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WM 2026

Wembley-Debakel fuer Tuchel: England verliert 2:3 gegen Spanien nach Joker-Doppelschlag

Spanien dreht in Wembley: Baena und Oyarzabal treffen nach 54.-Minuten-Einwechslung, Kane verschiesst Elfmeter. Tuchels erster Post-WM-Test misslingt.

Von Marco Feldmann 26. September 2026

Mikel Oyarzabal und Lamine Yamal beim WM-2026-Vorrundenspiel gegen Saudi-Arabien am 21. Juni 2026 in Atlanta. In Wembley trafen am 26. September 2026 dieselben beiden Spanier zum 1:0 (Yamal, 2.) und zum 3:2-Siegtreffer (Oyarzabal per Lupfer, 74.) - Baena hatte in der 60. mit einem 16-Meter-Schuss zum 2:2 ausgeglichen (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Der 2:1-Zwischenstand in der 40. Minute sah aus wie das Skript, das Thomas Tuchel am Freitag im St George’s Park vor Augen hatte: fruehe spanische Fuehrung durch Lamine Yamal in der 2. Minute, Ausgleich durch Anthony Gordon in der 36., Kopfball-Schluss durch Harry Kane in der 40. - das englische Aufholmomentum lief. Doch Luis de la Fuente hat in der 54. Minute zwei Joker eingewechselt, und binnen zwanzig Minuten war das Spiel gedreht. In Chapter 45 des Wembley-Vorberichts hatte Tuchel bewusst nicht das Argentinien-Halbfinal-Aus, sondern den Bronze-6:4 gegen Frankreich als narrative Achse fuer die Post-WM-Zeit gesetzt. In Wembley bekam er die spanische Antwort auf sein Vorwaerts-Framing: der amtierende Weltmeister von 2026 gewann 3:2 in London.

Yamal-Blitzstart, Gordon-Antwort, Kane-Kopf - der 40-Minuten-Ritt

Yamal hat den Wembley-Zuschauern nach zwei Minuten die Realitaet in Erinnerung gerufen. Der 19-Jaehrige lief zwischen den englischen Innenverteidigern allein aufs Tor und schob am Torwart Nick Pope vorbei ins linke Eck. Es war das erste Tor der neuen Nations-League-Saison und ein direkter Beleg dafuer, warum Spanien in Ratings weltweit vor jedem anderen Team steht.

England brauchte 34 Minuten, um in Wembley zu antworten. In der 36. Minute spielte Jude Bellingham einen Diagonalball auf die linke Aussenbahn, Bukayo Saka verlaengerte auf Anthony Gordon, der Newcastle-Fluegelspieler zog von halblinks in den Sechzehner und schob den Ball an Torwart Unai Simon vorbei zum 1:1. Es war Gordons drittes Laenderspieltor unter Tuchel und der Beweis, dass die Umschaltbewegung ueber die linke Flanke in den ersten 45 Minuten die englische Antwort auf spanischen Ballbesitz war.

Vier Minuten spaeter fuehrte England: Kane setzte sich in der 40. Minute nach einer Freistoss-Flanke von Saka am spanischen Innenverteidiger vorbei und koepfte aus rund sieben Metern flach ins lange Eck. Der englische Kapitaen, der in Chapter 45 des Wembley-Vorberichts noch von einer noch offenen Argentinien-Halbfinal-Narbe gesprochen hatte, jubelte vor der eigenen Kurve mit ausgebreiteten Armen. Der Zwischenstand zur Pause: England fuehrte 2:1 gegen den amtierenden Weltmeister.

De la Fuentes Doppel-Wechsel in der 54.: Baena und Oyarzabal drehen das Spiel

De la Fuente hat neun Minuten nach dem Wiederanpfiff die Trainer-Entscheidung des Abends getroffen. In der 54. Minute wechselte der Spanien-Bundestrainer zeitgleich Alex Baena (Villarreal-Zehner, WM-2026-Kader-Ergaenzung) und Mikel Oyarzabal (Real-Sociedad-Kapitaen, WM-2026-Finalschuetze in Vertreter-Rolle nach Ferran Torres) ein. Sechs Minuten spaeter stand es 2:2.

Baenas Ausgleich fiel nach einem unnoetigen Ballverlust von Nico O’Reilly im spanischen Angriffsdrittel. Der englische Mittelfeldspieler verlor den Ball unmittelbar vor dem eigenen Strafraum, Baena zog in Zentrums-Nachlade-Position und drosch aus 16 Metern flach ins linke Eck. Pope war chancenlos, es war der klassische Distanz-Schuss eines Zehners mit freier Sicht auf das Tor.

In der 74. Minute vollendete Oyarzabal die Wende. Baena spielte einen langen, flachen Zuspiel-Ball hinter die englische Kette, Oyarzabal lief auf Pope zu und ueberhob den englischen Torwart per Lupfer aus zwoelf Metern. Der Spielverlauf war typisch Furia Roja: geduldiges Zuruecklaufen der englischen Fuehrung ueber Ballbesitz, Umschaltprellungen ueber die zeitgleich frisch eingewechselten Joker, ausgekuenster Abschluss. In der Nations-League-Historie sind wenige Trainer-Wechsel-Doppelschlaege so unmittelbar aufgegangen. De la Fuentes Argumentation, die dem spanischen Verband vor drei Wochen zur Vertragsverlaengerung um sechs Jahre reichte, hatte Wembley als Beleg.

Kanes Elfer-Drama: VAR-Doppelberuehrung, Ball an die Latte, Freistoss statt 3:2

Zwischen dem 2:1 und dem 2:2 gab es eine Szene, die England die Kontrolle final gekostet hat. In der zweiten Halbzeit lief Kane in den spanischen Sechzehner und suchte den Koerperkontakt mit Rodri. Schiedsrichter Davide Massa (Italien) liess zunaechst weiterlaufen, doch die VAR-Zentrale zog ihn an den Bildschirm. Nach Ansicht der Wiederholung entschied Massa auf Strafstoss - Rodri hatte die Nachfrage-Bein-Stellung in Massas Interpretation gefuehrt.

Kane trat an. Beim Anlauf rutschte der Kapitaen auf dem noch feuchten Wembley-Rasen aus, der Ball rollte in einer sichtbaren Doppelberuehrung zwischen erstem und zweitem Fuss weiter, prallte auf, drueckte aus rund 15 Metern gegen die Unterkante der Latte und sprang zurueck ins Spielfeld. Weil die IFAB-Regel 14 in ihrer 2024-er Reform bei einer Doppelberuehrung den Strafstoss weder wiederholt noch verwertet, gab Massa das Spiel mit einem indirekten Freistoss fuer Spanien frei.

Es war der zweite Kane-Nackenschlag der Woche: erst die Argentinien-Halbfinal-Narbe im BBC-Podcast, jetzt der Elfer-Fehlschuss vor 90.000 in Wembley. Auf dem Feld verharrten die englischen Fans zwoelf Sekunden lang schweigend, ehe die Buhrufe einsetzten.

Tuchel-Bewertung: der zweite Post-WM-Pflichtspiel-Test misslingt

Tuchels Vorwaerts-Erzaehlung aus dem Vorbericht - “Es macht keinen Sinn, sich mit Rueckblicken zu quaelen”, “die Bronze-Erzaehlung als narrative Achse fuer alles, was noch kommt” - hat einen ersten Faktenschock hinter sich. Der Deutsche hatte in der Freitags-Pressekonferenz im St George’s Park bewusst nicht das WM-Halbfinal-Aus in Atlanta, sondern das Bronze-6:4 gegen Frankreich als narrative Achse gesetzt. Die 40-Minuten-Fuehrung in Wembley zeigt: das englische Umschaltspiel ueber die linke Flanke funktioniert. Die 90-Minuten-Bilanz zeigt: gegen einen Weltmeister mit einer Bank, in der zwei WM-Finalisten warten, reicht die englische Kette nicht.

Fuer Tuchel wird die Auswaertspartie am Dienstag in Prag gegen Tschechien zum ersten Zwei-Punkte-Ernstfall der Post-WM-Aera. Ein Auftakt mit null Punkten nach einem Heimspiel bedeutet, dass jede folgende Gruppen-Partie in League A ein Muss-Sieg wird, wenn England die Nations-League-Playoffs nicht ueberhaupt verpassen will. Der Zwei-Jahres-Plan zur Heim-EM 2028 beginnt damit an einem tieferen Punkt als der Vorbericht suggerierte.

Was Wembley fuer die Nations-League-Gruppe A bedeutet

Nach dem 3:2 fuehrt Spanien die League-A-Gruppe mit drei Punkten aus dem Wembley-Duell an. England, Tschechien und Kroatien starten mit null Punkten. Am Dienstag reist Spanien nach Zagreb, England nach Prag. Die Rueckspiele der Vierer-Gruppe folgen im Oktober- und November-Fenster. Die Gruppen-Ersten treten in die Nations-League-Finals im Juni 2027 (Spielort noch offen) an, die Gruppen-Vierten muessen in die Playoffs zur League B.

Fuer Spanien war der Wembley-Auftritt der 19. Sieg im 20. Pflichtspiel seit dem WM-Titel. Nur das Nations-League-Finale 2025 gegen Portugal in Muenchen ging im Elfmeterschiessen verloren. De la Fuentes Argumentation, sein Kader habe eine Tiefe, die keine andere Nationalelf der Welt aufweist, hat in Wembley einen weiteren Datenpunkt.

Trainer-Debut-Fenster geht weiter: Klopps DFB-Heimpremiere am Sonntag

Wembley ist der vierte Trainer-Debut-Match-Recap des laufenden Nations-League-Fensters. Nach Juergen Klopps 1:1 in Amsterdam am Donnerstag, Mark van Bommels 2:0 in Rom gegen Mancinis Italien am Freitag und Zinedine Zidanes 1:0 in Kocaeli gegen die Tuerkei am Freitagabend ist Tuchels 2:3 die vierte Debut-Match-Bilanz einer neuen Trainer-Aera - und die erste Niederlage im Quartett.

Am Sonntag folgt die fuenfte Bilanz. Um 20:45 Uhr MESZ trifft Jonathan Tah mit dem DFB-Team in der WWK Arena Augsburg zur Klopp-Heimpremiere auf Griechenland. Alexander Nuebel steht dann erstmals im Tor, Florian Wirtz nicht in der Startelf. Es ist die vierte Aera-Debut-Woche in Folge - und der erste Klopp-Heimauftritt nach dem Amsterdam-Debut. Das WM-2026-Trainer-Karussell dreht sich im Rhythmus der Nations-League-Woche weiter.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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