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WM 2026

Hakimi muss vor Gericht: Marokkos WM-Kapitaen wegen Vergewaltigungsvorwurfs angeklagt

Berufungsgericht Versailles ordnet Prozess gegen Marokkos Kapitaen Achraf Hakimi an. Vorwurf: Vergewaltigung. Er bestreitet, spielt weiter bei der WM 2026.

Von Marco Feldmann 19. Juni 2026

Achraf Hakimi im Champions-League-Finale am 30. Mai 2026 in Budapest. Drei Wochen spaeter steht der Marokko-Kapitaen vor einem franzoesischen Strafprozess. Foto: Mickael Chavet (ZUMA Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Der Tag, an dem Marokkos Mannschaftsbus zum WM-Spiel gegen Schottland nach Foxborough rollen soll, beginnt mit einer Nachricht aus Frankreich: Die Cour d’appel de Versailles - das franzoesische Berufungsgericht des Departements Yvelines - hat am 19. Juni 2026 entschieden, dass sich Achraf Hakimi wegen Vergewaltigungsvorwuerfen vor einem Strafgericht verantworten muss. Verhandelt wird die Sache vor dem Tribunal Correctionnel des Hauts-de-Seine, ein Termin steht noch nicht fest. Fuer Marokkos Kapitaen, fuer Mohamed Ouahbis WM-Kader und fuer die Fussball-Welt, die ihn im Champions-League-Finale vor drei Wochen feierte, beginnt damit eine doppelte Geschichte: ein laufendes Turnier, ein anstehender Prozess.

Was das Berufungsgericht Versailles am 19. Juni entschieden hat

Die Entscheidung der Cour d’appel ist die juristische Wegscheide eines Verfahrens, das im Februar 2023 mit der Anzeige einer damals 24-jaehrigen Frau bei der franzoesischen Polizei begonnen hatte. Tatort soll, so der Vorwurf der Klaegerin, Hakimis Wohnhaus in Boulogne-Billancourt im Pariser Vorortgrosskreis Hauts-de-Seine sein. Ueber mehr als drei Jahre haben die franzoesischen Ermittlungsbehoerden Zeugen befragt, Beweismittel gesichert und psychologische Gutachten eingeholt. Die juristische Frage, die jetzt entschieden wurde, lautete: Reichen die Indizien fuer eine Hauptverhandlung?

Die Antwort des Berufungsgerichts: Ja. Damit landet die Sache vor dem Tribunal Correctionnel - dem fuer Vergehen und schwere Delikte in Hauts-de-Seine zustaendigen Strafgericht. Wann verhandelt wird, ist offen. Zwischen einer Anklageverweisung und dem ersten Prozesstag liegen in Frankreich erfahrungsgemaess Monate, in komplexen Faellen auch laenger.

Hakimis Reaktion und die Position der Verteidigung

Hakimi hat sich seit der Anzeige im Februar 2023 nur sehr selten oeffentlich zu der Sache geaeussert. Nach der Versailles-Entscheidung am Freitag liess er ueber sein Umfeld mitteilen, dass er die Vorwuerfe weiterhin entschieden zurueckweise. Die Sportschau zitiert ihn wortwoertlich: “Die Justiz hat mir in die Augen gesehen und gesagt: Waeren Sie nicht beruehmt, waere es nie zu einem Verfahren gekommen.” Er habe sich aus Wuerde fuer Schweigen entschieden, blicke dem Verfahren nun aber entgegen.

Seine Anwaelte fahren eine deutlich aggressivere Linie. Sie werfen der Klaegerin oeffentlich vor, Ermittlungen behindert und sich medizinischen Untersuchungen entzogen zu haben. Die Verteidigung beruft sich auf den Befund einer juristischen Voruntersuchung, die zwischenzeitlich auf die Frage des Hauts-de-Seine-Tribunals zurueckverwiesen werden sollte; die Klaegerin hatte dagegen Berufung eingelegt und damit den jetzigen Verweisungsbeschluss erzielt.

Bis zum Urteil gilt fuer Hakimi - wie fuer jeden Beschuldigten in Frankreich - die Unschuldsvermutung. Eine juristische Bewertung steht in jedem Fall erst dem Strafgericht zu.

Was die Entscheidung fuer Marokkos WM 2026 bedeutet

Sportrechtlich aendert die Anordnung nichts. FIFA, der marokkanische Verband FRMF und Paris Saint-Germain haben Hakimi waehrend des laufenden Verfahrens nie suspendiert; das wird sich, solange kein Urteil vorliegt, auch jetzt nicht aendern. Hakimi gehoert zu Mohamed Ouahbis 26-Mann-WM-Aufgebot und ist sportlich unangefochten Kapitaen der Mannschaft.

Beim WM-Auftakt im MetLife Stadium in New Jersey hatte der 27-Jaehrige am 14. Juni 2026 ueber die volle Distanz auf seiner rechten Aussenbahn gespielt und mass das Spiel der Marokkaner mit; das 1:1 gegen Brasilien - mit Saibaris Fuehrungstor und Vinicius’ spaetem Ausgleich - rettete Marokko einen Punkt in einer schwachen Vorstellung. Fuer die naechste Partie am Samstag, 20. Juni 2026 um 00:00 Uhr MESZ im Gillette Stadium in Foxborough bei Boston gegen Schottland gilt: Hakimi spielt. Ouahbi hat seinen Kapitaen nach dem Abschlusstraining am Freitagvormittag in den USA bestaetigt.

Ob die juristische Lage Hakimis Konzentration beeintraechtigt, wird sich erst auf dem Rasen zeigen. Sportlich braucht Marokko nach dem Auftakt-Remis einen Sieg, um die Kontrolle ueber Gruppe C zu behalten - die Schotten haben ihrerseits gegen Haiti gewonnen und treten in Boston mit Selbstvertrauen an. Vier Tage spaeter steht das letzte Gruppenspiel gegen Haiti in Atlanta auf dem Spielplan.

Hintergrund: PSG-Star, AFCON-Sieger, CL-Doublepack

Hakimi gehoert seit Jahren zur erweiterten Weltauswahl auf seiner Position. Geboren am 4. November 1998 in Madrid als Sohn marokkanischer Eltern, lief er in der Real-Madrid-Jugend auf, brach 2018 als erster Marokkaner einen Champions-League-Titel mit Real heraus (Edelreservist im Finale gegen Liverpool) und wechselte ueber Borussia Dortmund (2018-2020) und Inter Mailand (2020/21) im Juli 2021 zu Paris Saint-Germain. Mit den Parisern hat er fuenf franzoesische Meisterschaften und in den vergangenen beiden Saisons je einen Champions-League-Titel gewonnen, zuletzt am 30. Mai 2026 in Budapest beim 2:1 gegen Arsenal.

Fuer Marokko fuehrte er die Mannschaft 2025 zum Africa-Cup-of-Nations-Titel auf heimischem Boden und wurde im selben Jahr zu Afrikas Fussballer des Jahres gewaehlt. Mit 95 Laenderspielen und elf Toren (Stand: 31. Maerz 2026) ist er Schluesselspieler der Mannschaft, die in Katar 2022 als erste afrikanische Auswahl ein WM-Halbfinale erreicht hatte. Ouahbi, der den 2022er-Trainer Walid Regragui im Maerz 2026 abgeloest hat, baut sein Konzept auf der hohen Aussenbahn rund um Hakimi.

Zeitlicher Ablauf und naechste sportliche Termine

Die juristische Zeitlinie steht so weit fest: Anzeige Februar 2023, oeffentliche Ermittlung ab Maerz 2023, Verweisungsbeschluss der Cour d’appel de Versailles am 19. Juni 2026. Wann das Tribunal Correctionnel des Hauts-de-Seine den Hauptverhandlungstermin ansetzt, ist offen.

Die sportliche Zeitlinie ist enger getaktet. Die Schottland-Partie am 20. Juni um 00:00 Uhr MESZ liegt sieben Stunden nach der franzoesischen Gerichts-Meldung; das letzte Vorrundenspiel gegen Haiti folgt am 25. Juni in Atlanta. Sollte Marokko die Gruppe ueberstehen, beginnt am 28. Juni mit dem Sechzehntelfinale die K.-o.-Runde - dann steht der Kapitaen vermutlich noch immer auf der Aussenbahn und das franzoesische Verfahren immer noch ohne Verhandlungstermin in der Justiz-Pipeline.

Es ist die Doppelrealitaet, mit der Hakimi und sein Team in den kommenden Wochen leben muessen. Auf dem Rasen ist die Frage, ob Marokkos Aussenbahn-Konzept den Schotten standhaelt. Vor Gericht in Hauts-de-Seine ist die Frage eine andere - und es wird die Aufgabe der franzoesischen Justiz sein, sie zu beantworten.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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