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Analyse

WM 2026: Diese Außenseiter könnten überraschen

WM 2026 Geheimfavoriten: Marokko, Kroatien, Senegal, Norwegen und Neuseeland - die Außenseiter, die im neuen 48er-Format weiter kommen können als gedacht.

Von Marco Feldmann 09. Mai 2026

December 17, 2022, Nablus, West Bank, Palestine: Palestinians supporting Morocco's national team watch the Qatar 2022 World Cup match between Croatia and Morocco, in the occupied West Bank city of Nablus. (Credit Image: © Nasser Ishtayeh/SO Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die WM 2026 ist die erste mit 48 Mannschaften und 32 Teams in der K.-o.-Runde. Wer die Vorrunde übersteht, kann theoretisch über Sechzehntel- und Achtelfinale stolpern, ehe die richtigen Schwergewichte kommen. Genau das macht das Turnier für Außenseiter durchlässiger als jede WM zuvor. Wer die echten Topfavoriten ärgern könnte, ohne selbst auf der Favoritenliste zu stehen - eine Spurensuche, mit hedge wo nötig.

Was ein “Geheimfavorit” 2026 leisten muss

Vor der ersten Runde Demut: Die letzten neun Weltmeister kamen alle aus Europa oder Südamerika, sieben verschiedene Nationen teilen sich die 22 bisherigen Titel. Daran wird sich auch 2026 wenig ändern - die echten Topfavoriten heißen Spanien, Frankreich, England, Argentinien, Brasilien. Wer in dieser Aufzählung nicht steht, ist per Definition Außenseiter.

Ein realistisches Außenseiter-Ziel 2026 ist deshalb nicht der Titel, sondern der Lauf: über die Vorrunde hinaus ins Achtel- oder Viertelfinale stoßen, einen Topfavoriten ärgern, ein bleibendes Tor erzielen. Marokkos Halbfinale 2022 in Katar hat den Spielraum dafür markiert - und gleichzeitig gezeigt, was möglich ist, wenn ein Außenseiter rechtzeitig in Form kommt. Wer den datengestützten Blick auf die Favoritenlage sucht, findet ihn unter WM 2026 Prognose.

Marokko: vom Halbfinalisten zum heimlichen Top-10-Team

Marokko ist 2022 in Katar mit dem Halbfinale ins kollektive Fußball-Gedächtnis gespielt - und ist 2026 kein Geheimtipp mehr. Trotzdem läuft das Team unter Trainer Walid Regragui in den Wett-Diskussionen meistens unter den Topfavoriten und das ist beim Blick auf den Kader unangenehm für den nächsten Gegner: Achraf Hakimi rechts, Romain Saiss in der Innenverteidigung, Hakim Ziyech in der Schaltzentrale, Yassine Bounou im Tor - eine erfahrene, eingespielte Mannschaft, die 2022 sechs Pflichtspiele in Folge ungeschlagen war (vier Siege, zwei Unentschieden, kein Gegentor in der Vorrunde).

Bei der WM 2026 spielt Marokko in Gruppe C - gegen Brasilien, Schottland und Haiti. Die Gruppe ist erkennbar machbar, ein zweiter Platz hinter Brasilien wäre kein Bruch, und in der K.-o.-Runde dürfte Marokko gegen Topnationen weiterhin gefährlich sein. Wer als Topfavorit Marokko zugelost bekommt, hat ein Problem.

Kroatien: zweimal in Folge auf dem Podium - kann das ewig so weitergehen?

Kroatien ist das Paradebeispiel eines Außenseiters, der lange nicht mehr Außenseiter ist. Finalist 2018, Dritter 2022, dazwischen das EM-Achtelfinale 2024 - und immer wieder Spiele, die in die Verlängerung gehen, weil Kroatien physisch und mental tougher ist, als der Spielerpass vermuten ließe. Der Schönheitsfehler: Luka Modrić ist inzwischen über 40, und die Generation um ihn altert mit ihm. Wenn Kroatien 2026 noch einmal weit kommt, dürfte es das letzte Turnier dieser Achse sein.

Bei der Auslosung kam Kroatien in Gruppe L - zusammen mit England. Eine Hammergruppe, in der Kroatien als Zweiter durchkommen kann, aber nicht muss. Wer dieses Team unterschätzt, hat das Drittel der WM 2022 verschlafen, in dem Modrić, Brozović und Co. Brasilien rauswarfen. Mehr zum Hintergrund auf der Team-Seite zu Kroatien und im Bereich WM-Geschichte.

Senegal: afrikanische Klasse, eingespielter Kader

Senegal hat den Afrika-Cup 2021 gewonnen, das Achtelfinale 2022 erreicht und stellt mit Sadio Mané, Édouard Mendy und Kalidou Koulibaly weiter eine Achse, die in der Premier League und in Top-Klubs spielt. Bei der WM 2026 wartet Gruppe I mit Frankreich, Norwegen und dem Irak - schwer, aber machbar. Senegal ist defensiv stabil, im Umschaltspiel gefährlich und mit einem in Europa gereiften Kader ausgestattet. Ein Achtelfinaleinzug wäre kein Schock; mehr kommt aufs Los an.

Für den afrikanischen Fußball insgesamt sind dieselben Außenseiter-Werte aufgehoben: Ägypten (Gruppe G) ist mit Mohamed Salah immer für eine Großtat gut, Algerien (Gruppe J) hat in der CAF-Quali eine spielstarke Generation entwickelt, und mit der Elfenbeinküste (Gruppe E, Afrikameister 2023) trifft Deutschland selbst auf einen solchen Außenseiter. Eine Übersicht aller WM-2026-Teams sortiert das nach Konföderation.

Norwegen: Haaland zum ersten Mal auf der WM-Bühne

Eines der spannendsten Stories der WM 2026 ist Norwegen: zum ersten Mal seit 1998 wieder bei einer WM dabei, mit Erling Haaland (Manchester City) und Martin Ødegaard (Arsenal). Norwegen gewann seine Quali-Gruppe vor Italien souverän (4:1 daheim, 3:0 auswärts im direkten Duell) und kommt in Topform nach Nordamerika. Die offene Frage: Wie schlägt sich eine Mannschaft, deren Stars in der Champions League routiniert sind, deren Kollektiv aber kaum WM-Erfahrung hat?

Gruppe I bringt Norwegen direkt auf Frankreich - ein Spiel, das viele schon vor der WM zu den Begegnungen zählen, die man sich vormerkt. Schon ein zweiter Platz in dieser Gruppe wäre für die Skandinavier ein Achtungserfolg, und im K.-o.-Modus kann ein Spiel um Haaland und Ødegaard sich von selbst spielen. Norwegen ist ein klassischer Außenseiter, mit einer Topnation-Spitze.

Neuseeland: der OFC-Vertreter und der Faktor “Erster WM-Sieg seit 1982”

Aus Sicht der ganz großen Außenseiter ist Neuseeland der eine Name, der lohnt. Die “All Whites” sind 2026 erst zum dritten Mal bei einer WM dabei (1982 und 2010 zuvor), haben dafür aber den Bonus eines fast garantierten WM-Tickets aus der OFC-Region und können sich entsprechend vorbereiten. Eingespielt, taktisch diszipliniert und mit einer Reihe von Profis aus europäischen Ligen (Chris Wood, Dane Ingham) sind sie kein klassisches Punktelieferanten-Team.

Realistisch geht es für Neuseeland um den ersten WM-Sieg seit 1982 - 2010 holten die “All Whites” drei Unentschieden ohne Niederlage, gewannen aber kein Spiel. In Gruppe G treffen sie auf Belgien, Ägypten und den Iran - eine Konstellation, in der ein Sieg drin sein kann. Mehr zum Team: Neuseeland.

Fazit: Spitzengruppe der Außenseiter, mit ungleichen Vorzeichen

Wenn man die Außenseiter sortiert nach realistischer Aufstiegswahrscheinlichkeit ins Achtelfinale, ergibt sich grob folgendes Bild: Marokko und Kroatien als die “fast schon zu guten” Außenseiter, dahinter Senegal und Norwegen als formstarke Mit-Favoriten auf den Achtelfinaleinzug, dann Ägypten, die Elfenbeinküste und die Schweiz als realistische Punktelieferanten, dann Neuseeland und die WM-Debütanten (Curaçao, Kap Verde, Jordanien, Usbekistan, siehe WM-2026-Debütanten) als die ganz weiten Wege.

Was die Daten nicht abbilden: Verletzungen, Hitze in Houston oder Dallas, die Höhenluft in Mexiko-Stadt, ein Schiedsrichterentscheid. Genau das hat 2022 Marokko geholfen und 2018 Topfavoriten reihenweise rausgeworfen. Eine echte Außenseiter-Story 2026 wäre also kein Bruch der Statistik, sondern eine natürliche Fortsetzung dessen, was Marokko und Kroatien bereits andeuten. Und wer den ersten Hinweis auf solche Geschichten will, schaue auf die Auslosungen in Gruppe C (Marokko), Gruppe I (Norwegen, Senegal) und Gruppe L (Kroatien).

Häufige Fragen zu WM-2026-Geheimfavoriten

Wer sind die größten Außenseiter bei der WM 2026? Marokko (Halbfinalist 2022), Kroatien (Finalist 2018, Dritter 2022), Senegal (Achtelfinalist 2022), Norwegen (mit Haaland und Ødegaard) und die Schweiz gelten als die formstärksten Außenseiter. Bei Einschätzungen über das gesamte Feld lohnt der Blick auf die WM 2026 Prognose.

Welche Außenseiter haben Marokko 2022 ähnliche Chancen? Marokko selbst und Kroatien sind 2026 erneut die heißesten Kandidaten für einen Halbfinal-ähnlichen Lauf - allerdings haben sie es schwerer als 2022, weil sie nicht mehr unterschätzt werden.

Kann ein WM-Debütant 2026 überraschen? Die vier Debütanten Curaçao, Kap Verde, Jordanien und Usbekistan haben es schwer - schon, weil sie keine Turniererfahrung haben und in starken Gruppen gelost wurden. Hintergrund: WM-2026-Debütanten.

Hat ein Außenseiter je die WM gewonnen? Im engeren Sinn - mit einer Mannschaft, die vor dem Turnier nicht zu den Top-5 gehörte - nein. Die acht Weltmeister sind durchweg Topnationen oder Heimrekord-Gastgeber. Aber 2022 stand mit Argentinien ein Team auf dem Thron, das vor dem Turnier nach einer 0:2-Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien viele schon abgeschrieben hatten.

Wie hilft das 48er-Format Außenseitern? Im neuen Modus reicht in vielen Gruppen schon Platz drei für die Sechzehntelfinale-Qualifikation. Wie genau das funktioniert, steht im WM-2026-Modus - bestätigt aber: Außenseiter haben mehr Margen für einen Lauf.

Wer ist der Geheimfavorit aus Europa neben Kroatien? Norwegen mit Haaland und Ødegaard ist der spannendste Neuling im Topfavoriten-Umfeld; auch die Schweiz und die Niederlande könnten in den K.-o.-Runden überraschen. Eine detaillierte Bewertung gibt es laufend aktualisiert unter WM 2026 Prognose.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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