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WM 2026

England 3:0 Costa Rica: souveraene WM-Generalprobe nach Gewitter-Verspaetung in Orlando

England gewinnt die letzte WM-Generalprobe 3:0 gegen Costa Rica in Orlando. Rice, Gordon (Elfmeter) und Watkins treffen, Tuchel rotiert acht Positionen, der Start verzoegert sich um eine Stunde.

Von Marco Feldmann 11. Juni 2026

Declan Rice (rechts) jubelt mit Anthony Gordon ueber das fruehe 1:0 in der 9. Minute - der Arsenal-Mittelfeldspieler eroeffnet Englands letzte WM-Generalprobe im Inter&Co Stadium in Orlando am 10. Juni 2026. Foto: Focus Images via SmartFrame

Englands letzter WM-Test war ein anderer als der vorletzte. Im Inter&Co Stadium in Orlando, Florida, schlugen die Three Lions am Abend des 10. Juni 2026 Costa Rica mit 3:0 - Declan Rice (9.), Anthony Gordon (68., Foulelfmeter) und Ollie Watkins (87.) trafen, der Anstoss verzoegerte sich wegen eines Gewitters um eine Stunde. Sechs Tage vor dem WM-Auftakt gegen Kroatien hat das England-Bild damit zwei Lesarten: das 3:0 von Orlando ist die deutlich offensivere Generalprobe als das zaehe 1:0 in Tampa gegen Neuseeland vier Tage zuvor, und Thomas Tuchel hat das von den meisten erwartete Aufgebot weiter geschaerft.

Das Spiel: Rice 9., Gordon 68. (Elfmeter), Watkins 87.

England startete druckvoll und brauchte keine zehn Minuten bis zur Fuehrung. In der 9. Minute zog Declan Rice aus halblinker Position ab; der Ball wurde leicht abgefaelscht und schlug unhaltbar im langen Eck ein. Es war der typische Rice-Treffer: spaeter Anlauf, klarer Abschluss, kein Schmuck.

Bis zur Pause kontrollierte England das Spiel, ohne die hochkaraetigen Chancen konsequent zu verwerten. Costa Rica formierte sich tief, verlegte sich auf Konter, und musste mehrfach gluecklich klaeren. Mit 1:0 ging es in die Kabinen.

Nach dem Wechsel kippte die Partie zur Klarheit. Eine Stunde nach Anstoss ahndete der Schiedsrichter ein Foulspiel im costa-ricanischen Strafraum mit Elfmeter, Anthony Gordon trat an und verwandelte zum 2:0 in der 68. Minute. Drei Minuten vor Schluss legte der eingewechselte Ollie Watkins das 3:0 nach: per Kopfball nach einer Hereingabe von der rechten Seite, der Ball war leicht abgefaelscht in den Lauf des Aston-Villa-Stuermers gefallen.

3:0 (1:0) lautete der Endstand - das hoechste englische Ergebnis aus den vier WM-Tests. Costa Rica, das die Qualifikation fuer die WM 2026 verpasst hatte, bot defensiv ueber weite Strecken Ordnung, offensiv kaum Drohung.

Tuchels Rotation: acht Wechsel gegenueber Tampa

Tuchel hatte in den Tagen vor Orlando angekuendigt, eine “wettkampfnaehere” Startelf zu nutzen als beim 1:0 in Tampa, wo er zur Pause komplett durchgewechselt hatte. Konkret bedeutete das acht Wechsel im Vergleich zur Neuseeland-Aufstellung. Vor allem Declan Rice und Noni Madueke kamen zurueck in die erste Elf - der Arsenal-Sechser hatte in Tampa pausiert, der Newcastle-Aussenstuermer Madueke war ein Tuchel-Hinweis auf die wahrscheinliche Flugel-Variante gegen Kroatien.

Kapitaen Harry Kane begann erneut in der Sturmspitze, blieb diesmal ohne eigenen Treffer und wurde in der 63. Minute ausgewechselt. Tuchels Begruendung war pragmatisch: Belastungssteuerung sechs Tage vor dem Kroatien-Spiel. Auf den anderen Schluesselpositionen liess der Bundestrainer die Stammelf bewusst laenger zusammen als in Tampa - die Botschaft an die Mannschaft: jetzt waechst das System.

Tuchel sagte nach Spielschluss, die Startelf, die in Orlando begonnen habe, koenne “sehr wohl” auch gegen Kroatien auflaufen. Eine Garantie ist das nicht, ein Signal aber sehr wohl: Die letzten 90 Minuten vor der WM waren nicht mehr Casting, sondern Generalprobe im engeren Sinn.

Gewitter-Verspaetung: eine Stunde warten in Orlando

Das Spiel war ursprueglich fuer 16:00 Uhr Ortszeit (22:00 Uhr MESZ) angesetzt. Schwere Gewitterzellen mit Blitzschlaegen in der Naehe des Stadions zwangen die Verantwortlichen, den Anstoss um rund eine Stunde nach hinten zu verlegen. Die Zuschauer wurden ueber Stadionlautsprecher gebeten, auf ihren Plaetzen unter den Tribuenendaechern zu bleiben, das Spielfeld blieb leer, die Trainerstaebe verlegten ihre letzten Absprachen vom Rasen unter die Tribuene.

Das ist mehr als eine Episode. Im Sommer 2026 wird ein Grossteil der WM-Spiele in den USA in der heissesten und gewitterintensivsten Zeit des Jahres ausgetragen - Florida und der Sueden generell stehen bei den klimatischen Risiken ganz oben. Englands Vorstoss in den Suedosten am 10. Juni war auch ein Test der eigenen WM-Logistik unter realen Bedingungen. Dass die FIFA fuer die WM-Spiele in Klimazonen wie Mexiko, Dallas, Houston und Miami das Stadion-Daecher-Konzept stark gewichtet, hat hier eine sichtbare Ursache.

Was die Generalprobe fuer den WM-Auftakt gegen Kroatien bedeutet

England eroeffnet seine Gruppe L am 17. Juni 2026 um 22:00 Uhr MESZ im AT&T Stadium in Arlington gegen Kroatien (Details im Vorbericht zum Auftakt). Aus dem Befund von Orlando lassen sich drei Lesarten ableiten.

Erstens, das Personal. Mit Rice und Madueke kehren zwei Stammkraefte zurueck. Wer die letzten 90 Minuten vor der WM die meisten Spielminuten bekommt, hat die hoechste Wahrscheinlichkeit, gegen Kroatien zu beginnen. Tuchels eigene Worte stuetzen diese Lesart. Offen bleibt die Rolle von Jude Bellingham: der Real-Madrid-Schluesselspieler war beim Neuseeland-Test geschont worden; an seiner Position im offensiven Mittelfeld fuehrt am 17. Juni kein Weg vorbei (siehe das Bellingham-Profil).

Zweitens, das Profil. Die zaehe 1:0-Generalprobe gegen Neuseeland hatte Englands Schwaeche im letzten Drittel hervorgestrichen. Das 3:0 gegen einen ungleich besser organisierten Gegner aus Costa Rica hebt diesen Befund nicht vollstaendig auf, aber es zeigt, dass die Three Lions bei intensiverem Pressing und schnelleren Vorstoessen in eine andere Klarheit kommen. Rice in der 9. ist die Art Tor, die fuer Tuchel den Beleg liefert, dass Englands Mittelfeld im finalen Drittel ankommt.

Drittens, die Bilanz. Vier WM-Vorbereitungsspiele, ein durchwachsenes Gesamtbild: Uruguay 1:1, Japan 0:1, Neuseeland 1:0, Costa Rica 3:0 - zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage, 5:2 Tore. Das ist nicht souveraen, aber es ist nach oben offen. Die Three Lions reisen mit einem ueberzeugenderen Schluss-Eindruck in den Kader-Endspurt, als das Spielbild lange erwarten liess.

Vorbereitungsbilanz Three Lions vor der WM 2026

DatumGegnerOrtErgebnis
27. MaerzUruguayWembley1:1
31. MaerzJapanWembley0:1
6. JuniNeuseelandTampa1:0
10. JuniCosta RicaOrlando3:0

Tuchel uebernahm das Amt von Gareth Southgate Anfang 2025 und hat die Kader-Auswahl in der finalen Nominierung deutlich umgekrempelt. Kapitaen Harry Kane bleibt sein zentrales Aushaengeschild, die Rolle der jungen Spieler um Rio Ngumoha und Madueke definiert sich erst im Verlauf des Turniers. Was nach Orlando feststeht: das Aufgebot ist fertig, die wahrscheinliche Startelf gegen Kroatien ist klar, und der WM-Reiseplan beginnt mit dem Quartier in Kansas City (Swope Soccer Village). Sechs Tage bis zum Auftakt.

Englands Auftakt am 17. Juni bildet einen Teil des WM-Spielplans - im Anschluss folgen am 23. Juni Ghana in Foxborough und am 27. Juni Panama im MetLife Stadium. Wer Gruppe L gewinnt, hat im Achtelfinale die statistisch bessere Hand: das Rauspressen Richtung Toronto entfaellt, die K.-o.-Reise fuehrt ueber Atlanta.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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