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WM 2026

Argentinien 4:0 Bolivien: erster Auftritt ohne Messi, Nico Paz zeigt den Weg

Argentinien gewinnt in Cordoba das erste Laenderspiel nach Messis Ruecktritt 4:0 gegen Bolivien. Nico Paz, Lautaro Martinez, Romero und Lopez treffen.

Von Marco Feldmann 01. Oktober 2026

Cordoba, 30. September 2026: Nico Paz mit der Rueckennummer 18 im Mario-Alberto-Kempes-Stadion. In der 29. Minute trifft der 22-Jaehrige per Lupfer zum 2:0 - sein erstes Laenderspieltor im ersten Argentinien-Spiel nach Messis Ruecktritt (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Cordoba. Es war das Spiel, das ohne die Nummer 10 beginnen und ohne die Nummer 10 enden sollte, und so war es dann auch. Argentinien hat am Dienstagabend, 30. September 2026, im Estadio Mario Alberto Kempes das Freundschaftsspiel gegen Bolivien mit 4:0 (2:0) gewonnen. Es war der erste Auftritt der Albiceleste nach dem Nationalmannschafts-Ruecktritt von Lionel Messi am 31. August 2026 - 73 Tage nach dem 0:1 nach Verlaengerung im WM-Finale gegen Spanien im MetLife Stadium und 60 Tage nach dem Instagram-Post, der die Post-WM-Schwebefrage endgueltig beantwortete. Trainer Lionel Scaloni oeffnete das Kapitel mit einem 4-4-2, in dessen Zentrum Nico Paz die Zehner-Zone besetzte - mit der Rueckennummer 18, nicht mit der 10.

Das Spiel - 4:0 in Cordoba, drei Mal die Ernte vor der Pause

Die 57.503 Zuschauer im Kempes-Rund in Cordoba sahen eine Albiceleste, die den Fruehstart suchte und bekam. Nach 19 Minuten zog Lautaro Martinez aus der zweiten Reihe ab und verwandelte flach ins lange Eck - 1:0, und zugleich der erste Pflicht-Treffer eines Argentinien-Kapitaens in der Post-Messi-Aera. Zehn Minuten spaeter traf Nico Paz im Nachsetzen aus zwoelf Metern per Lupfer ueber den herauslaufenden Guillermo Viscarra - 2:0 zur Halbzeit, und das erste Laenderspiel-Tor des 22-jaehrigen Como-Spielmachers im ersten Spiel ohne den Vorgaenger.

Nach dem Wechsel kam Argentinien noch zweimal zum Abschluss. Cristian Romero koepfte in der 54. Minute nach einer Mac-Allister-Ecke zum 3:0 ein, Joker Jose Manuel Lopez stellte in der 86. Minute aus kurzer Distanz den 4:0-Endstand her. Ein erster Lopez-Treffer in der 85. Minute war wegen Abseits aberkannt worden, die 86er-Aktion lief regulaer durch. Bolivien, in der Startelf tief gestaffelt in einem 5-3-2 unter Ex-Nationaltrainer Oscar Villegas, hatte ueber die 90 Minuten keine klare Torchance.

Die Startelf - Scalonis Jung-Variante im 4-4-2

Scaloni ging in Cordoba mit folgendem Spielpersonal in die Partie:

  • Tor: Emiliano Martinez (Aston Villa).
  • Abwehr: Agustin Giay (Palmeiras), Cristian Romero (Tottenham), Lisandro Martinez (Manchester United), Rodrigo Vega (Independiente).
  • Mittelfeld: Nico Paz (Como), Exequiel Palacios (Bayer Leverkusen), Alexis Mac Allister (Liverpool), Gianluca Prestianni (Benfica).
  • Sturm: Julian Alvarez (Atletico Madrid), Lautaro Martinez (Inter Mailand).

Die 4-4-2-Grundordnung hielt sich in der ersten Halbzeit stabil, nach der Pause rutschten Mac Allister und Palacios als Doppel-Sechs enger zueinander, waehrend Nico Paz die Zehner-Linie frei spielte. Prestianni auf der linken Seite stand bei Ballgewinnen auf Hoehe Alvarez - der 18-Jaehrige Benfica-Fluegel bekam seine erste Startelf-Chance in der Albiceleste und loeste sie unaufgeregt.

Auf der Bank sass fuenffach Debuetanten-Material: Valentin Barco (Racing Strasbourg), Franco Mastantuono (Real Madrid), Leonardo Balerdi (Olympique Marseille), Valentin Gomez (Velez Sarsfield) und Leonel Flores (Independiente). Alle fuenf wurden im Lauf der zweiten Halbzeit eingewechselt, Mastantuono und Barco bereits in der 56. Minute. Scaloni verzichtete bewusst auf die klassischen Rotations-Namen Angel Correa, Marcos Acuna und Guido Rodriguez - sie sollen den Oktober-Doppelspiel-Fenster in Doha und Luanda vorbehalten bleiben.

Nico Paz Nummer 18 - die Thronfolge in Minute 29

Der symbolische Moment des Abends liegt in der 29. Minute. Nico Paz steht nach einem Mac-Allister-Zuspiel frei im Strafraum, laesst Bolivien-Keeper Viscarra kurz herauslaufen und hebt den Ball mit dem rechten Spann ueber ihn hinweg - Lupfer, Innenpfosten, Tor. Der 22-jaehrige Spielmacher des FC Como hat den Treffer schon in seinem Debuet gegen Island im Mai 2025 auf dem Zettel gehabt, in der WM-2026-Vorrunde war er im Backup gegen Jordanien eingewechselt worden ohne Scorerpunkt.

Die Rueckennummer 18 ist dabei kein zufaellig verteilter Jersey, sondern Scalonis bewusstes Signal. Die 10, die Messi seit dem 1. Maerz 2011 ununterbrochen getragen hatte, blieb im Spieltagskader von Cordoba leer. Verbands-Praesident Claudio Tapia hatte zum AFA-Boletin 6940 vom 2. September angedeutet, dass eine symbolische Trikot-Pensionierung geprueft werde - die Formulierung “weiche Variante” fiel damals. In Cordoba wird die weiche Variante jetzt in Spielzeit uebersetzt: Die 10 ist auf keinem Ruecken, die 18 traegt der naechste Spielmacher.

Die Tore im Protokoll

MinuteTorschuetzeVorbereiterSpielstand
19.Lautaro MartinezNico Paz1:0
29.Nico PazAlexis Mac Allister2:0
54.Cristian RomeroMac Allister (Ecke)3:0
85.Jose Manuel Lopez(aberkannt - Abseits)-
86.Jose Manuel LopezJulian Alvarez4:0

Was fehlt - Messi, der 10er, der Kapitaen

Die Baseline fuer das Cordoba-Spiel liegt in zwei Dokumenten. Erstens: Der Instagram-Ruecktritt vom 31. August 2026, mit dem Messi seine 22-jaehrige Albiceleste-Karriere nach 207 Laenderspielen und 125 Toren beendete. Zweitens: Das AFA-Boletin 6940, mit dem der Verband am 2. September eine landesweite Minuten-10-Hommage in allen Spielrunden verordnete. Beides war Vorlauf. Cordoba ist der erste Schritt in den Alltag.

Kapitaen in Cordoba war Lautaro Martinez, der mit seiner 59. Nationalmannschafts-Partie und seinem 32. Tor im Albiceleste-Trikot in diese Rolle hineinwaechst. Die Spielfuehrer-Binde traegt er seit dem Honduras-Freundschaftsspiel am 7. Juni 2026 in der WM-Vorbereitung in Kyle Field, Scaloni hatte das Signal damals schon fuer die Zeit nach Messi gesetzt. In Cordoba uebernahm Lautaro ohne grosses Zeremoniell die Vor-Match-Ansprache und machte das Vorbereitungs-Tor zum 1:0 selbst.

Ausblick - Kamerun am 9. Oktober in Doha, Angola am 13. Oktober in Luanda

Argentiniens naechste Termine liegen bereits im FIFA-Fenster. Am Freitag, 9. Oktober 2026, spielt die Albiceleste in Doha gegen Kamerun - der Standort ist nicht zufaellig, der katarische Verband hat sich das Spiel gegen den Weltmeister-Finalisten im Gefolge der WM-2022-Erinnerung ins Programm gesichert. Am Dienstag, 13. Oktober 2026, folgt in Luanda das Testspiel gegen Angola, bei dem AFA-Praesident Tapia persoenlich die Vermittlung des Begegnungs-Deals uebernommen hatte.

Beide Termine bieten Scaloni die Gelegenheit, das in Cordoba sichtbar gewordene 4-4-2 mit dem alternativen 4-3-3 der Katar-Weltmeister-Zeit zu vergleichen. Angekuendigt sind in Doha die Rueckkehrer Angel Correa (Tigres UANL) und Marcos Acuna (River Plate), in Luanda zusaetzlich Guido Rodriguez (West Ham). Die Fluegel bleiben eine offene Baustelle - Prestianni rechts, Mastantuono links, Barco als defensive Option.

Einordnung - Post-WM-Reset nach dem MetLife-Finale

Das 4:0 ist sportlich eine klare Antwort auf die Finalniederlage, strukturell ist es Scalonis erste Gelegenheit, das Mittelfeld-Zentrum ohne Messi neu zu sortieren. Die Zehn-Zone geht an Nico Paz, der 22-Jaehrige des FC Como ist der prominenteste Baustein des Umbruchs. Die Flanke rotiert zwischen Prestianni, Mastantuono und Barco - drei Namen, die vor der WM 2026 noch nicht einmal auf der Scaloni-Beobachtungs-Liste standen und jetzt die naechsten vier Jahre praegen sollen.

Was sich nicht aendert, ist das Grundgeruest. Emiliano Martinez bleibt die Nummer 1 im Tor, Cristian Romero die Zentrale der Innenverteidigung, Alexis Mac Allister der sechsmetrige Taktgeber im Zentrum, Julian Alvarez und Lautaro Martinez das Sturmduo. Der Weltmeister-Finalisten-Kern von Katar 2022 und USA 2026 traegt die Mannschaft weiter - um ihn herum wird die Jung-Variante gebaut. Fuer ein belastbares Urteil ueber den Scaloni-Reset braucht es die beiden Oktober-Termine plus die FIFA-November-Doppelrunde. Cordoba liefert den ersten Datenpunkt, nicht die ganze Antwort.

Fuer das WM-2026-Weltbild - mit Spanien als Weltmeister auf dem Thron und Argentinien als Vize-Weltmeister in der Rolle des Nachjagers - verschiebt sich mit Cordoba der erste sichtbare Mosaikstein. Die Albiceleste zeigt, dass sie bereits sechs Wochen nach Messis Instagram-Post wieder spielen kann. Ob sie auch gewinnen kann, bleibt eine Frage, die der Freundschaftsspiel-Rahmen gegen das in der FIFA-Weltrangliste 76. platzierte Bolivien noch nicht beantwortet.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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