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WM 2026

Ferran Torres im Portraet: Vom Foios-Jungen zum WM-Helden - der Weg des spanischen Finaltorschuetzen

Ferran Torres traf in der 106. Minute des WM-Finales 2026 zum 1:0 gegen Argentinien und machte Spanien zum Weltmeister. Das Portraet eines Comebacks.

Von Marco Feldmann 21. Juli 2026

Barcelona, 21. Juli 2026: Der italienische Streetart-Kuenstler TVBoy hat in der katalanischen Metropole ein Wandbild von Ferran Torres im spanischen Nationaltrikot mit dem WM-Pokal enthuellt - zwei Tage nach dem 1:0-Volltreffer des Barcelona-Angreifers in der 106. Minute des WM-Finales gegen Argentinien im MetLife Stadium (Foto: TVBoy Mural / Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zwei Tage nach dem 1:0 nach Verlaengerung im WM-Finale gegen Argentinien im MetLife Stadium hat der italienische Streetart-Kuenstler TVBoy am Dienstag in Barcelona ein Wandbild enthuellt: Ferran Torres im spanischen Nationaltrikot, den WM-Pokal in beiden Haenden, das Gesicht in der TVBoy-typischen Pop-Art-Signatur. Es ist die schnellste offentliche Wuerdigung, die einem spanischen WM-Sieger in der katalanischen Metropole je zuteilgeworden ist - schneller als 2010 fuer Andres Iniesta, schneller als 2024 fuer Rodri und Lamine Yamal. Und sie hat ihren Grund: In der 106. Minute des Endspiels am Sonntag, 19. Juli 2026, hat der 26-jaehrige Angreifer des FC Barcelona das Tor geschossen, das Spanien zum zweiten Mal in der Verbandsgeschichte zum Fussball-Weltmeister macht. Der kicker rahmt den Moment am Dienstag um 16:20 Uhr MESZ mit einer Zeile ein, die die spanische Presse seither aufgreift: “Spaniens WM-Held Ferran: Ein Haifisch, der nicht unterging.”

Die 106. Minute - Porro, Williams, Torres

Der Treffer folgt einer Choreografie, die die Furia Roja an diesem Abend zum zwoelften Mal versucht hatte - und diesmal saass er. Rechts flankt Pedro Porro flach in den argentinischen Strafraum. Der Ball laeuft auf Nico Williams durch, der im Sechzehner links unter Druck von Gonzalo Montiel koerperlich abschirmt, den Ball hinter sich behauptet und mit dem Aussenrist auf den nachrueckenden Torres ablegt. Der Barcelona-Angreifer nimmt den Ball zwischen dem argentinischen Innenverteidiger-Doppel Cristian Romero und Lisandro Martinez halbrechts an und schiesst aus rund zwoelf Metern flach in das lange Eck neben Emiliano Martinez. Sekunden vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit der Verlaengerung bleibt der Ball hinter der Linie liegen; die Argentinier spielen seit der 90.+3 durch die Gelb-Rote Karte von Enzo Fernandez fuer ein Foul an Pau Cubarsi in Unterzahl.

Torres sagt in der TV-Zone unmittelbar nach dem Spiel: “Du bist immer nervoes, wenn du gegen Messi spielst, aber wir haben immer an uns geglaubt.” Es ist der wichtigste Treffer seiner Nationalmannschafts-Karriere.

”Endlich erloest” - was der Treffer fuer Torres bedeutet

Einen Tag spaeter, in der sportschau-Interview-Runde, findet er die Zeile, die der Sender in die Ueberschrift des Videos hebt: “Durch den Treffer endlich erloest.” Das Verb traegt die vergangenen achtzehn Monate. Bei Barcelona hatte Torres unter Hansi Flick in der Saison 2025/26 lange Zeit gegen den polnischen Angreifer Robert Lewandowski um die Startelf gekaempft und dabei mehrere Fenster als Winger auf den Fluegeln interpretiert. In der spanischen Nationalmannschaft war seine Position als zentraler Angreifer nach dem Ruecktritt von Alvaro Morata von Bundestrainer Luis de la Fuente in den Wochen vor der WM erst spaet vergeben worden - der Alaves-Angreifer Ayoze Perez und der Real-Betis-Stuermer Cedric Bakambu hatten in der EM-2024-Nachlese noch als Kandidaten gegolten. Erst mit der Verletzung von Morata im Vorbereitungstrainings-Camp Anfang Juni ging Torres endgueltig als Neuner in die WM.

Sportschau-Reporter Jessy Wellmer beschreibt den Kampf nach dem Endspiel als “ein Turnier, das er die ersten fuenf Spiele mit angezogener Handbremse gespielt hat”. Der 106.-Minuten-Treffer ist damit nicht nur die sportliche Entscheidung des Finales, sondern auch der Punkt, an dem sich zwei Karriere-Fragen aufloesen: die des Startelf-Status in Barcelona und die des Torhueter-brechenden Zielspielers in der Nationalelf.

Foios, Valencia, Manchester City, Barcelona - der Weg

Ferran Torres Garcia kommt am 29. Februar 2000 in Foios zur Welt, einer 7.500-Einwohner-Kommune an der spanischen Mittelmeerkueste nordwestlich von Valencia. Als Sechsjaehriger tritt er in den Nachwuchs des FC Valencia ein und durchlaeuft dort saemtliche Altersklassen bis zur zweiten Mannschaft (2016). Sein Profidebuet gibt er als 17-Jaehriger am 30. November 2017 im Copa-del-Rey-Achtelfinale gegen Zaragoza, sein La-Liga-Debuet folgt zwei Wochen spaeter. Mit Valencia gewinnt er 2018/19 den spanischen Pokal, in der Saison 2019/20 wird er unter Trainer Albert Celades mit 34 Liga-Einsaetzen und sechs Champions-League-Auftritten zum Stammspieler.

Im August 2020 wechselt er fuer eine kolportierte Ablose von rund 25 Mio Euro zum englischen Meister Manchester City. Unter Pep Guardiola ist Torres ein Rotations-Spieler mit hoher Trefferquote: 24 Premier-League-Einsaetze und sieben Tore im ersten Titel-Jahr 2020/21, sechs Einsaetze und vier Tore in der Champions League bis zum Final-Erreichen (dort 0:1 gegen Chelsea). Anfang Januar 2022 zieht der FC Barcelona unter Trainer Xavi Hernandez die Rueckhol-Option, zahlt rund 55 Mio Euro an Manchester City und bindet Torres bis Juni 2027. Bis nach dem Sommer 2026 hat Torres fuer die Katalanen 139 Liga-Einsaetze absolviert und 41 Liga-Tore erzielt - dazu drei Meister-Titel (2022/23, 2024/25, 2025/26) und der spanische Pokal 2024/25. Der Ruf des Wandervogels haftet ihm bis heute nicht an: In Foios wohnt seine Familie, in Valencia sein Bruder, in Barcelona spielt der Angreifer seit vier Jahren durch. Die “Haifisch”-Zuschreibung des kicker greift beides auf - den ruecksichtslos-effizienten Torabschluss in der Endzone und den Instinkt, in den entscheidenden Momenten oben zu bleiben, egal wer den Platz um ihn herum besetzt.

65 Laenderspiele, 25 Tore - die Nationalelf-Bilanz

Torres debuetiert am 3. September 2020 unter Bundestrainer Luis Enrique in der Nations League gegen Deutschland in Stuttgart. Zwei Tage spaeter erzielt er in Kiew gegen die Ukraine sein erstes A-Nationalmannschafts-Tor. Am 17. November 2020 feiert er im Rueckspiel gegen Deutschland in Sevilla den Hattrick zum 6:0 - eine Serie von drei Treffern zwischen der 33. und 55. Minute, die die DFB-Elf des damaligen Bundestrainers Joachim Loew in die tiefste Nationalmannschafts-Krise der Nachwendezeit schickt.

Bei der WM 2022 in Katar traf Torres beim historischen 7:0-Auftaktsieg gegen Costa Rica zweifach - einen Elfmeter und den 5:0-Solo-Lauf; Spanien scheiterte spaeter im Achtelfinale gegen Marokko im Elfmeterschiessen. Bei der Nations League 2023 hob Torres im Endspiel gegen Kroatien mit den Katalanen den ersten Nationalmannschafts-Titel unter dem neuen Bundestrainer Luis de la Fuente. Bei der EM 2024 in Deutschland kam er auf fuenf Einsaetze und einen Treffer.

Nach dem WM-Finale 2026 stehen fuer Torres 65 A-Laenderspiele und 25 Tore in der spanischen Nationalmannschafts-Statistik. Drei grosse Titel - Nations League 2023, EM 2024, WM 2026 - hat er dabei mit zwei Startelf-Einsaetzen in den Endspielen (EM-Finale, WM-Finale) gewonnen.

Der taktische Zielpunkt in de la Fuentes System

De la Fuentes WM-2026-Formation ist ein flexibles 4-3-3, das im letzten Drittel in ein 4-2-3-1 kippt. Rodri und Zubimendi bilden die defensive Achse, Pedri ist der Zehner, links und rechts brechen Nico Williams und Lamine Yamal ballfern nach innen - und in der Mitte agiert Torres als der fixe Ziel-Punkt, den die spanische Angriffs-Zone in den Vorwaerts-Aktionen der letzten Turnier-Wochen brauchte. Der taktische Mehrwert seiner Position: Er zieht die argentinische Innenverteidigung eng zusammen und schafft damit Raum fuer die Wand-Anspiele auf Williams und die Diagonalen auf Yamal.

De la Fuente-Kernsatz aus dem Halbfinale-Bericht: “Ferran ist der Spieler, der die Innenverteidiger nicht verlassen koennen. Solange er sich zwischen den beiden Vierer-Zentralen bewegt, oeffnen sich fuer Yamal die Halbraeume und fuer Williams die Fluegel.” Es ist eine kleine Rolle in der oeffentlichen Wahrnehmung - der Angreifer, der die anderen freispielt - aber die statistische Endspiel-Bilanz mit dem 1:0 in der 106. Minute macht die Rolle sichtbar. Der Post-Turnier-Report des Sportschau-Chefreporters Chaled Nahar hat den Torres-Zielpunkt als einen der zwei taktischen Schluessel der spanischen Kampagne markiert (der andere ist die Rodri-Zubimendi-Doppel-Sechs).

TVBoy-Mural in Barcelona - der neue Status

TVBoy - buergerlicher Name Salvatore Benintende, geboren 1980 in Palermo, seit den 2000er-Jahren in Barcelona lebend - hat das Wandbild am Dienstagvormittag in der Calle de Riera Alta enthuellt, keine 500 Meter von Camp Nou entfernt. Es ist die vierte grosse TVBoy-Arbeit fuer einen aktiven FC-Barcelona-Spieler nach den Wandbildern fuer Iniesta (2018), Messi (2020) und Yamal (2025). Die Botschaft ist doppelt: Barcelona nimmt den WM-Titel als Klub-Erfolg an - und Torres, der jahrelang als Backup-Angreifer galt, ist an diesem Dienstag oeffentlich der spanische WM-Held.

Die katalanische Zeitung La Vanguardia titelt am Dienstagabend: “El chico de Foios ha entrado en la historia de este club” - “Der Junge aus Foios ist in die Geschichte dieses Klubs eingegangen”. Der Empfang in Madrid am Montag hatte Torres im koeniglichen Palast der Zarzuela und auf der Cibeles-Buehne bereits die Hauptrolle zugeteilt; das Barcelona-Wandbild kroent die Serie mit der einzigen Wuerdigung, die dem sonstigen La-Masia-Kult ebenbuertig ist.

Was jetzt kommt - Barcelona 2026/27 und die neue Rolle

Torres kehrt zum FC Barcelona zurueck, wo er in der Saison 2026/27 unter Trainer Hansi Flick vermutlich zum ersten Mal als erster Angreifer in die Konkurrenz mit Robert Lewandowski geht. Der 38-jaehrige Pole hat sich in mehreren Interviews im Fruehjahr 2026 mit einem Vertrags-Ende nach der Saison 2026/27 arrangiert, Torres ist bis Juni 2027 gebunden und wird intern als natuerlicher Nachfolger auf der Neuner-Position gehandelt. Nebenfrage: der Katalog der Interessenten. Manchester United, Newcastle United und Al-Ittihad hatten in den vergangenen Wochen Anfragen platziert; kicker-Barcelona-Korrespondent David Iglesias schrieb am Dienstag, dass das Endspiel-Tor jede Wechsel-Debatte “auf Eis gelegt” habe.

Sportlich naechster Fixpunkt: der Auftakt der La-Liga-Saison am 22./23. August 2026 in Barcelona. Fuer den spanischen Nationalmannschafts-Kalender folgt in der Woche vom 14. September 2026 die erste Nations-League-Woche der Post-WM-Saison, in der de la Fuente den 2026er-Kader in die erste Umbau-Phase fuehren wird. Torres steht als Kapitaen-Kandidat in der Nachfolge von Rodri und Alvaro Morata im Katalog - eine Karrierestufe, die vor dem 19. Juli in East Rutherford noch nicht auf dem Zettel war.

Der Streetart-Kuenstler TVBoy hat es an diesem Dienstag in Barcelona so zusammengefasst: “Er ist der Junge, der nach zehn Jahren des Wartens den Ball an der richtigen Stelle hatte.” Die kicker-Zeile - der Haifisch, der nicht unterging - liest sich als literarische Version derselben Aussage. Und Ferran Torres selbst haelt am ehesten den sportschau-Satz von Montag: “Endlich erloest.”

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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