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WM 2026

Ohne Messi und ohne Milei - so kehrt Argentinien nach der WM-Finalpleite heim

Argentiniens Delegation landet am Montag in Ezeiza - ohne Messi, ohne mehrere Stars, ohne Praesident Milei. Der Feiertag fiel aus, der Empfang blieb klein.

Von Marco Feldmann 21. Juli 2026

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni auf der WM-Pressebuehne in Atlanta am 14.07.2026 - fuenf Tage spaeter fuehrt er die geschrumpfte argentinische Delegation ohne Messi und ohne vier weitere Stammspieler zurueck nach Buenos Aires (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Kurz nach 18:00 Uhr Ortszeit ist am Montag, 20. Juli 2026, in Buenos Aires eine argentinische WM-Delegation gelandet, die kaum noch mit der Mannschaft zu tun hat, die am Vorabend in East Rutherford das WM-Finale gegen Spanien mit 0:1 nach Verlaengerung verloren hat. Der Kapitaen fehlt, mindestens vier weitere Stammspieler fehlen, der Praesident fehlt, der Obelisco fehlt. Aus dem grossen Empfang, den Praesident Javier Milei am Morgen per X-Post angekuendigt hatte, ist ein knapper, protokollarischer Ezeiza-Halt geworden.

Ankunft in Ezeiza - roter Teppich, Militaerkapelle, Regen

Nach einem rund elfstuendigen Flug aus dem Grossraum New York landet die Chartermaschine der argentinischen Auswahl am Aeropuerto Internacional de Ezeiza. Die Regierung stellt einen protokollarischen Rahmen: roter Teppich, militaerische Ehrenformation, eine Kapelle spielt “Muchachos, Ahora Nos Volvimos a Ilusionar”, das seit dem Titel 2022 in Katar zum inoffiziellen Fussballlied Argentiniens geworden ist. Es regnet in Buenos Aires an diesem Montagabend, trotzdem stehen ueber Stunden Fans an der Zufahrtsstrasse zum AFA-Trainingsgelaende und warten mit Fahnen, Sprechchoeren und Trommeln.

Es sind keine Massen. Es ist eine Fangemeinde, die sich zusammengefunden hat, um ein Team zu empfangen, das den Titel nicht zurueckgebracht hat, und um zu zeigen, dass die Zuneigung trotzdem da ist. Vor der Delegation liegt keine Feier - vor ihr liegt das Trainingsgelaende, ein kurzer Aufenthalt, und danach werden sich die Wege endgueltig trennen.

Wer nicht dabei war - Messi in Miami, vier Stars direkt aus USA weiter

Der wichtigste Name auf der Absagenliste ist Lionel Messi. Der 39-Jaehrige nimmt nach der Silbermedaillenvergabe im MetLife Stadium eine separate Route: erst nach Miami zu seiner Familie, dann fuer einige Tage nach Rosario, seine Geburtsstadt, ohne oeffentlichen Termin. Sein Instagram-Post am Sonntagabend mit dem Satz “Der Schmerz ist unermesslich, und diese Wunde braucht Zeit zum Heilen” bleibt fuer den Moment die einzige oeffentliche Wortmeldung des Kapitaens.

Neben Messi fehlen laut watson.ch mindestens vier weitere Nationalspieler, die direkt aus den USA zu ihren europaeischen Klubs weiterflogen:

  • Enzo Fernandez (Chelsea) - Rueckreise nach London, Vorbereitung auf die Premier-League-Saison 2026/27
  • Lautaro Martinez (Inter Mailand) - direkter Anschlussflug nach Italien
  • Julian Alvarez (Atletico Madrid) - Weiterreise nach Spanien
  • Rodrigo De Paul (Inter Miami) - Verbleib in Florida, MLS-Saison laeuft

Die Delegation, die Scaloni in Ezeiza aus der Maschine fuehrte, war damit deutlich zusammengeschmolzen. Emiliano Martinez, Cristian Romero, Nicolas Otamendi, Nicolas Tagliafico und ein Grossteil des Trainerstabs machten die Rueckreise nach Buenos Aires mit - Leandro Paredes, gegen den die FIFA-Disziplinarkommission nach dem Ausraster gegen Eric Garcia und Gavi Ermittlungen eingeleitet hat, zaehlte ebenfalls zur zurueckgekehrten Gruppe. Die aus den USA direkt in die Klub-Saison abgereisten Spieler duerften erst zum Herbst-Laenderspielfenster - September 2026 - wieder in der Albiceleste zusammenkommen.

Milei bleibt fern - warum die Casa Rosada leer blieb

Am Morgen des 20. Juli hatte Milei per X-Post noch einen nationalen Feiertag zum Rueckkehrtag der Albiceleste angekuendigt und dem Team “immer ganz oben” zugerufen. Zwoelf Stunden spaeter ist der Praesident nicht am Empfang zu sehen. Die argentinische Staatsfuehrung schickte laut watson.ch bewusst keine hochrangigen Vertreter zum Flughafen. Der ebenfalls im Gespraech gewesene protokollarische Casa-Rosada-Besuch der Delegation stand am Redaktionsschluss nicht auf dem Fahrplan.

Das ist innenpolitisch bemerkenswert. Milei hatte den Feiertag ausdruecklich davon abhaengig gemacht, was “die Spieler und das Trainerteam bezueglich des Tages fuer die Feier entscheiden”. Im Team gibt es keine Feierstimmung - Scaloni sprach am Sonntagabend in East Rutherford davon, dass “man verliert und wieder aufstehen muss”, brach die Pressekonferenz nach nur einer Frage zu seiner Zukunft ab und liess seinen Verbleib bis September offen. Ohne Freigabe aus dem Team ist die Feiertag-Konstruktion in sich zusammengefallen - und Milei, der bislang jede zusaetzliche haushaltspolitische Belastung durch Feiertage abgelehnt hatte, ist die Absage strategisch nicht ungelegen. Er hatte den Feiertag angekuendigt, ohne ihn ausrufen zu muessen.

Vergleichbar mit der Absage von Ex-Praesident Alberto Fernandez, der die WM-Sieger von 2022 in Buenos Aires empfangen und daraus einen politischen Moment gemacht hatte, verzichtet Milei diesmal auf die Buehne. Der Fussball und die Politik gehen in Argentinien am Abend des 20. Juli 2026 wieder getrennte Wege.

Von Ezeiza-Flughafen zum AFA-Trainingsgelaende - der Bus statt Obelisco

Der Teambus verlaesst den VIP-Bereich des Flughafens am spaeten Montagabend und faehrt zum Trainingsgelaende der Asociacion del Futbol Argentino (AFA) in Ezeiza, wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Es ist der Ort, an dem die Nationalmannschaft ueber Jahre ihre Laenderspielvorbereitungen absolviert - und der klassische Rueckzugsort fuer eine Delegation, die keine Massenveranstaltung sucht.

Vor dem Turnier hatte die Stadtverwaltung von Buenos Aires nach beIN-Sports-Angaben rund 1.000 Polizisten fuer den Bereich rund um den Obelisco und die Avenida 9 de Julio eingeplant - fuer den Fall des Titelgewinns. Der Obelisco war 2022 nach dem Sieg gegen Frankreich in Katar der zentrale Empfangsort mit Millionen Fans, es kam damals zu Auffahrunfaellen des Teambusses in der Menschenmenge und die Regierung entschied schliesslich, die Bilder aus einem Militaerhubschrauber ueber das offene Cabriodach anzufertigen. Diese Bilder von der grossen Fussball-Party sind 2026 nicht zu wiederholen.

Der Zwischenstopp am AFA-Zentrum in Ezeiza duerfte kurz sein - vor allem der Bus, das gemeinsame Essen mit dem AFA-Praesidenten Claudio Tapia, dann die Verabschiedung der Spieler. Fuer die zurueckgekehrten Argentinier folgt danach individuell die Ruhephase, Kurzurlaub und die Vorbereitung auf die Klub-Saison 2026/27.

Der Feiertag ist keiner - Trainerstab lehnt die Massenfeier ab

Formal war der Feiertag am Morgen des 20. Juli in Milei-Manier ausgerufen worden - abhaengig von Team und Trainerstab. Der Fussballverband AFA hatte bereits am Sonntagabend alle fuer Montag und Dienstag angesetzten Pflichtspiele in der Liga Profesional, der Primera Nacional und der Copa Argentina abgesagt. Neue Termine standen am Redaktionsschluss noch aus.

Die Massenfeier findet trotzdem nicht statt. Weder Scaloni noch der AFA-Vorstand haben eine oeffentliche Zeremonie am Obelisco oder in der Casa Rosada abgerufen. Das ist eine bewusste sportpolitische Botschaft: kein Feiertag fuer den zweiten Platz. Vergleichbar mit Frankreich 2018, wo Deschamps’ Team nach dem Titel in Moskau eine Champs-Elysees-Parade bekam, aber nach Silber 2022 in Katar auf dem Vorplatz der Concorde nur einen kurzen Balkon-Auftritt absolvierte, entscheidet sich der argentinische Trainerstab fuer eine dezidiert leise Rueckkehr. Der symbolische Kontrast zu 2022 in Katar ist im Team offenkundig gewollt.

2022 vs. 2026 - was diesmal anders lief

Katar 2022: Argentinien besiegt im Finale von Lusail Frankreich mit 4:2 im Elfmeterschiessen. Die Delegation landet in Ezeiza in den fruehen Morgenstunden, Praesident Alberto Fernandez empfaengt Messi und das Team, Millionen Menschen stroemen zum Obelisco, der Teambus muss auf dem 20-Kilometer-Weg mehrfach angehalten werden. Fernandez erklaert den 20. Dezember 2022 zum nationalen Feiertag. Emiliano Martinez, Paredes und Enzo Fernandez feiern in Buenos Aires bis zum Sonnenaufgang.

New Jersey 2026: Argentinien verliert im Finale von East Rutherford 0:1 nach Verlaengerung gegen Spanien. Die Delegation landet in Ezeiza am Abend, Milei kommt nicht, Messi kommt nicht mit, vier Stars fliegen direkt in ihre Klub-Saisons weiter, ein Feiertag wird angekuendigt, aber effektiv nicht umgesetzt. Der Obelisco bleibt leer. Ferran Torres’ Kopfball in der 106. Minute hat nicht nur den Titel entschieden, sondern auch das Skript des naechsten Tages umgeschrieben.

Vier Jahre nach dem groessten Fussballmoment der argentinischen Geschichte kehrt Argentinien nicht als Weltmeister zurueck, sondern als geschrumpfte Delegation ohne ihren Kapitaen und ohne ihren Praesidenten. Vor der Albiceleste liegen jetzt das September-Laenderspielfenster, die Vorbereitung auf die Copa America 2028 und die Zukunftsfrage des 39-jaehrigen Messi - offen bis auf weiteres.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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