Zum Inhalt springen
DFB-Team

Neuer und der USA-Test: Die wackelige Comeback-Frage vor Nagelsmanns Freitag-PK

Manuel Neuer trainierte am Donnerstag in Chicago weiter nur individuell. Ob er am Samstag gegen die USA spielt, entscheidet Nagelsmann auf der PK am Freitag.

Von Lukas Brandt 05. Juni 2026

Manuel Neuer mit Backup Jonas Urbig und Performance-Stab beim FC Bayern im März 2026 - in Chicago bleibt der Kapitän erneut in der Individualarbeit (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Donnerstagnachmittag in Chicago, dieselbe Bildregie wie am Mittwoch: Während die DFB-Auswahl auf dem Trainingsgelände von Chicago Fire ihre zweite Mannschaftseinheit im WM-Land absolviert, dreht Manuel Neuer seine Runden separat. Laufen, Kraft, Stellungsarbeit ohne Druck. Die muskulären Probleme in der linken Wade, die den Kapitän seit Mitte Mai begleiten, sind so weit zurück, dass Bayern-Backup Jonas Urbig an seiner Seite den Spaziergang am Lake Shore mitmachen darf. Nicht so weit, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn für die Mannschaftseinheit freigibt. Über den USA-Test am Samstag entscheidet der DFB nicht in Chicago, sondern auf der Pressekonferenz am Freitagabend.

Donnerstag in Chicago: Individualprogramm bleibt die Linie

Die Sportschau formuliert es nüchtern in ihrem WM-Liveblog: “Neuer absolviert weiter nicht das gesamte Mannschaftstraining.” Der DFB spricht weiterhin vom “Belastungsaufbau”, einer Sprachregelung, die seit dem 17. Mai unverändert ist. In der Praxis heißt das: Lauf- und Krafteinheiten unter Aufsicht von Torwarttrainer Andreas Köpke, dazu ein einzelnes Box-Training mit Standbällen, aber keine 4-gegen-2-Phasen, kein Eckballblock, kein Abschlusspiel.

Es ist der Stand, vor dem die Vorgänger-Notiz vom 3. Juni drei Szenarien für den USA-Test skizziert hatte. Damals hieß die optimistische Lesart: Neuer trainiert Donnerstag und Freitag voll mit, spielt 45 bis 60 Minuten. Nach diesem Donnerstag fällt diese Variante weg. Übrig bleiben Szenario zwei (Kurzeinsatz nach einer Mannschaftseinheit am Freitag) und Szenario drei (Aufbauprogramm bis zur Abreise nach Winston-Salem).

Freitag 19:30 Uhr MESZ: der Termin, an dem die Entscheidung fällt

Nagelsmann hat sich seit dem Abflug aus Frankfurt von Personalspekulation ferngehalten. Die Pressekonferenz am Freitagabend in Chicago, vom DFB für 19:30 Uhr MESZ angekündigt, ist der erste Slot, an dem er sich konkret zu Neuers Stand äußern wird. Sportschau und kicker melden übereinstimmend, dass der Bundestrainer “kein WM-Risiko” eingehen wolle - eine Formel, die in der DFB-Tonalität fast schon Schablone ist. Sie schließt einen 90-Minuten-Einsatz aus; ob sie auch einen 30-Minuten-Einsatz ausschließt, ist die einzige offene Detailfrage.

In der Hierarchie ändert die Frage nichts. Neuer ist und bleibt die Nummer eins der WM 2026, Nagelsmann hat das öffentlich seit dem Kader-Tag am 21. Mai bestätigt. Aber die Wettkampfminuten, die ein Keeper vor einem Turnier üblicherweise sammelt, schrumpfen mit jedem Trainingstag, an dem es bei Lauf und Kraft bleibt.

Die 20.37-Uhr-Frage am Samstag im Soldier Field

Der USA-Test wird am Samstag, 6. Juni, um die kuriose Zeit von 20:37 Uhr MESZ angepfiffen. Hinter den 37 Minuten steckt kein Tipfehler, sondern das US-Werbefenster: RTL übernimmt den Stream aus Chicago, FOX ist der Hauptverwerter im Gastgeberland und gibt den Anstoß-Slot vor. Spielort ist das Soldier Field am Lake Michigan, Heimat des Chicago Bears, mit nominell 61.500 Plätzen.

Wenn Neuer in der Startelf steht, ist die Sache schnell erzählt: 45 oder maximal 60 Minuten, danach Ablöse durch Nübel. Wenn nicht, beginnt eine andere Aufstellungs-Frage. Nübel, der bei Stuttgart eine komplette Bundesliga-Saison als Stammkeeper hinter sich hat, kennt das DFB-Lager seit den Lehrgängen 2025; eine Eingewöhnung braucht er nicht. Was er braucht, sind 90 Minuten gegen einen WM-Teilnehmer - und genau diese 90 Minuten könnte er bekommen.

Was ein Nübel-Start für die WM-Hierarchie bedeutet

In der DFB-Logik bleibt die Nummer eins die Nummer eins, auch ohne Spielzeit. Trotzdem hat ein Nübel-Auftritt über 90 Minuten einen Nebeneffekt, den Nagelsmann einkalkuliert: Der Stuttgarter sammelt Spielminuten gegen eine offensiv aggressiv pressende US-Auswahl unter Mauricio Pochettino, und der DFB hat im Fall der Fälle einen Vertreter, der frischen Wettkampfrhythmus mitbringt.

Für die Mannschaft ist es ein Routinetag. Auch Kai Havertz hat Spielzeit zugesagt bekommen, die Sturmrolle hinter ihm wird zwischen Undav und Woltemade verteilt. Die Frage Neuer-oder-Nübel ist die einzige, die das Tageskommando definiert.

Vom Soldier Field nach Winston-Salem: der Fahrplan bleibt

Nach dem USA-Test zieht das DFB-Quartier am 8. Juni ins offizielle Basislager nach Winston-Salem in North Carolina um, wie im Vorbereitungsfahrplan festgehalten. Dort hat das Team eine Woche Zeit, das Stadion-Klima von Houston einzustellen - die Anstoßzeit gegen Curaçao ist Sonntag, 14. Juni, 19:00 Uhr MESZ, im NRG Stadium mit geschlossenem Dach.

Acht Tage zwischen USA-Test und Curaçao-Auftakt sind aus Reha-Sicht eine ungewöhnlich komfortable Spanne. Bei einem Wadenproblem, das der DFB als “im Aufbau” beschreibt, bedeutet sie: Selbst Szenario drei am Samstag - keine Minute gegen die USA - schließt den WM-Auftakt nicht aus. Es schließt nur die Wettkampf-Generalprobe aus.

Was bis Samstagabend zu beobachten ist

Drei Punkte für den Notizblock:

  • Freitag, 19:30 Uhr MESZ: Nagelsmann-PK, das offizielle Update zu Neuer und zur Aufstellung gegen die USA.
  • Freitag, Abschlusstraining: Wenn Neuer in der Mannschaftseinheit auftaucht, ist Szenario zwei lebendig. Wenn nicht, ist die Entscheidung gefallen.
  • Samstag, 20:37 Uhr MESZ: Anpfiff im Soldier Field. Wer in der Startelf steht, ist die Antwort, die der DFB seit Mitte Mai vor sich herschiebt.

Aus DFB-Sicht ist die Lage geordnet. Aus journalistischer Sicht ist sie immerhin so geordnet, dass der Bundestrainer am Freitagabend zum ersten Mal seit der Kaderbekanntgabe ein hartes Personal-Statement abgeben muss.

Quellen und weiterführende Beiträge

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

Mehr aus DFB-Team