Panamas WM-Kader 2026: Christiansens 26er für die zweite WM aller Zeiten - mit einem Ex-Bielefelder im Aufgebot
Thomas Christiansen hat Panamas WM-Kader benannt: Kapitän Godoy, Routinier Davis, Stürmer Fajardo - und mit Andrés Andrade (LASK, ex-Bielefeld) der einzige Bundesliga-Bezug.
Von Marco Feldmann 28. Mai 2026
Wenige Tage vor der FIFA-Frist hat Panamas spanisch-dänischer Bundestrainer Thomas Christiansen seinen 26-Mann-Kader für die Fußball-WM 2026 finalisiert. Im Aufgebot stehen die drei großen Geschichten dieser CONCACAF-Generation: ein Kapitän mit Länderspielrekord, ein Trainer mit Bundesliga-Vergangenheit als Torschützenkönig - und der einzige Profi mit Bundesliga-Vita in Andrés Andrade, der gerade mit dem LASK aus Linz Österreichs Meisterschaft und Pokal gewonnen hat. Für Panama ist es die zweite WM-Endrunde aller Zeiten, acht Jahre nach dem Debüt in Russland.
Christiansens 26er - die Eckpunkte der Bekanntgabe
Christiansen blieb beim Kader weitgehend bei den Spielern, die in der CONCACAF-Endrunde die Qualifikation gesichert hatten. Die FIFA hat für die WM 2026 die Kadergröße auf 26 Spieler angehoben (gegenüber 23 in Russland 2018), und Christiansen nutzt den vergrößerten Spielraum vor allem in Mittelfeld und Defensive. Frist zur endgültigen Abgabe ist der 2. Juni 2026; bis dahin kann der Verband nur noch verletzungsbedingt nachnominieren.
Die Heimliga Liga Panameña de Fútbol stellt rund die Hälfte des Kaders - Standard für eine CONCACAF-Mannschaft jenseits der USA und Mexikos. Die andere Hälfte verteilt sich auf die nordamerikanische MLS, die mexikanische Liga MX sowie eine Handvoll europäischer Ligen: Spanien, Belgien, Österreich und Skandinavien. Ein Profi aus einer der europäischen Top-5-Ligen ist nicht dabei; Andrade aus Österreich bleibt der einzige aktuelle Europa-Profi mit Bundesliga-Vergangenheit.
Thomas Christiansen - der Bundesliga-Torschützenkönig auf der Trainerbank
Christiansens Biografie ist im deutschen Fußball präsenter, als das WM-Lospech der Mannschaft vermuten ließe. Geboren am 11. März 1973 in Hadsund, einer Kleinstadt im dänischen Nordjütland, wuchs er als Sohn eines dänischen Vaters und einer spanischen Mutter zweisprachig auf und hat seitdem die doppelte Staatsbürgerschaft. Seine Karriere begann er in der Jugend von AS Rom; in Spanien spielte er später für CD Logroñés, FC Villarreal und Espanyol Barcelona.
Im Jahr 2001 wechselte Christiansen zum VfL Bochum. Zwei Jahre später schoss er den Klub mit 21 Treffern zum geteilten Torschützenkönig der Bundesliga 2002/03 - gemeinsam mit Bayern-Stürmer Giovane Élber. Es war der prägende Moment seiner Spielerkarriere; Christiansen blieb bis 2003 in Bochum und wechselte anschließend zu Hannover 96, wo er bis 2006 weitere 55 Bundesliga-Spiele bestritt und zwölf Tore erzielte. In Summe stehen für ihn 101 Bundesliga-Einsätze mit 34 Toren zu Buche.
Als Trainer übernahm Christiansen 2016 APOEL Nikosia und holte den zypriotischen Meistertitel; 2017/18 trainierte er kurzzeitig Leeds United, später Royale Union Saint-Gilloise in Belgien. Im Juli 2020 wurde er Nationaltrainer Panamas - in jenem Sommer, in dem die WM-Qualifikation für Katar 2022 begann, die Panama dann erneut knapp verpasste. 2023 führte er das Team ins Finale des CONCACAF Gold Cup (1:0-Niederlage gegen Mexiko); 2025 sicherte er die WM-Qualifikation für 2026.
Aníbal Godoy, Éric Davis, José Fajardo - die Achse einer dienstältesten Mannschaft
Wer Panamas Aufgebot mit europäischen Top-Kadern vergleicht, übersieht leicht das eigentliche Strukturmerkmal: Diese Mannschaft hat extrem viele Länderspiele in den Beinen.
Aníbal Godoy, geboren 1990, ist mit 159 Länderspielen Rekordnationalspieler des Verbandes. Der defensive Mittelfeldspieler stand schon 2018 in Russland im Aufgebot, lief zuletzt in der MLS für Nashville SC auf und ist der unbestrittene Kapitän. Sein Stil - kompakt, fußballerisch unauffällig, taktisch verlässlich - prägt das Spiel Panamas im 4-3-3-System, das Christiansen aus den meisten Quali-Begegnungen aufgestellt hat.
Direkt dahinter folgt Éric Davis, geboren 1991, Linksverteidiger und mit über 100 Länderspielen der zweite Routinier in der Defensive. Davis erreichte sein 100. Länderspiel in der Quali-Endphase 2025 - eine Zahl, die zeigt, wie konsequent Christiansen am erfahrenen Achsenpersonal festhält. Der Innenverteidiger Fidel Escobar und Außenverteidiger Michael Murillo (Anderlecht) komplettieren die etablierte Hintermannschaft.
Vorn sind José Fajardo und José Luis Rodríguez die Quali-Topscorer mit je drei Treffern in der CONCACAF-Endrunde. Beide arbeiten primär als Anspielstation - keine klassischen Vollstrecker, sondern Spieler, die Räume für andere öffnen. Den Status des klassischen Mittelstürmers füllt Cecilio Waterman, der 2018 in Russland bereits im Kader stand; Ismael Díaz (in der Liga MX bei León) liefert die spielerische Variante davor.
Im Tor führt Luis Mejía das Trio an. Der Schlussmann von Nacional aus Uruguay ist seit Jahren die unangefochtene Nummer eins; Orlando Mosquera dient als Backup.
Andrés Andrade - der einzige Bundesliga-Bezug, frisch österreichischer Double-Sieger
Auf einer einzigen Position im Aufgebot verbindet sich Panama unmittelbar mit dem deutschen Fußball: bei Andrés Andrade.
Geboren am 16. Oktober 1998 in Panama-Stadt, kam Andrade über die Vereine Cova Solera in Mexiko und CD Universitario in Panama nach Europa. Im Sommer 2021 wechselte er auf Leihbasis zu Arminia Bielefeld in die Bundesliga; in der Saison 2021/22 bestritt er 17 Bundesliga-Spiele für die Ostwestfalen, blieb dabei ohne Treffer und konnte den Abstieg am Saisonende nicht verhindern. Bielefeld zog im Juni 2022 dennoch die Kaufoption, und Andrade blieb in der 2. Bundesliga - 26 Einsätze, ein Tor in der Saison 2022/23.
Im Juni 2023 kehrte er nach Österreich zurück, wo er bereits in der Jugend gespielt hatte: Der LASK verpflichtete ihn mit einem Vierjahresvertrag. Zwei Jahre später ist Andrade einer der prägenden Innenverteidiger Österreichs - und Teil des historischen LASK-Aufgebots, das in der Saison 2025/26 das nationale Double holte: Meisterschaft und ÖFB-Cup, das erste Linzer Doppel seit 1965. Für die Nationalmannschaft Panamas steht Andrade nach eigenem Verbandsstand bei 47 Länderspielen und einem Tor.
In Bielefelder Zeiten war Andrade kein Stammspieler, aber ein durchaus präsenter Bundesliga-Profi. Acht Jahre später ist er nun derjenige Spieler, an dem deutsche Zuschauer Panamas drei Gruppenspiele identifizieren werden - in einer Mannschaft, in der sich Bundesliga-Vergangenheit sonst nur über die Trainerbank wiederfindet.
Gruppe L mit England, Kroatien und Ghana - Wiedersehen mit dem 6:1-Schmerz
Panama trifft in Gruppe L auf eine sportlich klare Hierarchie: England als FIFA-Topverteidiger der Gruppe, Kroatien als Vize-Weltmeister von 2018 und WM-Dritter 2022, Ghana als gestandene afrikanische Nation. Panama führt die FIFA-Weltrangliste mit Rang 33 unter den vier Teilnehmern - direkt hinter Kroatien (Stand Frühjahr 2026).
Sportlich ist das Wiedersehen mit England für Panama der emotional aufgeladenste Termin. Bei der WM 2018 in Russland verlor die Mannschaft das Gruppenspiel gegen England in Nischni Nowgorod mit 1:6 - es war Panamas erste WM-Niederlage überhaupt und blieb in der Mannschaftserinnerung als ein Beleg dafür, dass der Sprung zur Weltspitze noch zu groß war. Felipe Baloy schoss damals das einzige WM-Tor in der Geschichte Panamas, beim Stand von 1:6.
2026 wird dieses Spiel acht Jahre später neu aufgelegt - diesmal im Rahmen des dritten Gruppenspiels am 27. Juni im MetLife Stadium, in dem rund drei Wochen später auch das WM-Finale stattfindet. Bei den Auftaktspielen gegen Ghana und Kroatien geht es darum, sich diese Begegnung als noch entscheidende anzuziehen.
Panamas Spielplan in deutscher Zeit
- 18. Juni 2026, 01:00 MESZ: Ghana gegen Panama, Toronto (lokal Mittwoch, 17. Juni abends).
- 24. Juni 2026, 01:00 MESZ: Panama gegen Kroatien, Toronto (lokal Dienstag, 23. Juni abends).
- 27. Juni 2026, 23:00 MESZ: Panama gegen England, East Rutherford (Samstagabend deutscher Zeit).
Den vollständigen Überblick über alle 104 Begegnungen liefert der WM-Spielplan.
Wie sich Panama qualifiziert hat
Die CONCACAF hat ihre WM-Qualifikation für 2026 nach dem Wegfall der Setzplätze für die drei Gastgeber (USA, Kanada, Mexiko) deutlich umgebaut. Panama bestritt die finale Gruppenphase mit fünf weiteren Teams; nach drei Doppelspieltagen im Herbst 2025 stand die Mannschaft mit drei Siegen und drei Unentschieden ungeschlagen an der Tabellenspitze ihrer Gruppe - vor Suriname, das punktgleich abschloss, aber bei der Tordifferenz schlechter dastand. Die Karibikinsel hätte sich beinahe für ihre erste WM überhaupt qualifiziert; Panama setzte sich am letzten Spieltag denkbar knapp durch.
Es ist die zweite WM-Endrunde in der Geschichte des Verbandes. Bei der WM 2018 in Russland trat Panama erstmals an, verlor alle drei Gruppenspiele (Belgien 0:3, England 1:6, Tunesien 1:2) und schied mit nur einem Tor und elf Gegentoren aus der Vorrunde aus. Für 2022 verpasste die Mannschaft die WM-Qualifikation knapp - die jetzige Generation ist die erste seit dem Russland-Aufgebot, die wieder eine Endrunde erreicht.
Testspiele vor dem Turnier
Panama bereitet sich mit zwei Testspielen auf das Turnier vor:
- 31. Mai 2026: Brasilien gegen Panama (USA, Standort Maryland) - der prestigeträchtigste Test der WM-Vorbereitung.
- 3. Juni 2026: Panama gegen die Dominikanische Republik - das letzte Spiel vor der WM-Bekanntgabe der endgültigen Startelf.
Beide Begegnungen finden auf nordamerikanischem Boden statt; Christiansen will damit die Akklimatisation an Klima und Zeitzonen abrunden, bevor die Mannschaft Mitte Juni zum Quartier in Toronto reist.
Was 2026 anders ist als 2018
Bei der WM 2018 stieg Panama als sportlicher Außenseiter an: erste Teilnahme, Trainer Hernán Darío Gómez, eine Generation um Felipe Baloy und Blas Pérez. Das Turnier endete mit drei Niederlagen, der berühmten 1:6-Pleite gegen England und einer Tordifferenz von minus zehn.
2026 sind die Vorzeichen anders. Die Mannschaft hat seit dem Wechsel auf Christiansen 2020 eine erkennbare Identität: 4-3-3-System, kompakter Block, Umschaltspiel über die Außenbahnen, hohe Standardstärke. Mit Godoy, Davis, Murillo und Andrade verfügt sie über Spieler mit europäischen Erfahrungswerten in Belgien, Österreich und Deutschland. Und sie kommt nicht mehr als Touristin ins Turnier, sondern als gereifte CONCACAF-Mannschaft, die im Gold Cup 2023 ein Finale erreicht hat und in der Quali ungeschlagen blieb.
Schwester-Aufgebote im Kader-Vergleich: England reist mit der jüngsten Tuchel-Auswahl an, USA bauen unter Pochettino um Pulisic und Tillman, Kanada bangt um den Auftritt von Davies - und Englands Hoffnung lastet einmal mehr auf Jude Bellingham. Mehr zur Vorrundenkonkurrenz findet sich in der Team-Übersicht Panama.
Häufige Fragen zum Panama-Kader für die WM 2026
Wer steht in Panamas WM-Kader 2026? Trainer Thomas Christiansen hat 26 Spieler nominiert. Achse: Kapitän Aníbal Godoy (159 Länderspiele), Routinier Éric Davis (über 100 Länderspiele), die Quali-Topscorer José Fajardo und José Luis Rodríguez sowie Innenverteidiger Andrés Andrade vom LASK. Im Tor ist Luis Mejía gesetzt.
Wer ist Trainer Panamas bei der WM 2026? Thomas Christiansen, geboren 1973 in Hadsund (Dänemark), spanisch-dänischer Doppelstaatsbürger. Als Spieler war er 2003 Bundesliga-Torschützenkönig mit dem VfL Bochum. Seit Juli 2020 Bundestrainer Panamas; führte das Team 2023 ins Gold-Cup-Finale und 2025 zur WM-Qualifikation.
In welcher Gruppe spielt Panama bei der WM 2026? Gruppe L mit England, Kroatien und Ghana. Auftakt am 18. Juni 2026 um 01:00 MESZ gegen Ghana in Toronto.
Welcher Spieler aus dem Panama-Kader hat Bundesliga-Erfahrung? Innenverteidiger Andrés Andrade, geboren 16. Oktober 1998 in Panama-Stadt. Er spielte 2021/22 in der Bundesliga für Arminia Bielefeld und blieb 2022/23 nach dem Abstieg im Verein. Seit Juni 2023 beim LASK in Linz, mit dem er 2025/26 das österreichische Double gewann.
Wie hat sich Panama für die WM 2026 qualifiziert? Als Sieger der eigenen CONCACAF-Endrundengruppe mit drei Siegen und drei Unentschieden, ungeschlagen - vor Suriname auf Tordifferenz. Es ist die zweite WM-Teilnahme nach 2018 in Russland.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.