Gnabry fehlt in Thessaloniki: Elversberg-Neuling Keidel rueckt in das Spieltagsaufgebot
Serge Gnabry verlaesst das DFB-Camp am Freitagnachmittag, Felix Keidel von der SV Elversberg rueckt nach. Florian Wirtz traegt in Thessaloniki die Kapitaensbinde.
Von Lukas Brandt 02. Oktober 2026
Zwei Tage vor dem Nations-League-Rueckspiel gegen Griechenland im Toumba-Stadion muss Bundestrainer Juergen Klopp seinen Spieltagskader noch einmal umbauen. Ersatzkapitaen Serge Gnabry hat das DFB-Trainingscamp in Herzogenaurach am Freitagnachmittag verlassen - Belastungssteuerung nach seinem ersten Startelf-Einsatz seit der schweren Verletzung, die ihn die WM 2026 gekostet hatte. Fuer den 31-Jaehrigen rueckt mit Felix Keidel ein 23-jaehriger Zweitligist in das Spieltagsaufgebot nach, Florian Wirtz traegt am Sonntag die Kapitaensbinde.
Freitag 15 Uhr - die stille Abreise aus Herzogenaurach
Nach dem 2:0-Sieg gegen Serbien in Muenchen hatte Klopp noch 24 Spieler im DFB-Camp - einen mehr, als die UEFA pro Spieltag zulaesst. Das Reglement im Herbst-Fenster erlaubt genau 20 Feldspieler und drei Torhueter pro Partie; vor jedem Spiel muss der Bundestrainer also einen Akteur abmelden. Diese Rolle uebernahm am Freitag Serge Gnabry: Nach einer Abstimmung mit dem FC Bayern Muenchen reiste der 31-Jaehrige um die Mittagszeit ab, waehrend der Rest des Kaders in Herzogenaurach einen oeffentlichen Trainingsnachmittag absolvierte.
Klopps Begruendung in der Pressemitteilung des DFB fiel knapp aus: Belastungssteuerung. Der Bundestrainer hatte Gnabrys Halbzeit-Auswechslung gegen Serbien bereits am Donnerstagabend auf der Nach-Spiel-Pressekonferenz als “ganz bewusste Massnahme” bezeichnet und auf die Vorgeschichte verwiesen. Es war Gnabrys erster Startelf-Einsatz im DFB-Trikot seit dem fruehen WM-Aus-Datum des Fruehjahrs 2026, als eine schwere Oberschenkelverletzung den Bayern-Offensivmann aus dem Nagelsmann-Kader 2026 gekickt hatte. Dass Gnabry gegen Serbien ueberhaupt begonnen hatte und 45 Minuten durchspielte, war im Rueckblick der sportliche Hauptbefund des Muenchner Abends - und zugleich die Erklaerung fuer die vorzeitige Abreise.
Belastungssteuerung, nicht Rueckschlag
Entscheidend fuer die Einordnung: ein neuer Rueckschlag liegt nach DFB-Angaben nicht vor. Der Verband spricht ausdruecklich von einer praeventiven Entscheidung in Abstimmung mit dem Bayern-Mannschaftsarzt und mit Vincent Kompanys medizinischer Abteilung, nicht von einem muskulaeren Problem. Fuer Gnabry endet damit ein Herbst-Fenster, in dem der 31-Jaehrige in zwei Spielen (Niederlande, Serbien) insgesamt 118 Minuten absolvierte und dabei einen Treffer sowie eine Vorlage verbuchte. Das Signal nach Muenchen ist nicht formatiert als Degradierung, sondern als Rueckkehr-Choreographie: ein Spiel Reservist (Amsterdam), ein Spiel Startelf (Muenchen), eine Pause (Thessaloniki).
Fuer Klopp loest sich damit ein Rechenproblem, das er mit dem MRT-bestaetigten Ausfall von Nico Schlotterbeck im Hintergrund hatte: Mit 24 fitten Spielern plus einem Rekonvaleszenten (Gnabry) war der Streichkandidat vorab definiert, ohne dass einer der Kader-2-Debuetanten aus der Fruehwoche wieder zurueckgestellt werden musste. Keidel, der am Donnerstag unter dem UEFA-Reglement als 24. Mann hatte streichen muessen, rueckt damit regulaer ins Aufgebot.
Wirtz traegt die Binde - die neue Kapitaens-Rechnung
Die Kapitaensfrage ist durch Gnabrys Abreise eindeutiger, als sie noch am Freitagvormittag ausgesehen hatte. Mit Joshua Kimmich im bewussten “Platzhirsche-Schnitt” der Kader-2-Phase ohne Nominierung und Antonio Ruediger ebenfalls nicht im Aufgebot war Gnabry am Donnerstag mit der Binde gestartet. Nach der Halbzeit-Auswechslung hatte Florian Wirtz die Binde uebernommen - eine Entscheidung, die Klopp auf der Pressekonferenz mit der Erfahrung des 23-Jaehrigen begruendet hatte: Wirtz steht nach dem Serbien-Spiel bei 47 Laenderspielen und ist damit mit grossem Vorsprung der Kapaziertste des Aufgebots in Thessaloniki.
Dahinter staffelt sich die Hierarchie: Nick Woltemade (Newcastle, 11 Laenderspiele) als erster Vize-Kandidat, Robin Koch (Eintracht Frankfurt, 10) als dritte Option. Fuer Wirtz ist es im Dauerbetrieb das zweite Spiel mit der Binde ueber die volle Distanz - ein weiterer Baustein in Klopps Fuehrungsspieler-Portfolio fuer die Phase bis zur WM 2030, in der die DFB-Elf einen generationellen Kapitaenswechsel von Kimmich auf einen der juengeren Fuehrungsspieler vorbereiten muss.
Felix Keidel aus Elversberg - der Allrounder aus der 2. Bundesliga
Dass Keidel in Thessaloniki ueberhaupt zur Verfuegung steht, ist eines der klaren Signale von Klopps erster Kader-Sichtungs-Phase. Der 23-Jaehrige der SV Elversberg war im September als einer der groessten Ueberraschungsnamen des 44er-Sichtungskaders berufen worden - mit nur drei Bundesliga-Einsaetzen in der Startphase der 2. Bundesliga 2026/27 als Vorzeige-Nachweis. Keidel kann als defensiver Sechser spielen, aber auch als Links- oder Rechtsverteidiger - jene Multifunktionalitaet, die Klopp fuer die eng getaktete Nations-League-A-Phase bewusst in sein Scouting-Perimeter aufgenommen hatte.
In Herzogenaurach hatte Keidel in der Hinwoche vier Pflicht-Einheiten absolviert, dabei zwei Vorlagen und ein Tor in den Trainingsspielen verzeichnet. Dass er in Muenchen am Donnerstag unter dem UEFA-Reglement als 24. Mann zuhause bleiben musste, war aus Kadersicht ein Kompromiss; mit Gnabrys Freitag-Abreise ist er nun verlaesslich im Aufgebot und einer der Kandidaten fuer ein mindestens 20-minuetiges Debuet in der zweiten Haelfte in Thessaloniki.
UEFA-20+3 - warum Klopp vor jedem Spiel streichen muss
Der strukturelle Kontext hinter der ganzen Rechnung ist das UEFA-Reglement der Nations League A: Pro Spiel darf ein Verband genau 20 Feldspieler und drei Torhueter melden. Vor dem Vorbericht am Freitagvormittag hatte der DFB-Spielraum fuer Klopp bei 24 Feldspielern plus 4 Torhuetern gelegen - exakt einen Feldspieler und einen Torhueter mehr, als pro Spieltag gemeldet werden kann. Mit Gnabrys Abreise ist der Feldspieler-Ueberhang abgebaut; vor der Partie am Sonntag wird Klopp zusaetzlich eine Torwart-Entscheidung treffen muessen (vermutlich zwischen Finn Dahmen und Noah Atubolu, die beide noch kein DFB-Debuet absolviert haben).
Fuer die DFB-Elf endet das Freitag-Programm am Nachmittag mit dem oeffentlichen Training in Herzogenaurach, am Samstag folgt die Abschlusseinheit und der Charter-Flug nach Thessaloniki. Anpfiff im Toumba-Stadion ist am Sonntag um 20:45 Uhr MESZ, live im ZDF - und mit einem Aufgebot, in dem Serge Gnabry zum ersten Mal seit der Nations-League-Rueckkehr fehlt.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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