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WM 2026

Senegals Verband entlässt Trainer Pape Thiaw und den kompletten Stab - Vieira als Wunschkandidat

Senegals FSF trennt sich nach dem 2:3-nV-R32-Aus gegen Belgien von Trainer Thiaw und dem kompletten Stab. L'Equipe nennt Patrick Vieira als Wunschkandidat.

Von Marco Feldmann 12. Juli 2026

Pape Thiaw beim WM-Gruppenspiel Senegal gegen Norwegen am 22. Juni 2026 im MetLife Stadium in East Rutherford. Drei Wochen später endet seine Amtszeit mit der Entlassung durch die FSF (Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die Fédération Sénégalaise de Football (FSF) hat sich am Sonntag, dem 12. Juli 2026, von Cheftrainer Pape Bouna Thiaw und dem kompletten technischen Stab getrennt. Es ist die härtestmögliche Verbandsantwort auf das WM-Turnier in Nordamerika: Nach dem 2:3-nV-Aus im Sechzehntelfinale gegen Belgien und der eigenen Petition mit über 35.000 Unterschriften stellt der Verband den Cheftrainer und dessen Assistenten frei - und beginnt die Suche nach dem Nachfolger. Die französische Sporttageszeitung L’Equipe meldete am 12. Juli, dass Patrick Vieira der Wunschkandidat der FSF für die Nachfolge sei; der Weltmeister von 1998 ist in Dakar geboren und wanderte als Kind nach Frankreich aus.

Vom AFCON-Titel zur R32-Bilanz - der Weg zur Verbandsentscheidung

Der Bruch war absehbar. Als Thiaw am 13. Dezember 2024 von der FSF nach der Amtszeit von Aliou Cissé vom Interims- zum Cheftrainerposten befördert worden war, galt der Ex-Stürmer als leiser, aber pragmatischer Übergangs-Coach mit klarem Auftrag: Qualifikation zur WM 2026 sicherstellen, den 2022er-CAF-Champion-Kern nicht zerlegen und den Afrika-Cup 2025 unfallfrei durchstehen. In der Qualifikation ging der Plan auf - Senegal löste das WM-Ticket auf dem letzten Spieltag, mit dem Sadio-Mané-Elfmeter-Signal in Kinshasa. Im Januar 2026 folgte im marokkanischen Rabat das große Kapitel: Senegal gewann den Afrika-Cup mit einem 1:0-Finalsieg gegen Gastgeber Marokko - Thiaws erster Titel und der zweite AFCON-Triumph in der Geschichte des Verbandes.

Das Bild kippte in Nordamerika. In Gruppe I, mit Frankreich, Norwegen und dem Irak, waren die ersten zwei Auftritte enttäuschend: das 1:3 gegen Frankreich im MetLife Stadium am 16. Juni (Mendy-Ehrentor 73.), das 2:3 gegen Norwegen wieder in East Rutherford am 22. Juni (Haaland-Doppelpack als sportliche Wucht). Erst der abschließende 5:0-Sieg gegen den Irak in Toronto (Diarra-Doppelpack, Sarr, Pape-Gueye-Doppelpack, Iliman Ndiaye) rettete Senegal als bester Gruppendritter ins Sechzehntelfinale und lud den Turnierverlauf noch einmal mit Hoffnung. Die entscheidende Nacht folgte am 1. Juli in Seattle. Gegen die belgischen Roten Teufel unter Rudi Garcia führten die Lions of Teranga in der 85. Minute mit 2:0, ließen die belgische Aufholjagd zu und verloren in der 117. Minute nach einem Elfmeter von Youri Tielemans mit 2:3 in der Verlängerung. Was folgte, war innerhalb weniger Stunden ein öffentlich sichtbarer Vertrauensverlust.

Petition, Gueye-Rückzug, Gehalts-Rückstand - die Vorgeschichte des Bruchs

In der Nacht auf den 2. Juli veröffentlichte Pape Gueye - Villarreal-Mittelfeldspieler und einer der zentralen Konstrukteure der Senegal-Achse - auf Instagram eine kurze Erklärung. Sein Rückzug aus der Nationalelf, “solange der aktuelle Stab im Amt bleibt”, war die erste öffentliche Spielerposition, die den Cheftrainer offen benannte. Gueye war beim 2:0-Zwischenstand gegen Belgien in der 66. Minute ausgewechselt worden - ein Wechsel, den er im Interview mit dem Hinweis “Ich war körperlich fit, aber der Trainer entscheidet, und das respektieren wir” kommentierte. Die Botschaft war eindeutig.

Parallel wuchs eine Online-Petition, die die Absetzung Thiaws und einen kompletten Stab-Umbau forderte, innerhalb weniger Tage auf über 35.000 Unterschriften. Die zentrale Kritik: eine als zu defensiv wahrgenommene Grundordnung gegen Belgien, die Wechsel-Reihenfolge nach der 2:0-Führung und generell die tiefe Ballbesitz-Zeitverschwendung ab der 70. Minute. Marokkanische, senegalesische und internationale Medien rahmten die Petitionswelle sportlich, aber unter der Oberfläche gab es einen zweiten Kontext: Thiaw war seit über fünf Monaten unbezahlt, sein Vertrag mit der FSF war bereits abgelaufen. Die Verbandsspitze hatte den Vertrag zur WM stillschweigend verlängert, ohne über die Konditionen eine formale Einigung zu erzielen - eine Konstellation, die den Cheftrainer in der öffentlichen Krisenwahrnehmung ohne Verhandlungsposition zurückließ.

Dazu kam die Erblast aus dem Afrika-Cup-Finale 2025: Die CAF hatte Thiaw wegen des Team-Walk-Off in Rabat mit fünf Spielen Sperre und einer Strafe von 100.000 US-Dollar belegt. Die Sperre sollte in den Länderspielen im September 2026 wirksam werden - ein Termin, den die FSF mit der Entscheidung vom 12. Juli sportlich wie disziplinarisch neu ordnen wollte. Die Entlassung des Cheftrainers zieht die Kollektiv-Verantwortung auf den technischen Stab - Athletiktrainer, Torwarttrainer und Sportkoordinator - und erlaubt der Verbandsspitze, den Umbau als frisches Blatt zu kommunizieren.

Patrick Vieira - der Dakar-Wunschkandidat aus dem L’Equipe-Report

L’Equipe meldete am 12. Juli, dass die FSF an Patrick Vieira herangetreten sei. Vieira, geboren am 23. Juni 1976 in Dakar, verließ die senegalesische Hauptstadt im Alter von acht Jahren und wuchs in Trappes bei Paris auf. Als Mittelfeldspieler wurde er 1998 in Saint-Denis Weltmeister und 2000 in Rotterdam Europameister - Mitglied der französischen Achse Deschamps-Vieira-Zidane, die für zwei Turnier-Titel in Serie stand. Nach seiner aktiven Karriere übernahm Vieira zunächst New York City FC, danach Nice und Crystal Palace und arbeitet aktuell in der Serie A. Für die FSF ist die Dakar-Wurzel der symbolische Anknüpfungspunkt - für Vieira die Möglichkeit, im Nationaltrainerberuf mit einer Endrunden-Perspektive einzusteigen.

Die Sondierung ist offen. Bis zum späten Abend des 12. Juli hatte weder Vieiras Umfeld noch die FSF eine Vereinbarung bestätigt. Als weitere Kandidaten kursieren in französischen und afrikanischen Redaktionen einheimische Ligue-Sénégalaise-1-Trainer sowie internationale Coaches mit CAF-Vergangenheit; Namen aus den offiziellen Kreisen wurden am ersten Verhandlungstag nicht bestätigt. Die Verbandsstrategie ist ein Signal-Wechsel - nicht die schnelle Reinnahme eines internen Übergangs, sondern eine externe Neubesetzung mit sportlichem Marker.

Der Kontext-Blick auf die Turnier-Trainerentlassungen der WM 2026 zeigt die Dimension. In Mexiko trat Javier Aguirre nach dem 2:3 gegen England zurück und Rafael Márquez übernahm wie geplant. In Brasilien hatte Ednaldo Rodrigues Carlo Ancelotti im Amt bestätigt, Umbruch soll ohne Trainerwechsel laufen. Der senegalesische Weg - vollständige Trennung von Cheftrainer und Stab bei laufender Suche nach einem externen Wunschkandidaten - ist der härteste Schnitt unter den nach dem Turnier reagierenden CAF- und CONCACAF-Verbänden.

Was jetzt kommt - AFCON 2027 und der Zyklus für den neuen Chef

Der Kalender liegt eng. Die ersten offiziellen Länderspieltermine unter neuer Verantwortung sind die CAF-Testphasen im September 2026, danach die WM-Qualifikations-Ausklang-Runden im Herbst und ab November die Vorbereitung auf den Afrika-Cup 2027, ausgerichtet in Kenia, Tansania und Uganda. Senegal reist als Titelverteidiger in die Endrunde 2027, was den Handlungsdruck auf die FSF erhöht, aber auch eine strukturelle Chance eröffnet: Der neue Cheftrainer erbt einen Kern, der 2022 in Kamerun und 2025 in Marokko den Titel gewann und in Nordamerika trotz der frühen Niederlagen keinen sportlichen Kollaps hatte.

Auf der Kader-Seite wartet ein Übergang. Sadio Mané (34, Al-Nassr) und Idrissa Gueye (36, Everton) stehen wahrscheinlich am Ende ihrer Nationalmannschaftskarrieren, Torhüter Edouard Mendy (34, Al-Ahli) hat die WM 2026 mit gemischter Bilanz beendet, im Sechzehntelfinale gegen Belgien wurde er in der 66. Minute nach einem Fehler durch Mory Diaw ersetzt - ein Wechsel, der auch die Torwart-Zukunft neu ordnet. Auf der jungen Seite stehen Habib Diarra (22, Strasbourg), Ismaïla Sarr (28, Crystal Palace), Iliman Ndiaye (26, Everton), Nicolas Jackson (25, Chelsea) und der 18-jährige Bara Sapoko Ndiaye (FC Bayern München) - für den Senegal-WM-2026-Kader das prägende Signal war die Bayern-Nominierung des Youngsters. Auf dieser Basis kann der Nachfolger eine Achse entwickeln, die 2027 verteidigt und 2030 in Marokko, Portugal und Spanien mit Ambition antritt.

Ein Blick über die Gruppen-I-Reise Senegals hinaus zeigt: Die Fédération hat sich schnell für den harten Schnitt entschieden. Sie erwartet nicht, dass ein Übergangsstab bis September durch den Kalender trägt, sondern will vor dem AFCON-2027-Auftakt eine klare sportliche Führung installieren. Das Zeitfenster für die Vieira-Verhandlungen oder die Entscheidung für einen anderen Kandidaten reicht damit realistisch bis Ende August. Und mit Blick auf die parallelen Verbandsberatungen in Frankfurt zwischen DFB und Jürgen Klopp über die Nagelsmann-Nachfolge - ebenfalls ein Post-WM-Aus-Umbruch - ergibt sich für die zweite Juli-Hälfte 2026 ein Bild, in dem gleich mehrere Nationalverbände nach dem Endrunden-Aus umbauen, ohne die eigenen Endrunden-Achsen zu opfern.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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