Red Bull gibt Klopp frei: Kein Werbebotschafter, kein Berater, keine Abloese - Vorstellung Freitag
Bild und Sky melden am WM-Finaltag: Red Bull loest Klopps Vertrag bis 2029 auf, ohne Abloese, ohne Werbebotschafter-Rolle. DFB peilt Vorstellung Freitag 24. Juli an.
Von Lukas Brandt 19. Juli 2026
▍ DFB-BUNDESTRAINER · 19.07.2026 · 15:45 UHR - Drei Stunden 30 Minuten vor Anpfiff des WM-Endspiels zwischen Argentinien und Spanien im MetLife Stadium meldet die Sportschau, was die Klopp-Personalie beim Deutschen Fussball-Bund auf der Sachebene abschliesst. Bild und Sky berichten uebereinstimmend: Die Red Bull GmbH gibt Juergen Klopp aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag als “Head of Global Soccer” frei. Keine Abloese, keine Werbebotschafter-Rolle, keine Berater-Rolle. Der DFB kann verhandeln, ohne dass ein Millionen-Betrag oder eine umstrittene Konzern-Nebenrolle den Vertrag mit dem neuen Bundestrainer belastet.
Klopps Berater Marc Kosicke dementiert die Berichte gegenueber dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der DFB selbst kommentiert den Verhandlungsstand nicht. Bild rueckt als moeglichen Vorstellungstermin Freitag, 24. Juli 2026 in den Blick. Nach drei Wochen mit JFK-Nachtsitzung, Werbebotschafter-Debatte, Landesverbaende-Aufstand und Ministerin-Kanaelen ist damit die letzte offene Frage adressiert - wenn auch nicht formal unterschrieben.
Was Bild und Sky melden - der Freigabe-Deal im Detail
Die Bild-Sky-Meldung enthaelt drei Kern-Elemente. Erstens: Red Bull loest den Vertrag mit Klopp auf, der seit dem 1. Januar 2024 als “Head of Global Soccer” beim oesterreichischen Konzern lief und regulaer bis Ende 2029 gedauert haette. Zweitens: Es faellt keine Abloesesumme an. Das ist die entscheidende Wendung, weil der DFB in den bisherigen Modell-Szenarien entweder einen ein- bis zweistelligen Millionen-Betrag an Red Bull haette zahlen oder eine parallele Vermarktungsrolle akzeptieren muessen. Drittens: Klopp bleibt weder Werbebotschafter noch Berater fuer die Red Bull GmbH. Der Wechsel wird damit zu einer sauberen Trennung.
Grundlage der Loesung ist nach beiden Berichten ein persoenliches Gespraech zwischen Red-Bull-Vorstandsvorsitzendem Oliver Mintzlaff und Klopp. Mintzlaff, 50, seit 2022 an der Spitze der Red Bull GmbH in Salzburg, hatte in den vergangenen Wochen mehrfach oeffentlich signalisiert, er wuerde einen Wechsel Klopps zum DFB “total befuerworten”. Der Satz war ein Signal an die deutsche Sportoeffentlichkeit; die entscheidende Frage war, in welcher Vertragsform der Wechsel dann konkret laeuft. Mintzlaff hat dem Bild-Sky-Bericht zufolge im persoenlichen Gespraech mit Klopp den Weg freigemacht - ohne Abloese, ohne Rollen-Rest.
Die sportschau-Formulierung im WM-Liveblog fuegt hinzu, dass Klopp “nicht, wie zunaechst berichtet worden war, neben seiner Taetigkeit als Bundestrainer weiterhin als Markenbotschafter oder Berater fuer Red Bull taetig sein” soll. Damit ist das seit dem 10. Juli oeffentlich diskutierte Doppelrollen-Modell auch von der letzten formalen Bezeichnung her erledigt.
Mintzlaff-Klopp-Gespraech: Wie der Vorbehalt vom 12. Juli aufgeloest wurde
Um die Meldung einzuordnen, muss man die Zeitachse der vergangenen neun Tage kennen. Am 12. Juli 2026 hatte der DFB in einer offiziellen Mitteilung ueber die “wesentlichen Eckpunkte” der Klopp-Personalie den entscheidenden Vorbehalt formuliert: “vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull”. Diese Formulierung war die formale Bestaetigung, dass die Verhandlungen zwischen DFB und Klopp inhaltlich abgeschlossen sind, aber der Red-Bull-Teil noch aussteht. Am Abend desselben Tages meldete der kicker um 19:29 Uhr, dass die zuvor als Kompromiss diskutierte Werbebotschafter-Konstruktion “erst gar nicht diskutiert” werde - das war die erste Bewegung Richtung sauberer Trennung.
Zwischen dem 12. Juli und dem 19. Juli ist die Verhandlung nach der Bild-Sky-Version in einem persoenlichen Gespraech zwischen Mintzlaff und Klopp entschieden worden. Es gibt keine oeffentlichen Sitzungsprotokolle, keine Datumsangabe fuer das Gespraech, keine geleakten Verhandlungspapiere. Was Bild und Sky rekonstruieren, ist das Ergebnis: Vertragsaufloesung ohne Abloese und ohne Nachrolle. In der Vor-Geschichte der DFB-Basis-Kritik durch die Landesverbaende, der Fan-Verbands-Warnungen und der Zwanziger-Interviews haette jede andere Loesung dem DFB in der Kurve massive Reibung eingetragen.
Die entscheidende Rechnung fuer Red Bull sieht so aus: Klopps Restgehalt bis Ende 2029 haette bei einer angenommenen Grundvereinbarung von rund 8 bis 10 Millionen Euro pro Jahr in Summe etwa 30 Millionen Euro betragen. Ein Verzicht auf diese Restsumme ist fuer den Konzern nicht trivial, aber angesichts der oeffentlichen Beobachtung ueberschaubar. Fuer Red Bull ist der reputationstechnisch clean-out-Weg vermutlich wertvoller als der Konflikt mit dem DFB, dem Fan-Milieu und der deutschen Sportoeffentlichkeit ueber eine parallele Rolle. Mintzlaff hat den Kalkul offenbar so gerechnet.
SID: Kosicke dementiert - was das Dementi wert ist
In den Bild-Sky-Berichten steckt eine journalistische Nuance, die die Sportschau explizit macht. Klopps Berater Marc Kosicke hat den Berichten gegenueber dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Sonntagnachmittag widersprochen. Kosicke bestreitet, dass bereits eine formale Einigung vorliege.
Das Dementi ist einordnungsbeduerftig. In der Vertragswelt professioneller Trainer-Transfers ist ein Berater-Dementi vor der finalen Unterschrift ein Standardwerkzeug - es haelt die formale Verhandlungshoheit bei den Beteiligten, verhindert Zwischen-Interpretationen und schuetzt beide Seiten vor voreiligen medialen Zuschreibungen. Kosicke arbeitet seit Jahren fuer Klopp und hatte bereits das Vier-Stunden-Gespraech am New Yorker Flughafen JFK am 11. Juli begleitet.
Der praktische Punkt: Bild und Sky halten ihre Berichte aufrecht, die Sportschau greift beide Positionen im Liveblog gleichrangig auf, und das Kosicke-Dementi bezieht sich auf die “Darstellung” einer Einigung - nicht auf die inhaltliche Richtung der Verhandlungen. Zwischen “Es gibt keine formale Einigung” und “Es gibt keine Einigung” liegt ein sportjournalistisch bewusst offen gelassenes Fenster. Belastbar wird das Bild vermutlich erst mit der Vertragsunterschrift, die vor der von Bild avisierten Vorstellung am 24. Juli erfolgen muesste.
Vorstellungstermin Freitag 24. Juli - der DFB-Fahrplan
Nach Bild-Angaben peilt der DFB als Vorstellungstermin Freitag, 24. Juli 2026 an. Fuenf Tage nach dem WM-Endspiel im MetLife Stadium, zwei Tage nach dem regulaeren WM-Ausklang mit der offiziellen FIFA-Nachbereitung, ausserhalb des unmittelbaren Finaltag-Rauschens. Der DFB selbst kommentiert den Termin nicht und schreibt formal: “Der DFB kommentiert den aktuellen Verhandlungsstand mit Juergen Klopp nicht.”
Der harte Termin fuer die gesamte Personalie bleibt der 24. September 2026. An diesem Tag beginnt in Amsterdam mit dem Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande das erste Pflichtspiel-Fenster nach der WM 2026. Bis dahin muss der Bundestrainer benannt, der Trainerstab aufgestellt und die Vertragsstruktur mit Red Bull sauber sein. Der 24.-Juli-Rahmen waere im DFB-Kalender ein logischer Punkt: die Sommerferien haben in acht Bundeslaendern begonnen, das TV-Rauschen um WM-Bilanz und Trainer-Diskussionen wird abgeklungen sein, die eigenen Kader-Planungen fuer den Amsterdam-Termin muessen anlaufen.
Die formale Zustaendigkeit liegt am Ende beim DFB-Praesidium und dem Aufsichtsrat der DFB GmbH & Co. KG. Die entsprechende Sitzung des Praesidiums muesste vor der oeffentlichen Vorstellung stattfinden - erfahrungsgemaess ein bis drei Tage vorher. In der DFB-Zentrale in Frankfurt bereitet die Kommunikation die Vorstellungspressekonferenz vor. Rein technisch waere ein Freitag-Termin logistisch: Vorabend-Anreisen fuer Bundesliga-nahe Journalisten, TV-Uebertragung im ARD-Nachmittagsprogramm, ausreichend Zeit fuer Sonntagszeitungen. Klopp koennte den Presse-Auftritt in Frankfurt selbst leiten - er absolvierte in den vergangenen Wochen als MagentaTV-Experte an der Seite von Thomas Mueller mehrere WM-Runden und hat seine Medientrittigkeit auf Live-Niveau.
Was noch offen ist - Trainerstab, Vertragslaenge, DFB-Gremien
Selbst wenn die Bild-Sky-Meldung stimmt und die Vorstellung Ende der kommenden Woche erfolgt, sind drei Bausteine noch nicht oeffentlich abgeschlossen. Erstens: der Trainerstab. Klopp bringt aus seiner Liverpool-Zeit ein festes Team - Pep Ljinders, Peter Krawietz, John Achterberg - mit; welche dieser Personen fuer die DFB-Rolle infrage kommen, ist offen. Sportschau-Analysen hatten in den vergangenen Wochen sowohl Per Mertesacker als moeglichen Sportdirektor-Nachfolger von Rudi Voeller (ab Euro 2028) als auch einen “Klopp-Assistenten” als moeglichen zweiten Namen genannt. Der Trainerstab wird in der JFK-Nacht-Sitzung vom 11. Juli als eines der vier grossen Verhandlungsfelder benannt.
Zweitens: die Vertragslaenge. Aus der Zeitachse der bisherigen Berichte kristallisiert sich ein Rahmen bis nach der WM 2030 heraus - also mindestens vier Jahre plus Option. Ein solches Signal wuerde dem Klopp-Deal die “Neuanfang”-Substanz geben, die Juergen Klinsmann am Sonntagmorgen bei Sky und Sport1 explizit begruesst hat. Ob die Vertragslaenge kuerzer ausfaellt, ist eine Frage, die die Vorstellungspressekonferenz aufloesen muss.
Drittens: die formale Ratifizierung durch die DFB-Gremien. Das DFB-Praesidium unter Bernd Neuendorf und die Aufsichts-Ebene der DFB GmbH & Co. KG muessen den Vertrag formell beschliessen. Watzke, der ueber die entscheidenden Wochen den Klopp-Kanal gesteuert hat, hat die Wahrscheinlichkeit einer Klopp-Loesung vor dem JFK-Treffen mit “groesser als 50 Prozent” beziffert - das war bewusst konservativ formuliert. Nach der Freigabe-Meldung liegt der Wert operativ bei nahezu 100 Prozent, formal aber immer noch bei der Ratifizierung.
Magath-Kritik am Sonntagmorgen: “Klopp macht jetzt, was er will”
Parallel zum Bild-Sky-Bericht am Nachmittag hatte der kicker am Sonntagmorgen um 12:11 Uhr eine Magath-Wortmeldung veroeffentlicht, die die Kehrseite der Freigabe beleuchtet. Felix Magath, Bayern-Doppelmeistertrainer, Wolfsburger Meistertrainer 2009 und einer der wenigen deutschen Trainer, die drei Bundesliga-Titel gewonnen haben, kritisiert den DFB frontal: “Klopp macht jetzt, was er will.”
Magath argumentiert im kicker-Interview, der DFB habe die Verhandlungsposition gegenueber Klopp und seinem Umfeld faktisch aufgegeben. Kein alternativer Kandidat sei ernsthaft im Rennen gewesen, kein Bewerbungsverfahren, keine Auswahl. Genau diese Kritik richtet sich weniger gegen Klopp selbst als gegen die DFB-Fuehrung. Aus der Magath-Perspektive ist die Freigabe ohne Abloese und ohne Rollen-Rest die logische Konsequenz einer Verhandlungsfuehrung, die keine wirkliche Alternative auf den Tisch legen konnte - und die Klopp deshalb jeden strukturellen Vorteil gewaehren musste.
Die Kritik ist die zweite prominente Ex-Bundestrainer-Wortmeldung des Finaltag-Morgens. Juergen Klinsmann hatte um 08:42 Uhr bei Sky und Sport1 das DFB-Team als “brutal peinlich” und “im Mittelmass verloren” bezeichnet, gleichzeitig aber Klopp als Neuanfangs-Typ begruesst. Klinsmann kritisiert die Mannschaft und begruesst den kommenden Trainer, Magath kritisiert die Verbandsfuehrung und ordnet die Freigabe als deren Symptom ein. Beide zusammen umreissen die Bandbreite der oeffentlichen Innensicht am Tag der Freigabe-Meldung.
Chronologie: Von Nagelsmann-Ruecktritt bis Freigabe
Sechs Etappen in drei Wochen. Rueckwaerts ausgehend vom Sonntag, 19. Juli:
- 19.07.2026, 15:45 Uhr: Bild und Sky melden die Red-Bull-Freigabe ohne Abloese und ohne Nachrolle. Sportschau greift auf. Kosicke dementiert die “Darstellung einer Einigung” gegenueber der SID.
- 12.07.2026, 19:29 Uhr: kicker meldet, dass die Werbebotschafter-Konstruktion “erst gar nicht diskutiert” werde - erste Bewegung Richtung sauberer Trennung (Werbebotschafter-Verzicht).
- 12.07.2026, 15:56 Uhr: DFB-Mitteilung ueber “wesentliche Eckpunkte” mit formalem Red-Bull-Vorbehalt.
- 12.07.2026, 13:51 Uhr: SID meldet die Kritik von SHFV-Praesident Uwe Doering und weiteren Landesverbaenden an einer moeglichen Doppelrolle.
- 11.07.2026: Vier-Stunden-Sitzung am New Yorker Flughafen JFK zwischen Neuendorf, Watzke, Klopp und Kosicke.
- 10.07.2026: Zwanziger-Interview in der FAZ und Unsere-Kurve-Statement zur Doppelrolle. Ausbruch der Werbebotschafter-Debatte.
- 02.07.2026: Nagelsmann-Ruecktritt bestaetigt, Klopp-Verhandlungen oeffentlich.
Die Reihung zeigt: Was am Nachmittag des WM-Finaltags als Bild-Sky-Meldung publik wird, ist das operative Ende eines 17-Tage-Prozesses, in dem der DFB zwischen sportlichem Anspruch (Klopp als Neuanfang), finanziellem Rahmen (kein Abloesetopf, Watzke-Nagelsmann-Abfindung) und Fan-politischer Reibung (Landesverbaende, Zwanziger, Unsere Kurve) manoevrieren musste. Am Ende steht ein Bild, das der DFB ohne oeffentliche Beeintraechtigung praesentieren kann: Klopp kommt frei von Red Bull, ohne Belastung fuer den Verband, ohne Belastung fuer die eigene Person.
Um 21:00 Uhr MESZ deutscher Zeit stossen im MetLife Stadium Argentinien und Spanien um den Weltmeister-Pokal an. Die deutsche Sportoeffentlichkeit sieht dem Finale mit einem geregelten Trainer-Nachfolgekapitel im Ruecken zu - dem ersten geregelten Nachfolgeprozess der jungen DFB-Praesidenten-Aera Bernd Neuendorfs. Fuer die Bewertung, ob die Loesung sportlich funktioniert, kommt der Amsterdam-Termin am 24. September, der Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande. Bis dahin sind es 67 Tage.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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