Ödegaard trifft Ancelotti wieder: Die Real-Madrid-Vergangenheit vor Brasilien gegen Norwegen
Vor Brasilien gegen Norwegen im WM-Achtelfinale trifft Martin Ödegaard auf Carlo Ancelotti - den Trainer, der ihn 2015 und 2021 bei Real Madrid nicht wollte.
Von Marco Feldmann 05. Juli 2026
Am Sonntag, 5. Juli 2026 um 22:00 MESZ treffen im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey, Brasilien und Norwegen im WM-Achtelfinale aufeinander - und mit ihnen zwei Protagonisten mit gemeinsamer, unangenehmer Vergangenheit. Auf der brasilianischen Seitenlinie steht Carlo Ancelotti, seit dem Fruehjahr 2025 Selecao-Chefcoach. Auf norwegischer Seite laeuft Martin Ödegaard als Kapitaen auf - der Spieler, den Ancelotti bei Real Madrid gleich zweimal beiseitegelassen hatte und in seinem Buch “Quiet Leadership” als reine PR-Verpflichtung des Klubs bezeichnete.
2015: Ein Debuet-Kurzeinsatz und ein Trainer-Aus
Am 22. Januar 2015 wechselte Martin Ödegaard als 16-Jaehriger vom norwegischen Erstligisten Stroemsgodset IF zu Real Madrid - Ablose kolportiert bei rund vier Millionen Euro. Der Norweger war zu diesem Zeitpunkt eines der meistgehypten Talente Europas; die Weltpresse lieferte sich Foto-Termine, die spanische Sport-Zeitung “Marca” schrieb ueber “el nino de los suenos” (das Traumkind).
Real-Trainer war Carlo Ancelotti, damals in seiner ersten Amtszeit (2013 bis 2015). Der Italiener verweigerte den Talent-Hype konsequent. Ödegaards Liga-Debuet fuer die erste Mannschaft datiert auf den 23. Mai 2015 - der 33. Spieltag, ein 7:3 gegen Getafe, Einwechslung in der 58. Minute fuer Cristiano Ronaldo. Es blieb die einzige Ancelotti-Ödegaard-Einsatzminute. Nur zwei Tage spaeter, am 25. Mai 2015, wurde Ancelotti entlassen. Ödegaard rutschte danach in Real Castilla (das B-Team) zurueck und begann eine mehrjaehrige Leih-Odyssee.
Ancelottis Buch: “Nur mit PR zu tun”
In seinem 2016 erschienenen Buch “Quiet Leadership” schrieb Ancelotti die Ödegaard-Passage, die bis heute in der Selecao-Norwegen-Berichterstattung zitiert wird. Kernaussage: Die Verpflichtung habe “nur mit PR zu tun” gehabt. In einem viel referenzierten Passus stellte der Italiener sinngemaess dar, selbst wenn Ödegaard der beste Spieler der Welt gewesen waere - es waere ihm egal gewesen.
Ancelotti dokumentierte in dem Buch ausserdem, dass Praesident Florentino Perez ihn angewiesen habe, Ödegaard mindestens dreimal einzusetzen. Ancelotti reduzierte den Auftrag auf einen einzigen Kurzeinsatz. Die Passage taucht in den norwegischen Medien - Verdens Gang, TV 2 - regelmaessig auf, wenn ueber Ödegaards Real-Vergangenheit gesprochen wird, und hat sich in die norwegische Fussball-Erinnerung gebrannt: Ancelotti ist der Trainer, der den Kronprinzen nicht wollte.
2021: Zweite Chance, keine Kader-Nominierung
Es blieb nicht bei der ersten Amtszeit. Nach Leihstationen in Heerenveen (2017/18), Vitesse Arnheim (2018/19), Real Sociedad (2019/20) und einem ersten Halbjahres-Loan bei Arsenal (Januar bis Mai 2021) kehrte Ödegaard im Sommer 2021 nach Madrid zurueck - genau in dem Moment, in dem Real Ancelotti zurueckholte. Der Italiener uebernahm seine zweite Amtszeit, und Ödegaards Perspektive verduesterte sich sofort: Am ersten Liga-Spieltag der Saison 2021/22 (gegen Alaves) tauchte der Norweger nicht einmal im 18er-Kader auf.
Zwei Wochen spaeter, Mitte August 2021, folgte der endgueltige Wechsel zu Arsenal - Ablose rund 35 Millionen Euro. Es war der zweite Ancelotti-Ödegaard-Verstoss innerhalb von sechs Jahren, dokumentiert und in London aufgenommen: Ödegaard kam in die Premier League; Ancelotti gewann mit Real drei Titel und blieb bis Fruehjahr 2025, ehe er die brasilianische Selecao uebernahm.
Der Norwegen-Kapitaen vom Emirates
Die Revanche laesst sich seither an Zahlen ablesen. Ödegaard, seit Beginn der Saison 2022/23 Arsenal-Kapitaen, hat in London eine der ansehnlichsten Karrieren des vergangenen Jahrzehnts hingelegt. In der Saison 2025/26 gewann er mit den Gunners die englische Meisterschaft; zusammen mit Bukayo Saka und Declan Rice bildet der 27-Jaehrige den offensiven Achsenpunkt der Klub-Mannschaft.
Bei der norwegischen Nationalmannschaft traegt Ödegaard die Kapitaens-Binde und die Rueckennummer 10 und fuehrt eine Elf an, die unter Trainer Stale Solbakken zum ersten Mal seit Frankreich 1998 in eine WM-Endrunde eingezogen war. Im Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinkueste am Freitag hatte er das norwegische Spiel dominiert - drei Chancen kreiert, eine Vorlage aufgelegt, ein taktisch entscheidendes 4:3:3-Zentrum verankert.
Achtelfinale im MetLife Stadium: Duell im Duell
Am Sonntag, 5. Juli 2026 pfeift Schiedsrichter Wilton Sampaio (Brasilien) die Partie im MetLife Stadium an - ausgerechnet ein brasilianischer Referee, was in Oslo bereits kritisch kommentiert wurde. Norwegen tritt kompakt an, mit Erling Haaland (Manchester City) vorne, Nusa und Berge auf den Aussen und Ödegaard als offensiver Zehner hinter dem Sturmzentrum. Brasilien, taktisch geplant um Bruno Guimaraes’ Vorlagen-Kompetenz und die Vinicius-Junior-Achse, geht als klarer Favorit ins Spiel.
Der Vorbericht mit dem Wetten-Tipp sieht Brasilien bei den Buchmachern zwischen 1,50 und 1,60, Norwegen um 6,00. Ödegaard und Ancelotti begegnen sich damit im Kontext eines sportlichen Favoriten-Rollen-Duells - der Trainer als Herausforderer der Norwegen-Ueberraschung, der Kapitaen als der Spieler, der beweisen soll, dass Ancelottis Buch-Urteil von 2016 auf einer verwaltenden Trainer-Perspektive beruhte, nicht auf einer sportlichen. Sieger-Aussicht: Der Sieger trifft am Freitag, 10. Juli 2026 im Viertelfinale in Dallas auf den Gewinner aus Mexiko gegen England.
Die Sportschau-Ueberschrift zum Duell fasst das Vorgeplaenkel treffend zusammen: “Man sieht sich immer zwei Mal.” Zwischen Ödegaard und Ancelotti sind es an diesem Sonntag Runde drei - mit umgedrehten Vorzeichen.
FAQ
Die vollstaendige Frage-Antwort-Uebersicht zu Ödegaards Real-Madrid-Vergangenheit unter Ancelotti und dem Achtelfinal-Duell findest du oben im Structured-Data-Block (FAQPage-Schema).
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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