Argentinien - Ägypten 3:2: Wahnsinns-Wende nach Messi-Elfer-Fehlschuss
Argentinien dreht 0:2-Rückstand gegen Ägypten in 3:2 und zieht ins Viertelfinale. Enzo Fernández trifft in der 90.+2., Messi verschiesst Elfmeter. Hassan wittert Manipulation.
Von Marco Feldmann 08. Juli 2026
Argentinien hat Ägypten am Dienstag, 7. Juli 2026, im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta nach einem 0:2-Rueckstand in der Schlussphase noch mit 3:2 aus der WM 2026 geworfen und steht damit im Viertelfinale. Yasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) hatten den nordafrikanischen Aussenseiter 65 Minuten lang wie den kommenden Erfolgstraeger aussehen lassen. Dann verschoss Lionel Messi in der 74. Minute einen Elfmeter, und Argentinien drehte auf. Cristian Romero verkuerzte in der 79. Minute per Kopfball, Messi glich in der 83. Minute mit seinem 21. WM-Turniertreffer aus, Enzo Fernandez traf in der 90.+2. Minute per Kopfball nach Flanke von Lautaro Martinez zum 3:2. Der brasilianische Schiedsrichter Wilton Sampaio liess das Spiel unmittelbar danach abpfeifen. Aegyptens Trainer Hossam Hassan sprach in der Mixed Zone von einem “manipulierten Spiel”. Zur Halbzeit stand es 0:1. Anpfiff war um 18:00 Uhr MESZ vor 68.500 Zuschauern. Argentinien trifft im Viertelfinale am 12. Juli im Arrowhead Stadium in Kansas City auf die Schweiz.
Der Auftakt: Ibrahim 15., Ziko 67. und ein 0:2 nach 67 Minuten
Es war die grosse WM-Ueberraschung der zweiten Achtelfinal-Wave: Ägypten legte den Titelverteidiger fuer 67 Minuten an die Kandare. Der von Hossam Hassan gecoachte Vize-Afrika-Meister hatte in der Vorrunde die Gruppe A gewonnen und im Sechzehntelfinale Australien 2:0 besiegt (siehe Ägyptens Weg im Turnier). In Atlanta trat Hassan mit einem sehr tief stehenden 4-4-2 an, das Argentinien fuer eine halbe Stunde die Ideen nahm.
In der 15. Minute kam Aegypten ueberraschend zur Fuehrung. Nach einer schnellen Umschaltaktion schloss Trezeguet von der rechten Seite ab, der Schuss prallte von der Latte zurueck ins Spielfeld, wo Yasser Ibrahim den Nachschuss aus fuenf Metern volley zum 1:0 verwertete. Torhueter Emiliano Martinez kam an den Ball nicht mehr heran. In der 41. Minute setzte Mohamed Salah einen Distanzschuss knapp am linken Pfosten vorbei; die Egypter hatten nach vorne die klareren Momente. Zur Halbzeit stand es 0:1 - Argentiniens erste WM-Halbzeit-Ruecklage seit dem Vorrunden-Aus 2002 gegen Schweden in Miyagi.
Auch die zweite Haelfte startete zunaechst nach ägyptischem Drehbuch. In der 67. Minute wurde Aegyptens Vorsprung ausgebaut: Mostafa Ziko brachte einen Distanzschuss aus 22 Metern ins linke untere Eck, Martinez war zu langsam unten. Aegypten fuehrte 2:0, und im argentinischen Sektor sank die Stimmung. Sportschau-Kommentator Tom Bartels sprach von einer “griechischen Situation” - der Vergleich zu 2004 hing im Raum.
Der Bruch: Messi-Elfer-Fehlschuss und der Romero-Kopfball 79.
Der Wendepunkt kam in der 74. Minute: Nach einer Flanke von Nicolas Tagliafico streckte Aegyptens Innenverteidiger Mohamed Elneny den Arm im Sechzehner aus und lenkte den Ball damit weg. Sampaio zeigte nach VAR-Empfehlung auf den Punkt. Messi trat an. Der 39-jaehrige Weltmeister von 2022 zoegerte im Anlauf, wechselte kurz vor dem Schuss die Ecke, wollte in die linke Kicker-Ecke platzieren - Mohamed El-Shenawy blieb lange stehen, warf sich rechtzeitig runter und parierte per Fussabwehr. Der Nachschuss von Julian Alvarez ging aus der Drehung ueber die Latte. Es war Messis erster verschossener Elfmeter bei einer WM-Endrunde seit dem 1:1 gegen Island in Moskau am 16. Juni 2018 (siehe Messi Ronaldo Modric Letzter Tanz Feature).
Der Fehlschuss aber wirkte paradox: statt in Depression zu kippen, druckte Argentinien wuetend nach. In der 79. Minute kam eine Ecke von Messi in den ägyptischen Sechzehner, Cristian Romero stieg am kurzen Pfosten hoch und koepfte den Ball trocken ins lange Eck - 1:2. Es war das erste Kopfballtor des 27-jaehrigen Tottenham-Verteidigers bei dieser WM.
Messis 21. WM-Tor und der Kopfball von Enzo Fernandez 90+2
Der Ausgleich fiel in der 83. Minute. Nach einem klugen Steckpass von Rodrigo De Paul stand Messi frei im Sechzehner und schoss halblinks flach ins Eck. Es war sein elfter WM-Turniertreffer bei dieser WM und sein insgesamt 21. WM-Karriere-Treffer - er ist damit alleiniger Rekordtorschuetze der argentinischen WM-Historie. Der Torjubel-Anlauf des Kapitaens fand Sportschau-Kommentator Bartels: “Ich habe Messi selten so wuetend und so entschlossen jubeln sehen.”
Der Wahnsinn fand in der 2. Minute der Nachspielzeit seine Kroenung. Nach einem argentinischen Ballgewinn im Zentrum trieb Lautaro Martinez den Ball auf der rechten Seite nach vorne und schlug eine scharfe Flanke ins Zentrum. Enzo Fernandez stand in der Luft und schmetterte den Ball mit dem Kopf ins rechte Eck - 3:2 fuer Argentinien. Der 25-jaehrige Chelsea-Sechser sprintete zur Eckfahne, riss sein Trikot vom Leib, und Sampaio pfiff die Partie unmittelbar nach dem Anstoss ab. Argentinien hatte innerhalb von 13 Minuten aus einem 0:2 einen 3:2-Sieg gemacht - der spaeteste WM-Achtelfinal-Comeback-Erfolg der Turnier-Historie nach WM-Statistik.
Aegyptens Manipulations-Vorwurf: Trainer Hassan schaeumt
Direkt nach dem Abpfiff platzte in der ägyptischen Mixed Zone der Kragen. Trainer Hossam Hassan stellte sich vor die Fernseh-Kameras und sprach von einem “manipulierten Spiel”: “Das war ein manipuliertes Spiel und die ganze Welt hat es gesehen. Vor dem Siegtor hat Hamdy Fathy im argentinischen Strafraum einen klaren Ellbogen von einem argentinischen Verteidiger bekommen und lag am Boden. Der Schiedsrichter hat weitergespielt und die Argentinier haben in Ueberzahl die Flanke gebracht. Warum gibt es keine Fairness? Warum kein VAR-Check?”
Der ägyptische Verband kuendigte an, formell bei der FIFA Beschwerde einzureichen. Sampaio hatte die Szene an der Sechzehnerkante gesehen, die zweifelnde Wahrnehmung der ägyptischen Bank aber nicht durch einen VAR-Check reagiert. Der brasilianische Referee, seit 2022 auf der FIFA-Liste, hatte in der Vorrunde bereits das Duell Argentinien-Kap-Verde geleitet - Aegyptens Wahrnehmung, hier gebe es ein Muster, ist aus Verbands-Sicht bereits vor dem Spiel Thema. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni wollte in der Pressekonferenz auf die Vorwuerfe nicht eingehen: “Wir haben den Sieg verdient. Wir haben nach 2:0 zurueck ins Spiel gefunden. Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft.”
Was auf Argentinien im Viertelfinale zukommt: Kansas City, Schweiz
Argentinien trifft im Viertelfinale am Sonntag, 12. Juli 2026, um 03:00 Uhr MESZ (Samstagabend Ortszeit) im Arrowhead Stadium in Kansas City auf die Schweiz. Die Schweizer hatten in Vancouver Kolumbien nach 120 torlosen Minuten im Elfmeterschiessen mit 4:3 aus dem Turnier geworfen. Es waere die erste WM-Begegnung beider Teams. Freundschaftsspiele stehen 3:1 fuer Argentinien - zuletzt hatten sich beide im November 2022 in Zuerich vor der WM in Katar getroffen und die Argentinier dank Angel-Di-Maria-Doppelpack 2:1 gewonnen.
Fuer den WM-Titelverteidiger Argentinien und Messis selbst-erklaerten letzten Tanz auf der grossen Buehne wird das Duell mit den Yakin-Schweizern der erste echte K.-o.-Test seit dem Aus im Elfmeter-Krimi 2022 im Finale gegen Frankreich. Der Sieger der Kansas-City-Partie zieht ins Halbfinale am 16. Juli in Atlanta ein und trifft dort auf den Sieger aus Marokko-Frankreich oder Spanien-Belgien (siehe Spanien-Portugal-Spielbericht fuer das QF2-Puzzle).
Aufstellungen und Statistik
Aegypten startete in einem 4-4-2 mit Mohamed El-Shenawy im Tor, der Viererkette Ahmed Fatouh, Mohamed Hany, Mohamed Elneny, Omar Kamal und Ahmed Hegazi, dem Mittelfeld-Quartett Trezeguet, Hamdy Fathy, Mostafa Ziko und Emam Ashour sowie dem Angriffs-Duo Mohamed Salah und Yasser Ibrahim. Hassan wechselte in der 68. Minute Ahmed Sayed fuer Trezeguet, in der 78. Minute Omar Marmoush fuer Emam Ashour und in der 87. Minute Marwan Attia fuer Mostafa Ziko.
Argentinien stand in einem 4-3-3 mit Emiliano Martinez im Tor, der Viererkette Nahuel Molina, Cristian Romero, Nicolas Otamendi und Nicolas Tagliafico, dem Mittelfeld-Trio Rodrigo De Paul, Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister sowie dem Angriff Lionel Messi, Julian Alvarez und Nicolas Gonzalez. Scaloni wechselte in der 65. Minute Lautaro Martinez fuer Nicolas Gonzalez, in der 71. Minute Giovani Lo Celso fuer Alexis Mac Allister und in der 88. Minute Angel Di Maria fuer Nahuel Molina.
Tore: 0:1 Ibrahim (15., Nachschuss nach Trezeguet-Latte), 0:2 Ziko (67., Distanzschuss aus 22m ins linke untere Eck), 1:2 Romero (79., Kopfball nach Messi-Ecke), 2:2 Messi (83., flach halblinks nach De-Paul-Zuspiel), 3:2 Enzo Fernandez (90.+2., Kopfball nach Lautaro-Martinez-Flanke).
Halbzeit: 0:1. Schiedsrichter: Wilton Sampaio (Brasilien). Verschossener Elfmeter: Messi (74., pariert von El-Shenawy). Gelbe Karten: Hegazi (18., Foul Julian Alvarez), Elneny (73., Handspiel), Romero (77., Meckern), De Paul (85., Foul Ziko), Otamendi (90.+5., Zeitspiel). Stadion: Mercedes-Benz Stadium, Atlanta, 68.500 Zuschauer. Weiter geht es fuer Argentinien am 12. Juli in Kansas City gegen die Schweiz; Aegypten ist ausgeschieden. Der Kontext-Rueckblick auf die argentinische Turnier-Erwartung: Argentinien Titelverteidiger Scaloni Messi letzte WM. Die parallelen R16-Wave-2-Ergebnisse ordnen wir in Spanien-Portugal 1:0 ein.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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