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WM 2026

Iran erhält Mexiko-Visa in 48 Stunden - US-Einreise vor WM-Start bleibt offen

Iran hat über die mexikanische Botschaft in Ankara binnen 48 Stunden Visa für sein WM-2026-Quartier erhalten. Die US-Einreise für die drei Gruppenspiele ist 12 Tage vor dem Auftakt offen.

Von Marco Feldmann 03. Juni 2026

Verbandspräsident Mehdi Taj: Er kündigte den Mexiko-Aufbruch des iranischen WM-Trosses für das Wochenende an - die US-Visa lässt er dabei offen (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zwölf Tage vor dem WM-Auftakt gegen Neuseeland hat der Iran die erste Hälfte seines Reise-Knotens gelöst, die zweite aber nicht. Am Mittwochabend, 3. Juni 2026, vermeldete die Sportschau, das iranische Nationalteam habe Visa für sein WM-Quartier in Mexiko erhalten - “erstmal” nur für Mexiko. Die Einreise in die USA, wo Iran alle drei Spiele der Gruppe G bestreiten wird, ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Die Team Melli bricht damit am Wochenende zwar erkennbar planmäßig auf, der heikelste Schritt steht jedoch noch aus.

Was am 3. Juni 2026 verkündet wurde

Im WM-Liveblog der Sportschau lief am Mittwoch um 19:17 Uhr die Meldung “Iranisches Team bekommt Visa - erstmal für Mexiko” ein. Verbandspräsident Mehdi Taj bestätigte den Schritt selbst und kündigte den Aufbruch der Delegation für das Wochenende an. Der iranische Reiseweg zur WM 2026 verläuft demnach mit einem Zwischenstopp in Spanien und endet im neuen Mannschaftsquartier in Tijuana an der mexikanischen Pazifikküste. Das Quartier hatte Iran Ende Mai nach FIFA-Freigabe aus Tucson, Arizona dorthin verlegt - der entsprechende Hintergrund steht in der Meldung Iran verlegt Quartier nach Tijuana.

Taj selbst formulierte die Lage am Mittwoch so: “Die Situation im Land und vor allem der Krieg haben unsere ganze Planung durcheinandergebracht.” Eine mexikanische Visa-Bewilligung sei nun in den kommenden Tagen erwartet worden und erteilt worden, “dann wird das US-Visum schnell ausgestellt”. Diese Reihenfolge ist die Achse der iranischen Hoffnung: erst Mexiko, dann USA, dann das Auftaktspiel.

Wie der Mexiko-Visumsprozess in 48 Stunden lief

Dass die Mexiko-Visa so schnell kamen, verdankt der iranische Verband einer kurzfristig organisierten Beschleunigungsspur über Ankara. Der iranische Botschafter in der Türkei, Abolfazl Pasandideh, sagte sportlich-trocken, die Visa für die iranischen Spieler seien innerhalb von 48 Stunden ausgestellt worden - ohne dass die Spieler persönlich in der Botschaft erscheinen mussten und ohne Fingerabdruck-Abgabe. Die mexikanische Vertretung in Ankara hatte die Anträge auf Empfehlung der FIFA beschleunigt entgegengenommen.

Das ist eine bemerkenswerte Abkürzung. Normalerweise verlangt Mexiko von iranischen Antragstellern eine persönliche Vorsprache und biometrische Daten. Dass diese Schritte für eine WM-Delegation entfallen, zeigt zweierlei: Die FIFA hat ihre Vermittlungsmaschinerie ein Stück hochgefahren, und Mexiko sieht den WM-Co-Gastgeberauftrag ernsthaft genug, um administrative Hürden gezielt zu senken. Das hilft Iran umso mehr, als das Team in der türkischen Antalya seit Ende Mai sein Vorbereitungs-Camp aufgeschlagen hat - der Visa-Termin lag damit räumlich um die Ecke.

Warum die US-Visa der eigentliche Knoten bleiben

Die Hauptbaustelle ist eine andere. Iran und die USA haben seit dem Bruch der diplomatischen Beziehungen 1980 keine wechselseitig akkreditierten Botschaften. Seit Ende Februar 2026, als die US-Luftwaffe gemeinsam mit Israel iranische Atom- und Militärziele angriff, herrscht zwischen den Staaten faktisch Kriegszustand. Pasandideh, der für die WM-Anträge das diplomatische Hauptansprechpartnerland Türkei betreut, sagte zur US-Visa-Frage offen: “Wir wissen nicht, ob sie den Spielern Visa gewähren oder nicht.”

US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits im Mai zugesichert, die FIFA-Pässe der teilnehmenden Mannschaften würden grundsätzlich respektiert - mit dem Vorbehalt, einzelne Delegationsmitglieder mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden könnten ausgenommen werden. Das ist eine politische Hintertür, die für Iran an entscheidender Stelle wirken kann: Der iranische Verband ist staatlich gesteuert, die Verabschiedung in Teheran am 14. Mai inszenierte die Spieler als “Teil der Widerstandsfront”. Eine US-Visa-Bewertung, die diese Zuordnung anlegt, kann jeden Reisepass einzeln stoppen.

Wie steil dieser Berg ist, zeigt der Vergleich mit dem zweiten US-Visum-Fall der Woche: Beim Schweizer Stürmer Breel Embolo wurde nicht einmal ein einzelner ESTA-Antrag, sondern eine bereits erteilte Genehmigung wieder zurückgezogen, wie im Bericht Embolo verpasst Schweizer WM-Abreise nachzulesen ist. Die Schweiz ist ein Visa-Waiver-Land mit allen Vorteilen, Iran hat keinen einzigen. Was bei der Schweiz die Ausnahme ist, ist bei Iran das Grundproblem.

Der iranische Reiseplan: Teheran - Spanien - Tijuana

Der iranische Tross bricht nach Tajs Angaben am Wochenende auf. Die Route führt über Spanien - genauer nach übereinstimmenden Berichten von sport1 und IRNA von Antalya aus mit einem Stopover in Madrid - nach Mexiko-Stadt und von dort weiter nach Tijuana. Im Mannschaftsquartier ist Iran damit ab Anfang nächster Woche stationiert. Tijuana liegt rund eine halbe Autostunde nördlich der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Geplant ist, dass die Mannschaft ihre Trainingseinheiten zunächst dort absolviert und erst kurz vor Spielen die Grenze überquert.

Das setzt zwei Dinge voraus: dass die US-Visa rechtzeitig kommen, und dass die Einreise als Tagesreise oder als kurzes Quartiers-Splitting gehandhabt wird. Die kalifornische Border-Crossing-Verbindung Tijuana - San Diego ist für Geschäftsreisende routiniert, für eine 50-köpfige Mannschaft mit Trainerstab, Funktionären und Medienanhang dagegen kein Routine-Vorgang. FIFA und der iranische Verband arbeiten derzeit an einer Vereinbarung, die Iran erlaubt, am Spieltag morgens in die USA einzureisen und am Folgetag zurück ins Camp zu kehren.

Gruppe G und der WM-Auftakt am 16. Juni in Los Angeles

Sportlich steht der iranische Fahrplan unabhängig davon. Iran startet am 16. Juni 2026 um 03:00 Uhr MESZ im SoFi Stadium in Inglewood (Los Angeles County) gegen Neuseeland in die WM, gefolgt vom Duell mit Belgien am 21. Juni in Los Angeles und dem dritten Gruppenspiel gegen Ägypten am 27. Juni im Lumen Field in Seattle. In allen drei Fällen ist die Anreise mit einer US-Grenzüberquerung verbunden, in zwei Fällen direkt aus dem mexikanischen Camp.

Iran braucht aus Gruppe G das Achtelfinale dringender als üblich. Bei sechs WM-Teilnahmen (1978, 1998, 2006, 2014, 2018, 2022) ist der Team Melli der Sprung aus der Vorrunde nie gelungen. Vor diesem Hintergrund ist der Visa-Krimi nicht nur Verwaltung - er entscheidet darüber, in welcher Verfassung Trainer Amir Ghalenoei sein Team gegen Neuseeland aufstellt.

Was jetzt noch fehlt

Zwischen dem 3. Juni und dem 16. Juni sind 13 Tage. In dieser Frist müssen die US-Konsularbehörden grünes Licht für die iranische Delegation geben. Realistisch sind drei Szenarien, die die FIFA und die iranische Seite derzeit parallel betreiben: ein zentral über den FIFA-Pass abgewickeltes Sammel-Visum für alle Spieler, eine Einzel-Prüfung im US-Konsulat eines Drittlands (Türkei oder Mexiko), oder eine kurzfristige Sonder-Einreiseerlaubnis am Tag des Auftaktspiels. Welche Variante zieht, hängt nicht an Mehdi Taj, sondern am State Department in Washington.

Eingebettet ist das in die breitere WM-2026-Visa-Debatte, die seit Wochen vor allem entlang der politischen Trennlinie verläuft. Iran ist dabei der schärfste Fall, aber nicht der einzige. Klar ist nur: Wenn die US-Visa nicht rechtzeitig erteilt werden, wird das Auftaktspiel nicht stattfinden. Klarer ist die FIFA an einem Punkt nicht zu bekommen - bis zum 16. Juni um 03:00 Uhr MESZ bleibt die Geschichte offen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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