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WM 2026

Kanada 1:1 Bosnien-Herzegowina: Joker Larin schenkt dem Mit-Gastgeber den historischen ersten WM-Punkt

Kanada rettet beim Mit-Gastgeber-Auftakt im BMO Field Toronto ein 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina. Joker Cyle Larin trifft in der 78. Minute zum historischen ersten WM-Punkt.

Von Marco Feldmann 12. Juni 2026

Cyle Larin (Nummer 9) jubelt nach seinem Joker-Tor zum 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina in Richtung der Fans. Es war Kanadas erster Punkt der WM-Geschichte, erzielt in der 78. Minute im BMO Field Toronto. Foto: SIPA USA via SmartFrame

Kanada hat seinen Mit-Gastgeber-Auftakt bei der WM 2026 erfolgreich abgewendet und gleichzeitig Geschichte geschrieben. Im ausverkauften BMO Field in Toronto erkaempfte sich die Auswahl von Jesse Marsch am Freitagabend ein 1:1 (0:1) gegen Bosnien-Herzegowina. Joker Cyle Larin traf in der 78. Minute zum verdienten Ausgleich, weniger als drei Minuten nach seiner Einwechslung. Es ist der erste WM-Punkt in der Geschichte des kanadischen Fussballverbandes - bei der Premiere 1986 in Mexiko hatte Kanada drei Spiele verloren, bei der WM 2022 in Katar genauso. In der ersten Partie der Gruppe B sahen rund 40.500 Zuschauer einen Hausherrn, dem der Hebel zur Halbzeit fehlte - und der ihn auf der Bank fand.

Lukic koepft Bosnien in Fuehrung - die Ecken-Verlaengerung von Kolasinac (21.)

Vor leeren Tribuenen-Ecken hatte Bosnien-Herzegowina die ersten Akzente gesetzt. Schon in der dritten Minute koepfte Innenverteidiger Nikola Katic einen Eckball verlaengert, Stuermer Amar Memic verfehlte aus kurzer Distanz das Tor. Kanada brauchte die ersten zwoelf Minuten, um sich zu sortieren - und vergab dann seine erste Grosschance in der 17. Minute. Jonathan David, in der Sommertransferperiode 2024 von LOSC Lille zum SSC Neapel gewechselt, kam frei vor Vasilj zum Abschluss, schoss aber den Schlussmann an.

Die Quittung kam in der 21. Minute. Eine Ecke von der rechten Seite verlaengerte der Frankfurter Sead Kolasinac mit dem Kopf in den Fuenfmeterraum, dort vollendete Jovo Lukic per Volley aus kurzer Distanz zum 0:1. Es war der erste Treffer der Bosnier bei einer WM-Endrunde seit dem 1:0 von Edin Dzeko gegen den Iran 2014 in Salvador. Auf der Tribuene jubelten die mitgereisten bosnischen Familien, ein Block ueber drei Sektoren schwenkte Fahnen in Blau-Gelb.

Die Hausherren wackelten kurz. Kapitaen Atiba Hutchinson, mit 43 Jahren noch immer auf dem Platz, ordnete das Mittelfeld neu, doch der Spielfluss blieb stockend. Tani Oluwaseyi, der Toronto-FC-Stuermer mit nigerianischen Wurzeln, verschoss in der 32. Minute aus elf Metern ueber das Tor. Bis zur Halbzeit zeigte die Schuss-Statistik des Spielplan-Pillars zwar acht Versuche der Kanadier gegen drei der Bosnier, das Torverhaeltnis aber 0:1.

Davies fehlt, David scheitert frei - Kanadas erster Akt ohne den Kapitaen

Was fehlte, war Alphonso Davies. Der Bayern-Profi sass mit Bandagen am hinteren Oberschenkel auf der Tribuene neben Verbandschef Stephen Vella - das Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain Anfang Mai hatte die Auftakt-Generalprobe in Montreal gegen Irland und nun auch den ersten Spieltag der Heim-WM gekostet. Auf der linken Aussenbahn verteidigte Sam Adekugbe, der Kanadier des FC Zuerich - solide in der Defensive, ohne den Tiefenlauf-Punch von Davies nach vorne.

In der Innenverteidigung musste Marsch zudem auf Moise Bombito verzichten, der sich vor dem Turnier im Test gegen Usbekistan verletzt hatte. Die Modell-Erwartung der Vorbericht-Analyse hatte ein 1:1 mit 14,1 Prozent als wahrscheinlichstes Resultat gesehen - und genau in diese Linie lieferten die ersten 45 Minuten den Beweis fuer das Modell: Kanada wackelte, weil zwei Stamm-Defensive fehlten, traf aber nicht, weil David und Oluwaseyi zu fahrig abschlossen.

Larin aus der Drehung: drei Minuten nach Einwechslung, das 1:1 (78.)

Die Zaesur kam in Minute 75. Marsch wechselte Cyle Larin fuer den blassen Jacob Shaffelburg ein, dazu kam Junior Hoilett fuer Mathieu Choiniere. Drei Minuten spaeter spielte sich Kanada ueber die rechte Seite ein. Eine flache Hereingabe von Alistair Johnston, dem Rechtsverteidiger von Celtic Glasgow, fand Larin im Rueckraum des Strafraums.

Der 30-jaehrige Stuermer von Real Mallorca, in der vergangenen Saison mit 14 La-Liga-Toren der zuverlaessigste Bestandteil des Klubs aus Palma, nahm den Ball mit dem Ruecken zum Tor an. Eine Koerpertaeuschung gegen Tarik Muharemovic - der Bosnier hatte ihn in der Szene zuvor noch am Trikot gehalten - und Larin drehte sich um die eigene Achse, schaute kurz auf, dann der Schuss aus 15 Metern flach ins lange Eck. Vasilj sah die Kugel spaet, schwamm. 1:1. Das BMO Field explodierte. Larin sprintete zur Sued-Kurve, riss sich das Trikot vor den Bauch und lief in Richtung der Fans, die “Canada! Canada!” skandierten.

Es war Larins 36. Laenderspieltor - kanadischer Rekord, vor Dwayne De Rosario und Jonathan David. Bei der WM 2022 in Katar hatte Larin in den drei Gruppenspielen kein einziges Mal getroffen, in der CONCACAF-Quali zur Heim-WM dann sechs Tore in zwoelf Einsaetzen. Sein Treffer bei der WM 2026 war der wichtigste seiner Karriere - der historische erste WM-Punkt fuer das nordamerikanische Land.

Marsch reagiert: “Die Wende kam von der Bank”

In der Mixed Zone fand Jesse Marsch klare Worte. “Wir haben gemerkt, dass wir das Spiel im Griff hatten und fingen an, es zu dominieren. Dann kamen die Einwechselspieler und brachten die Wende”, sagte der frueher in Leipzig und Salzburg taetige US-Amerikaner. Den Spielern habe er in der Halbzeit klargemacht: “Wir haben sie, jetzt muesst ihr nur noch treffen.” Die erste Haelfte habe ihn enttaeuscht, im zweiten Durchgang sei alles anders gewesen.

Marschs Wechsel hatten gegriffen - Larin und Hoilett brachten Tempo und Strafraum-Praesenz, die Anfangs-Elf hatte sich an der bosnischen Doppel-Sechs Pjanic/Loncar abgemueht. Auf Bosnier-Seite haderte Trainer Sergej Barbarez sichtlich. Der ehemalige HSV-Profi hatte das Spiel taktisch im Griff, der zweite Treffer war in der 53. Minute zum Greifen nah: Ermedin Demirovic, im Sommer 2025 von Stuttgart zu Atletico Madrid gewechselt, schob aus zwoelf Metern ueber das leere Tor.

Was das Remis fuer Gruppe B und das Katar-Spiel bedeutet

Nach dem ersten Spieltag ist Gruppe B vollstaendig offen. Kanada und Bosnien-Herzegowina teilen sich mit je einem Punkt und 1:1 Toren den oberen Tabellenbereich; das zweite Duell der Gruppe zwischen Schweiz und Katar steigt in der Nacht auf Samstag im SoFi Stadium von Inglewood. Kanada trifft am 19. Juni um 00:00 Uhr MESZ in Vancouver auf Katar - die nominell schwaechste Mannschaft der Gruppe. Ein Sieg waere fast schon das Ticket fuer die K.o.-Runde der besten 32, der WM 2026 erstmals 32 statt 16 Mannschaften aus der Gruppenphase aufnimmt.

Bosnien spielt am selben Abend um 21:00 MESZ in Atlanta gegen die Schweiz. Fuer Sergej Barbarez wird das Duell mit Murat Yakins Eidgenossen zur Standortbestimmung. Ein erneuter Punktgewinn ist Pflicht, will man die Achtelfinal-Hoffnung nicht schon vor dem dritten Spieltag begraben. Die Stuttgart-Kolonie um Demirovic und Pjanic hat die Erfahrung, der Rest des Kaders die Form - aber gegen die Schweizer Tiefenstaffelung wird die Ecken-Verlaengerung kein zweites Mal so leicht durchgehen.

Fuer das DFB-Team auf der einen Strassenseite hat der Tag eine Botschaft mitgeliefert: Im BMO Field steigt am 20. Juni das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinkueste. Die Akustik ist da, die Rasen-Qualitaet trotz Hitze und Kuehlwesten-Logistik stabil, und die Atmosphaere bei einem Mit-Gastgeber-Auftakt - eingerahmt von der Eroeffnungsfeier mit Bublé und Cara wenige Stunden zuvor - hat gezeigt, was Toronto an einem Spieltag in deutscher Beteiligung leisten kann. Kanada hat seinen Auftakt-Punkt. Der naechste muss in Vancouver folgen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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