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DFB-Team

Musiala zurueck im DFB-Trikot: 'Wollen das Land stolz machen'

Vierzehn Monate nach seinem letzten Laenderspiel kehrt Jamal Musiala beim WM-Test gegen Finnland zurueck. Was er ueber Wirtz, Wadenbeinbruch und die WM-Mission sagt.

Von Lukas Brandt 31. Mai 2026

Jamal Musiala im DFB-Trikot bei der EM 2024 gegen die Schweiz im Frankfurter Deutsche Bank Park (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es war der 22. Maerz 2025, als Jamal Musiala in Mailand das DFB-Trikot zuletzt ueberzog. 1:2 verloren die Deutschen das Nations-League-Viertelfinal-Hinspiel gegen Italien, Musiala spielte 78 Minuten, traf nicht, schied am Ende der Saison verletzt aus. Was danach kam, war ein Jahr, in dem fuer einen der wichtigsten DFB-Offensivspieler kaum etwas plante, was er sich vorgenommen hatte. Klub-WM 2025 mit schwerer Wadenbeinverletzung beendet, Operation, langsamer Aufbau, abgesagter Maerz-Comeback wegen erneuter Schmerzen. An diesem Sonntagabend, dem 31. Mai 2026, fuehrt der Weg endlich wieder ins DFB-Mannschaftshotel - und ab 20:45 Uhr MESZ in die MEWA Arena Mainz, wo das letzte Heimspiel der DFB-Elf vor dem WM-Auftakt gegen Curacao auf dem Programm steht.

Erstes Laenderspiel seit Maerz 2025

Vierzehn Monate. So lange hat Musiala keine Sekunde im DFB-Trikot gespielt. Im “kicker”-Gespraech vom Vorabend des Mainzer Tests bekannte der 23-Jaehrige, wie sehr ihm die Nationalmannschaft gefehlt habe - und in welcher Konstellation am meisten: “Ich habe es vermisst, gemeinsam mit Flo zu zocken, und freue mich total auf die kommenden Wochen mit ihm.” Damit ist nicht nur der Spielmodus gemeint, mit dem die Generation des Jahrgangs 2003 ihre Freundschaft beschreibt, sondern auch das Zentrum dessen, was Julian Nagelsmann fuer die WM 2026 plant. Wirtz und Musiala sollen das DFB-Spiel zwischen den Linien tragen, so wie sie es bei der Heim-EM 2024 getan haben.

Das Comeback faellt zeitlich, wie es zeitlich fallen muss. Vierzehn Tage bis zum WM-Auftakt am 14. Juni in Houston bedeuten: Wer jetzt nicht spielt, kommt nicht rechtzeitig in Form. Im DFB-Formcheck zwei Wochen vor der Kader-Nominierung hatten wir geschrieben, Musiala komme “mit der Hoffnung, sich in den drei Wochen zwischen Kader-Bekanntgabe und Eroeffnungsspiel hineinzuspielen”. Diese drei Wochen sind jetzt zwei, und Mainz ist der erste der drei Schritte. Der zweite folgt am 6. Juni gegen die USA in Hartford, der dritte sind die WM-Trainingseinheiten in Atlanta.

Der lange Weg zurueck: Klub-WM, Wadenbeinbruch, abgesagter Maerz-Comeback

Den Bruchpunkt setzte die Klub-WM 2025 in den USA. Mit dem FC Bayern war Musiala in das Sommerturnier gestartet, das die FIFA als Premiere im neuen 32er-Format ausgespielt hat. In der K.-o.-Runde gegen Paris Saint-Germain knickte er mit hohem Tempo um, der Schmerz war sofort heftig, die Diagnose ein Wadenbeinbruch. Operation in Muenchen, mehrere Monate Reha. Die Hinrunde 2025/26 hat Musiala komplett verpasst, im Bayern-Trikot gab er sein Comeback erst Mitte Januar 2026. Eingespielt hat er sich nicht durchgaengig, was im Form-Check vor der Kader-Bekanntgabe der Grund war, ihn nicht ins Topform-Trio zu zaehlen.

Bitterer noch: Der ohnehin geplante Comeback-Termin in der DFB-Auswahl im Maerz 2026 war eine Woche vor Abreise wieder geplatzt. In einem Bayern-Spiel hatten sich die Beschwerden in der operierten Wade gemeldet, Musiala sagte intern ab. Was wie ein Rueckschlag aussah, war eigentlich Belastungssteuerung - Bayern-Verein und DFB-Stab hatten sich darauf geeinigt, ihn nicht zu zwingen. Die Reservation auf der 55er-Vorausliste blieb bestehen, am 21. Mai folgte die endgueltige Aufnahme in den 26er-WM-Kader. Musiala ist gesetzt, daran hat in der DFB-Hierarchie nie jemand gezweifelt.

”Ich habe es vermisst, mit Flo zu zocken”

Vor laufender Sportschau-Kamera blickte Musiala am Samstagnachmittag in Herzogenaurach zum Mikrofon und formulierte den Auftrag, der die Stimmung im DFB-Hotel zusammenfasst: Sie wollen das Land stolz machen. Wer in den vergangenen Monaten verfolgt hat, wie zoegerlich die deutsche Stimmung gegenueber dieser WM in einem Drei-Laender-Turnier auf dem amerikanischen Kontinent ist, weiss, was dieser Satz zu leisten hat. Anders als bei der Heim-EM ist der Zuspruch nicht selbstverstaendlich. Musialas Aufgabe ist auch eine kommunikative: Aus Indifferenz Begeisterung zu machen.

Die schoenste Notiz aber war diejenige zu Wirtz. Beide kennen sich aus den DFB-Jugendmannschaften, beide haben sich bei der EM 2024 nebeneinander entwickelt, beide sind seit dem 21. Mai endgueltig im erweiterten DFB-Fuehrungskreis. Wirtz hat seine erste Premier-League-Saison beim FC Liverpool mit gemischtem Bild abgeschlossen, Musiala hat eine Saison gespielt, die kaum eine war. Was beide eint, ist die Aufgabe in Mainz, Hartford und Houston: einen Rhythmus zu finden, der ihnen drei Jahre lang in der Bundesliga und auf der internationalen Buehne so leichtfaellig gelingt. Im 4-2-3-1-Schema des Bundestrainers ist Wirtz die Zehnerposition zugedacht, Musiala wechselt zwischen Halbraum links und freier Rolle hinter dem Mittelstuermer.

Joker statt Startelf - was Mainz fuer den WM-Rhythmus bedeutet

In Mainz wird Musiala nicht von Anfang an spielen. Aus dem DFB-Stab heisst es, eine Einwechselzeit von etwa 30 Minuten sei geplant - genug, um Spielsituationen zu absolvieren, nicht so viel, dass die Belastungssteuerung gefaehrdet waere. Die Logik dahinter: Die Wade darf in kleinen Schritten in Spielrhythmus kommen, ein 90-Minuten-Einsatz ist erst gegen die USA am 6. Juni denkbar. Selbst dann waere Vorsicht angebracht. Nagelsmann hat in der Pressekonferenz am Donnerstag mit Joshua Kimmich betont, dass der Test gegen Curacao am 14. Juni in Houston der erste Pflicht-Wettbewerb sein wird, in dem die Schluessel-Akteure auf 90 Minuten gebracht werden sollen.

Damit ist Musiala in Mainz weniger der Pruefstein als die Studie. Was Wirtz auf der Zehn alleine kann, wird in der ersten Halbzeit untersucht. Wie das Spiel kippt, wenn Musiala hinzukommt, ist die Frage der zweiten. Genau diese Dynamik ist in der WM-Realitaet wichtig: Falls Wirtz oder Havertz nicht 90 Minuten durchhalten, oder falls ein Rueckstand zu drehen ist, soll Musiala der Joker mit Eins-gegen-Eins-Faehigkeit sein, der den Spielstand kippt. Mainz ist der erste Test dieser Rolle in 14 Monaten.

14 Tage bis Houston - der Plan bis zum WM-Auftakt

Der Fahrplan der DFB-Elf zwischen Mainzer Test und WM-Auftakt sieht so aus: Am Montag, 1. Juni, Erholungstag mit Familienprogramm im Hotel Herzogenaurach. Am Dienstag, 2. Juni, Abflug von Frankfurt nach Chicago zum Trainingslager. Dort sechs Tage Akklimatisierung, der erweiterte WM-Block mit Konditions-, Standard- und Pressing-Einheiten. Am 6. Juni in Hartford das zweite Testspiel gegen den Co-Gastgeber USA, einen Tag spaeter Weiterflug nach Atlanta in das WM-Mannschaftsquartier. Vom 7. bis 13. Juni in Atlanta die finale Vorbereitung, am 14. Juni in Houston der WM-Auftakt gegen Curacao (19:00 MESZ).

Fuer Musiala ist der Plan klar: 30 Minuten Mainz, 60 Minuten Hartford, 90 Minuten Houston. Wenn dieser dreistufige Aufbau aufgeht, dann startet die DFB-Elf mit einem Musiala in die WM, der schon wieder zwei Spiele hinter sich hat. Wenn er nicht aufgeht, ist Mainz das letzte Mal, dass Musiala vor dem WM-Auftakt eine vollstaendige Belastung erlebt - und Houston wird zum Sprung ins kalte Wasser. Aus DFB-Sicht sind beide Szenarien planbar. Aus Musiala-Sicht ist Sonntagabend in Mainz die wichtigste halbe Stunde seines fussballerischen Sommers.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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