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DFB-Team

Kosicke wehrt sich: "Es geht nicht um eine Uebernahme" - was Klopps Berater beim DFB tut

Klopps Berater Marc Kosicke widerspricht Hoeness und der Uebernahme-Kritik. Der Titel: 'Co-Trainer Strategie, Entwicklung und Innovationen'. Externer Berater seit 15. August 2026.

Von Lukas Brandt 31. August 2026

Dortmund, 22. August 2026: DFB-Vize Watzke, Bundestrainer Klopp und Sportdirektor Voeller beim Beckenbauer-Supercup Bayern gegen BVB. Sieben Tage spaeter tritt Marc Kosicke als externer 'Co-Trainer Strategie' seinen Dienst beim DFB an (Foto: action press). Foto: Actionpress via SmartFrame

DFB-BUNDESTRAINER-TEAM · 31.08.2026 · 12:31 UHR - Sechzehn Tage nach seinem Amtsantritt beim Deutschen Fussball-Bund meldet sich Marc Kosicke, seit rund 20 Jahren Berater von Bundestrainer Juergen Klopp, zum ersten Mal oeffentlich zu seiner eigenen DFB-Rolle zu Wort. Der Kicker greift am Montagmittag ein Interview des Portals Absolut Fussball auf: Kosicke wehrt sich darin gegen die Kritik, sein Wechsel an Klopps Seite sei eine “Uebernahme” des Verbands durch das Klopp-Beraterumfeld. Sein Kernsatz: “Es geht nicht um eine Uebernahme, es geht einfach darum, die richtigen Dinge zu tun.”

Die Vorwuerfe, die Kosicke damit adressiert, stammen zu einem gewichtigen Teil von Bayern-Ehrenpraesident Uli Hoeness, der die Konstruktion oeffentlich als “friendly takeover” bezeichnet hatte. In dem Interview macht Kosicke zwei Punkte gleichzeitig: Er skizziert seinen tatsaechlichen Zustaendigkeitsbereich - und markiert klar, wo dieser endet.

”Co-Trainer Strategie, Entwicklung und Innovationen” - der Titel und die AAF-Innensicht

Der offizielle Titel, unter dem Kosicke seit dem 15. August 2026 im Verband arbeitet, lautet “Co-Trainer Strategie, Entwicklung und Innovationen”. Die Bezeichnung ist bewusst breit gehalten und deckt drei Faelder ab: strategische Beratung fuer die Nationalmannschaft und den DFB-Betrieb, organisatorische Entwicklungsimpulse fuer die Zusammenarbeit zwischen Bundestrainer-Team und Verbandsstrukturen sowie Innovationsprojekte im Bereich Marken-Kommunikation und Aussenwahrnehmung.

Klopp selbst uebersetzt Kosickes Aufgabenbereich intern mit einem sprechenden Kuerzel: AAF - “Alles ausser Fussball”. Die Formulierung, die Kosicke in dem Interview zitiert, ist die kompakteste Beschreibung der Rollen-Abgrenzung, die es aktuell aus dem Klopp-Lager gibt. Sie loest auch das semantische Problem des sperrigen Titels: Der Zusatz “Co-Trainer” hatte in der oeffentlichen Wahrnehmung zunaechst den Eindruck erweckt, Kosicke koenne in die sportliche Betreuung hineinreichen. Die AAF-Uebersetzung stellt genau das gegenteilige Signal.

Die “Uebernahme”-Kritik und die direkte Antwort

Die Auseinandersetzung mit Hoeness ist journalistisch der Grund, warum Kosicke ueberhaupt spricht. Der Bayern-Ehrenpraesident hatte die Anbindung von Klopps Berater an den Verband nicht nur als schlechten Stil kritisiert, sondern in einer scharf zugespitzten Formulierung als “friendly takeover” - einen freundlich verkleideten Machtwechsel. Der Vorwurf trifft direkt in die Verbandsstruktur: Wenn Klopps privater Berater auch beim DFB die Impuls-Rolle uebernimmt, verschiebt sich die informelle Macht - so die Lesart - vom klassischen Verbandsapparat zu einem Bundestrainer-Umfeld, das faktisch nicht mehr kontrollierbar waere.

Kosicke antwortet in zwei Bewegungen. Erstens semantisch: “Es geht nicht um eine Uebernahme, es geht einfach darum, die richtigen Dinge zu tun.” Der Satz ist bewusst niedrig gehaengt und arbeitet mit dem Kontrast zwischen dem grossen Wort “Uebernahme” und der pragmatischen Alltags-Formel “die richtigen Dinge tun”. Zweitens strukturell: “Meine Rolle ist es, Perspektiven aufzuzeigen, Impulse zu geben und durch Argumente zu ueberzeugen.” Die Trias “aufzuzeigen, geben, ueberzeugen” definiert Kosicke als Berater ohne formale Entscheidungsbefugnis - er kann Vorschlaege einbringen, muss aber Zustimmung im Verband einwerben.

Der dritte Baustein der Antwort ist ein Bild, das Klopp selbst im Interview zitiert bekommt: “Die Steine drehen wir alle gemeinsam um.” Kollektiv, nicht solistisch - genau das Gegenteil dessen, was der “Uebernahme”-Vorwurf unterstellt.

Externer Berater, kein DFB-Angestellter

Ein Detail, das bislang oeffentlich nur unscharf kommuniziert war, macht das Interview explizit: Kosicke ist kein regulaerer DFB-Angestellter. Er ist ueber einen externen Beratungsvertrag an den Verband angebunden. Damit gibt es keinen tarifgebundenen Arbeitsvertrag, keine Weisungsketten der klassischen DFB-Zentrale und keinen automatischen Zugriff der DFB-Personalabteilung. Kosicke bleibt unabhaengiger Berater, der fuer klar umrissene Aufgabenpakete honoriert wird - eine Konstruktion, die aehnlich schon fuer Sportdirektor Rudi Voeller in fruehen Phasen seiner Rueckkehr diskutiert worden war.

Die Konstruktion hat zwei praktische Konsequenzen. Zum einen laesst sich der Beratungsvertrag flexibler beenden als ein Anstellungsvertrag - ein Punkt, den Watzke in der Kompromiss-Fassung des Klopp-Personalpakets vom 12. Juli 2026 besonders hoch gewichtet hatte. Zum anderen bleibt Kosicke rechtlich frei, weiterhin als Klopps privater Berater aufzutreten - eine Doppelfunktion, die bei einer klassischen Anstellung Interessenkonflikte ausgeloest haette.

Was Kosicke NICHT tut - die Standardtraining-Klarstellung

Die klarste Rollen-Abgrenzung des Interviews betrifft das Verhaeltnis zur sportlichen Verantwortung. “Ich werde mich also nicht ins Standardtraining einmischen”, sagt Kosicke woertlich. Damit setzt er die Grenze genau dort, wo Bundestrainer-Assistenten wie Sandro Wagner oder Andreas Kronenberg zustaendig sind: bei der taktischen Detailarbeit, der Videoanalyse, der Trainingsplanung, der Standard-Choreografie. Wagner und Kronenberg behalten ihre operative Kompetenz - und der Vorwurf, das Klopp-Team wolle den bestehenden Trainerstab entkernen, laeuft ins Leere.

Auch die sportliche Aufstellung, die Kader-Nominierung und die Startelf-Frage bleiben ausserhalb Kosickes Zustaendigkeit. Kosicke bewegt sich in dem Bereich, den Klopp mit dem AAF-Kuerzel umschreibt: strategische Ausrichtung des Nationalmannschafts-Auftritts, Kommunikationskultur, Aussenwahrnehmung, DFB-Marken-Fragen. Das erste konkrete Projekt, an dem Kosicke laut Absolut-Fussball-Interview mitarbeitet, ist die Neujustierung der DFB-Kommunikation im Zulauf auf die erste Kaderbekanntgabe am 17. September 2026 vor dem Nations-League-Auftakt in Amsterdam.

Die Neuendorf-”Paket”-Vorgeschichte und die JFK-Nacht

Warum Kosicke ueberhaupt beim Verband ankommt, ergibt sich aus der Verhandlungsgeschichte des Juli 2026. Bei der Vier-Stunden-Sitzung am New Yorker Flughafen JFK am 11. Juli 2026 hatten DFB-Praesident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepraesident Hans-Joachim Watzke Klopp waehrend seiner Rolle als MagentaTV-Experte getroffen. Kosicke war Teil dieser Sitzung. Nach mehreren spaeteren Berichten hatte Neuendorf in der Verhandlungsphase gegenueber dem DFB-Praesidium die Formel gewaehlt, Klopp und Kosicke seien “nur im Paket” zu haben - und Kosicke bekomme im Verband “vollen Zugang” zugesichert.

Neuendorfs Zusage war der Preis, den der Verband zahlen musste, um Klopps Zusage zu sichern. Genau diese Vorgeschichte ist der Punkt, an dem die “Uebernahme”-Kritik ansetzt: Wenn der Verband die Anbindung Kosickes als Bedingung akzeptiert hat, ohne die Rolle vorher praezise zu definieren, entsteht der Eindruck, das Klopp-Umfeld habe die Bedingungen diktiert.

Der zweite Kontext ist die Rolle Kosickes in der Red-Bull-Freigabe-Debatte am 19. Juli 2026. Kosicke hatte damals gegenueber dem Sport-Informations-Dienst SID die Bild-Sky-Darstellung einer bereits vollzogenen Einigung mit der Red Bull GmbH dementiert - eine formal richtige Positionierung, die sich rueckblickend als Verhandlungs-Choreografie erwiesen hat. In beiden Faellen ist Kosicke damit als Klopp-Berater aufgetreten, nicht als DFB-Vertreter - was die Rollen-Trennung zu diesem Zeitpunkt noch klar hielt.

Was das fuer die Bundestrainer-Struktur bedeutet

Fuer die Konstruktion des Bundestrainer-Teams im Vorlauf auf den ersten Klopp-Pflichtspieltag - den Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande in Amsterdam am 24. September 2026 - liest sich das Interview als klare Rollen-Ansage nach innen und aussen. Nach innen: die operativen Bereiche des Trainer-Teams bleiben in bestehenden Haenden. Sportdirektor Rudi Voeller behaelt die klassische DFB-Sportdirektor-Rolle mit Kader-Ueberblick und Nachwuchs-Anbindung, Sandro Wagner bleibt Klopps sportlicher Chef-Co, Andreas Kronenberg bleibt Torwart-Trainer. Nach aussen: der Verband erklaert transparent, was Kosicke tut und was er nicht tut - eine Praeventivmassnahme gegen die naechste Runde der “Uebernahme”-Kritik.

Ein Punkt bleibt in dem Interview bewusst offen: die konkreten Vertragsbedingungen. Kosicke nennt weder die Laufzeit seines Beratungsvertrags noch das Honorar. Angesichts der nagelsmann-Abfindung von rund 8,4 Millionen Euro und der Klopp-Gehalts-Diskussion von rund 6 Millionen Euro pro Jahr waere jede Kosicke-Zahl politisch schwer zu vermitteln - der Verzicht auf die Nennung ist damit weniger Auslassung als kalkulierte Zurueckhaltung.

Der Kicker greift das Interview am spaeten Montagvormittag als News-Meldung auf, ohne selbst mit Kosicke gesprochen zu haben. Ippen-Medien - unter anderem die Waldeckische Landeszeitung, die Leine-Zeitung und der Usinger Anzeiger - fahren das Absolut-Fussball-Interview parallel im Digital-Netzwerk. Fuer den DFB-Kommunikationsapparat, der die Klopp-Personalie seit Juli im Wochenrhythmus erklaeren muss, ist das Kosicke-Interview die erste eigenstaendige Wortmeldung des Neuzugangs - und die erste Antwort auf die Hoeness-Kritik, die nicht aus Klopps Mund kommen musste.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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