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WM-Geschichte

Lukas Podolski beendet Karriere: Abschied eines Weltmeisters - drei Wochen vor der WM 2026

Lukas Podolski beendet mit 40 Jahren seine Karriere. Der Weltmeister von 2014 spielt am Samstag sein letztes Spiel für Górnik Zabrze - kurz vor der WM 2026.

Von Lukas Brandt 22. Mai 2026

Lukas Podolski im DFB-Trikot beim Länderspiel Deutschland gegen Niederlande (3:0) in der Imtech Arena, Hamburg. Foto: imageBROKER/Uwe Kraft via SmartFrame

So, Feierabend: Lukas Podolski beendet im Alter von 40 Jahren seine aktive Karriere. Das hat der Weltmeister von 2014 am Freitagabend in einer Botschaft an seine Fans bekannt gegeben. Sein letztes Spiel bestreitet der gebürtige Gleiwitzer am Samstag, 23. Mai 2026, für Górnik Zabrze gegen Radomiak Radom in der polnischen Ekstraklasa. Knapp drei Wochen vor dem WM-Auftakt am 11. Juni in Mexiko-Stadt zieht damit einer der letzten aktiven Spieler aus der Generation, die in Brasilien den vierten Stern holte, den Schlussstrich.

”So, Feierabend” - die Ansage vom 22. Mai

“Ein Kapitel endet, eine neue Ära beginnt”, schrieb Podolski in seiner Erklärung, kurz darauf ergänzt um die kurze Formel, mit der er den Profifußball verabschiedet: “So, Feierabend.” Eine Inszenierung, die zu ihm passt - lakonisch, kölsch, ohne Pathos. Górnik Zabrze hatte das Karriereende am Freitag offiziell bestätigt. Am Samstag werden 24.000 Zuschauer im Stadion an der Roosevelta erwartet, der polnische Pokalsieger 2026 spielt zu Hause, und Podolski erhält eine Abschiedszeremonie vor dem Anpfiff.

Dass der Abschied in Polen stattfindet, ist kein Zufall. Podolski wurde am 4. Juni 1985 in Gleiwitz (Gliwice) geboren, übersiedelte 1987 mit seiner Familie nach Bergheim bei Köln und entschied sich später für das DFB-Trikot - eine Entscheidung, die in Polen lange diskutiert wurde. 2021 kehrte er schließlich nach Oberschlesien zurück, um seine Karriere bei Górnik Zabrze zu beenden - dem Verein, bei dem schon sein Vater einst als Profi spielte.

130 Länderspiele, 49 Tore: was Poldi für den DFB war

Die Zahlen ordnen den DFB-Karriereverlauf ein:

  • 130 Länderspiele (Rang vier der DFB-Allzeit-Liste, hinter Lothar Matthäus, Miroslav Klose und Thomas Müller)
  • 49 Tore (Rang drei hinter Klose und Gerd Müller; siehe Ewige WM-Torjägerliste)
  • 6 große Turniere als deutscher Nationalspieler (WM 2006, EM 2008, WM 2010, EM 2012, WM 2014, EM 2016)
  • Drittjüngster Spieler, der je 100 DFB-Länderspiele erreichte (mit 27 Jahren, 13 Tagen)

Sein Debüt gab Podolski am 6. Juni 2004 gegen Ungarn - mit 19 Jahren, ein halbes Jahr vor dem EM-Auftakt in Portugal. Sein vorerst letztes Länderspiel war das Abschiedsspiel am 22. März 2017 in Dortmund gegen England, in dem er kurz vor Schluss mit einem Schuss aus 25 Metern das 1:0 erzielte und vom Platz getragen wurde. Dazwischen lagen 13 Jahre, in denen kaum ein Bundestrainer auf ihn verzichtete: Klinsmann, Löw, Bierhoff als Manager, und immer Podolski als gelernter Linksaußen mit dem Schuss, den niemand sonst in der Auswahl hatte.

WM 2014 in Brasilien - Podolskis vierter Stern

Bei der WM 2014 in Brasilien gehörte Podolski zum Kader, der unter Joachim Löw nach Rio fuhr. Er war Joker, keiner der Stammelf, kam in vier Spielen zum Einsatz - aber er war dabei, als am 13. Juli im Maracana Mario Götze in der 113. Minute den Ball nach einer Schürrle-Flanke aus der Luft mit der Brust mitnahm und volley ins Tor von Sergio Romero schob. Argentinien war geschlagen, Deutschland Weltmeister, und Podolski stand auf dem Rasen, als die DFB-Auswahl den vierten Stern feierte - 24 Jahre nach Rom 1990 (siehe die vier deutschen WM-Titel).

Es war nicht sein erstes großes Turnier. 2006 bei der Heim-WM war er mit 21 Jahren bester junger Spieler des Turniers, traf zwei Tore gegen Schweden im Achtelfinale und holte mit Deutschland Platz drei. 2008 bei der EM in Österreich und der Schweiz war er ein Eckpfeiler des Teams, das das Finale gegen Spanien erreichte. 2010 erneut WM-Halbfinale (Platz drei). 2014 dann der Titel - das fehlende Stück seiner Sammlung.

Köln, Bayern, Arsenal, Asien, Polen: die Vereinsreise

Auf Vereinsebene durchlief Podolski ein Programm, wie es nur wenige deutsche Spieler hatten:

  • 1. FC Köln (2003-2006): Bundesliga-Debüt mit 18, in seiner ersten Saison zehn Tore in der zweiten Liga, danach Aufstieg und Sprung in die A-Nationalmannschaft.
  • FC Bayern München (2006-2009): Double-Sieger 2008 (Meisterschaft + Pokal), aber im Schatten der etablierten Offensive um Toni, Klose und Schweinsteiger.
  • 1. FC Köln (2009-2012): Rückkehr zum Heimatklub, Kapitän, Symbolfigur.
  • FC Arsenal (2012-2015): FA-Cup-Sieger 2014 (gegen Hull City), 31 Tore in 82 Spielen für die Gunners.
  • Galatasaray Istanbul (2015-2017): Türkischer Pokalsieger 2016.
  • Vissel Kobe (2017-2020): Japanischer Pokalsieger 2019, Mitspieler von Andrés Iniesta.
  • Antalyaspor (2020-2021): Rückkehr nach Europa.
  • Górnik Zabrze (2021-2026): Polnischer Pokalsieger 2026, Abschiedsklub.

In Summe mehr als 200 Pflichtspieltore über alle Stationen, der ARD-Rekord von 13 “Toren des Monats”, ein eigenes Imperium aus Dönerbuden, Eisdielen, einer Hallenliga und einer Modelinie. Podolski war nie nur Fußballer - er war eine Marke, in einer Zeit, in der Spieler erst lernen mussten, was das bedeutet.

Drei Wochen vor der WM 2026 - was bleibt von der Maracana-Generation

Mit Podolskis Abschied verschwindet ein weiterer aktiver Spieler der Weltmeister-Mannschaft von 2014 vom Profirasen. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Miroslav Klose, Mesut Özil, Sami Khedira, Roman Weidenfeller, Lukas Podolski - alle ehemaligen Weltmeister, alle nicht mehr aktiv. Mats Hummels und Jérôme Boateng stehen kurz vor dem Ende. Aktiv im DFB-Trikot bei der WM 2026 ist nur noch einer aus dem Rio-Kader: Manuel Neuer, 40 Jahre alt, gerade vom Pokalfinale gegen Stuttgart abgemeldet, die unbestrittene Nummer eins von Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Die Generationen, die Nagelsmann mit nach Nordamerika nimmt, sind andere: Florian Wirtz, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Karim Adeyemi, Lennart Karl. Spieler, die Brasilien 2014 nur im Fernsehen oder als Kinder gesehen haben. Was Podolski hinterlässt, ist die Erinnerung daran, wie der letzte WM-Titel zustande kam - mit einer Mischung aus deutscher Ordnung, brasilianischer Sommerhitze und Götzes Tor in der 113. Minute. Wenn die DFB-Auswahl am 14. Juni in Houston gegen Curaçao ins Turnier startet, wird Podolski von zu Hause aus zusehen. So, Feierabend.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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