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WM 2026

Queiroz nicht mehr Ghana-Trainer: Das kuriose Hin und Her der GFA

Carlos Queiroz ist nach nur vier Wochen Vertragsverlaengerung nicht mehr Ghana-Trainer. Timeline, Hintergrund und Nachfolger-Frage der GFA-Flip-Flop-Saga.

Von Marco Feldmann 01. Oktober 2026

Carlos Queiroz am 23. Juni 2026 im WM-Gruppen-L-Spiel England gegen Ghana. Drei Monate und einen Vertragsabschnitt spaeter ist der 73-Jaehrige nicht mehr Trainer der Black Stars. Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press. Foto: Zuma Press / Ulrik Pedersen via SmartFrame

Carlos Queiroz ist nicht mehr Trainer der ghanaischen Nationalmannschaft. Der kicker meldete am Donnerstagvormittag, 1. Oktober 2026, um 11:53 Uhr, dass der 73-jaehrige Portugiese von seinen Aufgaben entbunden wurde - nur knapp vier Wochen nach seiner oeffentlich inszenierten Vertragsverlaengerung in Accra am 2. September. Fuer die GFA, den ghanaischen Fussballverband, ist es die zweite Trennung von Queiroz innerhalb von drei Monaten. Fuer Beobachter ist es ein kurioses Hin und Her, das die Trainerfrage bei den Black Stars in einen Zustand bringt, den der kicker treffend eine “erneute Rolle rueckwaerts” nennt.

Die Timeline der Hin-und-Her-Saga

Der Verlauf laesst sich in sechs Daten erzaehlen. Am 13. April 2026 uebernahm Queiroz das Amt als Nachfolger von Otto Addo, der nach einer 0:1-Testspielniederlage gegen Deutschland in Stuttgart Ende Maerz entlassen worden war. Am 2. Juni nominierte Queiroz in Accra sein 26er-WM-Aufgebot, zu dem Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg zaehlte, waehrend Derrick Koehn (1. FC Union Berlin) und Ransford-Yeboah Koenigsdoerffer (1. FSV Mainz 05) ausserhalb der Liste blieben. Die WM-Vorrunde in Gruppe L endete mit vier Punkten als bester Dritter: 1:0 gegen Panama in Toronto (das Spiel, in dem Queiroz zum aeltesten WM-Sieg-Trainer der Geschichte wurde), 1:2 gegen Kroatien, 0:0 gegen England. Im Sechzehntelfinale am 3. Juli unterlag Ghana Kolumbien im GEHA Field at Arrowhead in Kansas City mit 0:1 - einziger Torschuetze: Jhon Arias in der 14. Minute nach Vorlage von Luis Suarez.

Nach dem Ausscheiden kuendigte Queiroz seinen Rueckzug an. Rund acht Wochen spaeter, am 2. September 2026, folgte dann die Kehrtwende: Die GFA stellte den Portugiesen in Accra erneut vor, verlaengerte seinen Vertrag und begruendete das mit “Stabilitaet im Umbruch”. Vier Wochen spaeter, am 1. Oktober, ist auch dieser Vertragsabschnitt beendet. Konkrete Gruende hat der Verband bis Donnerstagvormittag nicht genannt. In Accra zirkulieren Berichte ueber Konflikte mit dem GFA-Praesidium ueber die Trainingsausrichtung in der neuen Afrika-Cup-Qualifikationsrunde und ueber die Besetzung der Co-Trainer-Stellen.

Vorrunden-Zweiter plus Sechzehntelfinal-Aus

Sportlich war Queiroz’ Bilanz bei Ghana ambivalent. Mit vier Punkten als dritter Platz in Gruppe L war die Vorrunde die beste ghanaische WM-Vorrunde seit 2010 in Suedafrika; die Sechzehntelfinal-Teilnahme war die erste WM-K.-o.-Runde fuer die Black Stars seit dem Viertelfinal-Aus gegen Uruguay vor sechzehn Jahren, als Luis Suarez den Elfmeter-Krimi mit seinem Handspiel auf der Linie entschied. In der Vorrundenpartie gegen Panama in Toronto brachte Queiroz zudem einen Weltrekord zuwege, der ihm im kollektiven Fussballgedaechtnis bleiben wird: der aelteste Trainer, der jemals ein WM-Spiel als Chefcoach gewonnen hat.

Gegen Kolumbien in Kansas City war das Team dann allerdings auch ein Spielball der Diaz-Arias-Achse. Nach kicker-Wertung hatten die Cafeteros 22 Torabschluesse gegenueber vier der Black Stars; der ghanaische Torwart Lawrence Ati-Zigi vom FC St. Gallen hatte an diesem Juli-Abend seinen besten Karriere-Auftritt. Queiroz sagte nach dem Spiel, sein Team komme gegen die kolumbianische Ballzirkulation zu spaet in die Zweikaempfe; der Fortschritt zum WM-2022-Aus in der Vorrunde sei aber real. Dieses Zitat haengt heute wie ein Vorbote ueber dem Oktober-Entscheid.

Der 73-jaehrige WM-Rekordhalter

Queiroz’ Karriere als Nationaltrainer liest sich wie ein Reisefuehrer durch den Weltfussball. Portugal (zweimal), Iran (zweimal), Suedafrika, Kolumbien, Aegypten, Katar - und ab April 2026 Ghana. Vier WM-Endrunden hat er als Cheftrainer begleitet: 2010 in Suedafrika mit dem Iran-Vorlauf, 2014 in Brasilien mit dem Iran, 2018 in Russland mit dem Iran, 2026 mit Ghana. Dazwischen stand die Assistenten-Rolle unter Sir Alex Ferguson bei Manchester United zwischen 2002 und 2008, die ihn als Taktik-Lehrmeister ins kollektive Gedaechtnis des englischen Fussballs einschrieb. Der Rekord-Alterswert fuer einen WM-Sieg-Trainer (73 Jahre, 108 Tage) wird vermutlich eine Generation ueberdauern, bis ein neuer Jubilar bei einer WM 2030 oder 2034 ans Reissbrett tritt. Vorgaenger Otto Rehhagel hatte die Marke bei der WM 2010 in Suedafrika mit 71 Jahren und 317 Tagen als griechischer Nationaltrainer gesetzt.

Das September-Comeback: eine Ankuendigung ohne Deckung

Als die GFA Queiroz am 2. September erneut vorstellte, war der Tenor einhellig: Kontinuitaet nach einer messbar erfolgreichen WM-Teilnahme, keine neue Lernkurve fuer eine Afrika-Cup-Qualifikation in Marokko-Winter 2027. Die GFA pries das Modell “Weiter mit Queiroz” als pragmatische Loesung. Vier Wochen spaeter sieht die Ankuendigung dann wie ein Platzhalter aus. Woran die Zusammenarbeit konkret gescheitert ist, bleibt bis zum Vormittag des 1. Oktober offen; die Hauptspur in Accra verweist auf Streit ueber die Trainerstab-Besetzung und auf finanzielle Fragen rund um die vom GFA zugesagten Nachzahlungen aus der WM-Praemien-Ausschuettung. Die FIFA hatte das Preisgeld fuer die 48 Teilnehmer-Verbaende der WM 2026 im Vergleich zu Katar 2022 um rund 20 Prozent angehoben; wie die Verteilung zwischen Verband, Trainer- und Spielerstab vereinbart war, ist bei Afrika-Teams traditionell ein Konfliktpunkt.

Nachfolger-Spekulationen und die Addo-Blaupause

Wer das Amt interimistisch uebernimmt, hat die GFA am Donnerstagvormittag nicht benannt. Als wahrscheinlichste Zwischenloesung gilt U-23-Nationaltrainer Desmond Ofei (34), der schon im Juli nach dem WM-Aus kurzzeitig im Gespraech war. Mittelfristig kursieren in ghanaischen Medien die Namen Otto Addo (zweite Amtszeit), der Belgier Sven Vandenbroeck sowie der Deutsche Winfried Schaefer, der 2002 mit Kamerun den Afrika-Cup gewann und mit 82 Jahren weiter als Globetrotter-Trainer auftritt. Verifiziert ist davon noch nichts. Das Muster erinnert an das Trainer-Hin-und-Her bei Tunesien, wo Herve Renard die Nachfolge von Sabri Lamouchi uebernahm, und an die generelle Post-WM-Rotation auf den afrikanischen Nationaltrainer-Baenken.

Einordnung: Afrikas Post-WM-Trainer-Karussell

Der Oktober-Abbruch bei Queiroz passt in ein breiteres Muster. Nach der WM 2026 haben mehrere afrikanische Verbaende Trainerwechsel vorgenommen oder stehen vor welchen - Tunesien hat Lamouchi durch Renard ersetzt, Marokko streitet weiter ueber die Zukunft seines Trainers, auch Nigeria und die Elfenbeinkueste tragen Diskussionen oeffentlich aus. Die Volatilitaet ist dabei kein neues Phaenomen, sie ist Teil der afrikanischen Verbandskultur. Was die Queiroz-Episode heraushebt, ist das Tempo. Zwischen Vertragsverlaengerung und Vertragsende lagen 29 Tage. Wenn das die neue Taktgeschwindigkeit afrikanischer Nationaltrainer-Entscheidungen ist, dann wird die Afrika-Cup-Qualifikation 2026/27 ein merkwuerdiger Prozess mit viel personeller Fluktuation. Dass ausgerechnet ein Portugiese mit vier WM-Teilnahmen auf dem Trainer-Stuhl und einem gueltigen Weltrekord das Experimentierfeld dafuer wurde, ist das Nebenpointe des 1. Oktober 2026.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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