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WM 2026

AFC-Reversal in Tokio: Scheich Salman stellt sich hinter Infantinos vierte Amtszeit

Die AFC schwenkt um: Praesident Salman al-Chalifa sichert Infantino am 23.10.2026 in Tokio 'uneingeschraenkte Unterstuetzung' fuer die FIFA-Wiederwahl zu.

Von Die Redaktion 23. Oktober 2026

Die Asian Football Confederation hat am Freitagvormittag Ortszeit Tokio einen ausserordentlichen Kongress abgehalten - und am Ende dieses Kongresses stand Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa am Rednerpult und sagte dem FIFA-Praesidenten Gianni Infantino “uneingeschraenkte Unterstuetzung” fuer dessen vierte Amtszeit zu. Es ist das politische Signal, auf das Infantino seit Wochen gewartet hat, und es kommt aus einer Konfoederation, die noch am 31. Juli in einem institutionellen Kuala-Lumpur-Statement auf der Gegenseite stand. Fuer die UEFA- und CONCACAF-gefuehrte Opposition ist der Tokio-Freitag ein strategischer Rueckschlag mit konkreter Zahlen-Konsequenz.

Was Salman konkret sagte

Al-Chalifas Rede war in zwei Zuege geteilt. Der erste Zug war ein Einraeumen frueherer Differenzen - er sprach von “Problemen”, die es zwischen der AFC und Infantino gegeben habe, benannte aber keinen einzigen davon konkret. Der zweite Zug war die Zukunftsformel: Der Weltverband muesse “vorwaerts” blicken, der Fussball sei “am staerksten, wenn wir mit einer gemeinsamen Vision und einem einheitlichen Ziel zusammenarbeiten”. Die darauf aufgesetzte Zusage - “uneingeschraenkte Unterstuetzung” fuer die Wiederwahl - war die eigentliche Nachricht aus Tokio.

Die Dramaturgie ist der entscheidende Unterschied zur Juli-Position aus Kuala Lumpur. Vor drei Monaten war das AFC-Statement bewusst namenlos - keine Praesidenten-Unterschrift, keine Kongress-Rede, keine Zuordnung an eine einzelne Person. Die AFC positionierte sich damals als Institution, nicht als Scheich Salman. Am Freitag ist diese Fassade gefallen. Der AFC-Chef steht persoenlich und oeffentlich fuer die Infantino-Linie ein - mit einer Formulierung, die bewusst mehr als die reine Mehrheits-Zustimmung impliziert.

Das Kuala-Lumpur-Statement rueckwaerts

Zwischen dem 31.07.2026 und dem 23.10.2026 liegen 84 Tage. In diesem Fenster hatte Infantino drei entscheidende Werkzeuge: den 211-Verbaende-Reformbrief vom September, den von DFB-Praesident Bernd Neuendorf als “durchschaubares Manoever” klassifizierten Konzilianz-Zug, die Zurueckziehung des Investoren-Plans in dem Zuerich-Umschwenken als materielles Zugestaendnis und die Rabat-Krisensitzung mit Wenger, Grafstroem und al-Hussein als persoenliche Charme-Offensive. Al-Chalifa hat in dieser Zeit mehrfach Infantino-Besuche in Doha, Kuala Lumpur und zuletzt Tokio empfangen, ohne nach aussen zu signalisieren, dass die Juli-Position wankt.

Dass die Umkehr jetzt kommt und nicht in sieben Wochen bei der eigentlichen FIFA-Jahreshauptversammlung, hat einen genauen Grund: die Nominierungsfrist. Sie laeuft am 18. November 2026 ab. Das sind 26 Tage ab Tokio. Mit der heutigen Erklaerung sendet die AFC-Spitze das Signal, dass die mathematische Grundlage fuer einen Gegenkandidaten zu Infantino nicht mehr gegeben ist - genau an dem Punkt, an dem UEFA und CONCACAF noch einmal haetten mobilisieren koennen.

Die neue Nominierungs-Mathematik

Vor dem 23.10. ging die Opposition rechnerisch so: 55 UEFA-Verbaende plus 41 CONCACAF-Verbaende plus 46 AFC-Verbaende ergaeben 142 Stimmen aus 211 FIFA-Mitgliedern. Das waere eine 67-Prozent-Mehrheit gewesen - genug fuer eine Grundsatz-Opposition und mehr als genug, um einen Gegenkandidaten mit Siegchancen aufzustellen. Nach der Tokio-Erklaerung schrumpft dieser Block auf UEFA plus CONCACAF, also 96 Stimmen. Zur 106er-Schwelle einer einfachen Mehrheit fehlen zehn. Zur echten politischen Siegchance eines Gegenkandidaten fehlt noch mehr - weil Infantino neben den jetzt zurueckgewonnenen AFC-Stimmen noch die Loyalitaet der CAF unter Patrice Motsepe, die Mehrheit der 11 OFC-Verbaende und einen Grossteil der 10 CONMEBOL-Stimmen hinter sich hat.

Praktisch heisst das: Die UEFA-CONCACAF-Opposition kann einen Kandidaten nominieren, aber die Siegchancen sind bereits vor dem Nominierungs-Freitag arithmetisch so klein geworden, dass die naechsten vier Wochen eher der Frage der politischen Haltung dienen als der Frage einer realistischen Machtuebergabe. UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hatte in seiner Berliner Strategie-Rede im September keinen Namen genannt und seitdem auch keinen oeffentlich gemacht. Der Zeitdruck ist jetzt endgueltig da.

Was Rabat am 18. Maerz 2027 bedeutet

Die eigentliche Wahl findet am 18. Maerz 2027 in Rabat statt - also knapp fuenf Monate nach dem Nominierungsschluss. Die Wahl in der marokkanischen Hauptstadt ist dabei ein doppeltes Signal: Marokko ist einer der drei Co-Gastgeber der WM 2030 (mit Spanien und Portugal, dazu Opening-Spiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay) und zugleich die Heimat des FIFA-Vize und Infantino-Vertrauten Fouzi Lekjaa. Die Wahlort-Wahl war seit Monaten als Loyalitaets-Signal gelesen worden.

Fuer die DFB-Linie, die Neuendorf und Vize Watzke seit dem Sommer fahren, verschiebt sich damit die Erwartungshaltung an die kommenden Wochen. Die Nominierungs-Entscheidung bleibt eine politische Positionsmarke - der 18.03.2027 wird keine Richtungsentscheidung mehr, sondern eine Ratifikation. Infantino hat am Freitagvormittag Tokio die Mathematik auf seiner Seite gehabt, als Salman das Mikrofon in die Hand nahm.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

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