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WM 2026

Xhaka gesteht gefaelschtes Covid-Zertifikat - Nati-Captain fehlt im Oktober-Zusammenzug

Granit Xhaka raeumt am Sonntagmorgen per Instagram den Kauf einer gefaelschten Covid-Impfbestaetigung ein und fehlt im naechsten Nati-Zusammenzug. Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Marco Feldmann 21. September 2026

Granit Xhaka als Nati-Captain im UEFA-Freundschaftsspiel gegen Daenemark am 23. Maerz 2024 in Kopenhagen. Zwei Jahre spaeter, nach dem WM-Viertelfinal-Aus in Nordamerika, kostet ein gefaelschtes Covid-Zertifikat den 33-Jaehrigen den Platz im naechsten Nati-Zusammenzug (Foto: Ulrik Pedersen / CSM, Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

An diesem Sonntagmorgen, 21. September 2026, hat Granit Xhaka die Post-WM-Ruhe rund um die Schweizer Nationalmannschaft mit einem Instagram-Statement beendet. Der Captain der Nati, mit 33 Jahren gerade als Anfuehrer aus dem WM-Viertelfinale in Nordamerika zurueckgekehrt, raeumt darin ein, sich waehrend der Covid-19-Pandemie eine gefaelschte Impfbestaetigung gekauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern ermittelt seit einer Praxisdurchsuchung 2023 - jetzt ist das oeffentliche Gestaendnis da, und der SFV hat gemeinsam mit dem Spieler entschieden, dass Xhaka im naechsten Nati-Zusammenzug fehlt.

Das Instagram-Statement vom Sonntagmorgen

Xhakas Post ist knapp und ohne Ausflucht formuliert. Zentral ist dieser Absatz, den mehrere Schweizer Medien ab 09:06 Uhr am Sonntagmorgen verbreitet haben:

“Im Zusammenhang mit der Covid-Impfung war ich persoenlich stark verunsichert. Ich empfand tiefes Misstrauen gegenueber dem Impfstoff und war von Aengsten und Verunsicherung gepraegt. In dieser aufgewuehlten Gefuehlslage habe ich eine Impfbestaetigung erworben, anstatt meine offenen Fragen auf dem vorgesehenen Weg zu klaeren.”

Der Nati-Captain nennt weder die ausstellende Praxis noch das genaue Datum, gesteht aber unmissverstaendlich, dass die Bestaetigung gekauft und nicht regulaer erworben wurde. Er verzichtet auf Rechtfertigungs-Formeln vom Typ “wurde mir empfohlen” oder “war mir nicht bewusst”. Damit unterscheidet sich das Statement von den Verteidigungslinien, die andere Sportler in vergleichbaren Verfahren gewaehlt hatten.

Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2023

Der Fall Xhaka ist kein neuer Vorwurf, sondern die persoenliche Materialisierung eines schon laufenden Verfahrens. Ausgangspunkt war 2023 eine Durchsuchung der Praxis einer Luzerner Aerztin, die verdaechtigt wird, mehreren Kunden gefaelschte Zertifikate ausgestellt zu haben. In den vergangenen Wochen war der Kreis der Beteiligten juristisch geordnet worden - Xhaka gehoert dazu und soll laut Ermittlern Anfang Oktober 2026 einvernommen werden.

Die Behoerde formuliert den Vorwurf zurueckhaltend: geprueft werde, ob “ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt im Zusammenhang mit einer moeglichen Erschleichung einer falschen Beurkundung oder/und Urkundenfaelschung”. Fuer beide Beteiligten - die Aerztin und den Nati-Captain - gilt die Unschuldsvermutung. Der Unterschied am Sonntag: Xhaka hat oeffentlich zugegeben, was der juristische Vorwurf beschreibt.

SFV-Reaktion: Knaebel begruesst den Schritt, Nati ohne Xhaka

SFV-Praesident Peter Knaebel hat am Sonntag mit einer kurzen, klaren Stellungnahme reagiert:

“Wir begruessen, dass Granit diesen Schritt macht und sich der Aufarbeitung stellt.”

Der Verband hat gleichzeitig kommuniziert, dass Xhaka im naechsten Zusammenzug der Nati nicht dabei sein wird. Formell ist es eine gemeinsame Entscheidung von Spieler und Verband - inhaltlich bedeutet sie, dass die Nati-Woche im Oktober ohne den Captain stattfindet, der die Schweiz in Nordamerika bis ins Viertelfinale gefuehrt hatte. Nach dem 3:1-n. V. gegen Argentinien ist das der erste substanzielle Personal-Einschnitt in der Post-WM-Nati - und der erste, der nicht sportlich, sondern juristisch begruendet ist.

Der Strafrahmen: bis fuenf Jahre Freiheitsstrafe oder ueber 100’000 Franken

Wie schwer der juristische Bogen fuer den 33-Jaehrigen wiegen kann, hat der Zuercher Strafrechtsanwalt Fabian Teichmann am Sonntag umrissen. Der Vorwurf der Urkundenfaelschung sieht nach Schweizer Recht eine Freiheitsstrafe von bis zu fuenf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Bei Xhakas Einkommensklasse waere jede Geldstrafe schnell sechsstellig:

“40 Tagessaetze a 3’000 Franken ergeben bereits 120’000 Franken.”

Teichmann betonte, dass eine bedingte Strafe nur faellig werde, wenn sich Xhaka in der Probezeit nicht bewaehrt - eine Verurteilung waere also nicht automatisch ein finanzieller Vollschlag. Die naechste Wegmarke im Verfahren ist die Einvernahme Anfang Oktober; ein moegliches Urteil liegt Monate spaeter.

Captainbinde-Frage: Der SFV hat sie am Sonntag nicht neu vergeben

Ob Xhaka Nati-Captain bleibt, hat der Verband am Sonntag ausdruecklich nicht entschieden. Kommuniziert wurde nur die Abwesenheit im naechsten Zusammenzug. Die dahinter liegende Debatte hat aber schon begonnen: In den Kommentarspalten und Talkrunden wird durchgespielt, wer im Oktober die Binde uebernimmt und ob Xhaka bei einer moeglichen Verurteilung sein Amt zurueckgeben muesste. Vor dem Turnier war der Captain im Schweizer WM-Kader das unbestrittene Zentrum von Trainer Murat Yakins Achse - eine Nachfolge waere kein Verwaltungsakt, sondern ein struktureller Umbau.

Vom WM-Captain in Nordamerika zum Luzerner Fall - der Bogen des Jahres

Der Kontrast des Jahres 2026 ist scharf. Im Juni fuehrte Xhaka die Nati beim 1:1 zum WM-Auftakt gegen Katar und ordnete den Auftritt oeffentlich als Weckruf ein - eine typisch harte Xhaka-Ansage, die im Lager Reibung erzeugte und danach in die K.-o.-Runde trug. Im Juli endete die Turnier-Reise in Gruppe B mit dem Viertelfinal-Aus gegen Argentinien. Zwei Monate spaeter, mitten in der Post-WM-Transferwelle rund um Schweizer Nati-Spieler wie Michel Aebischer bei Union Berlin, ist der Captain plotzlich nicht mehr die sportliche, sondern die juristische Schlagzeile.

Was am Sonntag noch offen ist: der genaue Termin der Einvernahme, ein moegliches Statement von Trainer Yakin, die Nachfolge-Loesung auf der Kapitaens-Position fuer den Oktober-Zusammenzug und die zeitliche Perspektive des Luzerner Verfahrens. Was klar ist: Zum ersten Mal seit langem plant die Schweizer Nati eine Laenderspiel-Woche ohne Granit Xhaka - und zum ersten Mal in seiner Laufbahn hat der Captain oeffentlich zugegeben, dass eine seiner medizinischen Papiere nicht regulaer beschafft wurde.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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