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WM 2026

Schweiz 1:1 gegen Australien: Xhaka hebt nach der WM-Generalprobe den Warnfinger

Die Nati spielt im letzten Test vor der WM 2026 nur 1:1 gegen Australien. Ndoye trifft, dann bricht die zweite Halbzeit ein - Xhaka fordert einen Wachruf.

Von Marco Feldmann 07. Juni 2026

Granit Xhaka im Nationaltrikot - der Schweizer Kapitän hat nach dem 1:1 gegen Australien in San Diego den Warnfinger gehoben (Foto: WM 2018, Achtelfinale gegen Schweden). Foto: WENN via SmartFrame

Eine Woche vor dem WM-Auftakt gegen Katar wollte die Schweiz im letzten Test ein Statement setzen. Sie kam mit einem 1:1 gegen Australien zurück, mit 75 Prozent Ballbesitz auf dem Datenblatt und mit einem Kapitän, der nach dem Schlusspfiff keine Lust auf Schönrederei hatte. Granit Xhakas Wortwahl im Snapdragon Stadium in San Diego war für Schweizer Verhältnisse drastisch. Der Tonfall der WM-Vorbereitung hat sich an einem Spätsommer-Abend in Kalifornien gedreht.

Das Spiel in Zahlen

DatumEndstandToreStadionZuschauer
Samstag, 6. Juni 2026Schweiz 1:1 Australien1:0 Ndoye (14.), 1:1 Yengi (56.)Snapdragon Stadium, San Diego6.107

Murat Yakin hatte am Tag vor dem Spiel Probleme mit der Aufstellung. Breel Embolo, der etatmässige Mittelstürmer, war wegen einer Visa-Verzögerung erst am Freitag zur Mannschaft gestossen und blieb in der Trainingsbasis in Los Angeles. Ruben Vargas fiel kurzfristig mit muskulären Problemen aus. Yakin stellte sein Team im 4-2-3-1 auf:

Schweiz: Kobel; Widmer, Akanji, Elvedi, Rodriguez; Freuler, Xhaka; Aebischer, Manzambi, Ndoye; Amdouni

Zeki Amdouni begann in der Spitze, Noah Manzambi spielte hinter dem Stürmer als zentrale Acht. Die Aufstellung war ein Notfall-Profil - aber das ist die Schweiz spätestens seit der EM 2024 gewohnt.

Ndoye trifft, dann zerfällt die Statik

Es waren genau 14 gute Minuten, die Yakin in Cleveland zwei Kontinente weiter bei seinen Bundestrainer-Kollegen mit Wohlwollen registriert hat. Xhaka legte sich an der Strafraumkante einen Ball auf, sah die Aussenbahn frei, spielte einen halbhohen Pass durch die australische Innenverteidigung. Dan Ndoye, im Sprint zwischen die Kette gestartet, nahm den Ball mit der Brust an und schoss ins lange Eck. 14. Minute, 1:0 - die einzige Variante, die in der ersten Halbzeit funktionierte, war die: Xhaka als Spielmacher, Ndoye als Vollstrecker, Kobel als Versicherungsschein im Tor.

Bis zur Pause hätte die Schweiz auf 3:0 stellen können. Ndoye verzog freistehend (8.), Amdouni kam in der 28. Minute aus halbrechter Position ins Eck, sein Schuss klatschte am Innenpfosten ab. “In der ersten Halbzeit müssen wir vier Tore machen”, wird Xhaka später sagen. Was er nicht sagt: Die Linie der australischen Innenverteidigung war eine Einladung, und die Schweiz hat dreimal die Hausnummer falsch geklingelt.

Nach der Pause kippte die Partie ohne erkennbaren Grund. Yakin wechselte zur 46. Minute zweimal, der Rhythmus brach, Australien kam erst zu einer Halbchance durch Aaron Mooy, dann zur grossen Möglichkeit. In der 49. Minute traf Nestory Irankunda nach einem Konter über rechts den Pfosten - ein Lattenkracher, der Warnung sein sollte. Sieben Minuten später schlug der lange Ball ein. Akanji kam zu spät, Tete Yengi (FC St. Pauli) lief frei aufs Tor zu und vollendete bei seinem Debüt zum 1:1. Es war Yengis erster Ballkontakt im A-Trikot Australiens.

Xhakas Wachruf - “Wir müssen aufwachen”

Nach der Partie stand Xhaka am Mikrofon und liess die diplomatische Kapitäns-Floskel weg. Im Wortlaut, vom kicker, von nau.ch und vom Badener Tagblatt übereinstimmend wiedergegeben:

“In der ersten Halbzeit müssen wir vier Tore machen. Einiges war nicht gut in dieser Woche. Und dann tritt man auch so auf, wie wir aufgetreten sind. Ich habe gelernt, dass ich nicht zu viel sagen darf. Aber wenn wir an der WM so auftreten wie gegen Australien, fahren wir nach drei Spielen nach Hause. Wir müssen aufwachen. Es wäre falsch, zu glauben, wir schaffen diese Gruppe easy. Dieses 1:1 gegen Australien sollte ein Wachruf sein.”

Der Kapitän ist in der Schweiz dafür bekannt, dass er nach Niederlagen wütend wird, nach Unentschieden aber selten so deutlich. Dass er in San Diego das Wort “Wachruf” gleich zweimal benutzte, ist ein bewusstes Signal an die Mannschaft - und an einen Trainer, der nach einer durchwachsenen Vorbereitung Antworten braucht.

Yakin reagierte am Mikrofon zurückhaltender. Er nannte das Resultat “nicht das, was wir wollten”, verteidigte aber den Aufbau der Mannschaft mit der Aussicht auf Embolos Rückkehr und Vargas’ Genesung. Auf die Frage, ob das Team in den USA bereit sei, antwortete er mit dem für ihn typischen Halbsatz, dass die Mannschaft “in der Findung” sei.

Was Embolo fehlt - und Amdouni nicht ersetzt

Die Generalprobe hat ein Strukturproblem offengelegt, das in Gruppe B teuer werden kann. Amdouni ist ein guter Tiefenläufer, aber kein Zielspieler. Wo Embolo Bälle behauptet, das Spiel verzögert und die Aussenbahnen anbindet, verliert Amdouni schon im Aufbau Zweikämpfe. Manzambi spielte hinter ihm eine gefällige erste Halbzeit, drang vereinzelt in den Strafraum ein - aber ohne Embolo als Anspielstation in der Spitze fehlte der Mannschaft das Druckventil. Die zweite Halbzeit verlief deshalb so passiv, wie sie verlief: kein Stürmer hält den Ball, kein Mittelfeld hat eine Zielzone, die Aussenbahnen werden zu Anfangsfragen statt zu Endlösungen.

Embolo soll am Montag im vollen Mannschaftstraining stehen. Eine ESTA-Bewilligung für die USA hat er nach der Visa-Annullierung am Freitag offiziell erhalten. Sein Comeback in der Startelf ist gegen Katar Pflicht, nicht Option.

Sieben Tage bis Katar - was die Nati noch hat

Die Schweiz fliegt am Dienstag von Los Angeles nach San Francisco. Im Levi’s Stadium in Santa Clara bestreitet das Yakin-Team am 13. Juni um 21:00 Uhr MESZ den Auftakt gegen Katar - der Gegner aus Asien ist auf dem Papier der schwächste Gruppen-Vertreter, hat in der Vorbereitung aber zwei Mal in Algerien gewonnen. Es folgen Bosnien-Herzegowina (18. Juni in Los Angeles) und Gastgeber Kanada (24. Juni in Vancouver).

Sieben Tage, um die zweite Halbzeit aus San Diego zu vergessen. Sieben Tage, um Embolo zurück in den Rhythmus zu bringen. Sieben Tage, um Yakin und Xhaka auf die gleiche Linie zu bringen, was die Aussenbahnen leisten müssen. Xhakas Wachruf war nicht der schwierigere Teil des Wochenendes. Der schwierigere Teil beginnt jetzt - und die Schweizer Chancen in Gruppe B hängen sechs Tage davor an einer Generalprobe, die mehr Fragen als Antworten hinterlassen hat.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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