen Hirving Lozano (30) sind fuer Marquez das Grundgeruest.

Die Bilanz der dritten Amtszeit - Aguirres letzter Auftrag

Die Verpflichtung im Juli 2024 war ein Notruf. Nach dem Copa-America-Aus in der Vorrunde 2024 hatte Verbandspraesident Ivar Sisniega Jaime Lozano entlassen und mit Aguirre auf einen Trainer gesetzt, der schon zweimal die Nationalelf uebernommen hatte, wenn die Verbandsspitze aus dem Krisenmodus heraus einen Erwachsenen brauchte. Die 22 Monate bis zur WM sollten reichen, um eine Mannschaft mit intaktem Ballbesitz-System und stabilen Halbfeldspielern zu formen. In Zahlen: 26 Spiele, 17 Siege, 5 Unentschieden, 4 Niederlagen; Gold-Cup-Sieg 2025 nach einem 2:1 gegen die USA im Endspiel; drei Vorrundensiege in Gruppe A gegen Suedafrika, Suedkorea und Ecuador; Achtelfinal-Aus gegen England.

Die Analyse in Mexiko wird viele Ebenen haben. Sportlich fehlte gegen England nach der Roten Karte fuer Jarell Quansah in der 54. Minute die Chancenverwertung - 32 Minuten Ueberzahl brachten keinen weiteren Treffer aus dem Spiel. Menschlich lief die Woche in Mexiko-Stadt schief: das Aztekenstadion war vor dem Achtelfinale nach heftigen Buhrufen zwischen Teilen des Publikums und der Mannschaft mit dem Anpfiff-Verzoegerungs-Chaos zusaetzlich belastet. Und emotional lag ueber der ganzen WM die Erinnerung an 1986, an Diego Maradonas “Hand Gottes” und daran, dass Mexiko im eigenen Land seit 1986 bei jeder WM-Teilnahme das Achtelfinale erreicht und dort gescheitert ist. Der 6. Juli 2026 verlaengert das Muster um ein Kapitel.

Was der Trainerwechsel fuer den Zyklus 2026-2030 bedeutet

Fuer Marquez beginnt die Arbeit an der schwierigsten mexikanischen Herausforderung des Jahrzehnts: einen Kader mit vielen Ueber-30-Routiniers ohne Bruch zu verjuengen, ohne das defensive Grundgeruest zu verlieren. Der Verband hat sich mit der lange Wache Nachfolgeloesung Zeit genommen; die Chance ist, dass Marquez den Uebergang nicht als Abriss, sondern als kontinuierliche Erneuerung anlegt. Sportlich stehen zwei Weichenstellungen an. Erstens: Wer wird neuer Torhueter nach Ochoa? Julio Gonzalez (Pumas) und der junge Luis Malagon (Club America) sind die naechsten. Zweitens: Wer traegt die Kapitaensbinde nach Jimenez? Alvarez, der schon in der Frankfurter Bundesliga ausgereift ist, ist der wahrscheinlichste Anwaerter.

Ein Blick in den WM-2026-Achtelfinal-Bracket zeigt: Mexiko ist mit England (Viertelfinale gegen Norwegen), Marokko (Viertelfinale gegen Frankreich), USA (Achtelfinale gegen Belgien in wenigen Stunden), Portugal, Spanien und Brasilien - Ausscheiden - schon jetzt in einer WM-Landschaft, in der die klassischen CONCACAF-Angehoerigen im Halbfinale nur ueber Marokko und die USA vertreten sein koennen. Marquez erbt also nicht nur einen Kader, sondern eine Konfoederation, die sich neu formatiert. Die Copa America 2028 in den USA - erneuter Turnier-Rahmen im eigenen Kontinent - wird sein erstes grosses Turnier. Und die WM 2030 in Marokko, Portugal und Spanien der Auftrag, den ihm der Verband schon vor der Heim-WM 2026 ins Notizbuch geschrieben hat.

Was jetzt kommt - Kader, Assistenz, Kalender

In Mexiko-Stadt wird die Verbandsspitze am Montag die Personalie kommunizieren. Nach Verbandsangaben soll Marquez den bisherigen Assistenz-Stab um Athletiktrainer Hector Cervantes und Torwarttrainer Jorge Campos in der Grundstruktur beibehalten; als sportlichen Analyst hat Marquez ausserdem seit April den ehemaligen Nationalspieler Diego Reyes im Blick. Aguirre wird nach eigenen Angaben keine Vereinsstation mehr annehmen. Die Copa America 2028 in den USA ist das erste grosse Turnier, das Marquez als Chefcoach im Blick hat, davor stehen 2027 der CONCACAF Gold Cup und die WM-Qualifikation 2028 zur WM 2030 an.

Fuer Aguirre endet mit dem 6. Juli 2026 eine der laengsten Nationaltrainer-Biografien Nordamerikas. Er ist die dritte grosse mexikanische Trainer-Persoenlichkeit der WM-Aera nach Ignacio Trelles (1958-1970, drei WM-Teilnahmen) und Miguel Mejia Baron (1994). Die 2010er-Erfahrung, dass ein WM-Aus im eigenen Land vor allem den Verband mit sich selbst konfrontiert - so wie es der DFB nach dem WM-Aus 2018 in Russland durchmachte und wie ihn jetzt auch der DFB-Krisensitzung 2026 nach dem Vorrunden-Aus in Nagelsmanns letzter Woche wieder einholt - ist auch in Mexiko-Stadt ab jetzt Tagesordnung. Marquez uebernimmt in genau diesem Moment.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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