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WM 2026

Ghanas WM-Kader 2026: Queiroz nominiert 26 - Adjetey (Wolfsburg) drin, Köhn und Königsdörffer fehlen

Ghana hat den 26er-Kader für die WM 2026 bekannt gegeben. Trainer Queiroz nimmt Wolfsburgs Jonas Adjetey mit, Köhn und Königsdörffer fehlen. Kudus verletzt.

Von Marco Feldmann 02. Juni 2026

Carlos Queiroz bei der Vorstellung als Trainer der Black Stars am 22. April 2026 in Accra. Sechs Wochen später hat er das WM-Aufgebot benannt. Foto: Sports Images GH / Samuel Ameyaw Yeboah via SmartFrame

Sechs Wochen nach seinem Amtsantritt hat Carlos Queiroz sein erstes Aufgebot für die Fußball-WM 2026 bekannt gegeben. Der ghanaische Verband veröffentlichte am Dienstag, dem 2. Juni 2026, das endgültige 26er-Kader-Trikot der Black Stars - rechtzeitig zur FIFA-Frist am 4. Juni. Aus deutscher Sicht ist die Liste vor allem ein Bundesliga-Filter: Von drei in Frage kommenden Profis hat es nur Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg ins Aufgebot geschafft. Derrick Köhn (1. FC Union Berlin) und Neuzugang Ransford-Yeboah Königsdörffer (1. FSV Mainz 05) fehlen.

Bekanntgabe in Accra: Queiroz’ erstes WM-Aufgebot

Der ghanaische Fußballverband (GFA) stellte das Aufgebot am Dienstagvormittag in Accra vor. Es ist die finale Reduzierung des vorläufigen 28er-Kaders, den Queiroz am 26. Mai veröffentlicht hatte - zwei Spieler weniger, dafür eine klare Hierarchie. Die FIFA-Frist zur Bekanntgabe der finalen 26 läuft am 4. Juni um 18:00 Uhr Ortszeit ab; Ghana ist damit eines der ersten afrikanischen Teams, das pünktlich liefert.

Queiroz selbst beschrieb das Aufgebot als “ein Gleichgewicht zwischen Erfahrung und der nächsten Generation”. Der Portugiese sucht in seinem ersten Turnier mit Ghana eine Mannschaft, die das 2010-Viertelfinale als Maßstab anerkennt, aber die Realität der letzten beiden WM-Turniere nicht ignoriert: In Brasilien 2014 und in Katar 2022 schied Ghana jeweils sieglos in der Vorrunde aus. Die letzte WM-Sechs-Punkte-Saison ist 16 Jahre her - die Generation Asamoah Gyan, Sulley Muntari, Michael Essien längst vorbei.

Die Bundesliga-Bezüge: Wolfsburgs Adjetey im Aufgebot, Köhn und Königsdörffer nicht

Drei Bundesliga-Spieler standen vor der Bekanntgabe zur Diskussion. Geblieben ist einer: Jonas Adjetey, 22 Jahre alt, Innenverteidiger, in Accra geboren, in der Schweiz beim FC Basel ausgebildet und im Sommer 2025 für rund 7,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselt. In der Bundesliga-Hinrunde 2025/26 absolvierte er 19 Pflichtspiele für den VfL, in der Rückrunde war er gesetzt - eine eigene Größe in der Achse neben Maxence Lacroix-Nachfolger Konstantinos Koulierakis. Adjetey ist nicht der älteste oder bekannteste, aber der spielfertigste der drei Bundesliga-Optionen, und Queiroz braucht in der Innenverteidigung neben dem PAOK-Routinier Baba Abdul Rahman eine zweite Achse mit europäischem Standard.

Nicht im Kader steht Derrick Köhn. Der 27-jährige Linksverteidiger vom 1. FC Union Berlin ist in Hamburg geboren und besitzt die deutsche und die ghanaische Staatsbürgerschaft. Er kam 2023 zum Köpenicker Klub, spielte sich in der Bundesliga zum gesetzten Linksverteidiger und absolvierte unter Otto Addo Länderspiele. Queiroz hat sich offenkundig für die kontinuitätsstärkere Lösung Baba Abdul Rahman (PAOK) und Gideon Mensah (Auxerre) entschieden - eine Entscheidung mit klarer Linie, aber eine Niederlage für Köhns WM-Traum.

Auch Ransford-Yeboah Königsdörffer fehlt. Der 24-jährige Offensivspieler hatte gerade seinen Vertrag beim Hamburger SV auslaufen lassen und war ablösefrei zum 1. FSV Mainz 05 gewechselt - eine der wenigen Hoffnungsbotschaften der Mainzer Kaderplanung für 2026/27. In der vergangenen Bundesliga-Saison erzielte Königsdörffer in 33 Spielen fünf Tore für den HSV. Bei Queiroz hatte er auf eine Joker-Rolle gehofft; im endgültigen 26er kam stattdessen der portugiesisch-trainierte Christopher Bonsu Baah (Al Qadisiah) zum Zuge, dazu Brandon Thomas-Asante (Coventry City) als zweite Sturmreserve.

Carlos Queiroz - der portugiesische Krisenmanager nach Otto Addo

Der Trainerwechsel im April 2026 war eine Folge der 0:1-Niederlage gegen Deutschland am 31. März in Stuttgart. Es war ein Spiel ohne sportliche Schmach, aber mit klarer Botschaft: Otto Addo, der 50-jährige Hamburger Ex-Profi mit Borussia-Dortmund-Vergangenheit, hatte Ghana zwar souverän durch die CAF-Qualifikation gebracht (8 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage), aber die jüngeren Tests gegen Top-Nationen verloren. Der GFA-Präsident Kurt Okraku entschied sich für einen Cut und holte vier Wochen vor dem Turnierstart einen Trainer, dessen Spezialgebiet exakt diese Situation ist: das schnelle Aufnehmen einer fremden Mannschaft kurz vor einem großen Turnier.

Carlos Queiroz, geboren am 1. März 1953 in Nampula (damals Portugiesisch-Ostafrika, heute Mosambik), gehört zu den am meisten gereisten Trainern des Welt-Fußballs. Er war zweimal Trainer Portugals (1991-1993 und 2008-2010, bei der WM 2010 Vorrunde), zweimal Trainer Irans (2011-2019 und nochmals kurz 2022 vor Katar), Trainer Kolumbiens (2019-2020), Ägyptens (2021-2022, AFCON-Finale gegen Senegal) und Katars (2023). Dazu trainierte er Real Madrid sowie als Co-Trainer von Sir Alex Ferguson Manchester United. Seine WM-Bilanz: vier Turniere als Cheftrainer (Portugal 2010, Iran 2014, Iran 2018, Katar 2022) - keiner davon mit Achtelfinaleinzug. Aber bei den letzten beiden Iran-Auftritten sammelte er gegen Spanien (2018, 0:1) und gegen Wales (2022, 2:0) Achtungserfolge, die in der Branche als Beleg seiner Defensiv-Architektur gelten.

Für Ghana bringt Queiroz drei Dinge mit: die WM-Routine, das eingespielte 4-2-3-1-Standard-System und die Erfahrung, in vier Wochen aus einer existierenden Mannschaft einen Turnierkader zu formen. Aus dem ghanaischen Verband heißt es, dass Queiroz’ Vertrag bis zur AFCON 2027 (Algerien) läuft - das WM-Turnier 2026 ist also nicht sein Endpunkt, sondern der erste Auftritt eines auf zwei Jahre angelegten Projekts.

Die sportliche Achse: Semenyo, Williams, Partey, Kapitän Jordan Ayew

Im Tor führt Lawrence Ati-Zigi (St. Gallen) den Konkurrenzkampf an. Der 29-jährige Schweiz-Profi hat sich seit 2020 zur unbestrittenen Nummer eins gespielt; sein Stand-by ist Benjamín Asare (Accra Hearts of Oak), dazu kommen der Ajax-Talente Paul Reverson und der Ire Joseph Anang (St Patrick’s Athletic) als dritte und vierte Optionen.

In der Defensive baut Queiroz auf die Achse aus europäischen Klubs: Baba Abdul Rahman (PAOK) auf der Linksverteidigerposition (seine Rückkehr nach knapp drei Jahren Abwesenheit ist eine der Personalien des Aufgebots), Alidu Seidu (Rennes) und Abdul Mumin (Rayo Vallecano) im Zentrum, Adjetey aus Wolfsburg als jüngere Alternative, dazu Jerome Opoku (Istanbul Basaksehir) und Routinier Alexander Djiku (Spartak Moskau). Rechts ist Gideon Mensah (Auxerre) das gesetzte Profil, im Notfall kann auch Kojo Oppong Preprah (OGC Nice) übernehmen.

Im Mittelfeld ist Thomas Partey der Stratege. Der 32-jährige Ex-Arsenal-Profi spielt seit Sommer 2025 für Villarreal in La Liga und hat unter Queiroz eine spielführende Sechser-Rolle erhalten - er ist die Brücke zwischen Defensive und Offensive. Elisha Owusu (Auxerre) übernimmt die laufintensive Sechser-Position neben ihm, dazu kommen Augustine Boakye (Saint-Étienne), Caleb Yirenkyi (FC Nordsjælland) und der Leicester-Profi Abdul Fatawu Issahaku, der in der vergangenen Premier-League-Saison sieben Treffer auflegte. Kamal Deen Sulemana (Atalanta) ist die taktische Wildcard - schnell, zweikampfstark, mit Stuermer-Schluss.

Im Sturm dreht sich alles um zwei Namen. Antoine Semenyo, 26, in London geboren, im Januar 2026 für rund 62,5 Millionen Pfund von Bournemouth zu Manchester City gewechselt, war in der Premier-League-Saison 2025/26 mit 15 Treffern dritter Torjäger der Liga. Bei Pep Guardiola ist er die Außenposition mit Innenraum-Wirkung. Sein Pendant ist Kapitän Jordan Ayew (Leicester City), 34 Jahre alt, der Sohn der Black-Stars-Legende Abedi Pelé und nach den verletzten und ausgemusterten Routiniers der vergangenen Jahre der dienstälteste Spieler im Aufgebot. Daneben stehen Iñaki Williams (Athletic Club), der 31-jährige Bilbao-Profi und Identifikationsfigur, sein Bruder Nico Williams ist auf der spanischen Liste, Ernest Nuamah (Olympique Lyon) und Prince Kwabena Adu (Viktoria Pilsen) als jüngere Optionen.

Mohammed Kudus fehlt verletzungsbedingt

Die mit Abstand bitterste Personalie für die Black Stars ist eine Streichung aus medizinischen Gründen. Mohammed Kudus, 25, der Tottenham-Profi und in den letzten Jahren die kreative Zentrale der ghanaischen Offensive, ist nicht im Kader. Kudus hatte in der zweiten Saisonhälfte mit muskulären Beschwerden zu kämpfen; ein endgültiger Heilungsverlauf vor dem WM-Start ließ sich nicht erreichen. Der GFA und Queiroz gaben am Dienstag bekannt, dass Kudus bis zur regulären Vorbereitungsphase keinen Trainings-Status erreicht hat, der einen Turnier-Einsatz rechtfertigt.

Kudus’ Ausfall trifft Ghana doppelt. Erstens ist er die kreative Zentrale - der Spieler, der zwischen den Linien Räume öffnet und mit seinem Tempo Verteidiger isoliert. Zweitens war Kudus der mit Abstand wertvollste Marktwert (rund 80 Millionen Euro) und ein Werbeträger für die Black Stars. Sein Platz im 4-2-3-1 hinter Semenyo wird vermutlich an Issahaku oder Sulemana gehen - beide solide, aber ohne Kudus’ kreatives Höchstmaß.

Gruppe L mit England, Kroatien, Panama - der Spielplan in MESZ

Ghana trifft in Gruppe L auf den klaren Gruppen-Favoriten England, den WM-2018-Vize-Weltmeister Kroatien und den CONCACAF-Vertreter Panama. Auf dem Papier ist es eine der englisch-stark dominierten Gruppen: Englands FIFA-Weltranglistenplatz ist 3, Kroatiens 11, Ghanas 72, Panamas 39.

SpieltagGegnerAnstoß (MESZ)Spielort
1PanamaDo 18.06.2026, 01:00Toronto
2EnglandDi 23.06.2026, 22:00Boston
3KroatienSa 27.06.2026, 23:00Philadelphia

Aus ghanaischer Sicht ist die Reihenfolge günstig: Panama als Auftakt-Gegner ist die einzige Mannschaft auf Augenhöhe; England in Spiel zwei kommt nach dem Auftakt mit potenziell sechs Punkten und wird taktisch weniger durchgeplant; Kroatien als finaler Gegner ist ein typisches Va-Banque-Match, in dem oft beide Teams Punkte brauchen. Den vollständigen Überblick in deutscher Zeit liefert die zentrale MESZ-Tabelle; der komplette WM-Spielplan zeigt alle 104 Begegnungen.

Was bis zum Auftakt am 18. Juni offen bleibt

Drei Fragen sind bis zum WM-Auftakt offen. Erstens: Wer ersetzt Kudus als Zehner? Issahaku und Sulemana sind beide Kandidaten, aber keiner bringt Kudus’ Kombination aus Tempo, Ballbehauptung und Abschluss mit. Queiroz wird sich in den verbleibenden Testspielen entscheiden müssen.

Zweitens: Welches System spielt Queiroz? In Iran und Katar setzte er auf ein 4-2-3-1 mit zwei Sechsern und tiefem Mittelfeldblock. Mit Partey und Owusu als Doppelsechs hat er das Personal dafür; alternativ kann er - wie Otto Addo zuletzt - mit 4-3-3 und gepresstem Aufbau spielen, dann mit Sulemana als Außenstürmer und Semenyo zentral. Die ersten Hinweise wird das Testspiel gegen Brasilien am 7. Juni in den USA geben.

Drittens: Wer ist die zweite Wahl im Tor? Ati-Zigi ist die gesetzte Nummer eins, aber sein Verein St. Gallen ist nicht europäische Spitzenklasse. Wenn er sich verletzt, wäre Asare aus der heimischen Liga oder der noch ungetestete Reverson aus Ajax die Lösung - beides Optionen ohne WM-Erfahrung.

Zur Einordnung der globalen Kader-Welle: Im selben Zeitfenster haben weitere Verbände ihre 26 nominiert. Aus Gruppe L ist Englands Kader unter Thomas Tuchel bereits seit Tagen bestätigt, Kroatien geht mit Modric ins fünfte WM-Turnier, Panamas Aufgebot mit Bundesliga-Bezug wurde ebenfalls schon vor der Frist veröffentlicht. Auch die USA spielten am Wochenende gegen Senegal ihre Generalprobe; bis zum 4. Juni werden die letzten Mannschaften ihre 26er einreichen, einen Überblick liefert die Kader-Frist-Bilanz.

Mehr zu Ghanas Mannschaft, WM-Geschichte und Rekorden auf der Team-Übersicht Ghana. Was am 2. Juni in Accra bekannt wurde, ist mehr als eine Liste mit 26 Namen: Es ist Queiroz’ erstes Statement an Spieler und Öffentlichkeit. Wer sich in der Vorbereitung nicht in das von ihm vorgegebene Bild einreiht, kommt nicht nach Toronto.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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