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WM 2026

Türkei: Sergen Yalcin löst Montella als Nationaltrainer ab - Vertrag bis WM 2030

Türkei hat Sergen Yalcin als Nationaltrainer verpflichtet. Der 53-jährige Besiktas-Doppel-Gewinner 2020/21 folgt auf Montella, Vertrag bis zur WM 2030.

Von Marco Feldmann 21. Oktober 2026

Elf Tage nach der Freistellung von Vincenzo Montella hat der türkische Fußballverband TFF einen Nachfolger: Am Dienstag, 20. Oktober 2026, wurde Sergen Yalcin offiziell als neuer Nationaltrainer der Türkei vorgestellt. Der 53-Jährige unterschreibt bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2030 - sein Vertrag deckt damit den kompletten europäischen Qualifikationszyklus sowie das Finalturnier in Spanien, Portugal und Marokko ab.

Yalcins Verpflichtung schließt eine knapp zweiwöchige Übergangsphase ab, in der die Elf nach den sportlichen Rückschlägen der ersten Nations-League-A-Spieltage ohne Chefcoach gearbeitet hatte. Mit dem gebürtigen Istanbuler kehrt ein Trainer in die Verantwortung zurück, der den türkischen Vereinsfußball in den vergangenen Jahren über mehrere Stationen geprägt hat - zuletzt bei Besiktas Istanbul, wo er sowohl das Double 2020/21 gewann als auch jüngst wieder auf der Bank saß.

Montellas Ende nach Null-Punkte-Start in der Nations League

Die Freistellung von Montella am 9. Oktober war das Resultat einer Herbst-Serie, die den WM-2026-Vierten der Gruppe D tabellarisch ans Ende der Nations-League-A-Gruppe 1 geführt hatte. Der italienische Coach hatte die Türkei im Sommer durch die WM-Gruppenphase in den USA begleitet - mit einem 3:2 gegen die USA in Los Angeles als Prestigemoment, aber auch mit zwei Niederlagen gegen Australien und Paraguay, die das Weiterkommen kosteten.

Im Herbst folgte dann die sportliche Zuspitzung. Dokumentiert sind die drei Pleiten der ersten A1-Spieltage: das 0:1 beim Zidane-Debüt in Kocaeli, das 1:4-Heim-Debakel gegen Italien in Bursa und die 0:3-Niederlage bei Belgien in Lüttich. Der Verband vermeldete beim Rauswurf Montellas einen “Null-Punkte-Start in der Nations League nach vier Spielen” - sportlich der Anlass, verbandsintern aber eingebettet in die größere Krise rund um den TFF-Wettskandal mit 448 suspendierten Vereinsfunktionären, die Anfang Oktober die Schlagzeilen bestimmte.

Montella hinterlässt eine Elf mit struktureller Baustelle. In seinen letzten Pressekonferenzen hatte der Italiener auf die “unterschiedlichen Kaderwerte” verwiesen und die Chancen-Verwertung als Hauptproblem benannt. Mit 70 Schüssen aus den drei WM-Gruppenspielen und nur drei Toren hatte die Mannschaft bereits im Sommer die offensive Schwachstelle offenbart, die sich im Herbst in der Nations League fortsetzte.

Sergen Yalcins Profil: Besiktas-Doppel 2020/21 und 1,79 PPG

Mit Yalcin verpflichtet der TFF einen Trainer, der die türkische Spitzenliga seit Jahren kennt und der zuletzt in Istanbul im Rampenlicht stand. Die Besiktas-Saison 2020/21 ist der Kern seines Dossiers: Mit dem schwarz-weißen Istanbuler Traditionsclub gewann der am 5. November 1972 in Istanbul geborene Yalcin das Double aus türkischer Meisterschaft und türkischem Pokal - der dritte Ligatitel seiner Trainerkarriere. In seiner zweiten Besiktas-Amtszeit erzielte er über 39 Partien einen Schnitt von 1,79 Punkten pro Spiel; eine Quote, die ihn beim TFF als pragmatischen Lösungsarchitekten empfahl.

Die Trainerstationen davor führen durch die Breite der Süper Lig und die zweite Liga: Gaziantepspor, Sivasspor, Kayserispor, Konyaspor, Alanyaspor und Yeni Malatyaspor - typische Mittelfeld- und Abstiegskampf-Clubs, bei denen Yalcin an seinem Profil als Krisen-Trainer und Taktgeber im unteren Tabellendrittel arbeitete. Dass er 2020/21 bei Besiktas den Sprung an die Spitze mitgestaltete, wird nun zur zentralen Projektions-Fläche: Der Verband erwartet, dass der 53-Jährige die unbeschrifteten Phasen nach dem WM-Gruppenphasen-Aus auch mit einem heterogenen Spielerkader stabilisiert.

Als Spieler lief Yalcin zwischen 1994 und 2003 insgesamt 37-mal für die Türkei auf. Er war Teil der Mannschaften bei den Europameisterschaften 1996 (England) und 2000 (Belgien/Niederlande, Viertelfinale) - Letzteres ist bis heute eine der höchsten Platzierungen in der türkischen EM-Historie. Seine Vereinsjahre verbrachte er überwiegend bei Besiktas (1991-1997 und 1999-2006), mit Leihstationen bei Fenerbahce, Galatasaray und Trabzonspor - alle drei Istanbuler/Trabzoner Großclubs. Die Zugehörigkeit zum türkischen “100-Tore-Klub” der obersten Spielklasse ist einer der inoffiziellen Marker seiner Spielerkarriere.

Was im November auf Yalcin wartet

Der nächste Nations-League-A-Doppelspieltag im November liefert Yalcin die Einstands-Phase. Für die Türkei geht es in der A1-Gruppe nach dem bisherigen Null-Punkte-Start um Kosmetik und Stabilisierung - mathematisch ist der Verbleib in Liga A unter den gegebenen Vorzeichen schwierig, aber die Rahmen-Erzählung für den Verband ist weniger die Tabelle als der Erzähl-Reset, den der Trainerwechsel ermöglichen soll.

Sportlich erbt Yalcin die Baustelle, die Montella öffentlich benannt hatte: Der Türkei fehlt ein etablierter Mittelstürmer. Die Flügel-Techniker Arda Güler (Real Madrid), Kenan Yildiz (Juventus) und Can Uzun (Eintracht Frankfurt) sind individuell stark, agieren aber alle am besten im Zehnerraum oder auf den Außenbahnen. Baris Alper Yilmaz und Kerem Aktürkoglu hatten in der Vereins-Vorsaison je acht Tore erzielt - beide ebenfalls als Flügelspieler. Die Besiktas-Strukturen, aus denen Yalcin kommt, bauen traditionell auf Flankenläufer und Doppelspitzen; wie der neue Nationaltrainer das in die Konstellation der aktuellen Türkei übersetzt, dürfte eines der inhaltlichen Themen seiner November-Kaderverkündung werden.

WM-2030-Horizont als Rahmen des Mandats

Der Vertrag bis zur WM 2030 ist das zweite Signal, das der TFF mit Yalcins Verpflichtung sendet - nach der sportlichen Reset-Botschaft. Der Qualifikationszyklus für Spanien/Portugal/Marokko beginnt für die europäischen Verbände im Spätsommer 2027, der Draw der Qualifikationsgruppen ist für Dezember 2027 vorgesehen. Yalcin erhält damit nicht nur die zwei Nations-League-Jahre, sondern auch den vollen WM-Qualifikations-Zyklus und das Finalturnier im Juni/Juli 2030 - ein Mandat, das inhaltlich klar auf Kontinuität und einen Generationswechsel am Übergang von Güler/Yildiz/Uzun (alle Jahrgang 2004/2005) zu den jüngeren U21- und U19-Jahrgängen angelegt ist.

Im Gegensatz zu Montella, dessen Mandat 2024 pragmatisch kurz angelegt worden war und mit dem Erreichen der WM 2026 operativ sein Erfolgsziel bereits erreicht hatte, ist Yalcins Perspektive ausdrücklich mehrjährig. Für den TFF, der nach dem Wettskandal und 448 suspendierten Funktionären ohnehin unter Reform-Druck steht, ist die Bindung eines prominenten einheimischen Trainers an einen vollständigen Zyklus auch ein Baustein in der Außen-Kommunikation: ein Beweis-Punkt für Stabilität in einer Phase, in der die türkische Fußball-Infrastruktur strukturell im Umbau ist. Ob Yalcin diese Rolle sportlich mit Leben füllt, entscheidet sich an den Nations-League-November-Partien, der März-Testphase 2027 und spätestens am Qualifikations-Auftakt zur WM 2030.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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