Zum Inhalt springen
WM 2026

Spanien - Portugal 1:0: Merino-Joker in der 91., Ronaldos WM-Karriere endet in Dallas

Spanien schlaegt Portugal im WM-Achtelfinale 1:0. Joker Merino trifft in der 91. Minute in Dallas, Ronaldo verliert sein letztes WM-Spiel, Spanien trifft im Viertelfinale auf Belgien.

Von Marco Feldmann 08. Juli 2026

Mikel Merino jubelt nach seinem 1:0-Siegtor in der 91. Minute im Achtelfinale der WM 2026 gegen Portugal am 6. Juli 2026 im AT&T Stadium in Arlington/Dallas (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Spanien hat Portugal am Montag, 6. Juli 2026, im AT&T Stadium in Arlington/Dallas mit 1:0 aus der WM 2026 geworfen und steht damit im Viertelfinale. Das entscheidende Tor erzielte Joker Mikel Merino in der 91. Minute nach Zuspiel von Ferran Torres. Zur Halbzeit hatte es 0:0 gestanden. Fuer Cristiano Ronaldo ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit das letzte WM-Spiel seiner Karriere - der 41-jaehrige Kapitaen absolvierte die vollen 90 Minuten, blieb offensiv aber weitgehend ohne Wirkung. Schiedsrichter war der erfahrene Englaender Anthony Taylor. Portugal hatte am Ende die etwas laengere Bank (15:10 Torschuesse) und in der 41. Minute durch Nuno Mendes nur die Latte getroffen. Spanien trifft im Viertelfinale am 10. Juli im SoFi Stadium in Los Angeles auf Belgien, das in Seattle die USA mit 4:1 rauswarf.

Der Ablauf: Nuno-Mendes-Latte, Yamal-Curling und ein zaeher 0:0-Halbzeitstand

Das Iberien-Derby beim Sportschau-Anstoss um 21:00 Uhr MESZ (14:00 Ortszeit) startete im 32-Grad-heissen AT&T Stadium mit hoher Intensitaet. Roberto Martinez’ Portugiesen kamen mit einer klaren Idee, das offene 4-3-3 von Luis de la Fuente ueber Konter zu bespielen, waehrend Spanien den Ball fruh laufen liess und ueber die Aussen mit Lamine Yamal und Nico Williams Druck aufbaute. Die erste Grosschance gehoerte allerdings Spanien: In der 17. Minute schlug Yamal einen Ball mit dem linken Fuss aus 20 Metern gefuehlvoll auf den Kasten - Diogo Costa reagierte glaenzend mit einem Doppelreflex und lenkte den Nachschuss von Alvaro Morata ueber die Latte.

Portugal antwortete in der 41. Minute mit dem lautesten Moment der ersten Haelfte: Nach einer scharfen Ecke von Bruno Fernandes kam Nuno Mendes am kurzen Pfosten frei zum Kopfball und knallte den Ball an die Latte - die beste portugiesische Chance des Spiels. Zur Halbzeit stand es 0:0, Spanien hatte Ballbesitz und territoriale Ueberlegenheit, Portugal die klareren Momente.

Der Bruch: Merinos 91. Minute nach Ferran-Torres-Zuspiel

Nach der Pause verflachte die Partie etwas. Ronaldo blieb in der Rolle des reinen Fixpunktes und kam kaum zu Torabschluessen; erst in der 68. Minute brachte er einen zentralen Distanzschuss an - Unai Simon parierte im Nachfassen. Yamal versuchte es in der 63. Minute erneut mit einem Innenrist-Curling aus dem linken Halbfeld, Diogo Costa wehrte per Fussparade zur Ecke ab. De la Fuente reagierte in der 78. Minute mit einem taktischen Doppelwechsel: Mikel Merino kam fuer den bis dahin unauffaelligen Fabian Ruiz, Dani Olmo ersetzte den ausgepumpten Nico Williams. Es war eine Umstellung, die die Statik der Partie neu vermass - und die spielentscheidend werden sollte.

Der Schluesselmoment kam mit dem Anpfiff der ersten Minute der Nachspielzeit. Portugal versuchte, nach einem eigenen Freistoss die Kompaktheit zu wahren, verlor den zweiten Ball an der eigenen Sechzehnerkante an Pedri. Der Barcelona-Regisseur schaltete sofort nach vorne, fand Ferran Torres auf rechts. Torres zog auf die Grundlinie, sah Nuno Mendes halbherzig anlaufen und legte flach quer in den Rueckraum, wo Merino frei zum Abschluss kam. Der 30-Jaehrige nahm den Ball mit einem Kontakt mit und schob ihn aus etwa zwoelf Metern flach mit dem linken Fuss ins kurze Eck. Diogo Costa war ohne Chance. Es war Merinos erster Turniertreffer bei dieser WM - und die Erinnerung an sein EM-Halbfinal-Tor 2024 gegen Deutschland, ebenfalls in der Nachspielzeit.

Cristiano Ronaldo: das Ende einer WM-Karriere in Dallas

Der 41-jaehrige Ronaldo verliess das AT&T Stadium ohne offizielle Ruecktrittserklaerung, wischte sich aber im Spielertunnel sichtlich Traenen aus dem Auge. Fuenf Weltmeisterschaften mit portugiesischem Trikot - 2006 in Deutschland, 2010 in Suedafrika, 2014 in Brasilien, 2018 in Russland, 2022 in Katar und jetzt 2026 in den USA - reichten am Ende fuer den einen fehlenden Titel nicht mehr. Ronaldo bleibt mit acht WM-Toren in 22 Einsaetzen portugiesischer WM-Rekordtorschuetze und ist mit sechs Teilnahmen der einzige Spieler mit dieser Marke der WM-Historie (siehe Ewige-WM-Torjaegerliste). In Dallas absolvierte er die vollen 90 Minuten, verzeichnete drei Torschuesse (keiner davon zwingend), verlor 42 Prozent seiner Duelle und hatte am Ende keinen Assist. Der emotionale Bogen zum Messi-Ronaldo-Modric-Letzter-Tanz-Feature von vor dem Turnier: Von den drei Grossen verlaesst Ronaldo als erster die Buehne - Messi steht mit Argentinien noch im Viertelfinale gegen die Schweiz, Luka Modric hatte mit Kroatien schon in der Vorrunde ausscheiden muessen.

Nach der Partie sagte Ronaldo an der Sportschau-Kabine kurz: “Ich habe alles gegeben. Alles.” Die Frage nach seinem Nationalmannschafts-Ruecktritt liess der Kapitaen offen: “Wir sprechen in den kommenden Wochen darueber. Heute ist nicht der richtige Tag.” Ein reales Karriereende ist in Ronaldos zweiter Al-Nassr-Saison zu erwarten, spaetestens jedoch nach der EM-Qualifikation 2027/28.

Bruno Fernandes und die zweite portugiesische Enttaeuschung

Neben Ronaldo verpasste vor allem Bruno Fernandes das Spiel seines Lebens. Der Manchester-United-Kapitaen hatte in der Vorrunde bereits enttaeuscht (kein Scorer, ein verpasster Elfer im Duell gegen Suedkorea) und blieb auch in Dallas ohne Wirkung. Fernandes’ Passquote von 78 Prozent war die niedrigste im spanischen Achtelfinal-Kader-Vergleich, und der Portugal-Kapitaen verlor sieben Duelle in Reihe im Zentrum. Als Roberto Martinez in der 76. Minute Joao Neves fuer den ausgepumpten Ruben Neves brachte, blieb Fernandes weiter auf dem Platz - eine Entscheidung, die im portugiesischen Fernsehen nach dem Spiel intensiv diskutiert wurde. Bernardo Silva war in der 82. Minute noch einmal fuer Rafael Leao im Anlauf, blieb aber ohne Torabschluss.

Fuer Roberto Martinez ist es das zweite fruehe Turnier-Aus in Folge nach dem EM-Viertelfinal-Aus 2024 in Frankfurt gegen Frankreich. Der belgische Trainer, seit 2023 auf dem portugiesischen Posten, hat einen laufenden Vertrag bis 2028 - der portugiesische Verband hatte vor der WM die Verlaengerungs-Option bis nach der WM 2030 aktiviert. Ein sofortiger Wechsel wie 2016 bei Fernando Santos scheint aktuell nicht das Szenario zu sein, aber der Druck steigt.

Was auf Spanien im Viertelfinale zukommt: Los Angeles, Belgien

Spanien trifft im Viertelfinale am Freitag, 10. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ im SoFi Stadium in Los Angeles auf Belgien. Die Belgier hatten in der Nacht auf den 7. Juli im Lumen Field in Seattle die USA mit 4:1 aus dem Turnier geworfen. Es waere die dritte WM-Begegnung: 1986 in Puebla setzte sich Belgien im Viertelfinale mit 5:4 im Elfmeterschiessen durch (Ausschlag Miguel Marin-Fehlschuss), 2018 in Sotschi hatte Belgien im Viertelfinale 2:1 durch Kevin De Bruyne und Nacer Chadli entschieden. Fuer Luis de la Fuente ist es eine hoechst-brisante Neuauflage: Der 63-jaehrige Trainer hatte in beiden vorherigen Verbands-Bilanzen als Assistent bzw. U-Trainer erfolgreich mit belgischen Verbaenden konkurriert, im offenen Verband-Vergleich stehen die WM-Bilanzen aber 3:1 fuer Belgien.

Der Sieger der Los-Angeles-Partie zieht ins Halbfinale am 15. Juli im AT&T Stadium in Dallas ein und trifft dort auf den Sieger aus Marokko-Frankreich. Alle vier Viertelfinal-Paarungen sind bekannt: Marokko-Frankreich am 9. Juli in Boston, Spanien-Belgien am 10. Juli in Los Angeles, Norwegen-England am 11. Juli in Miami und Argentinien-Schweiz am 12. Juli in Kansas City.

Aufstellungen und Statistik

Portugal startete in einem 4-3-3 mit Diogo Costa im Tor, der Viererkette Nuno Mendes, Ruben Dias, Antonio Silva und Diogo Dalot, dem Mittelfeld-Dreier Ruben Neves, Vitinha und Bruno Fernandes sowie dem Angriff Rafael Leao, Cristiano Ronaldo und Bernardo Silva. Martinez wechselte in der 76. Minute Joao Neves fuer Ruben Neves, in der 82. Minute Francisco Conceicao fuer Rafael Leao und in der 88. Minute Goncalo Ramos fuer Bernardo Silva.

Spanien stand in einem 4-3-3 mit Unai Simon im Tor, der Viererkette Marc Cucurella, Robin Le Normand, Pau Cubarsi und Dani Carvajal, dem Mittelfeld-Trio Fabian Ruiz, Rodri und Pedri sowie dem Angriffs-Trio Nico Williams, Alvaro Morata und Lamine Yamal. De la Fuente wechselte in der 78. Minute Mikel Merino fuer Fabian Ruiz und Dani Olmo fuer Nico Williams, in der 88. Minute Ferran Torres fuer Alvaro Morata und in der 90.+3. Minute Marc Casado fuer Pedri.

Tore: 0:1 Merino (91., flach links unten nach Ferran-Torres-Zuspiel).

Halbzeit: 0:0. Schiedsrichter: Anthony Taylor (England). Gelbe Karten: Ruben Neves (34., Foul Rodri), Fabian Ruiz (56., Foul Ronaldo), Dani Carvajal (67., unsportliches Betragen), Cucurella (81., Foul Bernardo Silva), Diogo Dalot (89., Meckern). Stadion: AT&T Stadium, Arlington bei Dallas, 78.400 Zuschauer. Weiter geht es fuer Spanien am 10. Juli in Los Angeles gegen Belgien, Portugal ist ausgeschieden. Wer den Vorbericht mit Wett-Prognose zum Iberien-Derby noch einmal einordnen will, findet ihn unter Portugal Spanien Vorbericht Tipp Prognose WM 2026. Der Modell-Wert-Read vom Abend vor dem Anstoss: WM-Rechner Portugal Spanien USA Belgien Modell-Check. Die parallelen R16-Wave-1-Ergebnisse ordnen wir in Frankreich-Paraguay 1:0 und Brasilien-Norwegen 1:2 ein.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026