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WM 2026

Neuendorf in Thessaloniki: 'Vertrauensverhaeltnis zu Infantino zerruettet' - DFB-Chef bricht Personal-Neutralitaet

DFB-Praesident Neuendorf sagt im RTL/ntv-Interview aus Thessaloniki, das Vertrauen zu Infantino sei zerruettet und das System FIFA muesse veraendert werden.

Von Die Redaktion 15. September 2026

Leipzig, 27. Mai 2026: DFB-Praesident Bernd Neuendorf am Rande des Conference-League-Finals Crystal Palace gegen Rayo Vallecano im Leipziger Stadion. Rund vier Monate spaeter erklaert Neuendorf am 15. September 2026 aus Thessaloniki das Vertrauensverhaeltnis zu FIFA-Chef Gianni Infantino fuer zerruettet. Foto: SportImage. Foto: SportImage via SmartFrame

DFB-Praesident Bernd Neuendorf hat am 15. September 2026 am Rande der UEFA-Exekutivkomitee-Sitzung und der FIFA-Council-Tagung in Thessaloniki im Interview mit RTL und ntv die bisherige DFB-Neutralitaet in der Personal-Frage FIFA-Chef Gianni Infantino verlassen. Die zentralen Saetze der sportschau.de-Meldung mit Stand 15.09.2026 18:33 Uhr UTC: “Das Vertrauensverhaeltnis zu Gianni Infantino, zu dieser FIFA-Fuehrung ist natuerlich zerruettet.” Dazu die strukturelle Formulierung: “wie wir dieses System FIFA nachhaltig veraendern koennen.” Und das Anforderungs-Profil fuer einen moeglichen Gegen-Kandidaten in Rabat: “Wichtig ist, dass es eine integre Persoenlichkeit ist.” Die Aussagen fallen elf Wochen nach der Zehn-Milliarden-Institutionsposition und knapp zwei Wochen nach Watzkes DLF-Hoffnungs-Formel - und markieren die erste DFB-Praesidenten-eigene Personal-Ebene-Aussage in der Post-WM-Governance-Kaskade.

Neuendorfs Zitate im Wortlaut: RTL/ntv aus Thessaloniki

Die drei Kern-Zitate schaerfen sich in einer klaren Abstufung. Die Beziehungs-Ebene (“zerruettet”) setzt Neuendorf zuerst - der Begriff wiegt schwerer als jede Sach-Formulierung, weil er ein Arbeitsverhaeltnis von acht Jahren als beendet beschreibt. Neuendorf ist seit 2022 im Amt und hat im FIFA-Council mit Infantino zusammengearbeitet, ohne bisher persoenlich auf Distanz zu gehen. Die zweite Ebene ist die strukturelle: “wie wir dieses System FIFA nachhaltig veraendern koennen.” Das “wir” umfasst nach DFB-Diktion die europaeische Verbands-Familie, die dritte Ebene skizziert den Kandidaten-Anforderungs-Kern - “integre Persoenlichkeit”. Diese Formulierung ist inhaltlich neu, weil sie mit der impliziten Umkehrung arbeitet: Wenn der Gegenkandidat integer sein muss, ist der Amts-Inhaber es nicht.

Sportschau.de rahmt die Aussagen im Kontext der zeitgleich in Thessaloniki tagenden UEFA-Exekutive und des FIFA-Council. Die geografische Ueberschneidung der beiden Gremien in derselben Stadt bindet die Neuendorf-Aussage an die europaeische Front. Der DFB-Praesident spricht nicht aus Frankfurt, sondern aus dem UEFA-Umfeld heraus - ein Signal-Rahmen, der die institutionelle Distanz zur FIFA-Fuehrung ueber die Wortwahl hinaus visuell und geografisch unterlegt.

Vom “ueberaus bedenklich” zum “zerruettet”: die DFB-Ebenen-Verschiebung

Die Neuendorf-Aussage laesst sich nur in der Abfolge der bisherigen DFB-Positionierungen richtig einordnen. Am 29. Juli 2026 hatte der DFB-Praesident im Rahmen des Sport-Business-Kongresses Spobis in Hamburg mit “ueberaus bedenklich” seine erste institutionelle Antwort auf den FIFA-Investoren-Plan mit Thrive Capital formuliert. Der Kern-Vorwurf war damals prozedural: die Umgehung des FIFA-Councils und der Vize-Praesidenten in der Investoren-Plan-Vorbereitung. Watzke ergaenzte diese Institution-Position um den Satz “absoluter Angriff auf den Fussball”.

Sieben Wochen spaeter, am 2. September, brach Watzke im Deutschlandfunk-Sportgespraech die persoenliche Neutralitaet mit der Hoffnungs-Formel “Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert”. Wichtig war dabei die Rollen-Rahmung: Watzke sprach als DFB-Aufsichtsratsvorsitzender und UEFA-Exekutiv-Mitglied, nicht als Praesident. Die formale DFB-Institutions-Position blieb damit unangetastet.

Die Thessaloniki-Aussage vom 15. September verschiebt diese Rollen-Grenze. Neuendorf ist DFB-Praesident, er spricht in dieser Funktion, und er benutzt die staerkste Vokabel des Governance-Vokabulars - “zerruettet”. Damit ist die zwei-Achsen-Positionierung des Sommers (Investoren-Front plus UEFA-Boykott-Resolution) um eine dritte Achse erweitert: die Personal-Front. Aus einer Sach-Kritik mit persoenlicher Zurueckhaltung wird eine Sach-Kritik plus formal-persoenliche DFB-Positionierung gegen den Amts-Inhaber.

Von Watzkes Hoffnungs-Formel zum Neuendorf-Personal-Bruch

Der Abstand von 13 Tagen zwischen dem Watzke-Interview am 2. September und der Neuendorf-Aussage am 15. September markiert die schnellste Kaskaden-Ebene der bisherigen Post-WM-Governance. Watzkes DLF-Formel “ich hoffe” hatte den Rueckzug an Infantino selbst delegiert und die DFB-Institutions-Ebene bewusst geschont. Neuendorf verzichtet auf diese Schutz-Formel. Sein “zerruettet” verlangt keine Reaktion Infantinos, sondern beschreibt einen Zustand, der bereits eingetreten ist. Das ist ein grammatikalischer Unterschied mit institutioneller Wirkung.

Zugleich hat die Neuendorf-Aussage ihre eigene politische Rahmung. Nach sportschau.de-Bericht haben zehn europaeische Fussball-Verbaende Infantino zuletzt die Unterstuetzung entzogen, zuletzt Frankreich (im Rahmen der FFF-Diallo-Ablehnung im ExCo) und Oesterreich. Der DFB hatte formal noch nicht zurueckgezogen und blieb in dieser Zaehl-Logik als grosser Verband auf der Neutralitaets-Seite. Neuendorfs Thessaloniki-Auftritt aendert diese Statistik nicht formal per Beschluss-Papier, aber er entzieht dem Amts-Inhaber die persoenliche Rueckendeckung des DFB-Praesidenten - eine faktische Zurueckziehung der Unterstuetzung.

UEFA-Fahrplan Berlin 8./9. Oktober und Rabat 18. Maerz 2027

Neuendorfs Zeit-Rahmen ist explizit: die UEFA werde die Kandidaten-Frage mit einer koordinierten Positionierung bis zum 18. November 2026 - dem Bewerbungsschluss fuer die FIFA-Wahl in Rabat - beantworten. Als Weichenstellung nennt der sportschau.de-Text die UEFA-Sitzungen am 8. und 9. Oktober 2026 in Berlin. Berlin ist damit die naechste institutionelle Etappe der Anti-Infantino-Koalition. Nach den Nyon-Beschluessen vom 30. Juli und der Monaco-Konvergenz vom 27./28. August waere Berlin die dritte grosse UEFA-Etappe der Post-Krisen-Phase.

Fuer die Kandidaten-Findung ist die Ceferin-Absage weiterhin das strukturelle Problem der Anti-Infantino-Seite. UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hatte am 24. August im Podcast The Rest Is Politics Leading eine eigene Kandidatur ausgeschlossen; der institutionell staerkste Gegen-Kandidat steht damit nicht zur Verfuegung. Neuendorfs Anforderung “integre Persoenlichkeit” wird die Kandidaten-Findung praegen, ohne dass bislang ein konkreter Name auf dem Berlin-Tisch liegt. Die KNVB-Reform-Plattform aus Amsterdam bietet die inhaltliche Vor-Arbeit, die Personal-Frage bleibt offen.

Die Rabat-Wahl selbst findet am 18. Maerz 2027 statt. Kandidaten brauchen mindestens fuenf Unterstuetzer-Verbaende. Zwischen dem 18. November 2026 (Bewerbungsschluss) und dem 18. Maerz 2027 liegen vier Monate Vorwahlkampf, in denen die UEFA-Reform-Agenda gegen die Infantino-Kampagne antritt - mit einer 106-von-211-Kongress-Mehrheit als arithmetischem Zielwert.

Wo Neuendorf in der europaeischen Anti-Infantino-Front steht

Der Neuendorf-Vorstoss vom 15. September ist die fuenfte Saeule der europaeischen Anti-Infantino-Kampagne. Erste Saeule war die UEFA-Justiz-Spur mit der Strafanzeige nach Schweizer Artikel 158, die die UEFA-Exekutive am 27. August in Monaco autorisiert hat - Vorwurf der ungetreuen Geschaeftsbesorgung, bis zu fuenf Jahre Freiheitsstrafe. Zweite Saeule war die nordische Achse aus Schweden, Norwegen, Daenemark, Finnland und Island mit der Governance-Review-Forderung vom 24. August.

Dritte Saeule war der KNVB-Reformbrief mit Amsterdam-Zukunftsgipfel, vierte Saeule die Watzke-Personal-Positionierung vom 2. September. Fuenfte Saeule ist jetzt die Neuendorf-Aussage aus Thessaloniki. Erst mit dieser fuenften Saeule steht ein amtierender europaeischer Verbands-Praesident der DFB-Groessenordnung offen mit einer Personal-Erwartung im Feld.

Auf der Pro-Infantino-Seite bleibt die Koalition aus Argentinien, Mexiko, Marokko und Katar mit koordiniertem Support intakt. Die wortgleichen Instagram-Posts von Alejandro Dominguez, Fatma Samoura und Patrice Motsepe markierten Ende Juli die suedamerikanische und afrikanische Rueckendeckung. Die FIFA-Dementi-Linie gegen die Marokko-2030-Finale-Anspruche vom 11. September wies zuletzt auf eine differenzierte Marokko-FIFA-Beziehung hin, die die Koalition intern lebendig hielt.

Kalenderrahmen: 17.09. Klopp-Kaderansage, 18.11. Bewerbungsfrist, 18.03. Rabat-Wahl

Die Thessaloniki-Aussage faellt in ein enges DFB-Fenster. Zwei Tage nach dem Neuendorf-Interview, am 17. September 2026, wird Bundestrainer Juergen Klopp im DFB-Campus Frankfurt seinen ersten Kader fuer die vier Nations-League-Herbst-Partien vom 24. September bis 4. Oktober bekannt geben. Sportlich beginnt damit die konkrete Post-WM-Neuaufstellung, waehrend die politische Governance-Positionierung parallel in Berlin und Rabat entschieden wird.

Zwischen der Neuendorf-Aussage und dem Bewerbungsschluss in Rabat am 18. November 2026 liegen 64 Tage. In diesem Fenster muss die Anti-Infantino-Koalition den Kandidaten benennen, die fuenf Unterstuetzer-Verbaende registrieren und die Reform-Agenda formal binden. Bis zur Wahl am 18. Maerz 2027 verbleiben 184 Tage - der Vorwahlkampf-Rahmen, in dem sich die Neuendorf-Formel “integre Persoenlichkeit” in eine konkrete Personal-Entscheidung uebersetzen muss. Fuer den DFB ist der 15. September damit der Tag, an dem Chapter 39 der Post-WM-Governance-Kaskade auf die naechste Ebene gehoben wurde - von der Sach-Kritik ueber die Watzke-Person auf die Neuendorf-Institution.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

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